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Donnerstag, 04. Mai 2017

Der Charmeur des Hochadels: Prinz Philip wird zum Rentner

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Er gilt als großer Charmeur des europäischen Hochadels und ist bekannt für seinen bissigen Humor, ... (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Er gilt als großer Charmeur des europäischen Hochadels und ist bekannt für seinen bissigen Humor, ...

Er gilt als großer Charmeur des europäischen Hochadels und ist bekannt für seinen bissigen Humor, ...

... besser gesagt, seinen geradezu legendären Humor - den er an der einen oder anderen Stelle seiner Laufbahn ja auch gut gebrauchen konnte.

Zum letzten Mal so richtig in Flirt-Action hat man ihn bei der Hochzeit seines Enkels William mit Kate Middleton gesehen: ...

... Als der Gemahl der Königin und Brautjungfer Pippa bei der Hochzeit von Prinz William ungeniert miteinander flirteten, war nicht ganz klar, wer von beiden mutiger ist: ...

... Der betagte Queen-Ehemann Prinz Philip ...

... oder die gut 60 Jahre jüngere Pippa Middleton, der ja auch ein besonders guter Draht zu Philips Enkel Harry nachgesagt wird.

In seiner Gardeuniform macht er in jedem Fall noch immer eine gute Figur.

Auch liefert er gerne immer wieder neue Beweise dafür, ...

... dass er selbst im hohen Alter ein erstklassiger Entertainer der alten Schule ist.

Im Mai jedoch gab der Buckingham-Palast bekannt: Ab August 2017 wird sich Prinz Philip von seinen royalen Pflichten zurückziehen.

Kein Wunder: ...

... Schließlich ist er am 10. Juni 96 Jahre alt geworden.

Zeit für die Rente.

Sicher, ein bisschen ruhiger ließ er es auch vorher angehen, ...

... schon allein aus gesundheitlichen Gründen.

Aber werfen wir doch mal einen Blick zurück.

Es soll Liebe auf den ersten Blick gewesen sein zwischen dem Duke of Edinburgh und "Lilibet".

An einem Samstag im Jahr 1939 sahen sich Elizabeth, damals mit zarten 13 Jahren schon Thronfolgerin, ... (Foto: Mit Schwester Margaret 1939)

... und der große Blonde aus dem verarmten griechischen Königshaus zum ersten Mal.

Vier Jahre später feierte Philip - inzwischen in vielen Einsätzen des Zweiten Weltkriegs bewährt - schon Weihnachten auf Schloss Windsor.

Was für ein Aufstieg des jungen Mannes, ...

... der auf einem Küchentisch in Korfu geboren wurde ...

... und in einer Orangenkiste mit einem Flüchtlingsschiff ...

... im Alter von 18 Monaten ...

... nach Großbritannien gekommen war. (Foto: mit seiner Mutter, Prinzessin Alice von Griechenland, 1957 bei einer Hochzeit in Salem)

Als der Krieg zu Ende war und am 20. November 1947 in Londons Westminster Abbey die Hochzeitsglocken für das Paar erklangen, ...

... läuteten sie für Philip im Alter von nur 26 Jahren gleichzeitig das Ende seiner Karriere ein.

Statt weiter an vorderster Front für die Royal Navy Dienst zu tun, ...

... wurde er langsam, aber sicher Vollzeit-Ehemann, ...

... was ihn anfangs nervte.

"Nichts als eine verdammte Amöbe", sei er bei Hofe, schimpfte er einmal.

Dennoch macht er den Job nunmehr seit 65 Jahren, ...

... meist auch recht gut, ...

... und abgesehen davon ist das sowieso einsamer Rekord für einen britischen Prinzgemahl.

Er bekam mit der Hochzeit den Titel des Herzogs von Edinburgh verliehen.

Der Rang eines Prinzen, mit dem der Hof in London traditionell sparsam umgeht, ...

... wurde ihm erst 1957 verliehen - fünf Jahre nach der Thronbesteigung seiner Ehefrau, Queen Elizabeth II.

Seitdem muss Philip das Kommando der "Firma", wie der Betrieb im Buckingham Palast häufig genannt wird, der Chefin überlassen.

Privat - da sind sich Palast-Insider aber sicher - habe der Prinz das Sagen.

"Die Königin hat die Krone auf, aber der Prinz hat die Hosen an", sagen Höflinge.

Am Tag der Krönung soll Philip zu ihr gesagt haben: "Wo hast du denn diesen Hut her?"

In den vergangenen Jahren machte sein Gesundheitszustand immer wieder Schlagzeilen.

Immer, wenn er nicht zu sehen ist, ist die Sorge um den Prinzen tatsächlich groß.

Mal war es das Herz, ...

... mal die Bandscheibe, dann spielte wieder der Kreislauf nicht mit, ...

... mal musste der Karpaltunnel an der Hand operiert werden.

Für die Meldung von einem angeblichen Krebsleiden musste sich der "Evening Standard" allerdings sogar offiziell entschuldigen.

Der kauzige Offizier mit deutscher Verwandtschaft straft jedoch seit Jahren diejenigen Lügen, ...

... die der Queen allzu vorschnell ein baldiges Dasein als Witwe prophezeien.

Im Gegenteil: Philip kann es sich inzwischen leisten, über sein Alter Witze zu machen: ...

... "Nichts baut einen doch mehr auf, als wenn man daran erinnert wird, dass die Jahre immer schneller vergehen und dass der Lack beginnt, ...

... vom alten Rahmen abzublättern", schrieb er voller Ironie in einem Brief, als ihm der Titel "Oldie des Jahres" verliehen worden war.

Premierminister David Cameron ...

... lobte seinerzeit das Pflichtbewusstsein Philips und dessen großes Engagement für die Jugend, für die Natur und die Umwelt.

"Er tut das alles sehr bodenständig, sachlich, wie es die Briten gut finden", so Cameron.

Auch sein 95. Geburtstag fiel im vergangenen Jahr eher nüchtern aus.

Ein ganz normaler Arbeitstag etwa?

Nicht ganz, einige Empfänge waren schon vorgesehen.

Allerdings wurde in den letzten Jahren dermaßen viel gefeiert, ...

... die Hochzeit von Charles mit Camilla (2005), ...

... die Hochzeit von William und Kate (2011), ...

... die Olympischen Spiele, ...

... Diamantes Thronjubiläum (2012), ...

... die Geburten der Ur-Enkel, ...

... der 90. Geburtstag der Queen, ...

... dass Philip auch an seinem 95. genau das tat, was er seit Jahrzehnten beherrscht: ....

... einen Schritt zurücktreten.

Das wird ihm aber nicht mehr allzu schwerfallen.

Philip, Vater von vier Kindern, Großvater von acht Enkelkindern und fünffacher Uropa, ...

... hielt seine Ehe mit der Queen über all die Jahre weitgehend skandalfrei.

Alle Versuche der britischen Boulevardpresse, ihm Affären mit Hollywood-Schönheiten anzudichten, ...

... konterte der Prinzgemahl im Gespräch mit dem Biografen Gyles Brandreth ("Sie sind in dem Ding ein Sicherheitsrisiko", sagte er zu ihm auf einer Reise 2004), mit einem Totschlagargument: ...

... "Wie hätte ich das anstellen sollen? Seit 1947 folgt mir Tag und Nacht ein Sicherheitsbeamter."

Schlagzeilen machte Philip eher dank seines teils derben Sinnes für Humor, den die Briten besonders an ihm schätzen.

Den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl bezeichnete er einmal als "Reichskanzler".

Britische Studenten in China warnte er: "Wenn ihr noch länger hier bleibt, bekommt ihr auch Schlitzaugen," und verscherzte es sich darauf mit Millionen Chinesen.

Und zur Geburt seines Sohnes Charles vor 67 Jahren fiel ihm nicht mehr ein als der Satz: "Der sieht ja aus wie ein Plum Pudding."

Dass die Queen ihm solche Sprüche verziehen hat, kann nur daran liegen, dass sie selbst über eine große Portion Humor verfügt.

Auch einen gewissen Snobismus kann man ihm nicht absprechen: "Wenn Sie so viel reisen wie wir, schätzen Sie es, dass die Flugzeuge um so vieles bequemer geworden sind. ...

... Außer Sie reisen in der sogenannten Economy Class, was grässlich klingt."

Sein Taktgefühl - wahrlich nicht das Feinste: "Wissen Sie, dass es jetzt Hunde gibt, die für Magersüchtige das Essen übernehmen?", hat er 2002 eine Blinde im Rollstuhl (nicht auf dem Foto) mit einem Blindenhund während der Feiern zum 50. Kronjubiläum gefragt.

Ein Highlight seiner persönlichen Ausrutscher wurde bei einem Treffen mit australischen Ureinwohnern in Cairns im März 2002 protokolliert: "Werft ihr immer noch Speere aufeinander?", fragte der Prinz und William Brim, Unternehmer und Aborigine, antwortete höflich: "Nein, das machen wir nicht mehr."

Aber ist es denn ein Wunder, dass es ab und zu so ungezügelt aus ihm herausbricht?

Immer die Conténance bewahren, ...

... winken bei jeder Gelegenheit, ...

... sich nicht mehr gehen lassen können, ...

... korrekte Umgangsformen ...

... und immer einen Schritt hinterher statt voraus, ...

... das dürfte jeden Mann mürbe machen. Nicht so Philip.

Seine Lizzy und er wirken häufig noch so, als würden sie sich spät abends in ihre Gemächer zurückziehen, ...

... um den Tag genüsslich Revue passieren zu lassen.

Für ein so lange verheiratetes Ehepaar wirken die beiden manchmal geradezu keck.

Der Prinz ist eben jemand, der sagt, was er denkt, und er hat ja auch oft in der Sache Recht: ...

... Einem etwas dicklichen Jungen gegenüber beispielsweise deutete er an, als dieser ihm verriet, er wolle Astronaut werden: "Davor müsstest du aber etwas abspecken." Ein Aufreger, ...

... dabei hatte er es wahrscheinlich nur gut gemeint.

Auch zum Vatersein hat er eine klare Meinung: "Da schickt man die Kinder auf die Schule, damit man sie los ist, und dann machen sie ihren Eltern in den Ferien das Leben schwer."

Ab und an ein strenger Blick von seiner Königin hat natürlich noch nie geschadet. Wenn Philip so richtige Dummheiten von sich gibt ...

... wie seinerzeit in Edinburgh über einen notdürftig angebrachten Sicherungskasten in einer Elektronikfirma, dann wirft Elizabeth ihm einen intensiveren Blick als sonst zu. Oder lacht.

Philip sagte damals, 1999: "Sieht aus, wie wenn er von einem Indianer installiert wurde."

Eine Woche später entschuldigte er sich: "Was für eine Aufregung um so viel Blödsinn. Ich wollte Cowboys sagen, aber ich habe Cowboys und Indianer durcheinandergebracht."

Du liebes bisschen! Cowboys und Indianer, das kann man schon mal verwechseln!

Und weiter geht's: "Taub? Ist hier ja auch kein Wunder, dass ihr taub seid," scherzte er beim Besuch des neuen walisischen Parlaments in Cardiff im Mai 1999. Die Bemerkung richtete sich an gehörlose Jugendliche, die nahe einer laut spielenden jamaikanischen Steelband standen.

Auch sehr feinfühlig seine Anmerkung: "Ihr seht aus wie Draculas Töchter," in einem Gespräch mit Schülerinnen der Queen-Anne's-Schule in Reading 1998, weil diese (nicht im Bild) blutrote Uniformen trugen.

Echtes Interesse am schottischen Volk treibt ihn wahrscheinlich zu solchen Äußerungen: "Wie halten Sie die Eingeborenen hier lange genug vom Saufen ab, so dass sie die Fahrprüfung bestehen?"

Und immer wieder ist auch seine Gattin im Fokus von Philips Späßchen: "Ach ja, wir haben dieses Problem in unserer Familie auch," antwortete er fast emanzipiert, ...

... als er 1954 in Australien ein Ehepaar trifft, das ihm als Mister und Doktor Robinson vorgestellt wird. Der Ehemann erklärte zuvor: "Meine Frau hat einen Doktor in Philosophie und ist viel wichtiger als ich."

Und immer wieder nimmt er seine eigene Situation auf's Korn: "Genau wie bei mir," stellt er 1947, kurz nach der Verlobung mit der damaligen Thronfolgerin Prinzessin Elizabeth, fest, als er einen Bahnarbeiter auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung nach dessen Aufstiegschancen fragte und als Antwort: "Ach, da müsste schon mein Boss sterben," bekam.

Wenn einer schlagfertig ist, dann ja wohl Philip: "Sorry, aber ich habe eine Verabredung mit dem Erzbischof von Canterbury," lässt er am 19. November 1947, einen Tag vor seiner Hochzeit, einen Polizisten wissen, der ihn stoppt, weil er zu schnell gefahren ist.

Auch in Sachen "Paarbeziehung" hat er harte, aber herzliche Ansichten: "Wenn ein Mann einer Frau die Autotür öffnet, dann kann das nur zweierlei bedeuten: Entweder ist es eine neue Frau oder ein neues Auto."

Nichts desto trotz: dieser Mann hat viel dafür getan, dass seine Frau in Ruhe arbeiten kann.

Wir hoffen sehr, dass Prinz Philip uns und seiner "Cabbage", wie er seine Frau bisweilen nennt, noch lange Freude machen wird.

Auch wenn die Kinder und Enkel sich in letzter Zeit vermehrt Sorgen machen um den alten Haudegen.

2015 stattete er zum Beispiel Deutschland mit seiner Königin sehr vergnügt einen Besuch ab.

"The Duke of Hazard" - der "Herzog des Risikos" macht zwar nicht mehr so viele Sprüche wie seinerzeit, als er ...

... dem Präsidenten von Nigeria - in Landestracht - noch unterstellte: "Sie sehen aus, als wollten Sie gleich ins Bett".

Fest steht allerdings bereits heute, dass uns dieser Mann und sein Humor eines Tages fehlen wird.

Aussagen wie: "Ich sage immer zu Beginn etwas Schmeichelhaftes, so dass man es mir später eher verzeiht, wenn ich ins Fettnäpfchen trete."

Oder: "Das ist eine schöne Krawatte. Haben Sie auch Schlüpfer in diesem Material?", oder ...

... "Arbeiten Sie in einem Strip-Club?" können von niemand anders so kommen wie vom König der Herzen.

Wir möchten uns an dieser Stelle jedoch den Enkeln anschließen und darum bitten, dass der alte Herr ein wenig mehr auf sich achten möge.

"Er ist fast 96 Jahre alt, aber sein Kopf glaubt, er sei 55 Jahre alt", erzählt Enkel Peter Philips, Sohn von Prinzessin Anne, vor zwei Jahren der "Bunte".

Immerhin gibt er nun mehr auf sich Acht.

Und das steht schon fest: Die Öffentlichkeit wird ihn vermissen.

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