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Heute ein König! : Willem-Alexander erklimmt den Thron

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Machen Sie's gut, Majestät. (Foto: dpa)

Machen Sie's gut, Majestät.

Machen Sie's gut, Majestät.

Willkommen, Majestät.

Willem-Alexander denkt bestimmt: "Danke Mama, danke, dass du mich nicht so lange hast zappeln lassen wie die anderen."

Der britische Kollege zum Beispiel ...

... oder auch der spanische, ...

... und der dänische - sie würden bestimmt, wenn sie könnten.

Vor allem, weil Mama und Papa sich endlich genüsslich zurücklehnen könnten, stattdessen ...

... kleben sie an ihren Ämtern. Selbst in Schweden würde eine Wachablösung gut tun - auch wenn man der jungen Mutter Victoria noch ein bisschen unbeschwerte Zeit mit ihrer Familie gönnen würde.

Königin Beatrix, Kronprinz Willem-Alexander und Prinzesssin Máxima gehen nun also einen anderen Weg.

Und der wird kein leichter sein.

Nachdem die Niederländer sich ihren Party-Prinzen ja lange nicht als Staatsoberhaupt haben vorstellen können, ...

... traut man dem dreifachen Familienvater inzwischen fast alles zu. Und das unschöne, aber geflügelte Wort des bierseligen "Prinz Pilsje" kann fortan der Vergangenheit angehören.

Wenn der Prinz von Oranien nun im Alter von 46 Jahren den Thron besteigt, bezweifelt niemand mehr, dass er das Zeug zum König hat.

Die Niederländer schätzen den als bodenständig und volksnah geltenden Prinzen mittlerweile ebenso sehr wie seine Mutter Beatrix. Vielleicht lieben sie ihn sogar ein bisschen mehr. Schon jetzt.

Denn auf die Geburt von Willem-Alexander Claus George Ferdinand hatte die Nation am 27. April 1967 mit Begeisterung reagiert.

Zum ersten Mal seit 1890 sollte nach der Regentschaft von drei Königinnen wieder ein Mann den Thron besteigen.

Doch Willem entwickelte sich zu einem nicht ganz einfachen Jugendlichen, seine Eltern schickten ihn schließlich auf eine Privatschule nach Wales.

Zurück in den Niederlanden, absolvierte er seinen Militärdienst bei der Marine.

Willems ausschweifendes Studentenleben an der Universität von Leiden füllte immer wieder die Klatschspalten.

Nach Schilderung des früheren Regierungschefs Ruud Lubbers soll sogar die Königsfamilie selbst die Eignung des Thronfolgers in Zweifel gezogen haben, ...

... der schon mal als Elfjähriger bei einem offiziellen Fototermin rief, die Medien sollten sich "zum Teufel scheren".

Sein Verhältnis zur Presse hat sich inzwischen entspannt.

Zusammen mit der Regierung brachte der Thronfolger 2005 einen Pressekodex auf den Weg, der weitgehend beachtet wird.

Nach seinem Geschichtsstudium begann sich der Prinz auf seine königlichen Pflichten vorzubereiten. Er ließ sich bei der Armee unter anderem zum Piloten der Luftwaffe ausbilden und bereiste ausgiebig das Land.

1998 wurde der passionierte Sportler, der selbst Tennis und Golf spielt, segelt und Schlittschuh läuft, ...

... Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees.

Ganz wie sein Vater Claus begann er sich auch für Fragen des Wassermanagements zu interessieren. 2006 übernahm er den Vorsitz des UN-Beratergremiums für Wasser und Gesundheit.

Den Imagewandel verdankt Willem-Alexander vor allem seiner Frau.

War die Hochzeit mit der bürgerlichen Argentinierin Máxima Zorreguieta 2002 noch wegen der Vergangenheit ihres Vaters als Staatssekretär in der Militärjunta hoch umstritten, ...

... so haben die Niederländer die fröhliche Südamerikanerin längst ins Herz geschlossen.

Willem sei "intelligent, zärtlich, stark" und stehe "mit beiden Füßen auf dem Boden", sagte Máxima in einem Interview.

Zur Familie gehören mittlerweile auch drei Töchter: die neunjährige künftige Thronfolgerin Catharina-Amalia sowie die siebenjährige Alexia und die sechsjährige Ariane.

Nicht zuletzt der schwere Ski-Unfall seines Bruders Johan Friso Anfang 2012, der seitdem im Koma liegt, brachte Willem-Alexander nach Meinung mancher Beobachter zu der Einsicht, dass er sich auf die Thronfolge vorzubereiten hatte.

Heute gilt er als volksnäher und fortschrittlicher als seine Mutter.

Von seinen Auslandsreisen berichtet er in einem Blog im Internet.

Anders als Beatrix legt der künftige König weniger Wert auf die Anrede "Majestät", wie er unlängst in einem TV-Interview sagte. "Ich bin kein Protokoll-Fetischist", verriet er.

Doch sein Lebensstil bleibt nicht ohne Kritik. 2009 musste er auf Druck der Öffentlichkeit sein neues Ferienhaus im verarmten Mosambik wieder verkaufen.

Auch nach seiner Teilnahme am traditionellen Toiletten-Weitwurf zum sogenannten Königinnentag 2012 zeigte sich der Prinz zerknirscht: Er schäme sich "angesichts von 2,6 Milliarden Menschen, die nicht die geringste Infrastruktur haben, um ihre Bedürfnisse mit Würde zu verrichten".

Zwei Drittel aller Niederländer sind allerdings der Ansicht, dass ihr künftiger König ruhig an einem solchen Wettkampf teilnehmen könnte.

Es ist nicht leicht für Willem. Er musste sich schon viel Spott gefallen lassen.

Anderseits - mit dem Thronwechsel wird er einer der bestbezahlten Monarchen Europas. Mit einem Jahresgehalt von steuerfreien 850.000 Euro sei er vollkommen überbezahlt, wettern Monarchiegegner.

Nach 123 Jahren Frauenherrschaft ist mit Willem-Alexander nun wieder ein Mann auf den Oranje-Thron.

Bei all dem Jubel um einen Mann darf er allerdings - anders als seine Vorgängerinnen - als Majestät jedoch fast nur noch eine zeremonielle Rolle spielen.

"Gegen Bändchenzerschneiden ist nichts einzuwenden", erklärt Willem-Alexander als Figur in einem Cartoon. "Solange ich dabei einen guten Schnitt mache!" So lästerte die angesehene Zeitung "NRC Handelsblad".

Dabei hatte eben jener Willem-Alexander einst erklärt, er werde verzichten, sollte die Königsrolle nur noch eine zeremonielle sein und auf "lintenknipperij" - das Durchschneiden von Einweihungsbändern - hinauslaufen.

Genau so ist es zwar gekommen - das Parlament schränkte die wenigen politischen Befugnisse niederländischer Monarchen voriges Jahr weiter ein. Doch als der Thronfolger vor einer solchen Entwicklung warnte, war er ja erst 26 und steckte noch in seiner Sturm- und Drangphase.

Bevor er Máxima kennenlernte, war er ein Wilder: ...

... Zechtouren standen auf seinem Programm, immer neue Freundinnen. Auch versenkte er mal sein Auto in einer Gracht der Universitätsstadt Leiden.

Der Prinz sei "intelligent, aber nicht intellektuell", formulierte der Historiker Henk Wesseling, der seine Examensarbeit im Studienfach Geschichte betreute. Heute, zwei Jahrzehnte danach, sieht der kommende König die "lintenknipperij" erheblich entspannter.

Das vor kurzem gegebene TV-Interview hat den beiden Königskindern erheblich nach vorne geholfen. Willem-Alexander überrumpelte damit selbst den ärgsten Monarchie-Widersacher im Parlament: "Eindrucksvoll", twitterte Geert Wilders, der Chef der populistischen Partei für die Freiheit. "Er begreift das Primat der Politik."

In Den Haag streben viele Abgeordnete - mit Ausnahme der christlich-konservativen und bürgerlich-liberalen - nach Mehrheiten, um den König vollkommen auf eine symbolische Funktion festnageln zu können, falls er nicht spurt. Einige wollen die Monarchie gar abschaffen: "Wenn es nach uns geht", sagt der Fraktionsvorsitze der Grün-Linken, Bram van Ojik, "wird er der letzte König sein."

Doch der intelligente Willem-Alexander kennt die Herausforderung seines Königtums: das Überleben der Oranje-Erbmonarchie zu sichern, um sie eines Tages seiner Tochter Amalia übergeben zu können.

Dafür will er sie "modernisieren", an die Entwicklung der Gesellschaft anpassen. Ihre Bedeutung für die Identität der Niederländer will er immer wieder beweisen. Er will - und sei es als Galionsfigur - das Volk "zusammenbinden, repräsentieren und ermutigen".

Jahrzehnte hat er sich darauf vorbereitet. Auch indem er sich - einem Rat seines 2002 gestorbenen deutschen Vaters Prinz Claus von Amsberg folgend - zum Experten für Wassermanagement ausbilden ließ.

Kein anderes Fach ist für sein plattes Land wichtiger, das sich mit einem riesigen System von Deichen, Kanälen und Pumpstationen vor der Nordsee schützen muss - erst recht in Zeiten des Klimawandels.

Natürlich weist die königliche Vita etliche weitere Pluspunkte auf, die Willem-Alexanders Qualifikation für den Königsjob demonstrieren. Seine militärische Laufbahn etwa. Bis zum Brigadegeneral der Reserve hat er es gebracht. Am liebsten war ihm dabei die Fliegerei.

Aus seiner Luftwaffen-Zeit stammt eine Anekdote, die den Ruf des Thronfolgers als liebenswerten Draufgänger fördert: 1992 überredete er seinen Fluglehrer Willem de Boer, die Flugverbotszone über Paleis Huis ten Bosch zu ignorieren. So jagten die beiden in Sportflugzeugen über das Residenzschloss von Beatrix hinweg. "Seine Mutter war nicht erfreut", berichtete De Boer.

Zum Image des fitten Alleskönners gehört Sportbegeisterung: ...

... 1992 lief Willem-Alexander beim New York Marathon mit. Vorher nahm er an der populären "Elfstedentocht" im niederländischen Friesland teil. Sie gilt als das härteste Schlittschuhrennen der Welt.

Toll auch seine Fähigkeit zur Selbstkritik. Dass er in Afrika eine Luxusvilla kaufte, als viele Holländer wegen der Finanzkrise um ihre Ersparnisse fürchteten, nannte er später einen "Einschätzungsfehler". Königliche Demut mag das Volk.

Jetzt ist es soweit, Willem ist König.

Die nächste Generation steht aber auch bereits in den Startlöchern. (soe/dpa/AFP)

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