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Kluge Frauen, krasse Pleiten: Die Wirtschaftshelden des Jahres

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Das Jahr 2012 beginnt mit ernsten Sorgen: Unsichere Aussichten in der Weltwirtschaft und die ungelösten Probleme der Schuldenkrise lassen bereits schwere Zeiten erahnen. (Foto: picture alliance / ZB)

Das Jahr 2012 beginnt mit ernsten Sorgen: Unsichere Aussichten in der Weltwirtschaft und die ungelösten Probleme der Schuldenkrise lassen bereits schwere Zeiten erahnen.

Das Jahr 2012 beginnt mit ernsten Sorgen: Unsichere Aussichten in der Weltwirtschaft und die ungelösten Probleme der Schuldenkrise lassen bereits schwere Zeiten erahnen.

In der Wirtschaft wird es schnell turbulent: Die scharfen Konjunktureinbrüche in der Eurozone treffen die Automobilindustrie an empfindlicher Stelle. Die Absatzzahlen brechen ein.

Doch inmitten des branchenweiten Wehklagens kann sich Volkswagen-Chef MARTIN WINTERKORN im Licht seiner Erfolge sonnen.

Wichtige Wettbewerber aus dem europäischen Ausland müssen ihre Produktionen drosseln - bei der VW-Gruppe legen währenddessen alle Marken mit Ausnahme von Seat zu.

Für Winterkorn und Europas größten Autobauer bleibt es in jedem Fall ein gutes Jahr. Das große Ziel rückt näher: Spätestens 2018 will der promovierte Physiker die Wolfsburger vor General Motors und Toyota an die automobile Weltspitze führen.

Viel vorgenommen hat sich für 2012 auch der derzeit wichtigste Mann im Bereich der europäischen Luft- und Raumfahrt: ...

... Doch für EADS-Chef THOMAS ENDERS kommt alles ganz anders als geplant. Offensichtlich hat er den politischen Widerstand in Deutschland unterschätzt.

Die von ihm angeschobene Mega-Fusion der Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und des britischen Konkurrenten BAE Systems erlebt eine spektakuläre Bruchlandung.

Der geplatzte Deal schwächt die Position von "Major Tom" - wie Kollegen Enders hinter vorgehaltener Hand gerne nennen.

Seine großen Ziele, durch Zukäufe aus der Airbus-Mutter EADS den weltgrößten Rüstungskonzern zu schmieden und den Staatseinfluss zurückzudrängen, muss Enders aufgeben.

BAE Systems steht weiter zum Verkauf. Gerüchten zufolge interessiert sich mit Lockheed ein wichtiger EADS-Konkurrent aus den USA für das Knowhow der Briten.

Nach der verhinderten Fusion machen sich die Großaktionäre Deutschland, Frankreich und Spanien daran, die Besitzverhältnisse neu auszuhandeln. Der Ausgang ist auch für Enders ungewiss.

Einer der Aufsteiger des Jahres kommt aus London und sitzt in Frankfurt am Main: Der Investmentbanker ANSHU JAIN übernimmt im Juni die Führung der Deutschen Bank. Jain startet eine Charmeoffensive, verordnet der Bank einen "Kulturwandel".

Innerhalb der Bank wird Jain seit Jahren als "Kronprinz" des scheidenden Bankchefs JOSEF ACKERMANN (r.) gehandelt.

Die Vorbehalte gegen den gebürtigen Inder sind groß, seine Sparte kämpft mit Altlasten. Schließlich kommt es zum Kompromiss: Jain bekommt mit JÜRGEN FITSCHEN (l.) eine Doppelspitze beigeordnet.

Ende Mai vollzieht Deutschlands größtes Geldhaus den Führungswechsel: Ackermann geht und überlässt Jain und Fitschen einen Berg an Arbeit - unter anderem auch die Aufklärung der Affäre rund um Zinsmanipulationen.

Für ANTON SCHLECKER läuft es 2012 alles andere als gut. Die Dinge wenden sich gegen ihn: Für den Unternehmer und seine Mitarbeiter ist es das Jahr der großen Katastrophe. Das Drogeriemarkt-Imperium zerbricht.

Ein großes Kapitel der deutschen Wirtschaftsgeschichte findet ein jähes und unrühmliches Ende: Der schwäbische Selfmade-Unternehmer (Archivbild) führt seine aus dem Nichts aufgebaute Drogerie-Kette in den Ruin.

Als der Familien-Patriarch die Macht an seine Kinder abgibt, ist es schon zu spät. Managementfehler, harte Konkurrenz und das angekratzte Image machen dem einstigen Marktführer den Garaus.

Im Januar muss Schlecker Insolvenz anmelden. Alle Rettungsversuche scheitern. Ende Juni gehen die Lichter endgültig aus.

Der einstige Milliardär haftet als eingetragener Kaufmann mit seinem gesamten Vermögen.

Ein ganz anderer Wechsel bewegt das Silicon Valley bis heute: Eine erst 37-jährige Informatikerin kehrt einem Online-Schwergewicht den Rücken, um ihr Glück bei einem Urgestein der Internetbranche zu suchen.

MARISSA MAYER gibt Mitte Juli ihre prominente Position als Vize-Präsidentin und Sprecherin bei Google auf und wechselt zum Suchmaschinenpionier Yahoo.

Zuvor hatte sich Mayer nicht nur als das weibliche Gesicht von Google einen Namen gemacht. Als Mitarbeiterin der ersten Stunde und spätere Produktchefin steuerte sie die Markteinführung einer ganzen Reihe einflussreicher Dienste, darunter auch Gmail und Google News.

Auch das mittlerweile weltbekannte Design der Google-Startseite stammt angeblich aus ihrer Feder. Auch privat übt sie - gewollt oder ungewollt - enormen Einfluss aus: Kurz nach ihrem Amtsantritt bei Yahoo gibt sie ihre Schwangerschaft bekannt.

Ende September kommt ihr Sohn zur Welt: In der öffentlichen Wahrnehmung steht Mayer damit auch gesellschaftspolitisch für eine neue Ära. Als leuchtendes Beispiel für die Vereinbarkeit von Kinderwunsch und Spitzenkarriere steht sie fortan in der öffentlichen Debatte.

Finanziell ist Mayer ohne Sorgen: Der geschäftliche Erfolg bei Yahoo lässt zwar noch auf sich warten, doch die geschickte Managerin hat sich bereits vorab ein dickes Gehaltspaket von bis zu 120 Millionen Dollar gesichert.

Von der Aufsteigerin des Jahres bis zu einer der größten Enttäuschungen des Börsenjahres ist es nur ein kleiner Klick: ...

... Kein anderer Börsengang hat 2012 so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie der von Facebook.

Der Börsengang entwickelt sich für Anleger zum Debakel. Bis zum Herbst rutscht der Aktienkurs bis knapp unter 15 Dollar. Schwere Computerpannen machen die Erstnotiz für den Börsenbetreiber Nasdaq zum Spießrutenlauf.

Am Ausgabetag notiert die Aktie zunächst bei 28 Dollar - Facebook wird damit an der Nasdaq mit 104 Milliarden Dollar bewertet. Doch dann kommt es wie von Mahnern und Warnern befürchtet: ...

... Gründer, Chef und Hauptaktionär MARK ZUCKERBEG stürzt in der "Forbes"-Rangliste der reichsten Amerikaner von Rang 14 auf 36 ab. Sein Vermögen schmilzt von 17,5 Mrd. auf 9,4 Mrd. Dollar.

Privat läuft es für den Endzwanziger besser: Die Hochzeit mit seiner langjährigen Freundin Priscilla Chan verläuft Beobachtern zufolge ohne technische Schwierigkeiten.

Der Medienkonzern Bertelsmann ist dagegen sehr viel breiter aufgestellt - und schon länger im Geschäft. Dazu kommt: ...

... Noch nicht einmal ein Jahr im Amt, landet der neue Bertelsmann-Chef THOMAS RABE einen wichtigen Coup.

Der Weltkonzern aus Gütersloh und das britische Verlagshaus Pearson legen ihre Buchverlage zusammen. Aus der Hochzeit von Random House mit Penguin Group geht der größte Publikumsverlag der Welt hervor.

Teil von Bertelsmann ist neben dem Verlagsgeschäft und dem Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr auch Europas größte private Mediengruppe RTL (zu der auch der Nachrichtensender n-tv gehört).

Im November wird jedoch bekannt, dass Gruner + Jahr die defizitäre Tageszeitung "Financial Times Deutschland" ("FTD") aufgibt. Das Wort vom "Zeitungssterben" macht die Runde.

"FTD"-Chefredakteur STEFFEN KLUSMANN geht als letzter Lenker der lachsfarbenen Wirtschaftszeitung in die Geschichte ein.

Für Siemens geht 2012 allenfalls als durchwachsenes Jahr in die Unternehmensgeschichte ein.

Als Chef von Deutschlands Vorzeigekonzern muss der Österreicher PETER LÖSCHER schwere Fehler eingestehen.

Die Kosten laufen aus dem Ruder und belasten den Gewinn. Das Solargeschäft entpuppt sich als Fehlinvestition.

Besonders peinlich: Die Auslieferung der bereits fest eingeplanten neuen ICE3-Züge an die Deutsche Bahn verzögert sich weiter. Dazu kommt ein gesellschaftspolitischer Rückschlag: ...

... Die erste Frau im Vorstand von Siemens zieht sich zurück. Siemens-Einkaufschefin BARBARA KUX verzichtet auf eine Verlängerung ihres Vertrages und will den Mischkonzern Ende 2013 verlassen.

Der Energiekonzern RWE muss auf Vorstandsebene gänzlich ohne Frauen auskommen. Im laufenden Jahr muss sich das Dax-Unternehmen mit ganz anderen Problemen befassen: ...

... Für RWE ist 2012 Jahr 1 der deutschen Energiewende. Der gebürtige Niederländer PETER TERIUM (r.) löst den langjährigen RWE-Chef JÜRGEN GROSSMANN an der Konzernspitze ab.

Der neue RWE-Chef beendet den Pro-Atom-Kurs seines Vorgängers und krempelt Deutschlands zweitgrößten Energiekonzern unter den skeptischen Augen der Aktionäre um.

RWE verdient nach dem Atomausstieg wieder besser - bei Konkurrent Eon läuft es noch nicht so gut. Nur die hohe Verschuldung sollte Terium nach Ansicht von Analysten bald angehen.

Der Name Fresenius steht neben EADS für eine weitere gescheiterte Großfusion des Jahres 2012.

Der Konzern-Lenker ULF SCHNEIDER muss mit der geplatzten Übernahme des Konkurrenten Rhön-Klinikum eine herbe Schlappe einstecken.

Ein wenig Trost findet Schneider lediglich im Rückblick auf ein volles Jahrhundert Firmengeschichte: Der Konzern aus Bad Homburg feiert am 1. Oktober zusammen mit der ebenfalls im Dax gelisteten Konzerntochter Fresenius Medical Care das 100-jährige Bestehen.

Im Jahr 4 nach Ausbruch der Finanzkrise macht der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers den Insolvenzverwalter der deutschen Lehman-Tochter womöglich zu einem steinreichen Mann.

Wirtschaftsanwalt MICHAEL FREGE kümmert sich um die Trümmer der Lehman Bankhaus AG.

Wie viel vom möglichen Rekordhonorar von 800 Millionen Euro bei ihm hängenbleibt, steht noch nicht fest.

Die Pleite-Bank ist nicht seine einzige Baustelle: Auch die Neckermann-Pleite beschäftigt ihn und seine Mitarbeiter in der Kanzlei CMS Hasche Sigle.

Für den deutschen Autobauer Opel ist 2012 ein weiteres schweres Jahr.

Die Tochter des US-Automobilkonzerns General Motors muss mitten auf schwieriger Wegstrecke erneut den Unternehmenslenker wechseln.

KARL-FRIEDRICH STRACKE, Vorstandsvorsitzender der Adam Opel AG, geht nach nur 15 Monaten an der Spitze.

Der Ingenieur und Automanager räumt vorzeitig den Chefposten.

Stracke hat sein Ziel klar verfehlt, den defizitären Autobauer zurück in die Gewinnzone zu führen.

Mitte Juli wird Opel-Strategievorstand THOMAS SEDRAN zum Interimschef ernannt.

Die Entscheidung über eine Neubesetzung von Strackes Stelle soll Branchenkreisen zufolge noch im Dezember fallen.

Vakante Positionen an der Spitze? Der deutsche Spezialchemiekonzern Lanxess kennt solche Sorgen nicht.

Vom ersten Tag an ist AXEL HEITMANN Vorstandschef bei Lanxess: Er steuert die einstige Bayer-Sparte seit ihrer Ausgliederung 2004.

Acht Jahre später kann er den Hersteller von Kunststoffen, Gummi, Lacken und anderen Spezialchemikalien in die erste deutsche Börsenliga, den Leitindex Dax führen.

Aus Sicht des Arbeitskreises Indizes zählt Lanxess damit zu den 30 wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland.

Den steilsten Absturz in Ruf und Ansehen erlebt 2012 der Chef einer britischen Großbank.

Barclays-Chef BOB DIAMOND stolpert im Juli über einen Skandal, der nicht nur das Weltfinanzzentrum London erschüttert, sondern auch Kreise bis nach Deutschland zieht: die Affäre um Manipulationen am Libor-Zinssatz.

Die von dem gebürtigen Amerikaner geführte Bank hatte über Jahre gefälschte Zinssätze gemeldet. Diamond, einst einer der mächtigsten Banker der Welt, wird zu einer Symbolfigur für unsaubere Geschäfte in der Londoner City.

Erst Ende August kann das Geldhaus mit ANTONY JENKINS einen neuen Chef benennen: Ihm und seinen Amtskollegen in den übrigen vom Libor-Skandal berührten Großbanken bleibt die schwierige Aufgabe, die womöglich auch strafrechtlich relevanten Vorwürfe auszuräumen.

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