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Lass' den Hippie raus!: Woodstock 1969

 
Lass' den Hippie raus!: Woodstock 1969

"Echte Hippies glauben nur an zwei Dinge: Liebe und Frieden!"

Mit diesen Worten hat Latin-Rock-Legende Carlos Santana unlängst zum Start seiner Deutschland-Tour an gute alte Tugenden erinnert.

An die gute alte Zeit denken momentan sicher auch viele andere, zum Beispiel diese beiden Woodstock-Besucher: Bobbi und Nick Ercoline, damals 19 und 20 Jahre alt. Die beiden heirateten 1971 und sind noch heute ein Paar.

Und für viele Romantiker, Neu- und Alt-Hippies steht fest: Woodstock war ein kulturelles Phänomen (hier ein Bild vom Festival "Haltestelle Woodstock" 2004 in Kostrzyn in Polen). Doch was bisher immer ein wenig unterging, war der Anlass für das Zusammenkommen einer halben Million Menschen vom 15. bis zum 17. August 1969: Die Musik!

Zum 40. Jahrestag des Festivals erscheint nun die "Ultimative Collector's Edition". Dieses - schon rein äußerlich besonders gelungene - Werk enthält den legendären Woodstock-Film als DVD oder Blu-Ray und zeigt den "Director's Cut". Besonders schön anzuschauen, wenn es draußen - wie in Woodstock -regnet.

The Grateful Dead (Foto) waren dabei, Tim Hardin, Jefferson Airplane, The Who oder Country Joe & The Fish.

Zusätzlich zur reinen Musik enthält das Set eine ganze Menge zusätzlicher Ereignisse, die das Festival begleiteten, etwa Ansagen, das Prasseln des Regens, ...

... und die berührende Rede des Landbesitzers Max Yasgur, die zum ersten Mal in voller Länge dokumentiert wird. Er vermietete sein Land für 50.000 Dollar, wurde später allerdings auf 35.000 Dollar Schadensersatz wegen Eigentumsbeschädigungen in der Umgebung verklagt. Etwa die Hälfte des Audiomaterials ist bisher unveröffentlicht.

Woodstock begann am 15. August 1969, genau um 17.07 Uhr. Folk-Sänger Richie Havens schlug die ersten Akkorde zu seinem "High Flyin' Bird" an.

Es endete offiziell am 18. August (inoffiziell erst am Morgen des 19.), als der geniale Jimi Hendrix (er erhielt die höchste Gage) mit kehliger Stimme und seinem "Hey Joe" die erschöpften Zuschauer auf den Heimweg schickte. (Dieses Foto zeigt Jimi Hendrix allerdings 1970 auf Fehmarn)

Woodstock - allein das Wort setzt Emotionen frei. In Amerika herrschte zu dem Zeitpunkt eine eher aggressive Kampfesstimmung der 1968er-Bewegung.

32 Künstler traten auf, alle hatten "etwas zu sagen": Darunter Ravi Shankar (Foto), der bereits zitierte Carlos Santana, ...

... die mit nur 27 Jahren gestorbene Janis Joplin, ...

... Joe Cocker (Foto) und Jefferson Airplane.

Höhepunkt war der Auftritt der im sechsten Monat schwangeren Joan Baez mit dem Folksong "We Shall Overcome".

Crosby, Stills, Nash & Young durften nicht fehlen, ...

... genau so wenig natürlich The Who.

Woodstock, das waren auch Regen und Schlamm und katastrophale sanitäre Verhältnisse.

Das Essen wurde knapp. Aber die Menschen hielten durch. Es wurde viel gekuschelt.

Sie zogen sich die nassen Kleider aus, viele Paare liebten sich im Freien. Zwei Menschen starben, einer an einer Überdosis Heroin, den anderen überrollte ein Trecker. Zwei Babys kamen auf die Welt.

Und selbst die spießigsten New Yorker, die sich zunächst noch über den Verkehrsstau geärgert hatten, schwenkten um. James Reston, Chefredakteur der "New York Times", wollte zuerst eine Story über eine sich anbahnende "soziale Katastrophe" schreiben lassen.

Doch offenbar stimmte ihn das ganze Happening milde. Der Reporter Barnard Collier durfte die Geschichte so veröffentlichen, wie er sie erlebt hatte: Auf Seite 1 erschien Woodstock als Schlagzeile, und darin lasen die Amerikaner Wörter wie "wunderbar" und "schön".

Woodstock hat eine ganze Generation verändert, schließlich eine Nation und bis heute die Welt - wie sich hier schön und Jahre später an Flea von den Red Hot Chili Peppers beobachten lässt.

Zurück zur Musik, und für die Fans eine Information, die zum Schwelgen in alten Zeiten verführt: "Woodstock 40" erscheint auch als Doppel-CD, reduziert auf 23 Stücke.

Neben einigen bereits veröffentlichten Klassikern, etwa Hendrix’ explosivem "Star-Spangled Banner" sowie Songs von Santana, Canned Heat, The Who und vielen anderen, enthält die Doppel-CD vier bislang unveröffentlichte Tracks von Creedence Clearwater Revival, Tim Hardin, Arlo Guthrie und der in den letzten Jahren wieder zum Kult gewordenen Incredible String Band.

Mit einem Repertoire, das einen Querschnitt durch die bisherigen Veröffentlichungen bietet, ist die Doppel-CD-Version ein schöner Einstieg in den Mythos Woodstock.

Zeitgleich werden zwei Standardwerke neu veröffentlicht, die bislang als bedeutendste Woodstock-Mitschnitte galten, nämlich "Woodstock: Music From The Original Soundtrack And More" und "Woodstock Two". Beide Alben sind ausgehend von den Originalaufnahmen im Klang neu bearbeitet worden.

Vieles hat sich verändert seit Woodstock, Musik ist gesellschaftsfähiger geworden, Anfeindungen von außen, der Druck auf die Jugend und eine unfreie Gesellschaft haben früher wesentlich mehr Probleme gemacht. Heute gibt es nicht mehr diese Verteufelung der Jugend und "ihrer" Musik, wie es in den 70er Jahren noch war.

400.000 Leute auf diesem Bild können ja auch nicht irren! Musik verbindet und ist für alle da - vor allem, wenn sie so eine friedliche Botschaft verbreitet wie während der Schlammschlacht von Woodstock.

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