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Samstag, 06. Mai 2017

Sie hatte die Hosen an: Marlene Dietrich - fesche Lola, moderne Frau, Egoistin?

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Diese Augenbrauen! (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Diese Augenbrauen!

Diese Augenbrauen!

Dieser Mund!

Als vor 25 Jahren die Schauspielerin und Sängerin Marlene Dietrich in Paris starb, starb nicht nur eine ...

... der größten deutschen Legenden, sondern es ging ...

... auch eine Ära zu Ende.

Beerdigen ließ sich die Diva in ihrer Heimatstadt Berlin.

Auch dieses Jahr werden Fans und Offizielle an das Grab im beschaulichen Stadtteil Friedenau pilgern, um Blumen und Kränze für die Ehrenbürgerin niederzulegen.

Die Biografie der Dietrich dokumentiert die Geschichte Berlins, Deutschlands, eigentlich der westlichen Welt im 20. Jahrhundert wie keine andere: ...

... Dass sie, die Flüchtige, eine solche Auszeichnung wie die Ehrenbürgerschaft erhalten hat, ...

... kann nicht als selbstverständlich betrachtet werden, ...

... denn Deutschland hatte so seine Schwierigkeiten mit der Diva ...

... und umgekehrt.

Auch Berlin tat sich lange schwer mit dem Hollywood-Star.

Ihr politisches und soziales Engagement gegen das Nazi-Regime fand international deutlich früher eine Würdigung als in ihrem Heimatland, wo ihr Handeln bei vielen auf Unverständnis stieß. Sie sei nicht nur gegen Hitler aufgetreten, sondern auch gegen viele Millionen einfacher deutscher Soldaten, lautete die Argumentation.

Der Begriff der "Verräterin“ wird noch heute diskutiert.

Am 27. Dezember 1901 in Berlin-Schöneberg geboren, ...

... ging die Dietrich 1930 in die USA.

1939 wurde sie US-Bürgerin, ...

... und während des Zweiten Weltkriegs stellte sie sich klar auf die Seite der Alliierten.

Das verziehen die Nachkriegs-Deutschen der Diva lange nicht: ...

... Als sie 1960 in ihrer alten Heimat auftrat, ...

... wurde sie mit Schimpfreden und Schmähartikeln begrüßt.

Dabei sollten wir doch stolz sein auf einen internationalen Star.

Eine Frau, die überall auf der Welt ....

... Erfolge feierte.

Die Dietrich gehört mit ihrem Image des klassischen Vamps ...

... schließlich zu den großen Hollywood-Legenden.

Ihre verletzliche Seite zeigt sich aber in Aussagen wie diesen: "Das Theater war der einzige Ort, wo man schöne Texte und schöne Verse vortragen konnte wie die von Rilke, die mir das Herz brachen und doch zugleich auch wieder Mut machten."

Weltruhm hatte sie in dem deutschen Film "Der blaue Engel " ...

... in der Regie von Josef von Sternberg erlangt. Ein Dreh, der nicht frei von Spannungen war: "Es gab viele, die Sternberg für verrückt hielten, weil er mich engagierte. Sehen Sie, man fragt mich immer nach meinen Schauspieler-Kollegen von damals, aber schließlich war ich doch ein Nichts."

Sie spielt die fesche Lola, in die sich der ältere Lehrer Professor Immanuel Rath (Emil Jannings) verliebt, der daran zugrunde geht. Jannings lehnte die junge Darstellerin vom ersten bis zum letzten Drehtag ab - ihr Karrierestart war es trotzdem.

Mit Regisseur von Sternberg war sie 1930 auch in die USA gegangen. Sie nahm etliche Kilos ab und wurde zum Sexsymbol gestylt.

In Hollywood arbeitete sie mit Regisseuren wie Ernst Lubitsch, Billy Wilder, Fritz Lang oder Alfred Hitchcock, ...

... sie zeigte Vittorio de Sica, wie man eine Flinte hält, ...

... sie rieb sich an der sanften Wange von James Stewart, ...

... scherzte mit John Gilbert ...

... und demonstrierte Maurice Chevalier und Gary Cooper - und der ganzen Welt - dass auch eine Frau die Hosen anhaben kann.

Die Dietrich lernte und las mit Claude Rains und Van Geflin, ...

... sie zeigte den jungen Mädchen, was sexy ist, ...

... sie war ihren Fans gegenüber überhaupt nicht unnahbar, ...

... sondern eher kumpelhaft.

Diese Frau war ein Naturereignis ...

... und sowohl gestandene Männer wie Louis "Satchmo" Armstrong ...

... als auch jüngere Kolleginnen wie Hildegard Knef verfielen dem Charme der Diva.

Sie gilt bis heute als Symbol lasziver Weiblichkeit ...

... und kühler Verführung.

Es war ein schöner Frühlingstag, als sie in ihrer Pariser Wohnung starb.

Ihre letzten Jahre hatte Marlene Dietrich völlig zurückgezogen in ihrem Apartment in der Avenue Montaigne unweit der Seine gelebt.

Am 6. Mai 1992 ging die Meldung vom Tod der schon zu Lebzeiten zum Mythos gewordenen Schauspielerin aber wie ein Lauffeuer um die Welt.

Sie starb umgeben von Fotos ihrer Freunde, wie ihr Enkel Pierre Riva damals erzählte.

Wie es ihr letzter Wunsch war, wurde "die Dietrich" in weißer Seidenbluse und schwarzer Hose und Jacke in den Sarg gelegt.

Der schlichte Grabstein der Maria Magdalena Sieber, geborene Dietrich, trägt nur ihren Schriftzug "Marlene" mit den Lebensdaten und das von ihr ausgesuchte Zitat "Hier steh ich an den Marken meiner Tage" des Dichters Theodor Körner.

Nur wenige Meter von Dietrichs Grabstätte entfernt ist auch das Grab ihrer 1945 gestorbenen Mutter.

Wer heute etwas vom Glanz und Glamour dieses deutschen Weltstars sehen will, ...

... kann Teile des umfangreichen Dietrich-Nachlasses im Berliner Museum für Film und Fernsehen besichtigen.

Zur Marlene Dietrich Collection gehören rund 3000 Filmkostüme ...

... und private Kleidungsstücke, ...

... 400 Hüte ...

... sowie 130 Überseekoffer, Hutschachteln ...

... und Kosmetikkoffer.

Die Schauspielerin hinterließ allein 16.500 Fotos ...

... und 45.000 Blatt Korrespondenz.

In dem Film "Der Blaue Engel", ...

... der sie auf einen Schlag weltberühmt gemacht hatte, ...

... singt sie: ...

"Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt."

Die Männer jedenfalls spielten zeitlebens eine wichtige Rolle im Leben der Diva.

Sei es beruflicher, ...

... sei es privater Natur, ...

... immer fanden sich ...

... Männer, aber auch Frauen, ...

... die die Dietrich anhimmelten, ...

... verehrten, ...

... in ihrem Fahrwasser schwammen.

Ob da auch die richtige, wahre Liebe dabei war?

Schwer zu sagen.

Sie war nur einmal verheiratet - jedoch nicht mit Roddy McDowell (Foto), sondern ...

... mit Rudolf Sieber. Den Produktionsassistenten lernte sie Anfang der Zwanzigerjahre kennen; sie blieben über 50 Jahre lang verheiratet.

Mit ihm bekam sie 1924 ihr einziges Kind, Maria Elisabeth.

Marlene hütete ihre Tochter wie ihren Augapfel. Nach ihrer Auswanderung in die USA holte sie sie nach. Sie spielte mit ihr zusammen in "Die scharlachrote Kaiserin": Maria in der Kinderrolle, Marlene in der Rolle von Katharina der Großen als Erwachsene.

Maria heiratete in den USA den Bühnenbildner William Riva und nannte sich fortan nach ihm.

Sie schenkte ihrer Mutter mehrere Enkelkinder (nicht im Bild) ...

... und arbeitete immer wieder als Schauspielerin, vor allem jedoch am Theater.

Später wurde sie mehr oder weniger die einzige Bezugsperson ihrer Mutter, die - alkoholkrank und tablettensüchtig - niemanden mehr in ihrer Pariser Wohnung empfing.

Zurück zu den Männern: Es waren die Berühmten, ...

... wie Ernest Hemingway, die sich zu ihr hingezogen fühlten. Und umgekehrt. (Auf dem Foto mit dem italienischen Schauspieler Raf Vallone, 1960)

Mit Erich Maria Remarque (r.) soll sie "was gehabt haben" und auch mit Jean Gabin.

Ihr lasziver Blick mit dem schweren Lidschlag machte sie zwar zur Legende, täuschte jedoch: Wie ihre Tochter Maria der "Bunten" einmal verriet, habe ihre Mutter trotz ihrer vielen Liebhaber Sex gehasst.

"Aber jeder ihrer Liebhaber wollte sie zu seiner Ehefrau machen." Sie habe die Liebhaber ihrer Mutter immer bedauert.

So sehr Marlene ihre Tochter also geliebt haben muss - Maria scheint unter dem riesigen Schatten der Jahrhundert-Künstlerin gelitten zu haben.

1992 veröffentlichte sie eine Biografie über ihre kurz vorher verstorbene Mutter, die unter dem Titel "Meine Mutter Marlene" erschienen ist.

Das Buch erscheint dem Leser wie die Abrechnung einer Tochter, die auch heute noch im Schatten von Marlene Dietrich leben muss.

Übermächtig, ...

... omnipräsent ...

... und auch Jahrzehnte nach ihrem Tode ...

... ist Marlene Dietrich noch immer eine Ikone, ein Vorbild, für viele Schauspielerinnen und Frauen.

Zu ihren erfolgreichsten Filmen zählen ...

... "Herzen in Flammen" (1930), ...

..." Shanghai-Express" (1931), ...

... "Der Garten Allahs" (1936), ...

... und "Der große Bluff" (1939).

Während des Krieges sang der Star in US-amerikanischer Uniform vor US-Soldaten an der Front.

Als Gegnerin des Nationalsozialismus lehnte sie Filmangebote der Nazis konsequent ab.

Nach dem Zweiten Weltkrieg dann spielte sie große Charakterrollen, ...

... etwa in "Eine auswärtige Affäre" (1947/48) ...

... und "Zeugin der Anklage". Die Dietrich verkörpert in dem 1957 von Billy Wilder inszenierten Film die Figur der Christine Helm.

Für den Klassiker erhielt sie übrigens ihre einzige Oscar-Nominierung.

Mitte der 1930er-Jahre wurde sie neben Greta Garbo und Katharine Hepburn zum "Kassengift" erklärt. Aus der Sackgasse verhalf ihr ein Imagewandel, den sie im Film "Der Große Bluff" vollzog.

Von der unnahbaren Göttin wurde sie zur sich prügelnden Barfrau, die schlüpfrige Lieder zum Besten gibt.

Ihre zweite Karriere als Sängerin war somit begründet.

Mit rauchiger Stimme sang sie Lieder wie "Sag' mir wo die Blumen sind".

Sie arbeitete viel mit dem Komponisten Burt Bacharach zusammen.

Die Frau, die schon Jahrzehnte vor Angelina Jolie den Schlitz im Kleid zu ihren Gunsten nutzte, ....

... wurde oft ...

... kopiert ...

... und doch ...

... nie erreicht.

In den 1960er- und 1970er-Jahren zog sich Marlene Dietrich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück ...

.... und ließ sich nie mehr fotografieren: ...

... "Man hat mich zu Tode fotografiert", sagte sie.

Auf die Frage, ob sie sich ein Leben nach dem Tod vorstellen könne, ...

... antwortete "die Dietrich" im berühmt gewordenen Filmgespräch mit Maximilian Schell auf ihre schnoddrig-berlinische Art: ...

... "So ein Quatsch, fürchterlich. ...

... Da kann man doch nicht dran glauben, dass die alle rumfliegen da oben, ...

... gibt's ja nicht."

Als die Dietrich 1992 in Paris starb, war sie einsam, verschroben und arm.

Kontakt zur Außenwelt hatte sie nur noch über das Telefon - sie wollte nicht, dass man sie so sieht.

Die größte Schöpferin des "Mythos Marlene Dietrich" ...

... war somit Marlene Dietrich selbst.

Und der "Blaue Engel" lebt für immer weiter. (soe/dpa)

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