Bilderserie

Wüste, Mars, Schnee, Gefängnis: Wer bekommt den Oscar?

Von Markus Lippold

Bild 1 von 57
Abenteuer, Action und Science-Fiction bestimmen die diesjährige Oscarverleihung. Zumindest was die Zahl der Nominierungen angeht. (Foto: dpa)

Abenteuer, Action und Science-Fiction bestimmen die diesjährige Oscarverleihung. Zumindest was die Zahl der Nominierungen angeht.

Abenteuer, Action und Science-Fiction bestimmen die diesjährige Oscarverleihung. Zumindest was die Zahl der Nominierungen angeht.

Das ist durchaus ungewöhnlich, geht es doch sonst vor allem um Dramen, Dramen und Dramen (hier "Argo").

Gern auch mal historisch wie "Lincoln".

Das passt dann aber auch schon wieder ganz gut zu "The Revenant", der im 19. Jahrhundert spielt und mit zwölf Oscarchancen als Favorit gilt.

Leonardo DiCaprios Odyssee durch die verschneiten Rocky Mountains hat Chancen auf den Preis als bester Film, …

… für die Regie von Alejandro González Iñárritu (der im letzten Jahr schon mit "Birdman" abräumte), …

… für den besten Nebendarsteller Tom Hardy und etliche weitere Kategorien wie Ton, Schnitt, Make-up und Kostüme.

Und dann noch Leonardo Di Caprio. Muss man jetzt vielleicht nicht mehr so viele Worte drüber verlieren.

Entweder er gewinnt. Oder wiedermal nicht.

Aber da eigentlich alle nur noch über ihn reden, sind die Chancen gar nicht so gering. Das sagen auch die Quoten der Wettbüros.

Als zweiter Oscar-Favorit gilt "Mad Max: Fury Road", in dem auch Tom Hardy mitspielt. Das ist einerseits überraschend, weil die Fortsetzung der legendären 80er-Jahre-Trilogie ein purer, atemloser Actionfilm ist, …

… und der sehr viel Spaß macht (was man nicht gerade von allen Oscar-Filmen behaupten kann). Andererseits ist es aber auch bemerkenswert, weil er auf zehn Nominierungen kommt, darunter aber kein einziger Darsteller ist - nicht mal für Charlize Theron.

Dafür könnte Regisseur und Produzent George Miller die Preise für den besten Film und die beste Regie bekommen - hinzu kommen Nominierungen etwa für Kamera und Schnitt, Kostüme und Make-up, Ton und Spezialeffekte.

In dem Bereich konkurriert er nicht nur mit "The Revenant" und "Star Wars: Das Erwachen der Macht", …

… sondern auch mit dem siebenfach nominierten Science-Fiction-Film "Der Marsianer". Das ist der mit dem Astronauten Mark Watney, der von seiner Crew mal eben auf dem Mars vergessen wird und fortan um sein Überleben kämpft.

Bester Film, bestes adaptiertes Drehbuch, Ton, Tonschnitt - der Film hat einige Chancen auf Academy Awards, nur Regisseur Ridley Scott wurde übergangen.

Dafür tritt Hauptdarsteller Matt Damon an, der mit seiner präsenten Darstellung den Film scheinbar mühelos trägt (und schon einen Golden Globe bekam - in der Kategorie Komödie).

Ja, Damon ist starke Konkurrenz für DiCaprio. Im Gegensatz zu dem "Titanic"-Star hat er aber schon einen Oscar - für das Drehbuch von "Good Will Hunting", das er zusammen mit Ben Affleck schrieb.

Als bester Hauptdarsteller ist außerdem Eddie Redmayne im Rennen, der bereits im letzten Jahr den Oscar für seine Stephen-Hawking-Performance bekam.

Diesmal spielt er in "The Danish Girl" den dänischen Maler Einar Wegener, der sich als einer der ersten transsexuellen Menschen zur Frau umoperieren ließ.

Auch Fernsehstar Bryan Cranston ("Malcolm Mittendrin", "Breaking Bad") könnte den Oscar bekommen. Er spielt in "Trumbo" den realen Hollywood-Drehbuchautor Dalton Trumbo, …

… der während der Kommunistenhatz in der McCarthy-Ära verfolgt wird. Eigentlich mag die Academy Filme über Hollywood - fraglich ist, ob sie bereit für die Aufarbeitung eines ihrer dunkelsten Kapitel ist.

Auch Michael Fassbender ist für die Darstellung einer realen Figur nominiert: Der Deutsch-Ire, der von Action über Superheld bis großes Drama alles beherrscht, …

… spielt Steve Jobs im gleichnamigen Film - und erhielt dafür viel Kritikerlob.

Das gilt auch für Cate Blanchett als "Carol", die im Amerika der 50er Jahre eine zarte lesbische Beziehung beginnt und deshalb um das Sorgerecht für ihr Kind kämpfen muss.

Für Blanchett wäre es der dritte Oscar bei sieben Nominierungen - sie bekam den Preis als beste Nebendarstellerin für "Aviator" und als Hauptdarstellerin in "Blue Jasmine".

Einen Oscar nennt auch schon Jennifer Lawrence ihr Eigen. Diesmal geht sie als findige Unternehmerin "Joy" ins Rennen, …

… die mit einem Wischmop zur Millionärin wird - und zur Golden-Globe-Gewinnerin.

Nominiert als beste Hauptdarstellerin ist außerdem Saoirse Ronan - für "Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten". Das Liebesdrama, das auch als bester Film nominiert ist, …

… dreht sich um eine irische Auswanderin in den USA. Für Ronan ist es die zweite Oscar-Nominierung.

Ihre erste Nominierung überhaupt erhielt dagegen Charlotte Rampling.

Sie könnte für das Ehedrama "45 Years" - nach Silbernen Bären und Europäischem Filmpreis - einen weiteren Preis erhalten.

Als Favoritin auf den Oscar gilt allerdings eine andere: Brie Larson hat für "Raum" bereits einen Golden Globe bekommen.

Die Amerikanerin spielt darin eine Frau, die zusammen mit ihrem fünfjährigen Sohn jahrelang in einem kleinen Raum eingesperrt war.

Nach ihrer gelungenen Flucht können sie sich aber nur schwer an die neue Freiheit gewöhnen.

Das Drama ist auch für den besten Film und den Regisseur nominiert.

Das wären schon mal die nominierten Hauptdarsteller - die allerdings nicht so glänzen könnten, wenn sie nicht jene Menschen an ihrer Seite hätten, die für den Nebenrollen-Oscar nominiert sind.

So ist neben Blanchett etwa auch Rooney Mara nominiert, die die Verkäuferin Therese spielt, die sich in "Carol" verliebt.

Alicia Vikander spielt die Ehefrau von Eddie Redmayne in "The Danish Girl" - wobei der Film in ihrer Darstellung von der realen Vorlage gehörig abweicht.

Neben den beiden kann sich auch noch Kate Winslet gute Chancen ausrechnen - sie spielt eine Mitarbeiterin von Michael Fassbender in "Steve Jobs".

Das Quintet machen schließlich Jennifer Jason Leigh (M.) für ihre Darstellung in Quentin Tarantinos "The Hateful Eight" und …

… Rachel McAdams (hier mit Neal Huff) komplett - die im Missbrauchsfilm "Spotlight" mitspielt, der auch als bester Film und für die beste Regie nominiert ist.

Mark Ruffalo, bekannt als Hulk von den "Avengers", ist für diesen Film als bester Nebendarsteller nominiert.

Er spielt einen der Journalisten, die den vertuschten Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in Boston aufdecken.

Christian Bale wiederum erhält seine Oscarchance für den Börsenfilm "The Big Short", der auch für den besten Film und die Regie nominiert ist.

Einen Nebenrollenoscar hat Bale ja schon bekommen, für "The Fighter".

Konkurrenz bekommt er vom bereits erwähnten Tom Hardy, der den Bösewicht in "The Revenant" spielt.

Für seine Hauptrolle in "Mad Max" ist Hardy aber nicht nominiert - gut möglich aber, dass einige Mitglieder der Academy diese Leistung bei ihrer Wahl berücksichtigen.

Mark Rylance wiederum spielt in dem Kalter-Krieg-Drama "Bridge of Spies - Der Unterhändler" einen verdeckten Sowjet-Spion, der auf der Glienicker Brücke ausgetauscht wird.

Hauptdarsteller Tom Hanks und Regisseur Steven Spielberg (Bild) wurden bei den Nominierungen übrigens übergangen. Ob "Bridge of Spies", der auch in Berlin und Potsdam gedreht wurde, den Preis für den besten Film abräumt, ist ebenfalls fraglich.

Schließlich ist noch ein alter Haudegen nominiert: Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Sylvester Stallone (hier mit Frau und Töchtern) nach dem Golden Globe auch den Oscar für den besten Nebendarsteller erhält - …

… ausgerechnet in einer Rolle, die die Hauptfigur in sechs Filmen war: In "Creed - Rocky's Legacy" spielt er den legendären Boxer, der ein Nachwuchstalent (Michael B. Jordan) trainiert.

Für den ersten "Rocky"-Film war Stallone einst als bester Hauptdarsteller und Drehbuchschreiber nominiert, ging allerdings leer aus. Nun könnte seine große Stunde schlagen.

Bleibt nur noch ein Problem: Dass alle 20 nominierten Darsteller weiß sind, hat bereits im Vorfeld der Oscar-Verleihung für einen Skandal gesorgt.

Schwarze Künstler wie Spike Lee sagten gar ihre Teilnahme an der Gala ab.

Die Oscar-Academy versprach zuletzt Besserung - ob diese wirklich eintritt, ist aber fraglich, schließlich waren bereits im vergangenen Jahr nur weiße Schauspieler nominiert.

Egal wer also am Ende die goldenen Statuen in den Händen hält: Ein kleiner Makel schwingt dabei mit.

weitere Bilderserien