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Beige Cordhose, ...
... hellblauer Kaschmirpulli ...
... und australische Stiefeletten.
Wolfgang Joop zieht sich je nach Laune an, gerne experimentell.
Seine liebste Rolle: "Der alternde Student unterwegs, losgelöst von allen Vorschriften", verrät Deutschlands Top-Designer.
Unterwegs durch ein Leben unter Volldampf: Prêt-à-Porter-Schauen in Paris, Vorstellung seiner Autobiografie "Wunderkind. 14467 Potsdam" in Hamburg, Meeting hier, Verabredung dort.
Er kennt die Strecke nach Hamburg, wo er oft ist, gut, verbindet sie mit der "Sehnsucht, hinter die Grenze zu gelangen".
Denn Joop, der am 18. November 1944 in Potsdam geboren wurde, war lange ein Heimatloser zwischen den Welten beiderseits der Mauer.
Seitdem lebt Joop seinen Traum mit dem Label Wunderkind.
Wer nun glaubt, dass der Meister dort in der schmucken Villa nur Untergebene dirigiert - weit gefehlt.
"Ich hatte nie einen Assistenten, damit setze ich mich ab von allen anderen", stellt Joop klar.
Seine Eitelkeit kommt immer wieder durch, doch was vor allem bleibt: ...
... Ein durchaus exaltierter, ...
... aber ungemein humorvoller ...
... und selbstkritischer Star-Modemacher.
"Fehler? Ach, davon habe ich viele," gibt er unumwunden zu.
Und seine Stärken?
Die größte ist ja wohl das Zeichentalent.
Szenenwechsel: Ein paar Tage später in der Villa Wunderkind am Ufer des Heiligen Sees in Potsdam.
Joop - im Holzfäller-Look (nicht im Bild) - steht an seinem Holzpult.
"Ich zeichne nur im Stehen, manchmal neun Stunden am Tag", sagt er und greift zu einem Bleistift.
Das Model posiert, Joop zeichnet hochkonzentriert, nach wenigen Minuten ist das Kleid bis ins Detail aufs Papier gebracht.
"Jeder erste Strich ist für mich beglückend."
Und so kreiert Joop unermüdlich seine Wunderkind-Mode "leicht irritierend, etwas Boheme" ...
... oder auch immer wieder etwas jenseits der Haute Couture ...
... wie jüngst Kompressionsstrümpfe, ...
... für die er von Karl Lagerfeld - oh Wunder - hämische Worte erntete.
Auch seine Mutter ist entsetzt - sie findet, dass "Stützstrümpfe" - in Vielfliegerdeutsch: "Kompressionssocken" - gar nicht zu ihrem Wolfi passen. Außerdem moniert sie, dass ihr seine Wunderkind-Modelle zu teuer sind.
Dabei inspirierten einst die "Trümmerfrauen" den jungen Modemacher Joop, ...
... der 1978 mit einer Pelzkollektion den internationalen Durchbruch feierte.
Und bis heute findet er das Natürliche aufreizender als das Geleckte.
Auch über sich selbst sagt der Beau: "Ich mache nichts, um mich zu retouchieren."
Auch Diäten seien noch nie seine Sache gewesen.
Nach allmorgendlich zwei frisch gepressten Gemüsesäften schlägt Joop gerne am Nachmittag bei Schlagsahne und Torte zu heute ist es Käsesahne-Apfel.
Für seine Figur muss der Mann, der mehrfach zu einem der bestgekleideten Deutschen gekürt wurde, offenbar auch als Großvater nichts tun.
Die Modewelt jedenfalls lässt Joop vorerst nicht los, auch wenn er regelmäßig vor lauter Lampenfieber beim Gang auf den Laufsteg ins Wachkoma fällt.
Denn: "Man braucht alte Augen und ein junges Herz", um erfolgreich zu sein, sagt Joop, ...
... der Werbepsychologie und Kunsterziehung studierte, ...
... 1981 sein Label JOOP! gründete ...
... und von Bekleidung bis Wasserhähnen alles entwarf. Dabei ist sein Selbstverständnis durchaus von Kritik an den Zuständen dieser Welt geprägt, die er auf seine Weise gerne anprangert.
Doch irgendwann war Schluss, ...
... Joop verkaufte seine Anteile, kehrte Hamburg den Rücken und startete mit Wunderkind ein Luxus-Avantgarde-Label.
Vielleicht kommt das Multitalent Joop machte schon als bildender Künstler, Maler, Schriftsteller, Schauspieler von sich reden bald mit etwas Neuem.
Ein "handfestes" Kochbuch würde er gerne schreiben: "Wie man ein richtiges Rührei macht."
Dann dreht sich Joop schwungvoll zu seinen Mitarbeitern um und meint: "Jetzt hab' ich genug erzählt." Wer mehr Joop möchte, kann ja lesen: ...
... Die Autobiografie von Wolfgang Joop "Wunderkind 14467 Potsdam"(Inga Griese und Edwin Lemberg (Hrsg.), Collection Rolf Heyne, 560 Seiten), ist für einen echten Joop recht günstig: 150 Euro.
Und sein Name wird sowieso weitergeführt: Tochter Jette ist mindestens genauso umtriebig wie ihr Vater.
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