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Wirtschaft

Bahnhof mit Aussicht: Berlins Hauptbahnhof ist fertig

 
Berlins Hauptbahnhof ist nun, Ende Mai 2006, fertig. Mit dem Prestigebau am Regierungsviertel bekommt die Hauptstadt zugleich ein weiteres Einkaufszentrum.

Berlins Hauptbahnhof ist nun, Ende Mai 2006, fertig. Mit dem Prestigebau am Regierungsviertel bekommt die Hauptstadt zugleich ein weiteres Einkaufszentrum.

Das freut natürlich die Berliner, die beim Shoppen im Stadtzentrum jetzt zwischen Hauptbahnhof, ...

... Alexanderplatz, ...

... Friedrichstraße, ...

... Potsdamer Platz ...

... und Ku'damm wählen können.

Doch in erster Linie ist der Hauptbahnhof ja ein Bahnhof. Die beiden früheren Zentralbahnhöfe in West und Ost steigen damit in die Regionalliga ab.

Am Bahnhof Zoo werden ICEs künftig überhaupt nicht mehr halten.

Vom Fernverkehr abgekoppelt wird auch der Flughafen Schönefeld.

Den Ostbahnhof, der von 1987 bis 1998 Hauptbahnhof hieß, trifft es weniger hart. Hier sollen ICEs weiterhin halten - wenn auch deutlich weniger als bisher.

Der Hauptbahnhof wird übrigens Hauptbahnhof heißen. Die Einheimischen hätten lieber an der historischen Bezeichnung - Lehrter Bahnhof - festgehalten.

Bahn und Berliner Senat einigten sich 2003 jedoch auf den Namen "Berlin Hauptbahnhof - Lehrter Bahnhof".

Nur zwei Jahre später verkündete die Bahn, dass der historische Bezug komplett gestrichen wird.

Zugeständnis an die Berliner: Der S-Bahnsteig des Hauptbahnhofs behält seinen alten Zusatz.

Die Planungen für ein neues Verkehrskonzept für die wiedervereinigte Stadt begannen bereits kurz nach der Wende. Das war die Zeit, als Geld noch keine Rolle spielte.

Im Juli 1992 beschloss die Bundesregierung die Errichtung eines Kreuzungsbahnhofs am Standort des letzten Westberliner S-Bahnhofs auf dem Weg Richtung Osten.

Begonnen wurde 1995 mit dem Bau eines 3,6 Kilometer langen Eisenbahntunnels von Norden nach Süden. Dieser Tunnel durch den Tiergarten wurde zehn Jahre später fertiggestellt.

Der Tunnel hat Röhren für die Fern- und Regionalzüge, dazu Röhren für die U-Bahn und einen Straßentunnel.

2001 begann der Brücken-Bau für die neue S-Bahn-Trasse, die zwei Jahre später in Benutzung genommen wurde. Der denkmalgeschützte alte Lehrter Stadtbahnhof wurde abgerissen.

Der Bau des neuen Bahnhofs wurde zeitweise zur Attraktion. Gebaut wurde zu Lande, zu Wasser ...

... und ...

... in der Luft.

Besonders spektakulär war der Bau der so genannten Bügelbrücken im Jahr 2005.

Sie wurden zunächst nach oben gebaut ...

... und dann im Juli und August ...

... auf das Dach des Bahnhofs gesenkt.

Mit der zweiten wurde es ebenso gemacht.

Das Verfahren, mit dem die jeweils 1.250 Tonnen schweren Brücken abgesenkt wurden, ist weltweit einmalig.

Blickfang des Bahnhofs sind seine gläsernen Hallendächer, die sich 321 Meter in Ost-West-Richtung und 160 Meter in Nord-Süd-Richtung erstrecken.

Das Tageslicht fällt an markanten Stellen mehr als 40 Meter tief bis in das Untergeschoss. Auf dem gläsernen Dach ist eine 1.700 Quadratmeter große Voltaikanlage installiert.

Der neue Hauptstadtbahnhof ist der aufwändigste und teuerste Bahnhofsneubau der Nachkriegszeit. Der Bahn zufolge ist er außerdem der größte Kreuzungsbahnhof Europas.

Mit offenen Mündern sahen Berliner und Touristen vor sechs Jahren zu, wie Taucher in riesigen Baugruben unter Wasser Betonschichten anlegten.

Die Züge nach Norden und Süden halten 15 Meter unter der Erde. Sie rollen unter der Spree, dem Regierungsviertel und dem Potsdamer Platz hindurch.

Die Züge aus Ost und West gleiten 10 Meter über der Erde auf dem alten Stadtbahn-Viadukt heran.

Wie in einer Kathedrale wölben sich die gläsernen Dächer der Haupthalle darüber und lassen das Tageslicht bis in die Untergeschosse fallen.

Gläserne Aufzüge schweben zwischen fünf Ebenen hin und her.

Vom südlichen Bahnhofsportal bietet sich ein ganz neues Berlin-Panorama: Reisende können ihre Blicke über die Spree hinweg, zum Reichstag, ...

... zum Bundeskanzleramt ...

... oder zum Potsdamer Platz schweifen lassen.

In der Ferne ist der Fernsehturm zu erkennen, hier im Fußball-Look. Es ist ein Bahnhof mit Aussicht.

Künftig sollen am Hauptbahnhof täglich mehr als 1000 Züge halten, darunter 164 Fernzüge, 314 Nahverkehrszüge und mehr als 600 S-Bahnen.

Die fünf Ebenen des Bahnhofs werden neben Treppen mit 54 Rolltreppen und 34 Aufzügen verbunden, sechs davon sind runde, gläserne Panoramaaufzüge.

Viele Berliner sehen den Neubau mit gemischten Gefühlen: An die immer neuen bauliche Rekorde hat die Stadt sich längst gewöhnt, an die zahllosen Baustellen (notgedrungen) auch.

Das ist ein Lichtblick: Mit der Eröffnung des Hauptbahnhofs verschwindet die letzte Großbaustelle aus dem Herzen Berlins.

Die beiden Bürotürme des Hauptbahnhofs sind allerdings noch nicht fertig.

Sie sollen spätestens 2009 bezogen werden. Einen, vielleicht auch beide Türme, will die Bahn selbst nutzen.

Leider sind auch U-Bahn- und Straßenbahn-Anschluss noch nicht fertig. Auch die S-Bahn-Linie Richtung Norden lässt auf sich warten. Typisch Berlin!

Verärgert sind die Westberliner, weil sie künftig nicht mehr am Zoo ein- oder aussteigen können, wenn sie mit dem ICE fahren. Einmal mehr muss das alte Westberlin einen Bedeutungsverlust verkraften.

Auch der Architekt hat seine Begeisterung verloren. Meinhard von Gerkan nimmt der Bahn die Verkürzung seines Glasdachs um 100 Meter übel.

Die Bahn hält dagegen, der Bahnhof sei schließlich in erster Linie ein Bahnhof und kein Selbstverwirklichungsprojekt.

Entscheiden müssen wohl die Gerichte. Gegen die Deckengestaltung im Untergeschoss hat Gerkan Klage eingereicht.

Den Kritikern und Nörglern zum Trotz ist der neue Bahnhof für Berlin etwas Besonderes: ...

Für die Stadt wird es der erste Hauptbahnhof sein, der seinen Namen auch verdient: der erste zentrale Umsteigebahnhof.

Von Berlin nach Leipzig verkürzt sich die Fahrzeit um rund 40 Minuten auf eine gute Stunde.

Auch der Regionalverkehr wird auf einigen Strecken um bis zu 20 Minuten schneller.

Historisch gesehen war Berlin stets eine Stadt der Kopfbahnhöfe. Zu Kaisers Zeiten endeten die Züge aus Bremen und Hamburg am Lehrter Bahnhof, die Züge nach Leipzig starteten am Anhalter Bahnhof.

Die geteilte Stadt behielt ihre beiden "zentralen" Bahnhöfe. Inoffizieller Hauptbahnhof war nach der Vereinigung der Bahnhof Zoo.

Mit nur vier Gleisen war der Bahnhof jedoch bereits für das beschauliche Westberlin zu klein. Die Bedeutung des Bahnhofs wird nun gewissermaßen an seine Größe angepasst.

Umbau und Modernisierung des Berliner Bahnnetzes haben seit Mitte der neunziger Jahre insgesamt 10 Milliarden Euro verschlungen.

Die Kosten des Hauptbahnhofs, der nach ersten Planungen schon im Jahr 2000 hätte eröffnet werden sollen, ...

... nehmen sich da mit geschätzten 700 Millionen Euro fast gering aus.

Ursprünglich hatte man allerdings mit nur 400 Millionen gerechnet. Wohlgemerkt: Mark, nicht Euro. Wie teuer der Hauptbahnhof nun wirklich war, behält die Bahn lieber für sich.

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