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Eine europäische Problemzone: Die Banken der Spanier

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Für Mariano Rajoy war es mit Sicherheit kein leichter Schritt. (Foto: REUTERS)

Für Mariano Rajoy war es mit Sicherheit kein leichter Schritt.

Für Mariano Rajoy war es mit Sicherheit kein leichter Schritt.

Nach wochenlangen Spekulationen um Refinanzierungsprobleme im spanischen Bankensektor legt der Ministerpräsident die Karten auf den Tisch: ...

... Spanien benötigt Hilfe bei der Stabilisierung seiner angeschlagenden Geldhäuser - und kommt damit um Reformvorgaben von außen nicht mehr herum.

Wirtschaftsminister Luis de Guindos kündigt einen offiziellen Hilfsantrag an, nennt jedoch weiterhin keine genaue Summe. Kritiker werfen ihm und Rajoy vor, die Krise durch ihr Zögern nur zu verschärfen.

Die Euro-Finanzminister stellen Madrid einen Kreditrahmen über 100 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Summe fällt sehr viel höher aus als von vielen Analysten erwartet.

Braucht Spanien wirklich so viel Hilfe? Oder kann sich das Land schon mit einer deutlich geringeren Unterstützung weitgehend aus eigener Kraft aus der Misere befreien?

Die Probleme Spaniens sind bekannt: Ein jahrelanger Bauboom endet jäh mit dem Ausbruch der Finanzkrise.

Die Konjunktur zuckt, Unternehmen treten auf die Bremse, die Blase am Immobilienmarkt platzt: Familienväter können ihre Hauskredite nicht mehr bedienen. Die Preise brechen ein.

Nicht selten übersteigen die Kreditschulden den Wert der beliehenen Immobilie. Der spanische Finanzsektor sitzt auf einem Berg faulender Kredite.

Der Abschwung erwischt die Menschen im Land mit voller Wucht: Die Arbeitslosigkeit steigt binnen weniger Monate auf 24,3 Prozent - jeder Vierte ist ohne Einkommen.

Besonders hart trifft es die Jungen: In der Generation der unter 25-Jährigen steigt die Arbeitslosenquote auf 51,5 Prozent - zusammen mit den Daten aus Griechenland (52,7 Prozent) ist das ein europaweiter Negativrekord.

Die Unzufriedenheit im Land steigt spürbar an.

Der Staat muss an allen Ecken sparen: Die Einschnitte gehen an die Substanz. Streiks und Proteste begleiten jede neue Maßnahme.

Die zunehmende Verschuldung des Privatsektors und die schwache außenwirtschaftliche Position des Landes lassen in Brüssel die Alarmglocken schrillen. Nicht nur im Bankensektor brennt die Luft.

Madrid muss sich dringend um die heimischen Banken kümmern, um Domino-Effekte zu vermeiden: Im Zentrum des Sturms steht der aus mehreren kleineren Instituten geformte Sparkassenkonzern Bankia.

Bankia (ISIN ES0113307039)

Die Summen, die Madrid zur Rettung dieses Hauses aufbringen muss, bringen den spanischen Staatshaushalt in die Bredouille. Am Anleihenmarkt wird es für Spanien schwierig.

Der Staat muss immer mehr Zinsen bieten, um sich frisches Geld zu leihen. "Spanien macht eine Vertrauenskrise durch", heißt es aus Regierungskreisen. "Die Unsicherheit droht Spanien zu zerstören."

Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) schätzen den gesamten Kapitalbedarf im spanischen Bankensektor auf mindestens 40 Milliarden Euro.

Nach langem Zögern bleibt der Regierung Rajoy schließlich kein anderer Ausweg: Hilfe von außen.

An den Börsen reagieren Anleger erleichtert: Die Unsicherheit ist fürs Erste beendet.

Am ersten Handelstag nach dem Hilferuf löst sich der spanische Leitindex Ibex 35 von seinem Drei-Jahres-Tief.

Ibex 35 (ISIN ES0SI0000005)

Immerhin: Spanien ist kein Leichtgewicht. Das Land steht auf ganz anderen Füßen als etwa Portugal oder Griechenland.

Trotz Krise, Strukturproblemen und Zweifeln am Kapitalmarkt zählt Spanien nach wie vor zu den starken und einflussreichen Staaten der Welt.

In Spanien leben 47,2 Millionen Menschen.

Das Land ist gesegnet mit reichlich Sonne, ...

... einer imposanten Geschichte, ...

... tief verwurzelten Traditionen und mit ...

... beachtlicher Wirtschaftskraft.

Ein Blick aus dem All belegt, wo die Kraftzentren Spaniens liegen: an den Küsten im Süden und Westen, im Nordosten und im Zentrum, dem Großraum Madrid.

Die iberische Halbinsel beherbergt die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone: ...

... Die Wirtschaftsleistung Spaniens erreicht zuletzt ein Volumen von 1,1 Billionen Euro.

Zum Vergleich: Italien kommt im gleichen Zeitraum (2011) laut europäischer Statistikbehörde Eurostat auf eine Wirtschaftsleistung von 1,6 Billionen Euro.

Europas viel bewunderte Nummer eins bleibt Deutschland mit einem Bruttoinlandsprodukt von 2,6 Billionen Euro.

Spanien und Deutschland sind eng verbunden: Deutsche Unternehmen exportierten im vergangenen Jahr Waren im Wert von fast 35 Milliarden Euro nach Spanien.

Der Export spanischer Unternehmen nach Deutschland summiert sich 2011 auf 22,5 Milliarden Euro.

Das Ungleichgewicht im Handel gleicht der Tourismus nahezu vollständig aus: ...

... 2011 reisen mehr als neun Millionen deutsche Urlauber nach Spanien. Die Tourismusindustrie erweist sich seit Jahren als verlässliche Stütze.

An den Börsen in Madrid und Barcelona setzen manche Anleger schon jetzt auf eine schnelle Beruhigung der Lage. Kommt es zu der erhofften Gegenbewegung im Bankensektor?

Bankia, das viertgrößte Geldhaus des Landes, hat seine Reserven längst aufgezehrt: Der Staat springt im Frühjahr mit mehr als 4,5 Milliarden Euro in die Bresche. Ende Mai ruft der teilverstaatlichte Sparkassenkonzern nach weiteren 19 Milliarden Euro.

Die drittgrößte Bank des Landes, die Banco de Sabadell, kündigt vorsorglich an, in jedem Fall keine EU-Hilfen in Anspruch nehmen zu wollen.

Banco de Sabadell (ISIN ES0113860A34)

Bei der Übernahme der Caja de Ahorros del Mediterraneo im vergangenen Jahr hat Sabadell-Chef José Oliu Creus den Angaben zufolge eine größere Summe beiseite gelegt, um mögliche Verluste aufzufangen.

Die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA), die Nummer zwei im spanischen Bankensektor, steht deutlich stabiler da.

BBVA (ISIN ES0113211835)

Hier rechnen Analysten mit indirekten Risiken: Banken besäßen in der Regel ein großes Portfolio an Staatsanleihen und seien besonders anfällig für makroökonomische Risiken, argumentiert zum Beispiel die Ratingagentur Fitch.

Das gilt ganz allgemein BBVA und auch für die größte Bank Spaniens, die Banco Santander.

Banco Santander (ISIN ES0113900J37)

Es ist die Logik der Ratingagenturen: Fitch muss die Kreditwürdigkeit der beiden größten spanischen Banken herabstufen, weil ...

... sich die Bonitätseinstufung Spaniens verschlechtert hatte. Ende Juni zieht Moody's mit einem eigenen Rundumschlag nach.

So kommt im spanischen Bankensektor eines zum anderen. Die Milliardenhilfen der Europäer könnten den Teufelskreis tatsächlich durchbrechen - zusammen mit den von verschiedenen Seiten angemahnten Reformen.

Doch der Weg zurück wird schwierig: Auf europäischer Ebene sollten besser keine weiteren Krisenherd dazukommen.

Die Euro-Reformer brauchen in jedem Fall viel Fingerspitzengefühl: Wenn sie ihre "wirtschaftspolitischen Maßnahmen" an der falschen Stelle ansetzen, droht dem Land eine Vertrauenskrise von unten.

Für die Masse der Bevölkerung stellen die Sparvorgaben für den spanischen Staatshaushalt auch so schon eine harte Prüfung dar.

(Quellen: BME, Bolsa de Madrid, Eurostat, DJ/dpa/rts; Stand: Juni 2012)

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