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"Ich schaffe hier ein Zeitzeugnis": Mehr als "Der Kanzlerfotograf" - Andreas Mühe

 
"Ich schaffe hier ein Zeitzeugnis": Mehr als "Der Kanzlerfotograf" - Andreas Mühe

Andreas Mühe, Selbstporträt. Mühe ist erst 30 Jahre alt und der kommende Star der deutschen Fotografie. In der Galerie CAMERA WORK in Berlin läuft derzeit seine "Werkschau 2". Die rund 40 teils großformatigen Arbeiten für die Ausstellung hat Mühes Mentor F.C. Gundlach eigenhändig ausgewählt und in den Räumen der Galerie arrangiert.

Ja, Mühe hat einen berühmten Vater. Er ist der Sohn des 2007 gestorbenen Schauspielers Ulrich Mühe. Doch daraus speist sich Mühes Popularität nicht. Es sind vor allem die Aufnahmen von Angela Merkel, die ihm den Stempel "Kanzlerfotograf" einbrachten. Dreimal hat Mühe die Kanzlerin bereits getroffen.

Auch das vielleicht beste Merkel-Bild Mühes ist in der Berliner Schau zu sehen: "Das Büro". Es ist das Arbeitszimmer Merkels im Kanzleramt. Die Hausherrin ist nicht da, obgleich nicht auszuschließen ist, dass sie in der nächsten Sekunde ins Zimmer tritt. Die Sonne lässt das Büro in klarem, weichem Licht erstrahlen. Ein kräftiges Spotlicht hat Mühe aber auf den Schreibtisch gerichtet - und so dem Bild ein Zentrum gegeben, in welchem das Abwesende raumfüllend wird.

"Der Lauf". Teil der Serie Prora von 2004. Die erste Arbeit, die seinem jetzigen Kurator Gundlach so gut gefiel, dass er sie kaufte.

2009 fotografierte Mühe im ehemaligen Olympischen Dorf von 1936 in Berlin. Es sind meist die Räume, die Mühe zu seinen Inszenierungen inspirieren. "Am Pferd".

"Dann geht es oft nur noch darum, die richtigen Protagonisten zu den Orten zu lotsen", erklärt Mühe. "Arthur Abraham"

"Springer 1", Aufnahme in der Schwimmhalle des Olympischen Dorfes und ein Paradebeispiel für den Einsatz von Licht und dem Spannungsbogen zwischen Körper und Raum. "Seine Bilder sind von einer den Sehnerv reizenden Klarheit und Strenge, die auf jeglichen Schnickschnack oder verschraubtes Getue verzichtet", schreibt Christof Kaldonek über Mühes Arbeiten.

"Krabat Jungs", eine Auftragsarbeit für ein großes Magazin.

Mühes Arbeiten werden immer wieder mit den Gemälden Edward Hoppers oder Caspar David Friedrichs verglichen: Unaufgeregt, durchkomponiert mit einem Hang zu Romantik und Verklärung. "Markus Lüpertz"

"Eibsee". Gundlach schwärmt von der "Stille" und "beeindruckenden Intensität" der Arbeiten Mühes, in denen das Bild des Menschen erst über die Räume, auf die sie sich einlassen müssen, entsteht.

In den letzten Jahren wählt Mühe immer wieder auch die Natur als Kulisse seiner Inszenierungen. "Obersalzberg"

"Riffelspitzen, Zugspitze", Aufnahme von 2009.

Mühes Handschrift wird inzwischen von anderen Fotografen kopiert. Nach anfänglichem Ärger sieht Mühe das Ganze sportlich - und zeigt in seinen Aufnahmen nun auch gleich, wie künstlich geschaffene Licht- und Raumachsen den Bildern die Handschrift geben. "Höllental, Zugspitze".

"Hospital". Hannah Herzsprung und Anna Maria Mühe, seine Schwester.

"Heiner und Céline Bastian". Mühe selbst versteht sich - bislang - in erster Linie nicht als Künstler. Er sei ganz klar ein angewandter Fotograf, der Geschichten zusammenpacke und dadurch etwas Neues forme.

Zum Abschluss Mühes derzeitiges Lieblingsbild, "Empfang Antonio Puri Purini" von 2009. Alles ist inszeniert und doch wirkt das Bild wie ein Schnappschuss. "Es hat einfach Spaß gemacht, dieses Bild mit diesen Personen so aufzubauen. Ich habe jetzt nicht gesagt, dass Frau Rau die Augen zumachen soll - das war Zufall -, aber alle sind von mir in Position gebracht worden und hatten genaue Anweisungen, was sie tun sollten. Es ist alles arrangiert."

Die "Werkschau 2" mit den Arbeiten Mühes ist noch bis zum 6. März 2010 in der Galerie CAMERA WORK in Berlin zu sehen. Weitere Infos unter http://www.camerawork.de/

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