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Kunst, Skandale und Zeitgeist auf Plattencovern: "Total Records" - Vinyl und Fotografie

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Es gibt Plattencover, die sind so berühmt, dass sie fast jeder kennt - so wie "Abbey Road" von den Beatles oder ... (Foto: picture-alliance/ dpa)

Es gibt Plattencover, die sind so berühmt, dass sie fast jeder kennt - so wie "Abbey Road" von den Beatles oder ...

Es gibt Plattencover, die sind so berühmt, dass sie fast jeder kennt - so wie "Abbey Road" von den Beatles oder ...

... wie die "Bananenplatte" von Velvet Underground & Nico, gestaltet von Andy Warhol. Vor ein paar Jahren wähnte man die Schallplatte fast schon verschwunden – und mit ihr die große Kunst der Plattencover.

Aber nach katastrophalen Umsatzeinbrüchen in den 1990er-Jahren erlebt das gute alte Vinyl seit 2007 eine bisher ununterbrochene Aufwärtskurve.

Dank Verkaufszuwächsen von 50 Prozent in einem Jahr liegt der Marktanteil nun (Ende 2016) immerhin wieder bei 4,3 Prozent. Nicht nur deshalb ...

... bekommt die Schallplatte in letzter Zeit wieder vermehrt Aufmerksamkeit. Auch im C/O Berlin - das zeigt derzeit mit etwa 400 Plattencovern die Ausstellung "Totel Records - Vinyl & Fotografie".

Zu sehen sind Klassiker aus den vergangenen fünf, sechs Jahrzehnten, ...

... bei uns eher unbekannte Künstler (Mango Delight, "Conglomerate of crazy souls", Cover: Nobuyushi Araki, 2002) ...

... die darum aber nicht weniger sehenswert sind, ...

... und viele sehr bekannte. Das bezieht sich ...

... sowohl auf die jeweiligen Musiker als auch auf die Künstler, die die Cover gestaltet haben - wie hier Jeff Koons beim Album "Artpop" von Lady Gaga aus dem Jahr 2014.

Zum Teil ist diese Art der Zusammenarbeit sehr überraschend und man ist erstaunt, wer alles Plattenhüllen gestaltet hat - ein Foto von Bernd und Hilla Becher etwa schmückt dieses Kraftwerk-Album von 1970, ...

... die Aufnahmen auf "Exile on Main Street" der Rolling Stones von 1972 stammen von Robert Frank (ursprünglich war Man Ray dafür beauftragt, aber das Ergebnis gefiel den Stones nicht und so wurde Frank gefragt) ...

... und das Coverfoto von Led Zeppelins "Physical Graffiti" (1975) ist von Elliot Erwitt.

Auch überraschend für viele Ausstellungsbesucher: ...

Die Plattenhüllen der DDR-Plattenfirma Amiga, ...

... die nach Ansicht des C/O-Kurators Felix Hoffmann doch eine sehr "amerikanische Ästhetik" besitzen, ...

... vergleichbar mit den Covern von US-Jazzplatten.

Eine besondere Ost-West-Verbindung gibt es bei der Silly-Platte "Bataillon d'Amour" von 1986 (l.) - das Coverfoto ist von Ute Mahler, damals DDR, das hintere jedoch stammt vom Westberliner Starfotografen Jim Rakete. Er hatte Anfang der Achtziger die Musik der Band aus dem Osten gehört und wollte sie daraufhin kennenlernen. So kam es dann zum Foto.

In Sachen Plattenhüllen ist Rakete einer der aktivsten Fotografen überhaupt: mehr als 350 Vinyl-Album-Cover sind von ihm, darunter so bekannte wie die von Nina Hagen oder Nena ...

... und Herbert Grönemeyer.

Auch Anton Corbijn gestaltete Musikalben - eins der berühmtesten ist "The Joshua Tree" von U2 von 1987 (Mitte).

Natürlich ist der Ausnahmekünstler David Bowie in der Ausstellung vertreten, hier auf Picture-Disc-Singles aus den 1970ern, ebenso wie ...

... die Rolling Stones ...

... in verschiedenen Jahrzehnten und künstlerischen Phasen und ...

... Prince mit seinem Skandalcover zu "Lovesexy" von Jean-Baptiste Mondino, 1988. (Es wurde in den USA von einigen Geschäften als Pornografie gedeutet und daher oft nur versteckt aufbewahrt.) Zu anderen ...

... skandalträchtigen Covern gibt es in der Ausstellung eine eigene Abteilung: "Verboten". Hier heißt es: "Zu nackt, zu brutal, ...

... zu provokant: "Immer wieder suchten Musiker über Bilder den Skandal ... (Cover zu "Anybody seen my Baby?" von den Rolling Stones, 2008, Foto: Robert Mapplethorpe)

... und prompt wurden die Cover auf Veranlassung der kritisch-moralischen Instanzen ...

... aus dem Verkehr gezogen oder durch gemäßigte Versionen ersetzt. Was ...

... John Lennon und Yoko Ono natürlich erschien, wurde wegen Obszönität beschlagnahmt und in braunen Papiertüten verpackt. ...

Bei unangemessenen Bildern von Kindern aber herrscht ein durchweg kritischer Grundtenor: Das in dieser Hinsicht wohl umstrittenste Cover der Musikgeschichte lieferten die Scorpions."

Manches, was auf den ersten Blick anstößig wirkt, ist dann doch eher belustigend. Und nicht das, was man denkt.

Das andere Extrem dazu sind wohl die glatten ...

... und kitschigen Cover von Pierre und Gilles.

Starfotograf Peter Lindbergh porträtierte 1985 die Humpe-Schwestern, ...

... Herb Ritts machte diese Coverfotos von John Travolta und Olivia Newton-John (1963) und Madonna (True Blue, 1986) ...

... und Annie Leibovitz fotografierte Cyndi Lauper 1986 für "Change of Heart".

Berühmte Musiker wie Joan Baez, Barbra Streisand und Simon and Garfunkel ...

... oder auch Yoko Ono und John Lennon als Kind und Erwachsene zeigen die Plattencover in der Ausstellung; ...

... die statuenhafte Grace Jones ("Island Life", 1985) ...

... ist mit ihrem besonderen Stil schon optischer Reiz genug, da muss man am Cover gar nicht mehr viel hinzufügen.

Manche Alben kommen oft ganz ohne Porträtfotos aus und setzen den Schwerpunkt auf die rein grafische Gestaltung - wie hier die "Sonambient"-Reihe mit experimenteller Musik von Harry Bertoia.

Ausgefallen und experimentell auch der Ausstellungsteil bei "Wahre Freundschaft" (r.): 1968 sorgte Valerie Export mit ihrem Tapp- und Tastkino für großes Aufsehen, einem vor ihre eigene Brust gehängten "Kino". Sie erklärte dazu: "Der Kinosaal ist etwas kleiner geworden, es haben nur zwei Hände in ihm Platz."

Die Ausstellung "Total Records" vollzieht anhand der mehr als 400 gezeigten Cover die Musik- und Fotogeschichte des 20. Jahrhunderts nach - für den Besucher ...

... ist es ein Spaziergang voller Erinnerungen und optischer Überraschungen. Durch modische und künstlerische Strömungen und den Zeitgeist der letzten Jahrzehnte bis heute.

Die Ausstellung läuft bis zum 23. April 2017 im C/O Berlin im Amerikahaus am Bahnhof Zoologischer Garten in Berlin.

"Total Records" wird in der oberen Etage gezeigt; in der unteren läuft noch bis 12. Februar 2017 "Werkstatt für Photographie 1976-86, Kreuzberg - Amerika". (Text: Andrea Beu)

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