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Wirtschaft

Tonnenschweres Leichtgewicht: Airbus jagt den Dreamliner

 
Tonnenschweres Leichtgewicht: Airbus jagt den Dreamliner

Europas neuer Hoffnungsträger nimmt Gestalt an: Zwei Jahre vor dem geplanten Erstflug seines neuen Hightech-Jets A350 startet der Flugzeugbauer Airbus in Deutschland die Produktion der ersten Bauteile.

Airbus-Chef Thomas Enders gibt in Stade den Startschuss für die heimische Produktion des neuen Flugzeugs.

Für Airbus ist das ein wichtiger Meilenstein, denn nach der A380 und der A400M ist die neue Flugzeugfamilie für Airbus das wichtigste Projekt der Zukunft.

Es geht um eine neue Generation von Langstreckenfliegern, mit denen künftig Passagiere von Frankfurt nach Rio oder von London nach Hawaii reisen können.

Das Besondere am A350 ist sein besonders breiter Rumpf, weshalb er auch mit der Bezeichnung A350 XWB (für eXtra Wide Body) entwickelt wurde.

In der kleinsten Ausführung ist der A350-800 rund 60 Meter lang und für bis zu 270 Passagiere ausgelegt. Die Reichweite liegt bei 15.860 Kilometern. Die größte Version A350-1000 ist knapp 74 Meter lang und fasst bis zu 350 Fluggäste. Die Maschine fliegt ohne Unterbrechung bis zu 14.800 Kilometer.

2013 soll die A350 bereits an den ersten Kunden gehen. Ein ehrgeiziger Zeitplan, zeigen die jüngsten Verzögerungen des Boeing-Konkurrenzprodukts 787 doch die Risiken eines solch komplexen Flugzeugs.

Mit dem enormen Aufwand von gut 10 Milliarden Euro stemmt Airbus das A350-Projekt - diesmal darf nichts schiefgehen; Kabelprobleme, wie sie einst bei der Serienfertigung der doppelstöckigen A380 auftraten, darf es nicht mehr geben.

Das Produktionsdebakel führte zu Milliardenverlusten. Aktionäre klagten, Abnehmer forderten Schadenersatz. Seitdem hat sich bei Airbus viel geändert, auch die Führung ist neu. "Wir haben Lehren daraus gezogen", heißt es im größten deutschen Airbus-Werk in Hamburg.

Nun drängt die Zeit. Nach dem Fiasko um den teuren Militärtransporter A400M geht es für Airbus im Wettrennen mit dem Erzrivalen Boeing um den Anschluss an die Zukunft.

Auf dem Spiel steht nicht weniger als die technologische Glaubwürdigkeit der europäischen Flugzeugbauindustrie. Denn der ewige Rivale Boeing ist mit dem Konkurrenzmodell 787 "Dreamliner", wenn auch stark verzögert, bereits auf der Startbahn.

Airbus selbst schätzt für die kommenden 20 Jahre den Bedarf für diese neue Verkehrsflugzeuggeneration auf rund 5800 Maschinen.

Das Unternehmen hat schon 535 Festaufträge für die A350 verbuchen können; doch Boeing liegt bereits bei mehr als 840 Aufträgen für seinen "Dreamliner", der mit dreijähriger Verspätung nun um den Februar 2011 herum ausgeliefert werden soll.

Für Airbus wie für Boeing ist die neue mittelgroße Langstreckenmaschine Hoffnungsträger und Sorgenkind zugleich. Grund sind die neuen Materialien, die den Flieger leichter, effizienter und umweltverträglicher machen sollen.

Ultraleichte Kohlefaser-Werkstoffe, die auch die Augen des Ex-SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier zum Leuchten brachten, sollen vor allem Treibstoff sparen. Gut ein Fünftel weniger sollen die Flieger verglichen mit herkömmlichen Langstreckenjets verbrauchen.

Bei dem neuen Werkstoff wurde in vielfacher Hinsicht technisches Neuland betreten - Verzögerungen durch unerwartete Probleme waren die Folge.

Mit viel Geld und unter hohem Zeitdruck wurden die deutschen Airbus-Werke in Hamburg, Stade und Bremen für die A350-Fertigung aufgerüstet. In Partnerwerke von Premium Aerotec in Nordenham, Varel und Augsburg, die dem Airbus-Mutterkonzern EADS gehören, flossen ebenfalls hunderte Millionen Euro.

Zugleich stellte sich Airbus auch besser auf. Der Standort Laupheim etwa wurde im Zuge des Airbus-Sparprogramms Power-8 an das deutsch-französische Gemeinschaftsunternehmen Diehl/Thales verkauft.

Ganz vorne bei der A350-Produktion steht hingegen nun der Standort Stade. Hier investierte Airbus eine halbe Milliarde Euro. Stade ist seit langem auf Kohlenstofffaser-Verbundwerkstoffe spezialisiert - im Gegensatz zu anderen Werken, die erst von Aluminium auf das neue Material umgestellt werden mussten.

In Stade werden die Seitenleitwerke gebaut sowie einige Rumpfschalen und die oberen Flügelschalen, mit 33 Metern Länge die größten Kohlefaserbauteile.

Europaweit beschäftigt Airbus im neuen Flugzeugprogramm, für das der erste Startschuss bereits 2005 fiel, 6000 Mitarbeiter. Mittelfristig sollen es 13.000 werden. In Deutschland sind es derzeit rund 1700.

Die Endmontage erfolgt im Airbus-Zentrum in Toulouse. Anfang 2009 begannen die Bauarbeiten für die Fertigungsstätten.

Auch in der Teileproduktion haben die Franzosen schon losgelegt. "Ein Drittel der Fertigung entfällt auf Frankreich, ein Drittel aber auch auf Deutschland", kündigte der Flugzeugbauer an.

Neugierig geworden? Der Listenpreis für die kleinste Ausführung, in der rund 270 Passagiere Platz finden, liegt bei 225 Millionen US-Dollar.

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