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Wettlauf in die neue Weltordnung: Der Milliardenhunger des Militärs

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Wer sich bedroht fühlt, muss sich rüsten: Das ist die Logik, die die Menschheit zu horrend hohen Militärausgaben zwingt. (Foto: REUTERS)

Wer sich bedroht fühlt, muss sich rüsten: Das ist die Logik, die die Menschheit zu horrend hohen Militärausgaben zwingt.

Wer sich bedroht fühlt, muss sich rüsten: Das ist die Logik, die die Menschheit zu horrend hohen Militärausgaben zwingt.

Jahr für Jahr fließen weltweit gewaltige Summen an Steuergeldern in die Etats für Militär, Rüstung und Verteidigung.

Für das Jahr 2012 kommen die Forscher des Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) auf eine Gesamtsumme von rund 1,75 Billionen Dollar. Umgerechnet entspricht das einem schwer vorstellbaren Geldberg von 1,33 Billionen Euro.

In dieser Zahl enthalten sind Ausgaben für Ausrüstung, Verbrauch und Instandhaltung, Personalkosten wie etwa Verpflegung, Sold und Pensionen sowie die Aufwendungen für Manöver, ständige Alarmbereitschaft und die teils erheblichen Einsatzkosten für Kriege und Konflikte fernab der eigenen Grenzen.

Immerhin: Zum ersten Mal seit 1998 schwillt der Gesamtetat aller Militärs weltweit nicht weiter an. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen die Sipri-Forscher einen leichten Rückgang um 0,5 Prozent.

Gezügelt wird die Ausgabefreude der Generäle vor allem durch die finanziell angespannte Lage in hoch verschuldeten Industriestaaten.

Doch auch wenn die Militärausgaben insgesamt leicht zurückgehen: In den Schwellenländern steigen sie unverändert kräftig an. Die schwedischen Friedensforscher rechnen gerade dort mit einem anhaltenden Rüstungswettlauf.

Das Streben nach militärischer Macht, Einfluss und Sicherheit konzentriert sich dabei auf nur wenige Staaten: Rund 75 Prozent aller Militärausgaben weltweit entspringen den Verteidigungshaushalten der zehn rüstungsfreundlichsten Länder.

Die Sipri Top Ten der Staaten mit den umfangreichsten Militärbudgets beginnt mit zwei sehr unterschiedlichen Nationen: ...

BRASILIEN hat den Einzug in die engere Auswahl der militärischen Riesen im vergangenen Jahr knapp verpasst: Mit einem Verteidigungsetat von zuletzt 33,1 Mrd. Dollar fällt das aufstrebende Schwellenland um eine Position zurück auf Platz 11.

Im Vergleich zum Vorjahr verringert Brasilien seine Militärausgaben um 0,5 Prozent.

Der eigentliche Trend jedoch zeigt sich über den zurückliegenden Zehnjahreszeitraum: Die südamerikanische Macht hat ihren Rüstungsetat um volle 56 Prozent erweitert.

Auf Platz 10 der Sipri-Rangliste taucht 2012 dafür eine europäische Industrienation auf, die eigentlich ganz andere Sorgen haben müsste: ITALIEN.

Obwohl hoch verschuldet und von einer schweren Rezession geplagt, gibt die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone im vergangenen Jahr für seine militärische Präsenz geschätzte 34 Mrd. Dollar aus.

Gespart werden muss in Rom offenbar eher an anderer Stelle: Im Vergleich zum Jahr 2011 wirkt der Rückgang um 5,2 Prozent wie eine behutsame Kürzung.

DEUTSCHLAND gibt dagegen konstant hohe Summen für militärische Angelegenheiten aus: Nach den Erfassungskriterien der Sipri-Forscher liegt das Volumen des deutschen Verteidigungshaushalts auf Platz 9 mit zuletzt 45,8 Mrd. Dollar.

Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem leichten Zuwachs von 0,9 Prozent.

Seit Jahren liegt der militärische Anteil an der deutschen Wirtschaftsleistung weitgehend konstant bei 1,4 Prozent.

Etwas mehr Geld als Deutschland pumpt INDIEN in seine Truppen.

Das Sipri-Institut führt das aufstrebende Schwergewicht mit seinen rund 1,2 Milliarden Einwohnern aktuell auf Platz 8.

Der indische Staat rüstet vor aller Augen auf: Im vergangenen Jahr reservierte das Land 2,5 Prozent seiner Wirtschaftskraft für das Militär. Die Sipri-Forscher geben die Summe mit 46,1 Mrd. Dollar an.

Konflikte befeuern die Rüstung: Mit dem Nachbar Pakistan liegt die junge Atommacht Indien im Dauerstreit um die Kaschmir-Region. Alte Spannungen gibt es auch mit China. Seit 2003 ist der indische Militäretat um 65 Prozent angeschwollen.

Im Kreuzungspunkt gleich mehrerer regionaler Konfliktlinien liegt SAUDI-ARABIEN: Die Friedensforscher listen das autoritär regierte Land am Persischen Golf auf Platz 7.

Auf Rüstungsmessen sind Abgesandte des saudischen Königshauses seit jeher besonders gern gesehene Gäste.

Die Saudis kaufen großzügig ein, gerne auch bei deutschen Waffenherstellern: Im vergangenen Jahr stand dem Militär des ölreichen Wüstenstaats ein Etat von 56,7 Mrd. Dollar zur Verfügung.

Das sind 8,9 Prozent der jährlichen saudischen Wirtschaftskraft. Ein gewähltes Parlament, das sich gegen ausufernde Militärausgaben beschweren könnte, braucht König Abdallah bin Abdulaziz Al Saud nicht zu fürchten.

Mit Platz 6 der Sipri-Liste geht es vom Golf zurück ins Zentrum der Eurozone: ...

... FRANKREICH gibt 2012 insgesamt 58,9 Mrd. Dollar für seine Truppen aus.

Der Sparzwang in hoch verschuldeten Industriestaaten macht sich auch beim französischen Militär bemerkbar: ...

... Im Vergleich zum Vorjahr reduziert Paris seine Militärausgaben immerhin um 0,3 Prozent.

Trotzdem beträgt der Anteil des Verteidigungshaushalts nach Berechnungen von Sipri noch 2,3 Prozent vom französischen Bruttoinlandsprodukt. Deutlich mehr als bei den Deutschen.

Die Kosten der Intervention der französischen Streitkräfte in Mali können in den Zahlen für 2012 natürlich noch nicht auftauchen. Billig wird die Durchsetzung französischer Außenpolitiik mit undiplomatischen Mitteln sicher nicht.

Generell gilt: Die Mischung ist brisant. Die Interessen von Regierung, Wirtschaft und Militärs sind in vielen Staaten eng miteinander verflochten.

Über die Verteidigungsausgaben kann eine Regierung mitunter beträchtliche Mengen an Arbeitsplätzen in der heimischen Rüstungsindustrie sichern - oder gefährden.

Dabei sind auch im Militäretat die meisten Ausgabenposten langfristig gesetzlich oder vertraglich gebunden: Kurzfristig angesetzte, harte Spareinschnitte sind nur gegen entsprechende Widerstände möglich.

JAPAN sieht offenbar keinen Grund für drastische Kürzungen im Verteidigungsbereich: In der Rangliste der weltgrößten Militärbudgets landen die Japaner auf Platz 5.

Auf vergleichbarer Basis errechnen die Sipri-Experten ein Rüstungsbudget von 59,3 Mrd. Dollar.

Das sind nur 0,6 Prozent weniger Mittel für Tokios "Selbstverteigungskräfte" als im Jahr zuvor.

Handfeste Argumente für neue Investitionen haben japanische Militärstrategen zur Genüge: China wird immer stärker, im sogenannten Inselstreit kommt es immer wieder zu Spannungen.

Und dann droht da auch noch das Sicherheitsrisiko Nordkorea mit seiner schwer einschätzbaren Führung und einem Arsenal selbstgebauter Raketen.

Auf Platz 4 der Sipri-Liste rangiert ein Nato-Staat, der sich seit Jahren mit Truppen und Material im Ausland engagiert: GROSSBRITANNIEN.

Mit dem Segen der britischen Krone reserviert die Regierung in London im vergangenen Jahr umgerechnet rund 60,8 Mrd. Dollar aus dem Staatshaushalt für das Militär.

Der Rückgang zum Vorjahr beträgt 0,8 Prozent. Finanziell und konjunkturell steht es auch bei den Briten längst nicht zum Besten.

Doch größere Neuanschaffungen wie dieses Atom-U-Boot sind längst fest eingeplant: Die Navy wartet derzeit unter anderem auf zwei neue Flugzeugträger der neuen "Queen Elizabeth"-Klasse und einen ganzen Satz hochmoderner Kampfjets aus US-Produktion.

Seit 2003 sind die Militärausgaben im britischen Staatshaushalt deutlich angeschwollen: Die Sipri-Experten beziffern das Plus auf 4,9 Prozent.

Ihr militärisches Gewicht war den Briten zuletzt 2,5 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung wert.

Aus der Sicht RUSSLANDs ist das wenig.

Moskau gibt seit Jahren mehr als 4 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für den Unterhalt der russischen Streitkräfte aus. Vor allem die geplante Modernisierung geht ins Geld.

Sipri schätzt das Volumen der russischen Militärausgaben auf 90,7 Mrd. Dollar - im internationalen Vergleich reicht das für Platz 3.

Zur Erweiterung der russischen Militärkapazitäten lenkt Kremlchef Wladimir Putin mehr und mehr Mittel in den Verteidigungshaushalt.

Für das vergangene Jahr geben die Sipri-Forscher den Anstieg mit 16 Prozent an.

In den Jahren seit 2003 haben sich die Ausgaben mit 113 Prozent mehr als verdoppelt.

Nur ein Staat der Erde kann einen größeren Militärhaushalt und zugleich stärkere Wachstumsraten vorweisen.

CHINA rüstet unter der Führung seiner Kommunistischen Partei massiv auf: Und das mit Eigenentwicklungen ...

... zu Lande, ...

... auf und unter Wasser und ...

... in der Luft: Die Gesamtausgaben für das Militär belaufen sich in China 2012 auf eine Summe von 166 Mrd. Dollar. Das ist mehr Geld als Russen und Briten zusammengenommen für ihre Streitkräfte ausgeben.

Im vergangenen Jahr kann die Marine der chinesischen "Volksbefreiungsarmee" nun auch ihren ersten Flugzeugträger, die "Liaoning", in Betrieb nehmen.

Damit unterstreicht Peking den Anspruch, künftig auch auf den Weltmeeren in der Liga der Großmächte mitmischen zu wollen.

In der Sipri-Statistik liegt China damit mit deutlichem Abstand vor Italien, Deutschland, Indien, Saudi-Arabien, Frankreich, Japan, Großbritannien und Russland auf Platz 2.

In den inneren Machtzirkeln Pekings gehen die Strategen offenbar davon aus, sehr viel sehr schnell nachholen zu müssen: Die Steigerung gegenüber dem Vorjahr liegt bei 7,8 Prozent, der Anstieg über die vergangenen zehn Jahre bei 175 Prozent.

Doch was genau haben die Chinesen mit der wachsenden militärischen Schlagkraft vor? Ist es ein blindwütiger Rüstungswettlauf oder gibt es einen Plan, der all diese Ausgaben lohnt?

Nur ein einziges Land auf der Welt gibt mehr Geld für seine Armee aus als die Chinesen.

Und trotz aller Bemühungen verblassen Chinas Rüstungsanstrengungen vor dem Aufwand, den diese letzte Supermacht zur Finanzierung ihrer Vormachtstellungen betreibt.

Kein Staat zweigt mehr von seinen mühsam erarbeiteten Reichtümern für das Militär ab als die VEREINIGTEN STAATEN.

Die USA unterhalten nach wie vor unangefochten den mit Abstand umfangreichsten Militäretat der Welt.

Die Kriegskasse des Pentagon erreicht im vergangenen Jahr ein Ausmaß von 682 Mrd. Dollar. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt entspricht das 4,4 Prozent der US-Wirtschaftskraft.

Wie bereits in den Jahren zuvor beherrschen die Vereinigten Staaten damit Platz 1 in der Sipri-Statistik der weltweiten Militärausgaben.

Die goldenen Zeiten der US-Rüstungsindustrie sind allerdings Vergangenheit: Unter dem Eindruck des schwelenden Haushaltsstreits geben die USA im Vergleich zum Vorjahr 6 Prozent weniger aus.

Damit ist eine historische Marke durchbrochen: Erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges sinkt das Pentagon-Budget unter die Schwelle von 40 Prozent der weltweiten Rüstungsausgaben.

Trotzdem bleibt die dominante Position der USA im globalen Maßstab nahezu konkurrenzlos erhalten.

Das belegt schon der Abstand zur Nummer 2: Washington wendet derzeit pro Jahr trotz Kürzungen immer noch rund vier mal mehr finanzielle Schwungmasse für militärische Zwecke auf als Peking.

Der Vorsprung, der sich daraus ergibt, wird den weltpolitischen Einfluss der USA noch auf Jahrzehnte zementieren.

Nur mit größten Kraftanstrengungen und reichlich Ausdauer könnten die aufstrebenden Militärgroßmächte diesen riesigen Abstand verringern.

Doch alles in allem sind sich die Sipri-Experten sicher: Global wird der leichte Abwärtstrend in den Militärausgaben weiter anhalten.

"Wir erleben möglicherweise den Anfang einer Verschiebung des Gleichgewichts bei den globalen Rüstungsausgaben von den reichen westlichen Staaten hin zu den Schwellenländern", fasst der Sipri-Rüstungsexperte Sam Perlo-Freeman die Perspektiven zusammen.

Als Argument für zusätzliche Mittel können die US-Streitkräfte diese Einschätzung allerdings nicht nutzen.

Denn mit einem Jahresetat von zuletzt 682 Mrd. Dollar investieren die USA mehr Milliarden in ihr Militär als ...

... alle übrigen hier vorgestellten Länder der Sipri-Top10 zusammen.

(Quellen: SIPRI Data on Military Expenditure / Text: Martin Morcinek / Stand: April 2013)

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