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Vorhang auf in Baden-Württemberg: Hier, im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen, steht die Zentrale des Sportwagenherstellers Porsche.
Wolfsburg, Niedersachsen. Von hier aus steuert der Automobilkonzern Volkswagen seine Geschäfte.
Stuttgart, Wolfsburg: Die Namen dieser beiden deutschen Städte stehen für einen Machtkampf klassisch-griechischen Ausmaßes.
In dem seit Monaten laufenden Autodrama um die Zukunft der beiden Unternehmen geht es nicht nur um Macht, Einfluss und Milliarden, sondern ...
... auch um Politik, Karrieren und Arbeitsplätze.
In der Hauptrolle: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Als starker Mann an der Spitze des Stuttgarter Sportwagenbauers hat er mit dem Versuch, den vielfach größeren VW-Konzern zu übernehmen, einen Schuldenberg von rund neun Milliarden Euro angehäuft.
Nach wochenlangen Gerüchten wird es am Morgen des 23. Juli 2009 dann offiziell: Wendelin Wiedeking muss gehen.
Mit ihm geht Finanzchef Holger Härter (rechts) hier an der Seite Wiedekings und Wolfgang Porsches bei der Porsche Hauptversammlung am 30. Januar 2009.
Wiedekings wichtigster Gegenspieler heißt Ferdinand Piech und sitzt in Wolfsburg als Vorsitzender im VW-Aufsichtsrat. Piech hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er sich VW nicht als Junior-Partner der Stuttgarter vorstellen kann.
Familiäre Beziehungen verwischen zwischen VW und Porsche die Fronten: Wolfgang Porsche, leiblicher Nachfahre des berühmten Konstrukteurs und Cousin Piechs, steht dem Porsche-Aufsichtsrat als Vorsitzender vor. Die rivalisierenden Familien Porsche und Piech kontrollieren das Zuffenhausener Unternehmen.
Wo Familienmitglieder streiten, hält sich VW-Chef Martin Winterkorn lieber zurück.
Die lauten Töne überlässt er seinem Aufsichtsratschef Ferdinand Piech (mitte).
Im Kampf um die Vorherrschaft spielt Uwe Hück als Betriebsratsvorsitzender bei Porsche eigentlich nur eine Nebenrolle, die aber dafür mit viel Elan.
Hücks Wolfsburger Gegenspieler vertritt weitaus mehr Menschen als der Porsche-Mann: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh.
Als niedersächsicher Ministerpräsident mischt sich Christian Wulff mal mehr, mal weniger offen in die Handlung ein. Der CDU-Politiker sorgt sich um die Zukunft seines wichtigsten Industriestandorts.
Wäre Wiedekings Plan aufgegangen, läge die vereinigte Konzernzentrale wohl bald außerhalb seines Machtbereichs. Im Bild versuchen Wulff, links, und Wiedeking zu Beginn der Volkswagen Hauptversammlung im April 2008 Harmonie und Einigkeit zu verströmen.
Niedersachsen hält an Europas größtem Autokonzern eine Sperrminorität. Das Land kann damit wichtige Entscheidung blockieren. Wulff, rechts, und Wiedeking, wissen das ebenso gut wie Ferdinand Piech, links.
Wulff ist aber nicht der einzige Politiker, der in der VW/Porsche-Tragödie eine gute Figur zu machen sucht.
Auch Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hat sich in Wolfsburg schon zu Wort gemeldet.
Eine gewichtige Rolle spielt auch Hamad Bin Chalifa Al-Thani, seines Zeichens Emir von Katar. Mit seinen Milliarden soll er zur Stabilisierung der Porsche-Haushaltslage beitragen. Er könnte aber auch bei Volkswagen einsteigen.
Frisches Geld käme - hier wie dort - gerade recht: Staatliche Kredithilfe für den Porsche lehnt Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ab.
Günther Oettinger (im Bild links an der Seite von Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer) macht sich Sorgen: Wenn Porsche im Übernahmekampf unterliegt, verliert sein Bundesland möglicherweise einen wichtigen Steuerzahler - und er Rückhalt in der Region Stuttgart.
Die Porsche-Eigner, die Familien Porsche und Piech, hatten Anfang Mai Gespräche mit Volkswagen über einen integrierten Konzern beschlossen. Doch waren die Verhandlungen darüber versandet, weil Porsche-Chef Wendelin Wiedeking den Sportwagenbauer vor allem über eine Kapitalspritze des Emirats Katar entschulden wollte. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, der auch Porsche-Miteigner ist, will Porsche dagegen als zehnte Marke in den Volkswagenkonzern eingliedern.
In Zuffenhausen rumort es: Porsche-Mitarbeiter haben bereits Widerstand gegen eine Übernahme durch VW angekündigt. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätten sie Wendelin Wiedeking als Chef behalten. (Text: Martin Morcinek)
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