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Der Künstler provoziert in Mannheim: Meese - Schiller - Hitlergruß

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"Erleben Sie eine Nacht lang, wie Jonathan Meese Schiller auf der großen Schauspielbühne des Nationaltheaters tanzt", hieß es in der Ankündigung der 17. Internationalen Schillertage in Mannheim. (Foto: picture alliance / dpa)

"Erleben Sie eine Nacht lang, wie Jonathan Meese Schiller auf der großen Schauspielbühne des Nationaltheaters tanzt", hieß es in der Ankündigung der 17. Internationalen Schillertage in Mannheim.

"Erleben Sie eine Nacht lang, wie Jonathan Meese Schiller auf der großen Schauspielbühne des Nationaltheaters tanzt", hieß es in der Ankündigung der 17. Internationalen Schillertage in Mannheim.

"Jonathan Meese und Friedrich Schiller - es wurde höchste Zeit, dass diese beiden zusammentreffen", frohlockten die Veranstalter (Screenshot von deren Internetauftritt).

Woher sollten sie auch wissen, dass es in dem Solostück des Performance-Künstlers gar nicht um Schiller geht.

Stattdessen sorgt der 1970 in Tokio geborene Bildende Künstler, Bühnenbildner, Regisseur und Performer für einen Eklat.

Meese, gekleidet in einen schwarzen Trainingsanzug mit goldenen Streifen, zeigt in seiner 165-minütigen Vorführung unentwegt den Hitlergruß.

Er beschmiert auch eine Außerirdischen-Gummipuppe mit einem Hakenkreuz und deutet an, mit dieser Oral-Sex zu haben.

Zudem beschreit der Künstler das Ende der Demokratie.

Den Zuschauern ruft er zu, sie seien "Form-Fleisch-Menschenklone", die sich von "Demokratie-Terroristen" regieren ließen.

Währenddessen geht Meese unentwegt auf und ab und spielt immer wieder den Song "You" der Band Boytronic ein.

Wenn es Meese um den Skandal ging, war er äußerst erfolgreich: Das Publikum ergreift die Flucht. Drei Viertel der Zuschauer machen sich vor dem Ende davon.

Dabei war es wenig überraschend, dass Meese Symbole und Gesten der deutschen Vergangenheit verwendet.

Das macht er gerne und immer wieder - hier etwa in seinem Theaterregie-Debut "De Frau: Dr. Poundaddylein – Dr. Ezodysseusszeusuzur" in der Volksbühne Berlin. In Mannheim hieß das Stück "Generaltanz den Erzschiller".

Was zunächst gewöhnungsbedürftig klingt, reiht sich in die Namen anderer Werke Meeses ein: Die heißen "Erzreligion Blutlazarett", "Erzsöldner Richard Wagner", "Das Gruselkabinett des Dr. Erzmarx" (Bild) oder "Waffe".

Und auch die "Diktatur der Kunst", die Meese in Mannheim ausruft, ist keinesfalls ein neues Konzept. Schon mehrfach hat der Provokateur diese gefordert. Schließlich sieht er in ihr die einzige Alternative.

"Bei der 'Diktatur der Kunst' geht es um die liebevollste Herrschaft einer Sache", erklärte Meese einmal das Konzept. "Wie Liebe, Demut und Respekt, zusammengefasst und gipfelnd in der Herrschaft der Kunst."

Es gehe dabei nicht um das Machtgehabe des Künstlermenschen oder um die Machtfantasien von Selbstverwirklichern und Realitätsfanatisten, sagt Meese.

Die Kunst selbst stelle die Machtfrage Ihr gesteht er deshalb auch einen elitären Anspruch zu. Sich selbst bezeichnet er dagegen als "Ameise der Kunst".

Dieses Konzept verbreitet Meese in Performances, Bühnenbildern, Texten und Ausstellungen - und zwar äußerst erfolgreich.

Er gehört zu den bekanntesten deutschen Gegenwartskünstlern. 2016 dürfen sich auch die Besucher der Bayreuther Festspiele darauf freuen. Dann inszeniert er Wagners "Parsifal". Der Skandal ist programmiert.

Bis dahin dürfte auch klar sein, ob sich die Justiz mit dem Mannheimer Auftritt befasst. Denn einen Hitlergruß zeigt er nicht zum ersten Mal öffentlich. Erst im Juni hatte die Staatsanwaltschaft Kassel deshalb einen Strafbefehl gegen Meese erlassen. (Text: mli/mit dpa)

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