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Wirtschaft

Gas aus Zentralasien: Die Nabucco-Pipeline

 
Viele Europäer erinnern sich nur zu gut an die Gas-Krisen der vergangenen Winter.

Viele Europäer erinnern sich nur zu gut an die Gas-Krisen der vergangenen Winter.

Streit zwischen Russland und der Ukraine über unbezahlte Rechnungen führte dazu, dass Moskau mitten in der kalten Jahreszeit den Gashahn abdrehte.

Das wichtige Transitland bekam kein Gas mehr geliefert und Europa wurde somit eindrucksvoll vor Augen geführt, wie sehr es in Sachen Energieversorgung von Russland abhängt. In Osteuropa wurde die Lage kritisch.

Die "Nabucco"-Pipeline soll das ändern. Ein Vertrag über den Bau ist unterzeichnet. Die Pipeline soll Gas von Zentralasien unter Umgehung Russlands nach Europa bringen.

Vor allem für die Länder Bulgarien, Rumänien und Ungarn, die sie passieren soll, bedeutet Nabucco eine schon lange erhoffte zweite Energiequelle.

Rund 3300 Kilometer lang soll "Nabucco" werden: Von den riesigen Gasvorräten des Kaspischen Meeres über die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn bis nach Österreich sollen die Pipeline und ihre Zulieferleitungen reichen.

2010 soll mit dem Bau begonnen werden. Nach der für das Jahr 2014 angepeilten Fertigstellung soll "Nabucco" in der Lage sein, jedes Jahr 31 Mrd. Kubikmeter Gas nach Europa zu pumpen. Zu Anfang sollen es jedoch nur acht bis zehn Mrd. Kubikmeter sein.

"Das Nabucco-Projekt ist von entscheidender Bedeutung für Europas Energiesicherheit", erklärte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Brüssel. Die EU hofft, fünf bis zehn Prozent ihres Gasbedarfs über die Pipeline decken zu können und damit die Abhängigkeit von ihrem größten Lieferanten Russland zu mindern.

Die Befreiung von der Vormachtstellung Moskaus bei der Gasversorgung wird rund acht Milliarden Euro kosten. An dem Projekt ist auch der deutsche Energiekonzern RWE beteiligt.

Weitere Partner sind der österreichische Versorger OMV, der ungarische Energiekonzern MOL, die Botas aus der Türkei, Bulgargaz aus Bulgarien sowie die rumänische Transgaz. Jedes Unternehmen hält 16,67 Prozent der Anteile an der Betreibergesellschaft.

Der frühere deutsche Bundesaußenminister Joschka Fischer ist politischer Berater.

Der Bau wird von der Europäischen Union unterstützt. Die Europäische Investitionsbank hatte sich im Januar bereiterklärt, rund ein Viertel der Finanzierung durch einen Milliardenkredit zu tragen. Dazu kommen ein weiterer Milliardenkredit über die Europäische Bank für Wiederaufbau sowie ein direkter Zuschuss in dreistelliger Millionenhöhe aus dem Konjunkturprogramm der EU.

Streit gibt es allerdings noch um eine mögliche Beteiligung des Iran an den Gaslieferungen. Die USA kündigten Widerstand an, falls der Iran ebenfalls Gas in die Leitung einspeisen wolle. Die Türkei steht Lieferungen aus dem Iran allerdings offen gegenüber.

Wo das Erdgas schließlich herkommt, ist noch offen. Doch den am Projekt beteiligten Unternehmen zufolge gibt es bereits Zusagen für Gaslieferungen aus Aserbaidschan, dem Nordirak und Turkmenistan.

Die Betreibergesellschaft Nabucco Gas Pipeline International will sich bei dieser Frage allerdings heraushalten und nur Kapazitäten der Pipeline vermieten. Das Gas könnte theoretisch auch aus russischen Vorkommen in der Region kommen, betonen die Unternehmen.

Der Energiekonzern RWE hält die Versorgung der geplanten Gaspipeline für gesichert. Die Pipeline könne zunächst mit Gas aus dem Irak beliefert werden. Das reiche für die erste Phase, so das RWE-Management. "Als weitere Lieferländer kommen Aserbaidschan, Turkmenistan, Ägypten und langfristig auch Kasachstan in Frage."

Die Liefer-Verträge sind nicht die einzigen Probleme, auf die das Projekt stößt. Die russische Konkurrenz-Pipeline "South Stream", die russisches Gas unter dem Schwarzen Meer nach Bulgarien transportieren soll, ist ein weiterer Faktor, der "Nabucco" Schwierigkeiten bereiten könnte.

Russland kritisiert seit Jahren das Projekt. Die Russen bemühen sich selber um Vereinbarungen mit Produzentenländern wie Aserbaidschan, um das Gas über ihre geplante Gazprom-Pipeline "South Stream" liefern zu lassen.

Die "Nabucco"-Pipeline gilt als eine der wichtigsten strategischen Gasversorgungsleitungen der EU. Die Türkei hatte an die Zustimmung für die Leitung Bedingungen geknüpft, unter anderem will Ministerpräsident Erdogan die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union forcieren.

Der Name "Nabucco" kann als symbolstark gesehen werden - in der gleichnamigen Oper von Giuseppe Verdi sucht das jüdische Volk nach Befreiung aus babylonischer Gefangenschaft.

Offiziell betont das Konsortium allerdings, man habe sich für den Namen entschieden, nachdem Vertreter der Unternehmen nach einem der ersten Treffen in Wien die Oper besucht hatten.

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