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Sonntag, 19. Juni 2011

Luftfahrtmesse Le Bourget: Der Himmel über Paris

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2100 Aussteller, mehr als 150 Fluggeräte, hunderttausende Besucher. (Foto: picture-alliance / dpa)

2100 Aussteller, mehr als 150 Fluggeräte, hunderttausende Besucher.

2100 Aussteller, mehr als 150 Fluggeräte, hunderttausende Besucher.

Die alle zwei Jahre stattfindende Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris gilt weltweit als wichtigstes Stelldichein der Branche.

Diesmal geht es neben dem ewigen Airbus-Boeing-Duell auch um Zukunftsperspektiven.

Zwar verhagelte der Weltluftfahrtverband IATA gerade die Stimmung mit einer für 2011 von 8,6 auf vier Mrd. Dollar reduzierten Gewinnprognose der Airlines.

Der Dachverband von 230 Fluggesellschaften macht die hohen Ölpreise, Japans Naturkatastrophen und die Unruhen in der arabischen Welt verantwortlich.

Dennoch macht sich vor dem Luft- und Raumfahrt-Salon (20. bis 26. Juni 2011) Optimismus breit.

Nicht nur die gestiegene Ausstellerzahl (2113 statt 1982 beim letzten Aero-Salon) trägt dazu bei.

Vor allem sind es die deutlichen Zuwächse bei Fracht und Passage, die die Hersteller positiv stimmen.

In erster Linie profitiert die Branche aber davon, dass moderne, verbrauchsärmere Maschinen gefragt sind.

Airbus etwa verzeichnet eine so starke Nachfrage nach seinen neuen A320-Modellen, dass das Unternehmen vorerst den Umbau gebrauchter Jets in Frachtversionen stoppen musste.

Die Organisatoren erwarten daher wieder ein Auftragsfeuerwerk, wie es traditionell den Auftakt in Le Bourget prägt.

Langfristig zeigt die Nachfrage wieder nach oben, meinen die dominierenden Flugzeugbauer der Welt, Airbus und Boeing.

Der US-Hersteller Boeing schätzt den Bedarf in den kommenden 20 Jahren auf 33.500 Maschinen.

In der Branche wird bereits befürchtet, dass die beiden Platzhirsche die explodierende Nachfrage nach neuen Flugzeugen für die Boomstaaten in Asien und Nahost auf Dauer gar nicht alleine bewältigen können.

So hat die indische Fluggesellschaft IndiGo Anfang des Jahres bei Airbus gleich 180 Mittelstreckenflieger bestellt - dem Vernehmen nach bereitet Malaysias Fluggesellschaft Air Asia einen ähnlichen Mega-Auftrag vor.

Nicht zuletzt wegen der steigenden Wachstumskurve in der Branche wird die über 100 Jahre alte Luftfahrtmesse erneut Pegel fürs wachsende Selbstbewusstsein der neuen Wettbewerber aus China, Russland, Kanada, Brasilien und Südkorea sein.

Sie bedrohen die jahrelange Alleinherrschaft der Flugzeugriesen aus den USA und Europa.

Russland etwa stellt mit dem Suchoj SuperJet-100 ein neuentwickeltes Passagierflugzeug vor, das Embraer (Brasilien) und Bombardier (Kanada) Konkurrenz machen soll. Rund 150 Bestellungen sollen für den zweistrahligen Jet vorliegen - weitere werden in Le Bourget erwartet.

Die neue Konkurrenz macht vor allem den betagten bisherigen Erfolgsmodellen wie dem Airbus A320 oder der Boeing 737 zu schaffen.

Beide Hersteller setzen daher erfolgreich auf modernisierte und vor allem verbrauchsärmere Versionen.

Seit Airbus im Herbst 2010 die spritsparende Neuauflage des Mittelstreckenfliegers A320 vorgestellt hat, gingen bereits mehr als 330 Aufträge und Vorverträge für den neuen Flieger ein.

Boeing steht unter Zugzwang: Rüstet der US-Hersteller seinen Kassenschlager 737 für viel Geld um, oder geht er gleich eine komplette Neuentwicklung an?

Die Boeing-Spitze hatte eine Entscheidung für diesen Sommer in Aussicht gestellt. Mit Spannung wird erwartet, ob es dazu in Paris entscheidende Neuigkeiten gibt.

Boeing will in Le Bourget seine zwei jüngsten 747-8 Flugzeugmodelle - die Passagierversion Intercontinental und den Frachter – präsentieren.

Außerdem will der Flugzeugbauer über den Entwicklungsstand seines Hightech-Fliegers 787 Dreamliner informieren …

… - ähnlich wie Airbus über seinen A350 XWB.

Großes Interesse dürfte es auch für den verspätet auf den Markt kommenden europäischen Militärtransporter A400M geben.

Der eigentliche Star in Le Bourget kommt jedoch aus der Schweiz: Die solargetriebene "Solar Impulse".

Das vom Schweizer Flugpionier Bertrand Piccard entwickelte Öko-Fluggerät hat eine Spannweite von 64 Metern, aber nur 1,6 Tonnen Gewicht.

Die Flügel sind mit rund 12.000 Solarzellen bestückt.

Zur 49. Ausgabe der Luftfahrtschau werden nicht nur 2113 Aussteller aus 45 Ländern erwartet, sondern auch ...

… mehr als 150 Flugzeuge, 3000 Journalisten…

… fast 140.000 Fachbesucher und nahezu 200.000 Luftfahrt-Interessierte.

Die heute mit Abstand bedeutendste Branchenmesse geht zurück auf den ersten derartigen Aero-Salon am 25. September 1909 in Paris.

Organisiert worden war sie von den Franzosen Robert Esnault-Pelterie (Bild) und André Granet. 380 Aussteller zeigten damals alles, was die junge Luftfahrtbranche an Ballonen, Flugzeugen und Motoren zu bieten hatte.

Bis 1913 fand die Messe jährlich statt. Nach dem Ersten Weltkrieg gab es 1919 den Neustart. 1924 wurde der zweijährige Turnus eingeführt.

1946 zog die Messe nach Orly, 1951 nach Le Bourget um. Das war der historische Platz, an dem einst Charles Lindbergh seine Atlantiküberquerung beendete.

Ihren heutigen Namen "Internationaler Luft- und Raumfahrt-Salon" erhielt die Schau 1963. Heute hat sich die Messe zum Tummelplatz der wichtigsten Branchenakteure entwickelt.

Aussteller und Kunden bleiben dabei zunächst unter sich und bahnen Geschäfte an.

Erst an den letzten drei Tagen ist sie auch für das breite Publikum geöffnet.

In der Luft werden diverse Passagiermaschinen, Kampfflugzeuge und Hubschrauber präsentiert.

Zudem wird die Kunstflugstaffel "Patrouille de France" ihre Kunststücke am Himmel vorführen. (dpa/rts)

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