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Jetzt mal als Erstes vorneweg: Der Film ist gut.
Ein bisschen ist es natürlich wie anno dazumal bei "Titanic" - es wird nicht gut enden. Und doch hofft man und bangt!
Hofft und bangt, dass es anders ausgehen wird. Vergebens. Und wenn Stauffenberg dann am Ende erschossen wird, ist man tief berührt und bewegt.
So wie der Hauptdarsteller: "Es war eine atemberaubende Erfahrung, genau an der Stelle zu stehen, wo diese Menschen ihr Leben riskiert haben."
Und beim Anziehen der deutschen Wehrmachtsuniform hatte er ein "mulmiges Gefühl", gibt er zu.
Es ist ein spannender Film, ein bewegender Film und er soll, so haben es Historiker und Kenner der Materie jedenfalls größtenteils bestätigt, ziemlich korrekt sein.
Nicht schlecht für Hollywood.
Es geht nicht nur um Bäng-Bumm-Bäng, ...
... und es ist auch keine kitschige Love-Story, ...
... sondern es ist die wahre Geschichte eines Mannes, der etwas tun wollte, um seinem Land zu dienen.
Er wollte Hitler umbringen.
Er hat es ein paar Mal versucht. (Foto: Die Wolfsschanze nach dem Attentat am 20. Juli 1944)
Es ist ihm nicht gelungen. (Foto: Hitler mit Mussolini kurz nach dem Attentat)
Hätte ein Attentat wirklich etwas verändert? Oder wäre ein "anderer" Hitler nachgewachsen?
Zurück zum Film: Stauffenberg hat versucht, ein guter Mensch zu sein.
Cruise hat versucht, ein guter Stauffenberg zu sein. Es hat funktioniert.
Trotz der großen Proteste während des Drehs wegen Cruises Zugehörigkeit zu den Scientologen ...
... und des Aufruhrs der deutschen "Denkmalschützer", die Angst davor hatten, dass Stauffenberg kommerzialisiert werden würde und ins falsche Licht gerückt werden könnte ...
... ist es Tom Cruise, diesem Strahlemann mit dem Hang zum großen Auftritt, gelungen, ...
... dem Grafen ein Denkmal zu setzen, das für einen Spielfilm dieses Kalibers nicht selbstverständlich ist.
Ein Enkel Stauffenbergs spielte mit (Philipp von Schulthess), der dem Hollywoodstar große Ernsthaftigkeit in der Auseinandersetzung mit dem Thema bescheinigte ...
... deutsche Schauspieler wie Christian Berkel ...
... oder Thomas Kretschmann betonten, wie angenehm die Zusammenarbeit mit Tom Cruise war.
Alles in allem eine schöne Arbeit.
Und nach den Querelen um Drehgenehmigungen für den historischen Ort "Bendler-Block" ist das bestimmt besonders gut zu hören ...
Eines hat der Film jetzt schon erreicht: Er hat in den ersten drei Wochen in den USA bereits 72 Millionen Dollar eingespielt.
So kann sich nun auch jeder Amerikaner in Kansas, Kentucky oder Kalifornien von einem gängigen Vorurteil verabschieden: Nämlich dem, dass alle Deutschen Nazis waren.
Dabei spielt Cruise den Stauffenberg nicht einfach als strahlenden Helden, sondern zeigt, in welchem Zwiespalt er sich befand.
Es wird auch nicht beschönigt, dass Stauffenberg nicht von Anfang an ein Hitler-Hasser war, sondern durchaus mit den Ideen und Auffassungen des Nazionalsozialismus sympathisierte.
Aber in Tunesien, wo er bei einem Angriff der Allierten fast sein Leben, zumindest aber eine Hand, eine Auge und zwei weitere Finger verliert, kommen ihm Zweifel am Sinn dieses Krieges.
Dort beginnt der Film und es ist nicht schwer nachzuvollziehen, was den Grafen zu seinen verschwörerischen Gedankengängen bewegte.
Dabei wirkt er energisch und überzeugend, drängt sich dabei kein bisschen in den Vordergrund.
Auf den Werdegang Stauffenbergs geht Regisseur Bryan Singer nicht großartig ein, aber das wollte er auch nicht.
"Es sollte keine Stauffenberg-Biographie werden, sondern ein Thriller, der das Thema "Hitler-Attentat" zum Inhalt hat und spannende Unterhaltung liefern möchte."
Auch die Liebesgeschichte des Ehepaares von Stauffenberg wird nicht unnötigt verkitscht. Nina, gespielt von Carice van Houten, bleibt dezent, liebend und klarsichtig.
Ihr ist bewusst, welch ein Risiko sie an der Seite eines Widerständlers eingeht.
Sie verschweigt sogar, dass sie schwanger ist: Ihr 4. Kind wird den Vater nicht mehr kennen lernen, denn Stauffenberg wird am 20. Juli 1944, noch am selben Tag des missglückten Attentats, erschossen.
Selbst als Stauffenberg seine Frau und die Kinder vor der großen Tat aus der Stadt schickt, wirken sie bei ihrer letzten Begegnung gefasst.
Carice van Houten ist übrigens die Freundin des Grimme-Preisträgers Sebastian Koch, der selbst schon den Stauffenberg gab ...
... und anfangs kritisch eingestellt, doch am Ende der Premiere voll des Lobes war!
Höhepunkt der Dreharbeiten waren für Cruise die Szenen im historischen Berliner Bendlerblock. Das merkt man dem Film an.
"Wir legten zum Schluss eine Gedenkminute ein, bei der ich Gänsehaut bekam."
Es gelingt dem Film und den Darstellern, die Atmosphäre der Bedrückung, der Anspannung, des "Die-Situation-nicht-mehr-Aushalten-Könnens" zu zeigen. Es wird klar, welch' riesige Logistik dahinter steckte, ein Hitler-Attentat zu planen.
An manchen Stellen des Films fragt man sich aber trotzdem, warum rammt er dem Diktator nicht einfach ein Messer in den Rücken, warum erschießt ihn keiner aus der zweiten Reihe?
Tatsächlich ist es so gewesen, dass niemand bereit war, sein Leben bei einem Attentat zu lassen. Diese Männer wollten nicht sterben. Dass sie ihren Mut letztendlich doch mit dem Leben bezahlen mussten, ist grausam.
Stauffenberg/ Cruise mit seiner im Krieg verlorenen linken Hand und den verbliebenen Fingern der rechten dabei zuzusehen, wie er versucht, die Bombe vorzubereiten, ...
... zu sehen, wie er in sein Verderben läuft, noch immer glaubend, dass Hitler bei dem von ihm durchgeführten Anschlag umgekommen ist und wie er dann in Berlin anfängt, ein Deutschland ohne Hitler zu organisieren, ...
... nichtahnend, dass der Tyrann wie ein Stehaufmännchen noch am selben Abend verkünden wird, dass "ärr" noch lebendig ist, ist ebenfalls grausam.
Und dass Tom Cruise dabei so authentisch wirkt, ist das Gegenteil von grausam.
Ganz neu-amerikanisch kann man also auf die Frage: "Kann ein bekennender amerikanischer Scientologe aus Hollywood einen deutschen Widerstandskämpfer spielen?" "Yes, he can!" antworten.
Das Ende - die Guten werden umgebracht, das Böse siegt, vorläufig - ist traurig, gar nicht "Hollywood", aber wahr.
Aber so war es ja auch bei der "Titanic" - bis zum Schluss hoffen wir. Vergebens.
Oscars gab's trotzdem.
Und das ist doch die Hauptsache.
Und noch ein Wort zu Tom und Katie: Die sind happy.
Vielleicht sogar wieder schwanger!
Deutsche Freunde des amerikanischen Paares wirken da sehr zuversichtlich. (Fotos: AP/ dpa/ 20th Century Fox; Text: S. Oelmann)
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