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Sonntag, 30. Juli 2017

Erbe eines Industriellen-Clans: Der letzte Krupp-Chef starb vor 50 Jahren

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Offizielle Veranstaltungen sind nach Angaben eines Sprechers der Krupp-Stiftung zum Todestag nicht geplant. (Foto: picture alliance / dpa)

Offizielle Veranstaltungen sind nach Angaben eines Sprechers der Krupp-Stiftung zum Todestag nicht geplant.

Liebloser Vater, verurteilter Kriegsverbrecher, Großindustrieller: ...

... Vor 50 Jahren, am 30. Juli 1967, starb mit Alfried Krupp von Bohlen und Halbach der letzte amtierende Firmenchef aus den Reihen des legendären Essener Industriellen-Clans.

Bis heute prägt sein Erbe den später aus der Fusion von Thyssen und Krupp hervorgegangenen Konzern Thyssenkrupp.

Die Krupp-Geschichte beginnt 1811: Weil Napoleon den Kontinent mit einer Handelssperre abschirmte, witterte der reiche Essener Friedrich Krupp die Chance, ...

... mit dem bisher nur in England beherrschten Gießen von Stahl viel Geld zu verdienen.

Vom Gussstahl "nach englischer Manier" versprach er sich reichen Gewinn.

Wegen technischer Probleme verdiente er aber keineswegs, sondern versenkte fast sein gesamtes Vermögen.

Als er 1826 starb, hinterließ er Schulden und eine Firma, die nichts als Verluste schrieb.

Der Eisenbahnboom der industriellen Revolution und das Waffengeschäft brachte Friedrichs Sohn Alfred den Durchbruch.

Er ließ 1875 die drei übereinandergelegten Ringe als Markenzeichen eintragen.

Schienen, Loks ...

... und Lastwagen, ...

... Tauchkapseln für die Tiefseeforschung ...

...und Kanonen, die bis Paris schießen: ...

... Das Stahlunternehmen hat in 200 Jahren praktisch alles gebaut, ...

... was sich in Metall denken lässt.

Immer noch ist die von Alfried Krupp ins Leben gerufene Krupp-Stiftung mit Sonderrechten bei der Besetzung von Aufsichtsratsposten ausgestattet ...

... und mit einem Anteil von 23,3 Prozent wichtigste Großaktionärin des in der Börsen-Spitzenliga vertretenen Dax-Unternehmens.

Das 1811 gegründete Familienunternehmen Krupp steht aber zugleich für die düsteren Schatten über großen Unternehmen der deutschen Industrie. Blick in die frühere Panzerproduktionshalle, in der ab 1949 Loks repariert wurden.

Krupp ist ein Synonym für den nahezu märchenhaften Aufstieg durch Mut, ...

... neue Werkstoffe, technische Innovationen und Marktgespür.

Allein in den letzten knapp 30 Jahren vor dem Ersten Weltkrieg wuchs die Firma von 20.000 auf 80.000 Mitarbeiter.

Zugleich war Krupp aber seit 150 Jahren auch Waffenproduzent ...

... und stand eng, manchmal viel zu eng, an der Seite der Mächtigen.

Adolf Hitler war mehrfach zu Gast auf der Villa Hügel, 1937 besuchte er gemeinsam mit Benito Mussolini Essen.

Von Gustav Krupp sind peinliche Ergebenheitsadressen überliefert, während Hitler das Unternehmen seinerseits besonders schätzte.

"Hart wie Kruppstahl", die unsägliche Forderung Hitlers an die Jugend haftet der Firma im kollektiven Gedächtnis bis heute an.

Alfried Krupp, der 1943 die Leitung des Unternehmens von seinem Vater übernommen hatte, musste dafür nach dem Krieg büßen.

Er wird aus der Villa Hügel heraus verhaftet und 1948 in Nürnberg von einem US-amerikanischen Militärgericht wegen "Plünderung" und "Sklavenarbeit" zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Er wird jedoch begnadigt und hebt die Beschlagnahme seines Vermögens auf, so dass er 1953 wieder die Leitung des Unternehmens übernehmen kann.

Noch im selben Jahr beruft der Firmenchef Berthold Beitz zu seinem Generalbevollmächtigten.

Firmengeschichte schrieb Beitz jedoch vor allem durch seine Rolle bei der Lösung eines äußerst komplizierten Familienproblems: ...

... Da Alfrieds Sohn Arndt wenig Interesse an der Firma zeigte, überredete Beitz ihn 1967 zum Erbverzicht.

Nur vier Monate vor seinem Krebs-Tod im Alter von nur 59 Jahren übertrug Alfried das riesige Firmenvermögen an eine Stiftung.

Mehr als 660 Millionen Euro sind seitdem aus Erträgen des Stiftungsvermögens für gemeinnützige Zwecke ausgegeben worden.

Derzeit sei es ruhig geworden um die Stiftung, deren immer noch geltenden Sonderrechte den Aktionärsvertretern weiter ein Dorn im Auge sind, meinte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Sie stehen für Alfreds wichtigste Erfindung: nahtlos geschmiedete Eisenbahnreifen, die weltweit reißenden Absatz fanden.

Bereits im Ersten Weltkrieg wurde Krupp zum zentralen deutschen Kriegskonzern mit einem Rüstungsanteil von bis zu 82 Prozent, wie der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser bilanziert.

Für den Neustart nach 1945 - bald mit Beitz in zentraler Position - ...

... wandte sich Krupp von der Rüstung ab und setzte maßgeblich auf den Anlagenbau.

Die Villa Hügel wurde bis Ende der 1990er-Jahre als Repräsentationsgebäude der Firma ThyssenKrupp genutzt. Inzwischen wird sie von der Kulturstiftung Ruhr verwaltet.

Aktuell könne man sich nun die Frage stellen, wie sich die Krupp-Stiftung als traditionelle Bewahrerin der Einheit des Konzerns zu der anhaltenden Diskussion um einen Stahl-Ausstieg stellen werde.

Offizielle Veranstaltungen sind nach Angaben eines Sprechers der Krupp-Stiftung zum Todestag nicht geplant.

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