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Angst und Schrecken in New York: Crashs und Bankenkrisen

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Die Finanzmärkte stecken in der Krise - nicht zum ersten Mal. Euphorie und Absturz bestimmen schon immer den Gang der Börsen. Wo der Auslöser für das aktuelle Debakel liegt, müssen die Experten noch ermitteln. Hier ein Rückblick auf frühere Turbulenzen in den USA:

Die Finanzmärkte stecken in der Krise - nicht zum ersten Mal. Euphorie und Absturz bestimmen schon immer den Gang der Börsen. Wo der Auslöser für das aktuelle Debakel liegt, müssen die Experten noch ermitteln. Hier ein Rückblick auf frühere Turbulenzen in den USA:

Die Finanzmärkte stecken in der Krise - nicht zum ersten Mal. Euphorie und Absturz bestimmen schon immer den Gang der Börsen. Wo der Auslöser für das aktuelle Debakel liegt, müssen die Experten noch ermitteln. Hier ein Rückblick auf frühere Turbulenzen in den USA:

Der erste Börsencrash des vergangenen Jahrhunderts ereignet sich wenige Jahre nach der Jahrhundertwende: 1907. Es ist der drittgrößte Börsencrash der Geschichte. Nach einer mehrjährigen Hausse hat sich der Aktienmarkt heißgelaufen. Am 12. Januar 1906 ...

... überschreitet der Dow erstmals in seiner Geschichte die Marke von 100 Punkten (beim Start am 26. Mai 1896 lag er bei 40,74 Zählern). Die Hausse hält noch einige Monate an und nimmt im Oktober 1907 mit einem bis dahin nicht gekannten Kurssturz ein jähes Ende.

Die Panik an der Wall Street wird ausgelöst durch einen Massenansturm auf die US-Bank Knickerbocker Trust. Banken fordern Kredite zurück und die Aktienkurse stürzen ins Bodenlose.

Beruhigung bringt der Banker JP Morgan, der sich mit anderen Bankern zusammenschließt und Liquidität bereitstellt. Durch einen schnell verfügbaren Kredit von 10,0 Mio. Dollar (das reichte damals) ...

... sorgt Morgan dafür, dass sich die prekäre Situation an der New York Stock Exchange entspannt. Die Liquidität am Aktienmarkt kann dadurch aufrecht erhalten werden ...

... und der Verkaufsdruck der Kunden lässt langsam nach. Diese Erfahrung führt 1914 zur Gründung der US-Notenbank Federal Reserve.

Dennoch geht das Jahr 1907 als eines der schlimmsten der US-amerikanischen Börsengeschichte in die Annalen ein.

Ende 1929 notiert der Dow Jones nur noch bei 58,75 Punkten - ein Minus von 37,73 Prozent im Jahresvergleich.

Als dunkelster Tag in der Börsengeschichte gilt nach wie vor der 25. Oktober 1929, der "SCHWARZE FREITAG". Ihm geht eine konjunkturelle Schwächephase voraus. Die Kurse stürzen und es folgt die schwerste Weltwirtschaftskrise des vergangenen Jahrhunderts.

Zuvor hat sich der Dow Jones im Wert mehr als verdreifacht. Die Anleger sind wieder zu euphorisch. Insbesondere der Aktienverkauf auf Kredit wird dem Markt zum Verhängnis, weil Anleger von den Banken gezwungen werden, die Papiere zu verkaufen.

Kreditbeschränkungen und Darlehensausfälle bringen in den 30er Jahren das Aus für 9000 Banken in den USA. Nach dem Börsencrash bereitet das massenhafte Abheben von Geld durch besorgte Kunden den Geldhäusern Probleme.

Präsident Franklin D. Roosevelt ruft deshalb nach seinem Amtsantritt 1933 eine dreitägige Bankschließung aus, um die Gemüter zu beruhigen. Danach verabschiedet der Kongress das Gesetz zur Gründung des Einlagensicherungsfonds FDIC.

Anfang der 70er Jahre herrscht wieder Aktieneuphorie. Die Weltkonjunktur boomt. 1973 kommt das jähe Erwachen. Durch das Ölembargo der arabischen Staaten wird der Schmierstoff für die Konjunktur deutlich teurer. Wachstum und Börse brechen ein.

Nach einer mehrjährigen Börsenhausse lösen 1987 steigende Zinsen, ein fallender Dollar und das hohe US-Leistungsbilanzdefizit den "SCHWARZEN MONTAG" aus.

Am 19. Oktober 1987 erlebt die Wall Street in einem beispiellosen finanziellen Erdbeben den schlimmsten eintägigen Kursverlust ihrer Geschichte.

Der Dow Jones büßt innerhalb eines Tages rund 22 Prozent ein. Die Anleger verlieren allein an der New Yorker Börse über 500 Mrd. Dollar. Das ist fast doppelt so viel wie am 28. Oktober 1929.

Insgesamt wird in diesem Crash ein Drittel des Dow-Wertes vernichtet. Die Fed unter ihrem brandneuen Chef Alan Greenspan stellt in einer Erklärung klar, dass die Fed bereit ist, den Banken ein absolutes Sicherheitsnetz zu bieten.

Die US-Notenbank stehe als "Liquiditätsquelle zur Unterstützung des Wirtschafts- und Finanzsystems bereit". In Krisentreffen mit Groß- und Investmentbanken wird die Basis für eine rasche Begrenzung der Krise gelegt.

Der üppige Fluss aus dem Geldhahn bringt die US-Wirtschaft wieder schnell auf Expansionskurs. Anfang 1988 notiert der Dow wieder auf 2000 Punkten, auf dem Stand von Anfang 1997.

Anfang der 90er Jahre wieder ein Dämpfer für die Wall Street: Am 12. Februar muss die US-Investmentbank Drexel Bumham Lambert Konkurs anmelden. "Junk-Bond-King" Michael Milken hatte sie zu einer großen Nummer gemacht.

Milken war in den 70er Jahren einer der Hauptbeteiligten bei der Schaffung des Junk-Bond-Markets. 1989 wurde er wegen Finanzbetrugs inhaftiert: Er gilt als Symbol der Gier während der 1980er Jahre.

1997 kommt es zum zweiten "SCHWARZEN MONTAG". Am 27. Oktober verliert der Dow-Jones 554 Punkte. Der von New York ausgelöste Kursrutsch verbreitet sich wie ein Lauffeuer um den Globus. Über Südamerika und Asien setzte sich das Kursbeben bis nach Europa fort.

Auslöser für den Einbruch an der Wall Street ist die sogenannte Asienkrise.

1998 kommt es noch dicker. Zur bereits schwelenden Asienkrise kommt der Zusammenbruch der russischen Börse. Als dann noch der Hedgefonds LTCM in Schieflage gerät, verliert der Dow über 33 Prozent.

Auslöser für die massiven Verluste von LTCM sind Ausfälle russischer Staatsanleihen. Die Fed organisiert eine Geldspritze von 3,625 Mrd. Dollar. Bear Stearns will sich nicht beteiligen.

Mit Schaudern erinnert die Welt sich an die Anschläge vom 11. September 2001, als ein voll besetztes Flugzeug in das World Trade Center fliegt. Dax und Dow sehen die schlimmsten Kursstürze in der Geschichte.

Der Dax kracht zehn Prozent nach unten. In New York wird der Handel erst gar nicht aufgenommen und für eine Woche ausgesetzt. Danach bricht der Dow um sieben Prozent ein.

Nur sieben Jahre später steuern die Märkte in das Jahr 2008: Die US-Immobilienkrise weitet sich zur globalen Finanzkrise aus.

Im März wird Bear Stearns gerettet, Freddie Mac und Fannie Mae überleben nur dank staatlicher Hilfen. Im September geschieht das Undenkbare: Lehman Brothers meldet Insolvenz an. Die Bank of America übernimmt Merril Lynch.

Am 15. September 2008 schickt die Finanzkrise europaweit Banken- und Versicherungsaktien auf Talfahrt. Der Dow sackt über 500 Punkte ab. Das war der bislang höchste Punkte-Verlust seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

24. Oktober 2008: Ein deutlicher Kursrutsch in Asien und ein überraschend starkes Schrumpfen der britischen Wirtschaft ziehen den Dax in der Spitze elf Prozent ins Minus.

Anfang Mai 2010 geht es auf einmal wieder los: Der Dow-Jones-Index stürzt in knapp 30 Minuten volle 997 Punkte ab - der größte Punktverluste binnen eines Tages in der Geschichte des amerikanischen Leitindexes.

Die Wall Street sendet Schockwellen rund um den Globus: Der "High-Speed Drop" trägt die Märkte für kurze Zeit an den Rand der Panik. Bis zum Handelsschluss erholt sich der Dow von seinem Fall um bis zu neun Prozent auf Minus 3,2 Prozent.

Besonders betroffen sind vor allem kleinere NYSE-Titel wie zum Beispiel Exelon mit einem Minus von zeitweilig bis zu 99 Prozent. Der Börsenwert fällt aus heiterem Himmel auf nahe Null - ein unvorstellbarer Schock nicht nur für das Management.

Aber auch Schwergewichte wie der Konsumgüterriese Procter & Gamble sacken um zeitweise 33,7 Prozent ab. US-Medien werden später von einem "wilden Bungee-Sprung" berichten. 3M geben 17 Prozent nach, Apple verliert zeitweise 14,4 Prozent.

Am Abend laufen dann hilflose Erklärungsversuche über den Bildschirm: Griechenland, ein Tippfehler oder technisches Versagen im System - die wahre Ursache bleibt zunächst unklar.

In einer ersten Reaktionen kündigen die Börsenbetreiber Nasdaq und NYSE-Arca an, einige Geschäfte für ungültig zu erklären. Die US-Börsenaufsicht SEC nimmt Ermittlungen auf.

Der computergesteuerte Hochgeschwindigkeits-Handel macht inzwischen etwa 60 Prozent des Volumens in den USA aus.

Klar ist bislang nur: Der 6. Mai 2010 wird zu Veränderungen führen: Washington arbeitet gegenwärtig an einem Gesetzentwurf zur Finanzmarktreform, der schon jetzt eine stärkere Kontrolle vorsieht. Die jüngsten Ereignisse entziehen Reformgegnern den Boden. (Bilder: ap, dpa, rts / Text: Diana Dittmer / Martin Morcinek)

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