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Mit einer überraschenden Bitte um Zahlungsaufschub sorgt der Golfstaat Dubai für erhebliche Unruhe an den Finanzmärkten.
Rund um die Welt geben die Börsenkurse nach: Die Anleger werden vorsichtig. Auf Verdacht verkaufen sie vor allem die Aktien, die sich mit dem Dubai-Boom in Verbindungen bringen lassen.
"Wir verstehen die Unruhe der Märkte und besonders der Gläubiger", sagt Scheich Ahmed bin Said el Maktum.
Als Vorsitzender des obersten Haushaltsausschusses des Emirats Dubai muss er versuchen, die Wogen zu glätten.
Das Vorgehen sei, so der Scheich weiter, notwendig gewesen, um "entschieden" gegen die Schuldenlast vorzugehen.
Dubai habe eine "nachhaltige" Wirtschaft, die nach einem "Jahrzehnt beispiellosen Wachstums" über große Rücklagen verfüge.
Am Tag nach der Ankündigung aus Dubai fallen islamische Finanzprodukte in Asien im Schnitt um 15 Prozent.
Der Deutsche Aktienindex in Frankfurt am Main schließt mit einem Minus von mehr als drei Prozent. Auch andere europäische und asiatische Börsen rutschten ab.
Betroffen von der Bitte um Zahlungsaufschub sind die Kreditgeber des Staatsfonds Dubai World und von dessen Immobilientochter Nakheel.
Staatsfonds und Immobilientochter sind am Bau der künstlichen Inseln vor der Küste von Dubai beteiligt.
Das Emirat Dubai, der wirtschaftliche Mittelpunkt der Golfregion, beheimatet den größten Hafen, die größten Bauprojekte und das bedeutendste Handelszentrum der Vereinigten Arabischen Emirate.
Der Export des in der Region geförderten Erdöls sowie der Tourismus gehören zu den rentabelsten Wirtschaftszweigen.
Bei Urlaubern sind die Einkaufszentren und Luxushotels beliebt - wie das berühmte segelförmige Burj al-Arab.
Auf künstlichen Inseln, die in Form von Palmen angelegt wurden, sollen neben langen Sandstränden auch Luxuseinrichtungen für Urlauber geschaffen werden.
Mit einer Fläche von etwa 3900 Quadratkilometern ist das Emirat am Persischen Golf etwas größer als das Saarland und Berlin zusammen.
Nach Angaben des Auswärtigen Amtes leben rund 1,3 Millionen Menschen in dem vergleichsweise ölarmen Emirat, etwa 80 Prozent davon sind Ausländer.
In den vergangenen Jahren lockte der beispiellose Bauboom Menschen aus aller Welt an:
Ingenieure aus China, Architekten aus Deutschland und vor allem billig entlohnte Bauarbeiter aus Pakistan und Indien.
Mit dem Ende der hochwachsenden Träume haben sich auch die Zahlenverhältnisse in der Bevölkerungsstatistik rapide gedreht:
Das Aufenthaltsrecht für Gastarbeiter ist scharf begrenzt. Binnen Tagen nach der Kündigung müssen die meisten das Land verlassen. Dubai wird damit zum Alptraum von Planern und Verwaltern: eine Volkswirtschaft mit extrem beweglichen Variablen.
Geografisch gesehen, besteht der größte Teil Dubais ohnehin aus Wüste. Doch nach der Idee eines einzelnen Mannes soll Dubais Zukunft die Wirtschaftskraft der Nachbarstaaten überstrahlen.
Scheich Mohammed bin Rashid al-Maktoum (in blau), Herrscher von Dubai und Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate, setzt auf Visionen, Innovationen und kühne Pläne.
Mega-Projekt für Mega-Projekt soll sich der öde Küstenstreifen zwischen Saudi-Arabien und Oman seinen Vorstellungen annähern.
Nicht ganz zu unrecht sieht der Herrscher in der Neuausrichtung des Landes die einzige Chance auf künftigen Wohlstand. Vor allem mit seinen spektakulären Bauvorhaben in nie dagewesenen Ausmaßen hat Dubai hochfliegende Erwartungen geweckt.
Es ist wie ein Traum aus Tausendundeiner Nacht. Eine Insel in Form einer Palme, von Menschenhand geschaffen. Was hier noch nur in der Computersimulation zu sehen ist, ...
... wächst seit 2001 aus Sand und Steinen. "The Palm Jumeirah", die erste von fünf geplanten Inseln vor der Küste Dubais, eröffnet im November 2008.
Über sieben Jahre dauern die Arbeiten an der Verwirklichung dieses Traumes.
Die Arbeiter schütten mehr als 100 Mio. Kubikmeter Erde und Steine auf.
Bis zu 40.000 Menschen waren gleichzeitig auf der Baustelle beschäftigt.
Das neue Eiland verlängert die Küstenlinie des Golfstaates um knapp 100 Kilometer. Angeblich soll das künstlich aufgeschüttete Gebilde sogar vom Mond aus sichtbar sein.
Die Gesamtkosten des Projektes werden mit etwa drei Milliarden US-Dollar beziffert. Auch nach der Eröffnung wird weiter gebaut, weitere Hotels sollen entstehen.
Bisher stehen mehr als 2000 Villen und 40 Hotels auf den "Wedeln" der "Palme".
Die Häuser finden innerhalb kürzester Zeit willige Käufer.
Prunkstück von "Palm Jumeirah" ist das erste Hotel am Platz - das "Atlantis the Palm".
Noch im September 2008 durch ein Feuer während der Bauarbeiten leicht beschädigt, ...
... erstrahlt das Hotel zur offiziellen Eröffnung von "The Palm Jumeirah" in vollem Glanz.
Den gigantischen Ausmaßen des Projektes angemessen, geraten die Feier zur Einweihung am 20. November 2008 zu einem riesigen Spektakel.
Dubai erlebt das größte Feuerwerk aller Zeiten, für das 100.000 Feuerwerkskörper von allen Teilen der Insel aus gezündet wurden.
Pyro-Dirigent Phil Grucci lässt ein sieben Mal größeres Feuerwerk entstehen als bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking.
Zusätzlich erhellt eine Lichtinstallation die Fassade des "Atlantis the Palm".
2000 Gäste sind geladen, um die Eröffnung mit einer standesgemäßen Party zu begehen. Die Prominenz lässt sich nicht lange bitten: Schauspielerin Lindsay Lohan, ...
... "His Airness" Michael Jordan, ...
... Bollywoodstar Priyanka Chopra ...
... und Oscarpreisträgerin Charlize Theron - nur eine kleine Auswahl der Stars und Sternchen in Dubai. Die Fotografen am roten Teppich haben alle Hände voll zu tun.
Absoluter Stargast des Abends ist Kylie Minogue.
Die Australiern unterhält die Gäste mit einer einstündigen Show.
Die Herzogin von York, Sarah Ferguson, zeigt sich besonders begeistert von "The Palm Jumeirah": "In Dubai wird nicht nur geträumt, hier werden Träume erfüllt."
Bauherr Sultan Ahmed bin Sulayem (rechts mit Hoteleigentümer Sol Kerzner und dessen Frau) pflichtet der Britin bei: "Wir haben Sand und Sonne, aber die Leute wollten auch Strände - und die haben wir nun. Wo wir heute stehen, war vor fünf Jahren noch Wasser."
Die Einweihungsfeier kostet Bin Sulayem, der zu den finanzstärksten Geschäftsmänner der Vereinigten Arabischen Emirate zählt, etwa 16 Mio. Euro.
Peanuts im Vergleich zu den 1,5 Mrd. Dollar, die alleine der Bau des Hotels "Atlantis the Palm" verschlingt.
Dafür besticht das Hotel mit purem Luxus.
Insgesamt 1539 Zimmer stehen für die Gäste bereit.
Die können sich in der üppigen Wasserlandschaft vergnügen ...
... die dem Hotel angeschlossen ist.
Wer nicht selbst nass werden will, bestaunt die Haie in den künstlichen Lagunen ...
... oder das Aquarium im Inneren des Hotels.
Wenn es im Hotel doch zu langweilig werden sollte, kommt man auf dem schnellsten Wege auf das Land. Eine 5,4 Kilometer lange eingleisige Bahn führt direkt vom Hotel ...
... über den "Stamm" der Palmeninsel ...
... bis zum Festland. Ein Anschluss an die Dubai Metro ist geplant.
In Dubai lässt sich dann eine einzigartige Boomtown bestaunen. Seit Jahren gleicht die Wüstenstadt einer einzigen Baustelle.
Im Jahr 2006 berichtet die Zeitung "Gulf News", das bis zu 25 Prozent aller Turmkräne der Welt in Dubai stehen würden.
Die Skyline wächst immer weiter in die Höhe.
Der Burj Dubai, auch Dubai Tower genannt, erreicht bereits im September 2008 mit 668 Metern Höhe einen neuen Rekord und ist damit höchstes Gebäude der Welt. Zur Fertigstellung ragt er 819 Meter in die Luft ragen.
Damit ist der Dubai Tower fast 40 Prozent größer als das bisher größte Gebäude der Welt, der Taipeh 101 in Taiwan.
Das segelförmige "Burj Al Arab" vor der Küste von Dubai ist mit 321 Metern der höchste Hotelbau der Welt.
Wegen der luxuriösen Ausstattung wird das "Burj Al Arab" als Sieben-Sterne-Hotel bezeichnet, offiziell hat es aber nur die maximal erreichbaren fünf Sterne.
Anfang November 2008 eröffnet in Dubai auch eines der größten Einkaufszentren der Welt seine Pforten in Dubai.
Auf einer Grundfläche von ungefähr 50 Fußballfeldern bietet es Platz für über 500 Geschäfte, ein Aquarium ...
... und ein kleines Eisstadion.
Solange die Ölquellen sprudeln, so scheint, wird in der Wüste weiter gebaut. An neuen Ideen mangelt es nicht.
Diese Simulation zeigt ein 80-stöckiges Hochhaus, das bis 2010 fertiggestellt werden soll. Das Design birgt eine architektonische Sensation, ...
... die 80 Etagen sollen unabhängig voneinander rotieren und so ständig die Form des Gebäudes verändern. Ob es nach den Auswirkungen der Finanzkrise tatsächlich gebaut wird, steht in den Sternen.
Dagegen mutet dieses Gebäude, das ebenfalls 2010 eröffnet werden soll, geradezu konservativ an. Es soll nach dem ehemaligen Formel 1-Weltmeister Michael Schumacher benannt werden.
Immobilen-Tycoon Donald Trump, ein enger Partner von Sultan Bin Sulayem, hat ebenfalls große Pläne in Dubai. Nicht immer können die aber in die Tat umgesetzt werden.
Das "Trump International Hotel and Tower" sollte von vier goldenen Blumenblättern umgeben werden. Das wurde abgelehnt.
Der Alternativentwurf ist kaum minder spektakulär. Bis 2011 sollen die Gebäude fertig sein. All diese Pläne werden jedoch von einem weiteren gigantischen Inselprojekt vor der Küste Dubais in den Schatten gestellt ...
... gegen das selbst "The Palm Jumeirah" verblasst. "The World", eine Inselgruppe in Form einer Weltkarte, soll Platz für 150.000 Einwohner bieten. Eine der 300 Inseln wird bis zu 40 Mio. US-Dollar kosten.
Mit den Zweifeln an der Finanzkraft einheimischer Unternehmen gerät das alles in Misskredit: Weltweit fürchten Anleger und Großinvestoren nun, dass von der Dubai-Story ohne Boom nicht viel mehr übrig bleibt als Sand und schöne Sonnenuntergänge.
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