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In dem kleinen Schweizer Bergstädtchen Davos kommen Jahr für Jahr die Mächtigen der Welt zusammen.
Das Weltwirtschaftsforum (WEF) versammelt ranghohe Manager, Politiker, Wissenschaftler und Künstler zu informellen Gesprächen.
Dieses Jahr erwartet der Veranstalter Klaus Schwab, Gründer der gemeinnützigen WEF-Stiftung, rund 2.500 Lenker, Denker und Entscheider.
Alles was international Rang und Namen hat, bemüht sich in die verschneite Schweizer Bergwelt:
Entsprechend hoch sind die Sicherheitsvorkehrungen.
Motto des 40. Weltwirtschaftsforums: "Rethink, Redesign, Rebuild" (Überdenken, Umgestalten, Erneuern).
Eine Einladung nach Davos wiegt schwer wie ein Ritterschlag.
Wer neben Klaus Schwab Platz nehmen darf, findet überall Gehör.
Abgesehen von Renommee und Ehre verschafft eine Teilnahme in Davos selbstverständlich hervorragende Kontakte: Das weiß auch Barclays-Chef Robert E. Diamond Jr.
Auch wenn das nicht immer so aussieht: An Gesprächsthemen besteht angesichts von ungelösten Probleme im Finanzsektor kein Mangel. (Im Bild: Bundesbankpräsident Axel Weber mit Agco-Chef Martin Richenhagen, links, und einem nicht identifizierten Zuhörer, rechts.)
Wer wie Südkoreas Präsident Lee Myung-bak mitspricht, zählt zu den Großen.
Das Treffen in Davos ist in vielerlei Hinsicht einzigartig: Selten finden Spitzenmanager, Politiker und Meinungsführer eine bessere Gelegenheit zum offenen und freien Meinungsaustausch.
Und der sogenannte "Geist von Davos" ist selbst für Außenstehende bemerkenswert: Unter dem Einfluss von WEF-Gründer Klaus Schwab herrscht eine Atmosphäre von Kultur, Vernunft und Dialog. (Hier: Pianist Lang Lang am Flügel.)
Es ist vor allem der persönliche Verdienst von Klaus Schwab (hier bei der Eröffnungsansprache), dass sich Unternehmer und Politiker in Davos treffen - und sich nicht wie sonst nur in Krisengesprächen oder am Verhandlungstisch gegenübersitzen.
Schwab hat dabei das Wohl der Menschheit insgesamt im Blick - und nicht nur das von Staaten oder Konzernen.
Erklärtes Ziel der Veranstaltung ist es, "den Zustand der Welt" zu verbessern.
Das von Schwab initiierte Treffen verfügt über enormes politisches Gewicht: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy fordert in seiner Eröffnungsrede 2010 ein "neues Bretton Woods".
Josette Sheeran, verantwortlich für das Welternährungsprogramm (WFP), informiert über die Situation in Haiti - und zeigt den Teilnehmern, wovon die Menschen in Port-au-Prince leben müssen.
"Wir müssen unsere Werte überdenken, denn wir leben in einer globalen Gesellschaft mit vielen verschiedenen Kulturen", sagt Schwab auf der Pressekonferenz zur Eröffnung.
"Es ist unverkennbar, dass das derzeitige System der globalen Zusammenarbeit zu wünschen übrig lässt", stellt der gebürtige Ravensburger fest.
Entsprechend nachdenklich wirken die diesjährigen Teilnehmer aus der Hochfinanz. Im Bild: Gary Cohn, Präsident der US-Großbank Goldman Sachs.
Auch Lord Levene aus Großbritannien bleibt kleinlaut.
Als Vorstand der britischen Bank Lloyd's nimmt er an der Diskussionsgruppe zur "nächsten Weltkrise" teil.
EZB-Chef Jean-Claude Trichet sieht viel, muss aber aus Rücksicht auf den Euro-Kurs aufpassen, wem er wann was sagt.
Gelöster gibt sich Josef Ackermann.
Termine in der Schweiz sind für den Chef der Deutschen Bank so leicht wie ein Heimspiel.
An einem Lächeln versucht sich auch Jacob Frenkel, Vorstand bei JPMorgan Chase & Co.
Gut möglich, dass er eben erst von Barbara Stocking erfahren hat, was er persönlich gegen den Hunger in der Welt tun könnte. Stocking leitet die Nicht-Regierungsorganisation Oxfam in Großbritannien.
Es könnte aber auch sein, dass Frenkel mit George Soros gesprochen hat.
Die Investmentlegende nimmt seit Jahren regelmäßig teil. Er investiert einen Teil seines Vermögens, um seine Ideen von einer offenen Gesellschaft zu fördern.
Mit dabei ist dieses Jahr auch Wirtschaftswissenschaftler und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus: Sein Erfolg mit Mikrokrediten versöhnt unternehmerisches Profitstreben mit Gedanken sozialer Gerechtigkeit.
Etwas mehr von Daten als von Mikrofinanzen versteht Tom Glocer: Er ist Chef des Wirtschaftsdienstes Thomson Reuters.
Hinter den Kulissen trifft er auf Hartmut Ostrowski, den Bertelsmann-Chef aus Deutschland.
Von dort kommt auch Leo Apotheker, Vorstandsvorsitzender bei SAP und ...
... Henkel-Chef Kasper Rorsted, ein gebürtiger Däne.
Ebenso aufmerksam wie akkurat frisiert: Li Keqiang, Vize-Premier der Volksrepublik China.
Timothy P. Flynn, Führungskraft bei KPMG International, spricht zum Thema der "Wiedergewinnung von Vertrauen in die Unternehmensführung".
Was der Wirtschaftsprüfer zu sagen hat, interessiert auch James Turley: Er ist oberster Unternehmensberater bei Ernst & Young.
Branchenkollege Dennis Nally hört für Pricewaterhousecoopers zu.
Mark Parker erläutert den Blickwinkel des US-Sportartikelherstellers Nike.
Zwischen den Clubgesprächen unter Vertretern der alten Industriestaaten tauchen in diesem Jahr auffällig viele Gesichter der neuen Wirtschaftsmächte auf.
Stellvertretend für Teilnehmer aus China, Brasilien, Russland und Indien sitzt Anand Mahindra auf vielen Podien: Er leitet den indischen Fahrzeughersteller Mahindra & Mahindra.
Dass Indien künftig international mehr mitsprechen möchte, unterstreicht Neu-Delhis Wirtschaftsminister Anand Sharma durch seine Anwesenheit.
Brasilien schickt Außenminister Celso Amorim.
Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva wollte eigentlich auch kommen, musste aber krankheitsbedingt kurzfristig absagen.
Südafrikas Präsident Jacob Zuma (rechts) lässt es sich nicht nehmen, persönlich für die Fußball-Weltmeisterschaft in seinem Heimatland zu werben.
Abgesehen von Fußball, sozialer Verantwortung und der Lage des Weltfinanzsystems geht es beim "40. World Economic Forum" natürlich auch um:
Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft. Im Bild scherzt Saudi-Aramco-Chef Khalid Al Fali (links) mit Tony Hayward, seines Zeichens Boss des Öl-Multis BP.
Rohstoffe und deren Notierungen bleiben ein Thema, das die Welt bewegt.
Wie stark Preisspitzen das Leben der Menschen verändern können, ahnen wohl auch Thierry Desmarest, Vorstandschef beim französischen Mineralölkonzern Total, und ...
... Peter Voser, Chef bei Royal Dutch Shell.
Steigende Rohstoffpreise verschieben die Schwerpunkte auf der globalen Karte der Macht: Andrew Liveris, Chef des US-Konzerns Dow Chemical sitzt als Großabnehmer von Rohstoffen zwischen den Stühlen.
Zwischen steigenden Einkaufskosten und Nachfrageschwächen findet er sich in illustrer Gesellschaft wieder: Reifenhersteller wie Unilever-Chef Paul Polman, ...
... Energieversorger wie Vattenfall-Präsident Lars Josefsson oder ...
... Miao Gengshu, Vorstand der chinesischen Großreederei Sinotrans-CSC, wissen, was hohe Rohstoffkosten anrichten.
Paul Jacobs kann sich dagegen in Davos etwas ablenken: Für seinen Arbeitgeber, den US-Mobilfunkdienstleister Qualcomm, musste er kürzlich die Umsatzprognose zurücknehmen.
Novartis-Chef Daniel Vasella geht es gelassener an: Erstens war seine Anreise (aus Basel) deutlich kürzer, zweitens hat er sich erst Anfang der Woche mit einem Rekordgewinn aus dem Tagesgeschäft verabschiedet.
Chris Viehbacher, Chef des Pharmakonzerns Sanofi-Aventis, kann davon bislang nur träumen.
Noch dazu scheint ihm Takeda-Chef Yasuchika Hasegawa in Davos zu zeigen, wie groß die Unterschiede zwischen asiatischen und europäischen Medikamente mittlerweile sind.
Pharma-Bosse und Öl-Multis können eine weitere Neuerung nicht verbergen: Schwab und seine Mitarbeiter räumen den neuen sozialen Medien immer mehr Raum ein.
In diesem Jahr tauchen in vielen Gesprächsrunden junge Gesichter auf: ...
Da diskutiert zum Beispiel Owen Van Natta engagiert mit. Er ist Chef des kostenlosen Online-Tummelplatzes MySpace.com.
Für Facebook.com spricht Randi Zuckerberg über die gesellschaftliche Rolle der sozialen Netzwerke. Ihr Bruder, Facebook-Chef Mark Zuckerberg, kann nicht kommen. Er muss zu einer Hochzeit nach Indien.
Das ist Reid Hoffman, Gründer des Online-Netzwerks LinkedIn, der amerikanischen Business-Variante von Facebook oder Xing.
Hoffmann hat seine Verknüpfungsideen ein Jahr vor Zuckerberg verwirklicht. Er kann sich damit bereits als Urgestein der sozialen Medien fühlen.
Twitter-Chef Evan Williams versucht sich an die Atmosphäre der Macht zu gewöhnen.
Das Weltwirtschaftsforum bringt Entscheidungsträger und Vordenker aus aller Welt zusammen.
Da trifft zum Beispiel Manpower-Chef Jeffrey Joerres aus den USA auf ...
... Ibrahim Dabdoub von der Kuwaiter Nationalbank.
Davos bringt Menschen zusammen und vereint Gegensätze: Gleich zu Beginn bekommen die Künstler Udo Jürgens (links) und Lang Lang jeweils einen "Crystal Award" für ihre Verdienste.
Preise gibt es jedoch auch am Rande des Davoser Treffens: Die "Public Eye Awards" verstehen sich seit elf Jahren als kritische Gegenveranstaltung.
Ausgezeichnet mit "öffentlicher Aufmerksamkeit" werden Unternehmen und Institutionen, die sich sozial und ökologisch besonders unverantwortlich verhalten haben sollen. Preisträger 2010 sind der Pharmakonzern Roche und die Royal Bank of Canada.
Gerade solche inoffiziellen Rahmenveranstaltungen werfen Licht auf die Tatsache, dass die die Veranstaltung in den Schweizer Bergen nicht unumstritten ist.
Allen Bemühungen der Veranstalter zum Trotz gilt Davos in vielen Kreisen als elitär und vor allem undemokratisch.
Angesichts von Absperrungen, Sicherheitsmaßnahmen und Zugangsbeschränkungen bleibt die Frage offen, ob der "Zustand der Welt" tatsächlich nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit verbessert werden kann, oder ...
... ob Davos nicht auch ohne Stacheldraht denkbar wäre. (Text: Martin Morcinek)
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