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Aktienrally des billigen Geldes: Die Stars und Flops des Börsenjahrs

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Noch 2011 schockte die Schuldenkrise die Märkte. Ausgestanden sind die Sorgen zwar ganz und gar nicht, doch können sie Anleger nicht mehr schocken - in Börsianerdeutsch sind Griechenland und Co. eingepreist. (Foto: picture alliance / dpa)

Noch 2011 schockte die Schuldenkrise die Märkte. Ausgestanden sind die Sorgen zwar ganz und gar nicht, doch können sie Anleger nicht mehr schocken - in Börsianerdeutsch sind Griechenland und Co. eingepreist.

Die Finanzmärkte sprechen 2012 eine klare Sprache: Die Aktie ist wieder da. Wer hätte das gedacht?

Noch 2011 schockte die Schuldenkrise die Märkte. Ausgestanden sind die Sorgen zwar ganz und gar nicht, doch können sie Anleger nicht mehr schocken - in Börsianerdeutsch sind Griechenland und Co. eingepreist.

Anleger, die Anfang 2012 auf deutsche Aktien gesetzt haben, haben den richtigen Riecher bewiesen. Innerhalb des Börsenjahres hat der Dax um rund 30 Prozent zugelegt. Das ist der höchste Jahresgewinn seit 2003.

DAX

Doch woher kommt diese Zuversicht? Investoren vertrauen auf die Zusage von Währungshütern und Politikern, den Euro um jeden Preis zu retten. Das sorgt für deutliche Bewegung an den Finanzmärkten - nicht nur in eine Richtung.

Anlagenotstand ist das Wort der Stunde - irgendwo muss das Geld angelegt werden. Die Rettungsmilliarden der Europäischen Zentralbank verderben Sparern wegen historisch niedriger Zinsen beliebte Geldanlagen wie Tages- und Festgeld. Zugleich jedoch verhelfen sie Aktien zu einer Renaissance - auch bei eher börsenscheuen Deutschen.

Im ersten Halbjahr 2012 steckten laut Deutschem Aktieninstitut 10,2 Millionen Anleger in Deutschland Geld in Aktien und/oder Aktienfonds. Das waren 1,5 Millionen mehr als Ende 2011. Ein stärkeres Plus gab es nur im Jahr 2000, als die vermeintliche "Volksaktie" Telekom die Massen lockte.

Doch nicht für alle Schwergewichte am deutschen Aktienmarkt lief es gleichermaßen gut. So deutlich wie wohl nie zuvor hängen Wohl und Wehe der Kursentwicklung mit dem Auf- oder Abstieg aus dem Dax zusammen.

Zu den größten Gewinnern zählten die Papiere der Lufthansa. Sie verbuchten ein Jahresplus von stolzen 55 Prozent. Der Konzern profitiert von einer günstiger als erwarteten Konjunkturentwicklung. Darüber hinaus hat der Konzern in Europa mit dem Schwenk auf das Billigsegment wichtige Weichen gestellt, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden.

Lufthansa

Der zweitbeste Dax-Wert des Jahres ist Lanxess. Erst in diesem Jahr in die erste Börsenliga aufgestiegen, schreibt der Spezialchemiker das erfolgreichste Jahr seiner Geschichte. Das zahlt sich aus: Selbst klare Absagen an Fusionsphantasien wie ein Zusammengehen mit Evonik können dem Kurs nichts anhaben. Wer zum Jahresstart 2012 eingestiegen ist, kann sich nun über ein Kursplus von 65,7 Prozent freuen.

Lanxess

Besser sieht nur der Reifenriese Continental aus. So wie Lanxess ist auch Conti erst in diesem Jahr in den Dax aufgestiegen. Mit 82,1 Prozent Kursplus innerhalb eines Jahres liegt der Titel unangefochten an der Gewinnerspitze.

Neben dem Indexaufstieg profitiert der Konzern auch von den guten Aussichten der deutschen Autobauer und der Neuausrichtung des Konzerns.

Continental

Doch trotz vieler großer Gewinner im Dax birgt das Börsenjahr 2012 auch Enttäuschungen. Für drei Dax-Unternehmen geht es unterm Strich bergab.

Bei Fresenius Medical Care ist die Luft raus. Gehörte die Aktie, der die Konjunkturentwicklung wegen ihres krisensicheren Dialysegeschäfts kaum etwas anhaben kann, im Vorjahr zu den größten Gewinnern, bleibt FMC 2012 ein Kursminus von 0,3 Prozent übrig.

FMC

Auf keinen grünen Zweig kamen die Papiere der Deutschen Telekom. Von einem Kletterversuch zur Jahresmitte abgesehen, bescherten die Papiere ihren Anlegern kein gutes Jahr. Der Aktienkurs fällt 2012 um 3,0 Prozent - einziger Trost ist die noch immer vergleichsweise hohe Dividende.

Telekom

Den Stecker ziehen Anleger bei Eon. Der Atomausstieg belastet die Aussichten des Konzerns nachhaltig, die Dividende steht in den Sternen. Für die Eon-Aktie heißt das: Jahresverlierer im Dax mit einem satten Minus von 15,5 Prozent.

Eon

Große Kursbewegungen gibt es jedoch nicht nur bei den Großen unter den Aktienunternehmen. In den hinteren Börsenreihen verbuchen manche Unternehmen ungleich größere Zuwächse - oder stürzen in der Anlegergunst in Ungnade.

Die Kursentwicklung der mittelgroßen Börsenunternehmen hängt die Dax-Werte klar ab. Der MDax als Index dieser Titel klettert 2012 um 33,9 Prozent.

MDax

Der Immobilienkonzern Gagfah feiert ein geradezu herausragendes Jahr. Nicht nur gewinnt der Markt für Wohnimmobilien deutlich an Fahrt, sondern der Konzern tauscht im Frühjahr auch seinen umstrittenen Konzernlenker aus. Garniert mit einem Aktienrückkaufprogramm gehen die Papiere durch die Decke: 123 Prozent Kursplus.

Gagfah

Nur einer kommt höher: Sky Deutschland markiert mit sagenhaften 194 Prozent Kursplus die Gewinnerspitze im MDax. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass der Bezahlsender im Vorjahr als schwächster MDax-Wert dicke Verluste verbucht hatte. Die nötige Luft nach oben war damit auch hausgemacht.

Sky Deutschland

Apropos größter Verlierer: Die Metro markiert unter den mittelgroßen deutschen Aktien das Schlusslicht 2012. Der Kurs sackte um 25,5 Prozent ab, die Dax-Mitgliedschaft war damit passé. Langwierige Querelen bei der Elektromärktetochter Media Saturn drückt ebenso auf die Stimmung und den Kurs wie schwache Ertragsaussichten samt Gewinnwarnung.

Metro

Im Technologiesegment, einst der Hort aller Wachstumswerte, bleiben die Zuwächse etwas hinter dem Gesamtmarkt zurück. Der TecDax steigt im Jahresvergleich um 20,9 Prozent.

TecDax

Der größte Gewinner ist auch im TecDax ein Aufsteiger: Der Pharmazulieferer Sartorius notiert seit Mitte 2012 unter den ausgewählten Tech-Titeln. Wer die Papiere schon zu Jahresbeginn ins Depot legte, freut sich zum Jahreswechsel über einen Anstieg des Börsenkurses von 89,4 Prozent.

Sartorius

Auf der anderern Seite der Jahresabrechnung stehen die Papiere von Solarworld. Lange Zeit als Solar-Stars am Markt gefeiert, machen dem einstigen Vorzeigeunternehmen wie auch den hiesigen Rivalen die Kürzung der deutschen Solarförderung sowie aggressive Konkurrenz aus Asien zu schaffen. Das Kursminus für Solarworld von 67,4 Prozent spricht Bände.

Solarworld

Doch wahre Börsianer schauen nie nur zurück, sondern immer auch nach vorne. Geht die Aufholjagd nun weiter? Optimisten sehen noch Luft nach oben: Geld ist billig und Aktien sind gefragt in Zeiten historisch niedriger Sparzinsen.

Doch wie schon das Jahr 2012 zeigt: Schlauer ist man immer hinterher.

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