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Sonntag, 21. März 2010

Europas Schuldenberge: Die dunkle Seite der Eurozone

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Die Europäische Währungsgemeinschaft ist Teil eines Mammutprojekts. Mit dem Aufbau der Euro-Zone wagen sich die Europäer in historisches, politisches und volkswirtschaftliches Neuland vor. (Foto: REUTERS)

Die Europäische Währungsgemeinschaft ist Teil eines Mammutprojekts. Mit dem Aufbau der Euro-Zone wagen sich die Europäer in historisches, politisches und volkswirtschaftliches Neuland vor.

Die Europäische Währungsgemeinschaft ist Teil eines Mammutprojekts. Mit dem Aufbau der Euro-Zone wagen sich die Europäer in historisches, politisches und volkswirtschaftliches Neuland vor.

Ein wichtiger Schritt in Richtung Europäische Einigung erfolgt im Jahr 2002: Die Einführung des Euro als gesetzliches Zahlungsmittel in zunächst zwölf europäischen Staaten.

Seitdem ist die Zahl der Euro-Mitglieder gewachsen: Von den 27 Staaten der Europäischen Union sind mittlerweile 16 Teil der Währungsunion.

Der Euro zählt unterdessen längst neben dem US-Dollar und dem Yen zu den wichtigsten Zahlungsmitteln der Welt.

Über den gemeinsamen Währungsraum wacht die Europäische Zentralbank mit Sitz in Frankfurt am Main und die EU-Kommission mit Sitz in Brüssel.

Ein Stabilitäts- und Wachstumspakt soll die Stabilität der Gemeinschaftswährung sichern.

Dieser Pakt enthält unter anderem die sogenannten Konvergenzkriterien, auch bekannt als Maastricht-Regeln. Sie sollen vor allem der Verschuldung der Mitgliedsstaaten einen Riegel vorschieben.

Die beiden wichtigsten Regeln lauten: Die jährliche Neuverschuldung darf einen Wert von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht übersteigen, und ...

... der Schuldenstand bleibt auf maximal 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beschränkt.

Der öffentliche Schuldenstand ist im Vertrag von Maastricht und dem nachfolgenden Lissaboner Verträgen definiert als Brutto-Gesamtverschuldung des gesamten Staatssektors.

In den Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat umfasst der Staatssektor jeweils Zentralstaat, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung zum Nominalwert am Jahresende nach Konsolidierung. Die hier herangezogenen Angaben geben also eine Art Momentaufnahme vom Jahreswechsel 2008/09 wieder.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dagegen gilt allgemein als ein praktischer Gradmesser für die wirtschaftliche Stärke eines Landes. Das BIP fasst den Wert aller hergestellten Waren und erbrachten Dienstleistungen zusammen.

Aus dem Verhältnis von Staatsschulden, Wirtschaftskraft und Einwohnerzahl lassen sich höchst aufschlussreiche Erkenntnisse ableiten - zum Beispiel eine Rangfolge der größten Schuldenberge.

Auf Platz 16 der Staatsschulden inerhalb der Euro-Zone: MALTA. Das kleine Land ist erst seit 2004 Mitglied der Europäischen Union und seit 2008 auch Teil der Euro-Zone.

Der Inselstaat im Mittelmeer zwischen Italien und Libyen zählt rund 410.000 Einwohner. Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei 5,7 Mrd. Euro. Pro Kopf gerechnet sind das 13.892 Euro.

Malta ist das Euroland mit den geringsten Schulden: Im Jahr 2008 liegen sie laut Eurostat bei 3,6 Mrd. Euro. Rein rechnerisch lasten damit auf jedem Einwohner Schulden in Höhe von 8838 Euro.

Das Großherzogtum LUXEMBURG - EU-Mitglied der ersten Stunde - kommt mit seinen gut 490.000 Einwohnern auf ein BIP von 39,3 Mrd. Euro. Das sind 81.232 Euro pro Kopf - ein absoluter Spitzenwert, nicht nur innerhalb der Euro-Zone.

Die Staatsverschuldung von 5,3 Mrd. Euro erscheint übersichtlich (Platz 15). Je Einwohner sind das jedoch immerhin 11.008 Euro.

Recht gut schlägt sich im Vergleich der Euro-Länder auch ein junges Mitglied aus dem Südosten: Für SLOWENIEN - Euro-Mitglied seit 2007 - weisen die EU-Statistiker ein BIP von 37,1 Mrd. Euro und Schulden in Höhe von 8,3 Mrd. Euro aus. Das reicht für Platz 14.

Bei insgesamt rund zwei Millionen Sloweninnen und Slowenen ergibt das ein BIP pro Kopf von 18.455 Euro.

Die rein rechnerische Schuldenlast von 4147 Euro je Einwohner ist die zweitniedrigste der Euro-Zone.

Markos Kyprianou, Außenminister der Republik ZYPERN kann sich seinen Teil denken: Im Gegensatz zu anderen Staaten hat sein Land die Staatsverschuldung weitgehend im Griff.

Der Nordteil der Insel wird von der Türkei kontrolliert. Die UNO trennt die beiden Teile mit einer Pufferzone.

Die rund 790.000 Einwohner des Südens erwirtschaften 2008 ein BIP von 17,2 Mrd. Euro.

Pro Kopf sind das 21.792 Euro. Die Schulden: 8,3 Mrd. Euro (Platz 13). Je Einwohner entspricht das einer Last von 10.575 Euro.

Die SLOWAKEI, der direkte Nachbar Tschechiens, Polens, Ungarns, der Ukraine und Österreichs, ist das bislang jüngste Euro-Mitglied:

Seit 2009 zahlen die Slowaken offiziell in Euro. Im Vergleichsjahr liegt das BIP des Landes bei 17,2 Mrd. Euro. Bei rund 5,4 Millionen Einwohnern macht das pro Kopf 11.997 Euro.

Mit Schulden in Höhe von 18,6 Mrd. Euro belegt das Land innerhalb der Euro-Zone Platz 12.

Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 3446 Euro hebt sich das Land mit der geographisch nach Westen strebenden Hauptstadt weit aus der Masse heraus: Kein Staat der Euro-Zone kommt hier auf einen besseren Wert.

FINNLAND ist wie Deutschland und zehn weitere Nationen Euro-Mitglied seit 1999.

Die rund 5,3 Millionen Finninnen und Finnen blicken auf ein BIP von 184,2 Mrd. Euro und 63 Mrd. Euro Schulden: Platz 11.

Pro Kopf entspricht das einem BIP von 34.751 Euro und ...

... einer Belastung von 11.889 Euro.

Mit IRLAND dringt diese Aufstellung erstmals bis zu einem der sogenannten PIIGS-Staaten vor: Neben Portugal, Italien, Griechenland und Spanien steht auch die einstige Boom-Insel Irland unter der besonderen Beobachtung der Finanzmärkte.

In den hier vorgestellten Kennzahlen bleiben die Probleme des Landes allerdings weitgehend unsichtbar: Mit einem BIP von 181,8 Mrd. Euro und 80,1 Mrd. Euro Schulden bewegt sich Irland im unteren Mittelfeld: Platz 10 von 16.

Pro Kopf liegt das irische BIP bei 41.305 Euro - der zweithöchste Wert innerhalb der Euro-Zone. Die Verschuldung erreicht einen Wert von 18.211 Euro je Einwohner.

PORTUGAL belegt in der Rangfolge der Staatsschuldner mit 110,4 Mrd. Euro Platz 9.

Je Einwohner entspricht das einer Summe von 10.395 Euro - im Europa-Vergleich ein eher niedriger Wert.

Das Bruttoinlandsprodukt des Landes im äußersten Westen Europas beziffern die Statistiker auf 166,4 Mrd. Euro - pro Kopf sind das 15.672 Euro.

Mehr Schulden als Portugal oder Irland hat - in absoluten Zahlen - unter anderem ÖSTERREICH.

Die gut 8,3 Millionen Einwohner der Alpenrepublik erwirtschaften ein BIP von 281,9 Mrd. Euro. Der Pro-Kopf-Wert von 33.887 Euro kann sich sehen lassen: Die Österreicher folgen hier dicht hinter den Finnen.

Allerdings ist das Land mit insgesamt 176,6 Mrd. Euro oder 21.226 Euro je Einwohner verschuldet. Damit belegt Austria Platz 8.

Gemessen am BIP von 344,7 Mrd. Euro zählt das geografisch kleine BELGIEN zu den Zugpferden der Euro-Zone.

Doch hinter dem belgischen Pro-Kopf-BIP von 32.315 Euro steht ein ordentlicher Schuldendruck von 309,7 Mrd. Euro - Platz 7.

Auf jeden der rund 10,6 Millionen Einwohner entfallen damit 29.031 Euro Schulden: innerhalb der Euro-Zone ist das Rekord.

Beim Nachbarn im Norden - den NIEDERLANDEN - schultern die 16,5 Millionen Einwohner nur Schulden in Höhe von 21.132 Euro.

Das niederländische BIP beträgt 595,9 Mrd. Euro, also deutlich mehr als eine halbe Billion. Die Staatsschulden bleiben mit 346,7 Mrd. Euro deutlich drunter (Platz 6).

Die mit Abstand meiste Aufmerksamkeit unter den Euroländern genießt derzeit jedoch GRIECHENLAND.

Das Land gilt als hochverschuldet. Doch pro Kopf gerechnet lasten auf den 10,7 Millionen Griechen lediglich Schulden in Höhe von 21.152 Euro - nur unwesentlich mehr als zum Beispiel auf Deutschen oder Niederländern und deutlich weniger als auf den Belgiern.

Insgesamt schiebt Griechenland einen Schuldenberg von 237,2 Mrd. Euro vor sich her: Das reicht im Schulden-Ranking der Euro-Zone für Platz 5.

Eine vergleichsweise schwache Wirtschaft, verschärfte Bedingungen am Finanzmarkt und rigide Sparvorschriften aus Brüssel stellen das Land vor eine politische und soziale Zerreißprobe.

Denn Griechenland ist auch konjunkturell das Sorgenkind Nummer eins im Euro-Raum. Im vierten Quartal 2009 schrumpft das Bruttoinlandsprodukt so stark wie in keinem anderen Euro-Land.

Abgesehen von strukturellen und konjunkturellen Problemen hat Griechenland jedoch vor allem ein Glaubwürdigkeitsproblem: Mit einem BIP von 239,1 Mrd. Euro liegt das Land - zumindest hinsichtlich dieser einzelnen Kennzahl - im Mittelfeld der Euro-Zone.

Im kleinen Kreis der PIIGS-Staaten fällt SPANIEN aus dem Rahmen.

Der Staat auf der iberischen Halbinsel trägt mit einem BIP von 1.088 Mrd. Euro den Titel der viertstärksten Wirtschaftsmacht der Euro-Zone.

Doch auch bei der Staatsverschuldung rangiert Spanien unter den Top 4: ...

... volle 432,1 Mrd. Euro lasten auf dem Land - und das bei einem starken Schwerpunkt auf der Bauindustrie und wankenden Immobilienmärkten.

Auf Platz 3 im Schuldenranking: FRANKREICH mit einer Bruttoverschuldung von insgesamt 1314 Mrd. Euro. Pro Kopf entspricht das einer Belastung von 20.538 Euro.

Entspannen können sich die gut 64,3 Millionen Französinnen und Franzosen trotzdem, denn ...

... mit einem BIP von knapp zwei Billionen Euro (1950 Mrd.) untermauern sie innerhalb der Euro-Zone ihre stolze Stellung als Wirtschaftsnation Nummer 2.

Ein größeres Bruttoinlandsprodukt kann im Euroraum nur ein einziges Land vorweisen:

DEUTSCHLAND kommt laut EU-Statistik 2008 auf ein BIP pro Kopf von 30.355 Euro. Absolut betrachtet sind das mit 2495 Mrd. knapp zweieinhalb Billionen Euro - fast ein Viertel mehr als Frankreich.

Diesen stattlichen Zahlen stehen Schulden in Höhe von 1644 Mrd. Euro gegenüber - bei rund 82,3 Millionen Einwohnern sind das 20.001 tiefrote Euro pro Kopf.

Damit verfügt Deutschland innerhalb der Euro-Zone über den zweithöchsten Schuldenberg überhaupt.

Tiefer in die Schuldenfalle hat es bislang nur einer geschafft: ITALIEN.

Bei einem BIP von 1567 Mrd. Euro türmen sich die Staatschulden Roms in schwindelerregende Höhen: 1663 Mrd. Euro - mehr als eineinhalb Billionen Euro.

Das sind deutlich mehr Außenstände als der Wert der Waren und Dienstleistungen, den die zehn kleinsten Euroländer zusammen in einem ganzen Jahr herstellen. Italien steht damit auf Platz 1 der Euro-Schuldenstaaten.

Für die Italienerinnen und Italiener ergibt sich daraus eine unangenehme Perspektive: Jeder der rund 59,1 Millionen Einwohner des Landes muss rein rechnerisch für 27.894 Euro geradestehen - bei einem Pro-Kopf-BIP von nur 26.296 Euro.

Damit ist Italien das einzige Land der Euro-Zone, in dem die Pro-Kopf-Schuldenlast das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner übersteigt.

(Text: Martin Morcinek / Quellen: Eurostat, Europäische Zentralbank, Bundesbank, Auswärtiges Amt, Bundesfinanzministerium. Alle Angaben beziehen sich - soweit nicht anders angegeben - auf das Vergleichsjahr 2008.)

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