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Donnerstag, 04. Juli 2013

Von Macht und Geld verführt: Wenn Stars mit Despoten kungeln

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So sieht ein Präsident aus. Jedenfalls ab und an ... (Foto: ASSOCIATED PRESS)

So sieht ein Präsident aus. Jedenfalls ab und an ...

So sieht ein Präsident aus. Jedenfalls ab und an ...

... in Turkmenistan. Das Staatsoberhaupt hier hört auf den schönen Namen Gurbanguly Berdymuchammedow. Zwar ist das Land formal eine Präsidialrepublik, ...

... doch de facto verfügt der oberste Mann im Staat über nahezu diktatorische Vollmachten. Organisationen wie Human Rights Watch ...

... werfen Berdymuchammedow zudem diverse Verstöße gegen die Menschenrechte vor. Von Pressefreiheit etwa kann in Turkmenistan keine Rede sein. Ausgerechnet diesem Herrn vom Kaspischen Meer ...

... meinte Jennifer Lopez zu seinem 56. ein Geburtstagsständchen trällern zu müssen (Aufnahme von 2012 in Deutschland) und geriet deshalb nun massiv in die Kritik. Das Management ...

... der Sängerin rechtfertigte den Auftritt indes. Es habe sich schließlich um eine private Firmenveranstaltung gehandelt, die nicht von der Regierung organisiert worden sei, hieß es da. Und: Der ...

... "Last-Minute-Geburtstagsgruß" im Rahmen ihres Hit-Programms sei erst kurz vor der Show angefragt worden. Hätte Lopez von den Menschenrechtsfragen in Turkmenistan gewusst, wäre sie natürlich erst gar nicht dort aufgetreten. Ist das ...

... glaubwürdig? Kann man wirklich so naiv sein? Allein ein Blick auf den Wikipedia-Eintrag zu Turkmenistan hätte schließlich gereicht, um sich einen Überblick über die Lage in dem Land zu verschaffen. Aber ...

... Lopez ist mit ihrem saloppen Umgang mit einem fragwürdigen Machthaber nicht allein. Schon vor ihr sind viele andere Stars versehentlich oder aber im vollen Bewusstsein in ähnliche Fettnäpfchen getreten. Zumeist für ein horrendes Honorar, versteht sich. Klar, ...

... auch Politiker (hier Angela Merkel mit Berdymuchammedow) ...

... geben sich mal weniger ...

... und mal mehr freiwillig mit nicht ganz so lupenreinen Demokraten ab. Aber hier lässt sich das schon eher mit den Amtspflichten rechtfertigen (jedenfalls so lange sie Politiker sind). Bei ...

... Stars und Sternchen aus dem Sport und der Show-Branche wie Jennifer Lopez indes hat die erkaufte Nähe zu Autokraten, Despoten und Diktatoren stets ein Gschmäckle. Berühmt-berüchtigt geworden sind etwa die prominenten Einsätze ...

... für diesen Herren. Auch er ist Präsident, nennt sich inzwischen allerdings offiziell nur noch "Oberhaupt". Und zwar in der nicht weit von Turkmenistan entfernten russischen Kaukasus-Republik Tschetschenien. Sein Name: Ramsan Kadyrow. Und wenn sich ...

... der moskautreue Republikchef mal eben nicht gerade in Tracht hüllt, dann trägt er vielleicht Jogger ...

... oder Uniform oder aber ...

... Trikot. 2011 rief Fußball-Fan Kadyrow zwei Mal kurz hintereinander ehemalige internationale Kicker-Stars zu einem Freundschaftsspiel nach Tschetschenien. So traten im März des Jahres ...

... tatsächlich diverse frühere brasilianische Nationalspieler wie Dunga (im Bild), Romario, Bebeto ...

... und, ja, auch Giovane Elber (Aufnahme von 2005 in Mönchengladbach) ...

... die Reise nach Grosny an, um dort gegen das leicht untersetzte "Oberhaupt" um den Ball zu kämpfen. Gegen das brasilianische Team ...

... ließ Kadyrow eine weitgehend tschetschenisch besetzte Truppe auflaufen, unterstützt von keinem Geringeren ...

... als Lothar Matthäus (Aufnahme von 2011 in Bulgarien). Loddar rechtfertigte sein Engagement damit, dass Fußball ja nichts mit Politik zu tun habe. Der Einsatz des Deutschen brachte am Ende aber ebenso wenig ...

... wie die drei Elfmeter, die Kadyrows Team zugesprochen wurden, und die spontane Verlängerung der zweiten Halbzeit um eine Viertelstunde. Am Ende siegten die Brasilianer mit 6:4. Nur rund zwei Monate später ...

... kam Kadyrow erneut mit Stollen, Stutzen und Sportdress auf den Platz getrabt. Zu der Revanche für die erlittene Klatsche reisten abermals viele Gäste aus dem Ausland an, ...

... darunter auch einstige Fußball-Helden wie der Portugiese Luis Figo (links im Bild), der französische Keeper Fabien Barthes, die Italiener Alessandro Costacurta und Franco Baresi, die Engländer Robbie Fowler und Steve McManaman ...

... sowie der "Göttliche" aus Argentinien: Diego Maradona. Diesmal ...

... sollte das Ergebnis zufriedenstellender für das "Oberhaupt" ausfallen. Die ...

... Begegnung endete 5:2 für seine mit Fußballern aus dem Kaukasus besetzte Mannschaft. Begleitet ...

... wurde das skurrile Match, das mit stundenlanger Verspätung erst kurz vor Mitternacht angepfiffen wurde, von allerlei Pomp, Lichtshows und Feuerwerk. In der Halbzeitpause ...

... lieferte der britische Sänger Craig David (Aufnahme von 2005 in Ägypten), ...

... der seit 2010 auch ehrenamtlicher Botschafter der Weltgesundheitsorganisation der UN ist, eine Show-Einlage. Ob und wie viel Gage ...

... an die Teilnehmer der beiden Spiele in Grosny gezahlt wurde, ist unklar. Die Fußballer seien "aus Respekt vor dem tschetschenischen Volk" angetreten, erklärte Kadyrow. Ja, nee, ist klar.

Ganz sicher nicht nur für eine Mahlzeit und ein paar warme Worte zog indes Ruud Gullit in den Kaukasus. Der Niederländer ...

... heuerte ebenfalls Anfang 2011 als Trainer beim Klub Terek Grosny an, dem Kadyrow zu dieser Zeit als Vereinspräsident vorstand. Doch Gullits umstrittenes Engagement endete bereits nach fünf Monaten.

Ramsan Kadyrow ist 36 Jahre jung. Einerseits gibt er sich nach außen betont jugendlich und locker, ...

... andererseits betreibt er den für autokratische Machthaber nur allzu typischen Personenkult. Er ist der Sohn des ehemaligen tschetschenischen Präsidenten Achmat Kadyrow, der 2004 ermordet wurde. Doch auch ...

... an Ramsan Kadyrows Händen klebt nach Ansicht von Menschenrechtsgruppen jede Menge Blut. Seiner Leibgarde werden Entführungen politischer Gegner und Kritiker, Folter und Morde zur Last gelegt - von Kadyrow in Auftrag gegeben. Für ...

... seinen lupenreinen Kumpel in Moskau, Präsident Wladimir Putin, indes ist er ein "Held der Russischen Föderation". Und neben Putin und Fußballern ...

... haben auch so manche Showstars keine Berührungsängste mit dem tschetschenischen "Oberhaupt". Zu einer Gala zum 35. Geburtstag Kadyrows am 5. Oktober 2011 erschien etwa Jean-Claude Van Damme, ...

... ansonsten eher für seine Rollen in zweitklassigen Haudruff-Filmen bekannt.

Stargeigerin Vanessa Mae fiedelte ...

... für den Machthaber ein Ständchen. Gerüchteweise erhielt sie für ihren kurzen Auftritt 500.000 Dollar.

Auch Heidis damaliger Noch-Mann Seal flötete für Kadyrow aus nächster Nähe sein "Kiss From A Rose". Bis heute ...

... will er von Kritik an seinem Auftritt nichts wissen. "Ich bin Musiker und habe für die tschetschenischen Menschen Musik gemacht. Ich würde es begrüßen, wenn ihr mich aus eurer Politik rauslasst", rechtfertigte er sich seinerzeit via Twitter.

Oscar-Preisträgerin Hilary Swank, die zu Ehren Kadyrows so wie einst Marilyn Monroe für John F. Kennedy ein "Happy birthday, Mr. President" ins Mikrofon hauchte, war die Sache dagegen später peinlich. "Wenn ich ...

... volle Einsicht gehabt hätte, worum es bei dieser Veranstaltung offenbar ging, wäre ich nie hingegangen", erklärte sie im Nachhinein. Sie habe gedacht, es ginge um die Eröffnung eines neuen Gebäudekomplexes in Grosny. Als man sie dann bat, Kadyrow zu gratulieren, habe sie nicht unfreundlich sein wollen. So wie angeblich Swank ...

... wussten wohl auch die Mitglieder des MDR-Fernsehballets, die auf der Geburtstags-Gala tanzten, nichts von den Vorwürfen gegen das tschetschenische "Oberhaupt" (Aufnahme des MDR-Ballets von 2009 in Deutschland - die zu sehenden Personen sind nicht zwangsläufig die, die in Grosny auftraten!). Der Ausflug ...

... der deutschen Tanz-Truppe in den Kaukasus blieb nicht ohne Konsequenz (Aufnahme des MDR-Ballets von 2011 in Deutschland - die zu sehenden Personen sind nicht zwangsläufig die, die in Grosny auftraten!). Der Geschäftsführer des Balletts wurde abgemahnt. Auf der Einladungsliste ...

... zu Kadyrows protziger Geburtstags-Sause ...

... standen auch die Hollywood-Stars Kevin Costner ...

... und Eva Mendes ...

... sowie Kolumbiens Pop-Granate Shakira. Die drei zogen allerdings vorzeitig die Reißleine und verzichteten auf die Reise nach Grosny. Shakira war dabei die Einzige, ...

... die sich auch öffentlich von der Einladung Kadyrows distanzierte. "Entgegen anderslautender Berichte ist kein Auftritt von Shakira für den tschetschenischen Präsidenten geplant", ließ sie via Twitter mitteilen. Da lässt sie sich doch schon lieber mit US-Präsident Barack Obama sehen. Keine Probleme, ...

... sich mit Kadyrow ablichten zu lassen, hat indes offenbar Vitali Klitschko. 2010 empfing er den Tschetschenen im ukrainischen Browary. Anlass ...

... war eine von den Klitschkos organisierte Box-Show. Schon ein Jahr zuvor fand eine ähnliche Veranstaltung mit Vitalis Bruder Wladimir in Grosny statt. Die populären Brüder, die sich gerne als politisch korrekt geben, sehen sich seither mit Vorwürfen konfrontiert, dass sie es mit der Demokratie dann wohl doch nicht so genau nehmen.

Er scheint sowieso jedes Maß verloren zu haben. Nachdem er vor den Steuern in Frankreich geflohen ist ...

... und die russische Staatsbürgerschaft angenommen hat, ist Schauspieler Gérard Depardieu außer Rand und Band. Die ...

... Kumpanei mit Putin ist da schon beinahe lediglich eine Petitesse. Mit dem russischen Präsidenten ...

... haben schließlich auch schon andere Schauspiel-Größen - wie hier etwa Alain Delon (2.v.r.) und Sharon Stone (r.) 2010 bei einem Wohltätigkeitskonzert für Kinder in St. Petersburg - zarte Bande geknüpft. Und auch ...

... Depardieus Erscheinen mit dem umstrittenen FIFA-Chef Joseph Blatter zu einer Gala 2013 passt zwar ins Bild, ist jedoch nur eine Randnotiz. Schwerer wiegt da schon ...

... seine Umarmung Kadyrows. Genau hier, in Tschetschenien, dreht der Franzose sein aktuelles Filmprojekt "Turquoise" - ein Actionfilm, der zugleich Folie für den neuen Glanz des Landes nach seinen blutigen Bürgerkriegen in den 1990er Jahren sein soll. "Sie sehen doch, ...

... dass alles in Ordnung ist - sie töten Sie nicht hier", sagte der Schauspieler zu Journalisten am Rande der Dreharbeiten. Vor dem Hintergrund, dass kritische Berichterstatter in Tschetschenien tatsächlich um Leib und Leben fürchten müssen, der pure Zynismus. Depardieus ...

... Filmpartnerin Elizabeth Hurley lässt sich zwar nicht ganz so extrem vor den Karren des tschetschenischen Machthabers spannen, ...

... doch um gemeinsame possierliche Aufnahmen, die Kadyrow dann nur allzu gern beim Fotodienst Instagram postete, kam auch sie nicht herum.

Action-Darsteller Steven Seagal ist nicht nur bei Putin ...

... ein immer mal wieder gern gesehener Gast, ...

... im Mai 2013 besuchte er auch Kadyrow in dessen persönlicher Residenz. "Vornehmheit. Willensstärke. Ehre. Die typischen Qualitäten der Tschetschenen. Von daher können wir sagen, dass er fast Tschetschene ist", schrieb Kadyrow dem Schauspieler anschließend ins Stammbuch. Doch ...

... noch einmal zurück zu Depardieu und weg von Kadyrow. Denn "Obelix" ...

... scheint seine "Falbala" im realen Leben mit Gulnara Karimova, älteste Tochter ...

... des usbekischen Präsidenten Islom Karimov, gefunden zu haben. Ausgerechnet. Formal ist die einstige Sowjetrepublik Usbekistan heute ein unabhängiger, demokratischer Staat. Doch de facto ...

... regiert Karimov seit seiner Amtsübernahme 1991 diktatorisch. Den Vereinten Nationen zufolge wird in Usbekistan gefoltert. Kinder werden zur Baumwollernte zwangsverpflichtet. Regierungskritiker verschwinden in den Gefängnissen. Als es 2005 zu Unruhen kam, ließ Karimov diese blutig niederschlagen. Sein ...

... mittlerweile 40-jähriges Töchterchen tobt sich unterdessen in allen möglichen Bereichen aus - als Politikerin, Diplomatin, Unternehmerin und Stiftungschefin ebenso ...

... wie als Schmuck- und Modedesignerin. Geld genug, ihren Leidenschaften nachzugehen, hat sie ja. Nach ihrer Scheidung von einem steinreichen US-amerikanischen Geschäftsmann 2001 konfiszierte Usbekistan kurzerhand dessen Unternehmen in dem Land. Die US-Botschaft ...

... charakterisierte die selbstherrliche Präsidententochter laut Dokumenten, die von WikiLeaks veröffentlicht wurden, als "Räuberbaronin" und "meistgehasste Frau" Usbekistans. Doch ...

... Depardieu scheint all dies nicht zu stören. Gulnara Karimovas Ambitionen, unter dem Pseudonym Googoosha nun auch als Sängerin anzugreifen, griff er beherzt unter die Arme. Gemeinsam mit ihr nahm er den Chanson "Nebo Molschit" (Der Himmel bleibt leise) samt zugehörigem Video auf. In dem Song trägt der Schauspieler ein von Karimova verfasstes Gedicht auf Französisch vor. Aber ...

... auch noch andere Prominente sind der Usbekin auf den Leim gegangen. Zum Beispiel Sting (Aufnahme von 2011 in Chile). Und auch hier ...

... muss man sagen: Ausgerechnet. Schließlich tritt der Sänger ansonsten gerne als Kämpfer für die Menschenrechte auf. Tatsächlich entstand dieses Foto, das ihn im November 2009 bei brasilianischen Ureinwohnern zeigt, nur rund einen Monat nach seinem Ausflug ins usbekische Taschkent. Den Auftritt ...

... auf Einladung der Präsidententochter verteidigte der Musiker (Aufnahme von 2012 in Russland) im Nachhinein so: "Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass kulturelle Boykotte nicht nur hilflose Gesten, sondern kontraproduktiv sind. Betroffene Staaten werden nur weiter vom freien Austausch von Gedanken und Kunst beraubt und im Ergebnis noch verschlossener, paranoider und abgeschotteter." Für seine Argumentation ...

... wurde Sting (Aufnahme von 2009 in den USA) in seiner Heimat geradezu mit Häme überschüttet. Schließlich soll er bis zu zwei Millionen Dollar für seinen Einsatz im Dienste Karimovas kassiert haben. Zu den Stars, ...

... die der Präsidententochter ebenfalls schon ihre Aufwartung machten, zählen zudem Rod Stewart (Aufnahme von 2013 in England), ...

... Julio Iglesias (Aufnahme von 2011 in Spanien) ...

... und Fußballer Cristiano Ronaldo (Aufnahme von 2013 in Spanien), der sich gemeinsam mit seinem Sportskameraden Samuel Eto'o für eine Initiative zur Nachwuchsförderung im usbekischen Fußball anheuern ließ. 2009 ...

... unternahm Ronaldo (Aufnahme von 2012 in der Ukraine) auf Einladung einer von Karimova verwalteten Stiftung einen Ausflug nach Taschkent. Auch hier kursieren Gerüchte über das dafür gezahlte Honorar. Sein eintägiger Abstecher soll dem Superstar rund 600.000 Euro eingebracht haben. Während ...

... Berdymuchammedow, Kadyrow und Karimov nach wie vor in Amt und eher zweifelhaften Würden sind, ...

... weilt er nicht mehr unter uns: Libyens einstiger "Revolutionsführer" Muammar al-Gaddafi. Im Oktober 2011 starb er im Bürgerkrieg in seinem Land unter bis heute nicht geklärten Umständen. Zeit seines Lebens hatten er ...

... und sein Clan (im Bild: Gaddafis Tochter Aisha sowie mehrere seiner Söhne, darunter der ebenfalls getötete Mutassim al-Gaddafi, u.l.) ein gewisses Faible für westliche Popkultur. Zu den Stars, die gegen Millionengagen im Auftrag von Angehörigen Gaddafis auftraten, ...

... zählten etwa 50 Cent, ...

... Beyoncé, ...

... Mariah Carey, ...

... Nelly Furtado, ...

... Lionel Richie ...

... und Jose Carreras. Bezahlte Gäste auf Partys des Gaddafi-Clans waren unter anderem ...

... Jon Bon Jovi, ...

... Usher, ...

... Timbaland, ...

... Lindsay Lohan, ...

... Enrique Iglesias und Freundin Anna Kurnikowa ...

... sowie Beyoncés Ehemann Jay-Z. Als ...

... die Kämpfe in Libyen eskalierten und von WikiLeaks veröffentlichte Dokumente die Auftritte der Popstars für den Gaddafi-Clan in die Schlagzeilen brachten, war das den meisten doch ziemlich unangenehm. So unangenehm, ...

... dass sie ihre von den libyschen Machthabern gezahlten Gagen spendeten. Furtado etwa, die für ein 45-minütiges Privatkonzert in einem italienischen Hotel 2007 eine Million Dollar kassiert hatte, ließ das Geld im Lichte der Enthüllungen 2011 wohltätigen Zwecken zukommen. Die Kanadierin ...

... ist übrigens die Einzige, die die konkrete Summe ihrer Entlohnung durch die Gaddafis öffentlich gemacht hat. Bei anderen Stars ist von Gagen in Höhe von bis zu zwei Millionen Dollar die Rede.

Auch 50 Cent ruderte 2011 - sechs Jahre nach einem Exklusivauftritt vor Mitgliedern des damaligen libyschen Regimes am Rande des Filmfestivals in Venedig - zurück. "Angesichts der Vorgänge in Libyen wird 50 Cent an Unicef spenden", ließ der Rapper seinerzeit mitteilen.

Beyoncé erklärte, sie habe nicht gewusst, dass ein von ihr 2009 auf der Karibikinsel St. Barts absolvierter Auftritt im Auftrag der Gaddafis stattfand. Die Gage spendete sie für die Opfer des schweren Erdbebens 2010 in Haiti. Der ...

... bei der selben Veranstaltung wie Beyoncé anwesende Usher sagte, von den Umständen zu erfahren, habe ihn schwer getroffen. Er kündigte an, das ihm gezahlte Geld Menschenrechtsgruppen zukommen zu lassen.

Auch Maria Carey entschuldigte sich dafür, dass sie so "naiv und unachtsam" gewesen sei, wer genau sie da eigentlich für die Silvesterfeier auf St. Barts gebucht hatte. Sie fühle sich "schrecklich" und schäme sich für ihre Teilnahme an der Party, versicherte sie. Aufforderungen, ...

... ihre Gage zu spenden, ließ sie gleichwohl unbeantwortet. Stattdessen versprach sie, ihre Einnahmen mit einer künftigen Single der Unterstützung der Menschenrechte zukommen zu lassen. Andere von den Gaddafis hofierte Stars äußerten sich entweder gar nicht oder so ...

... wie Lionel Richie. Er will bis heute nichts Falsches an dem Auftritt erkennen. "Gaddafi war damals sehr darum bemüht, dass Libyen zurückkehrt in die Weltgemeinschaft. Nicht nur die Familie war da, sämtliche Würdenträger aus dem gesamten Nahen Osten waren anwesend", sagte er 2012 der "Welt am Sonntag". Und ...

... ging noch weiter: Als "Entertainer" würde er grundsätzlich für jeden singen. Auch für Mahmud Ahmadinedschad? "Sofort, auf der Stelle", so Richie. "Ich könnte vielleicht etwas verändern." Auch ...

... in der Familie Iglesias scheint ein grundsätzlich laxer Umgang mit derartigen Moralfragen zu herrschen. Nach dem Ausflug von Vater Julio nach Usbekistan und dem von Sohnemann Enrique zu den Gaddafis ...

... heimste der Senior Ende 2012 abermals Kritik für eine exklusive Darbietung vor dem Sohn des Diktators Teodoro Obiang in Äquatorialguinea ein. Human Rights Watch erklärte, man habe vergebens versucht, dem Sänger das Engagement auszureden. Der ...

... Präsident des westafrikanischen Landes regiert seit einem Putsch 1979. Gegen Oppositionelle geht er mit harter Hand vor - ihm werden unter anderem wahllose Verhaftungen, Folter und Misshandlungen zur Last gelegt. Davon, ein Rechtsstaat zu sein, ...

... ist auch Kasachstan weit entfernt. Das Land, das Komiker Sacha Baron Cohen vor einigen Jahren als "Borat" schwer auf die Schippe nahm, macht zwar seit einiger Zeit demokratische Fortschritte, ...

... doch Präsident Nursultan Nasarbajew regiert seit 1991 autoritär mit weitgehenden Vollmachten. Folter, Misshandlungen und Korruption sind an der Tagesordnung, viele Grundrechte ausgehebelt. Aus Veröffentlichungen von WikiLeaks geht hervor, ...

... dass Elton John für Timur Kulibajew, Schwiegersohn des Präsidenten, 2007 ein Privatkonzert gab. Der Anlass: Kulibajews 41. Geburtstag. Elton Johns Gage für seinen Auftritt im Rahmen einer pompösen Show, zu der auch diverse russische Popstars erschienen: eine Million Pfund. Auch ...

... um einen Einsatz Nelly Furtados für die Familie von Nursultan Nasarbajew ranken sich Gerüchte. Sie soll ebenfalls 2007 bei der Geburtstagsfeier der Präsidententochter Dinara, die mit Kulibajew verheiratet ist, aufgetreten sein. Dazu, ob sie sozusagen in gewisser Weise "Wiederholungstäterin" ist, hat sich Furtado nicht geäußert. Um eine Aussage herum ...

... konnte Naomi Campbell indes gar nicht kommen. Im August 2010 ...

... lud sie der Sondergerichtshof für Sierra Leone in Den Haag im Prozess gegen Liberias Ex-Präsidenten Charles Taylor als Zeugin vor. Das Topmodel ...

... räumte in dem Verfahren ein, 1997 in Südafrika ein Diamanten-Geschenk erhalten zu haben. Entgegen anderer Zeugenaussagen bestritt sie aber, dies als Aufwartung von Taylor erkannt zu haben.

Charles Taylor war von 1997 bis 2003 Präsident in Liberia. Wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurde er 2012 zu 50 Jahren Haft verurteilt. Von der Vernehmung Campbells hatte sich das Gericht Hinweise auf Taylors Besitz so genannter Blutdiamanten aus Sierra Leone erhofft. In Liberias Nachbarland tobte Jahrzehnte lang ein Bürgerkrieg, den Taylor mit geschürt hatte.

Eine andere politische Verbindung brachte Campbell 1998 schon einmal in die Schlagzeilen. Zu jener Zeit besuchte sie gemeinsam ...

... mit Model-Kollegin Kate Moss Kubas damaligen Machthaber Fidel Castro in Havana. Vor allem ...

... Campell geriet über den einstigen Revolutionsführer geradezu ins Schwärmen. "Er ist eine sehr, sehr intelligente Person", erklärte das Model und verglich ihn mit Südafrikas Präsidenten Nelson Mandela. "Ich denke, das sind zwei Männer, die jeden inspirieren können", so Campbell. "Sie haben mit Anstand für ihre Überzeugungen gekämpft." Ein wahrer ...

... Castro-Fan ist auch noch ein anderer. Das belegt nicht nur seine Tätowierung auf der linken Wade. Die Rede ist abermals ...

... von Diego Maradona. Den argentinischen Ex-Fußballer und Kubas früheren "Máximo Líder" verbindet seit ihrem ersten Treffen 1987 eine enge Freundschaft. Erst ...

... im April 2013 traf Maradona den mittlerweile nur noch selten in der Öffentlichkeit zu sehenden Ex-Staatschef. An der internationalen Haltung gegenüber Kuba scheiden sich vermutlich wie bei kaum einem anderen Land die Geister. Unbestreitbar jedoch ist, ...

... dass Castro tausende politische Gegner verfolgt, inhaftiert und hingerichtet hat. Noch heute urteilt Amnesty International: "In Kuba werden die Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit sowie Bewegungsfreiheit massiv verletzt." Ein anderer sozialistischer Politiker, der insbesondere bei manchen Hollywood-Stars offenbar Eindruck geschunden hat, ...

... ist der im März 2013 verstorbene Hugo Chávez - von 1999 bis dahin Präsident Venezuelas. Ob Kevin Spacey, ...

... Benicio del Toro ...

... oder Sean Penn - sie alle kamen zu einer Stippvisite bei ihm vorbei. Penn ...

... sah in Chávez einen "Freund". Die Nachricht, dass er gestorben sei, kommentierte er unter anderem mit den Worten: "Die Menschen in den Vereinigten Staaten haben heute einen Freund verloren, von dem sie nie gewusst haben. Und die Armen auf der Welt haben einen Vorkämpfer verloren." Auch ...

... die Regisseure Oliver Stone ...

... und Michael Moore brachten ihre Trauer zum Ausdruck. Moore, der Chávez einst in Italien begegnet war, erklärte, sie hätten damals mehr als eine Stunde miteinander gesprochen. "Er sagte mir, er sei glücklich, doch noch jemanden zu treffen, den Bush mehr hasse als ihn", so der Regisseur mit Blick auf Ex-US-Präsident George W. Bush. Doch ...

... aller Begeisterung der Filmemacher zum Trotz - sowohl Human Rights Watch als auch Amnesty International bescheinigten der Regierung Chávez zahlreiche Verstöße gegen die Menschenrechte. Regierungskritiker seien drangsaliert und eingeschüchtert, die Meinungsfreiheit stark beschnitten worden. Einen Unterschied gibt es im Falle des prominenten Einsatzes für Venezuela ...

... oder Kuba aber doch: Statt Gagenzahlungen dürften hier wirklich Überzeugungen im Vordergrund stehen. Was genau ...

... bei Ex-Basketball-Star und Enfant Terrible Dennis Rodman im Vordergrund stand, ...

... als er Ende Februar 2013 nach Nordkorea reiste, wissen wir nicht. Jedenfalls sah er sich mit Staatschef Kim Jong Un ein Basketball-Spiel an, ...

... umarmte und bescheinigte ihm: "Du hast einen Freund fürs Leben." Kritik an seinem skurrilen Auftritt in Pjöngjang wollte Rodman nicht gelten lassen. "Ich bin kein Politiker. Kim Jong Un und die nordkoreanischen Menschen sind Basketballfans. Ich liebe alle. Ende der Geschichte", erklärte er via Twitter. Ja, ...

... mittlerweile brachte er sich für seine "Basketball-Diplomatie" gar selbst für den Friedensnobelpreis ins Gespräch. Möglicherweise verfährt Rodman nach dem Prinzip ...

... "Humor ist, wenn man trotzdem lacht". Möglicherweise aber hat er auch einen Basketball etwas zu heftig gegen den Kopf bekommen. Die Kungelei von Stars und Sternchen aus Sport, Musik und Film mit zweifelhaften Machthabern ist nicht neu. Und ginge man noch weiter in der Geschichte zurück, ...

... dann ließen sich dafür durchaus noch weitere und mitunter auch heftigere Beispiele finden (im Bild: NS-Propagandaminister Joseph Goebbels, l., und Adolf Hitler mit der Regisseurin Leni Riefenstahl 1938). Doch so oder so: Es ist stets ein Spiel mit dem Feuer.

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