Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
SA 9° / 23°
SO 12° / 22°
Wirtschaft

Wetterfest und wirtschaftlich : Die neuen ICx-Züge

 
Wetterfest und wirtschaftlich : Die neuen ICx-Züge

Die Bahn will ihre Fernflotte mit bis zu 300 neuen Siemens-Zügen nahezu komplett erneuern und damit auch ihre Expansion ins Ausland vorantreiben.

Zugleich sollen die Triebzüge nun gegen extreme Witterung wie Eis, Hitze und Platzregen gewappnet sein und die Pannenserie beenden.

Die Bahn verabschiedet sich aber vom Wettlauf um immer höhere Geschwindigkeiten: Die 130 Fahrzeuge der ersten Tranche sollen maximal Tempo 230 fahren.

Die jetzigen ICE-3 erreichen über 300 Kilometer pro Stunde, was wegen des immensen Energieverbrauchs kaum wirtschaftlich ist.

Zudem bringt die Spitzengeschwindigkeit wegen Bahnhofsstopps oder Baustellen kaum Reisezeitgewinn.

Bahnkunden werden die neuen ICx-Züge wegen der kompletten Neukonstruktion allerdings erst in fünf Jahren nutzen können.

Ende 2016 sollen sie in den regulären Einsatz kommen.

Vorher sollen sie ausführlicher als frühere Züge getestet werden.

Die Lücke wird ab 2013 zunächst durch Doppelstock-Züge gefüllt werden, die bislang nur im Regionalverkehr unterwegs waren.

Die Wagen werden aufgerüstet und auf IC-Strecken eingesetzt.

Rein äußerlich werden die ICx den bisherigen ICE-3 stark ähneln und auch weiter weiß mit rotem Band lackiert sein.

ICx werden sie jedoch nicht heißen, die Bahn denkt noch über einen Namen nach.

Insgesamt werden die Züge bis zu 200.000 Sitzplätze mit hohem Komfort und größerer Kniefreiheit als im ICE-3 bieten.

Sonderbereiche soll es für Familien, Behinderte und Fahrräder geben.

Größere Bordrestaurants und Info-Schirme sind ebenfalls vorgesehen.

Für ältere Menschen soll vor allem der Einstieg mit einem neuen Türsystem erleichtert werden.

Der Zugauftrag ist der größte in der Geschichte der Deutschen Bahn und von Siemens.

Allein die ersten 195 Züge werden über sechs Mrd. Euro kosten. (Im Bild: Siemens-Chef Peter Löscher (l) und Bahn-Chef Rüdiger Grube bei der Vertragsunterzeichnung)

Für alle 300 Züge wird in Industriekreisen von einer Kaufsumme von über sieben Mrd. Euro ausgegangen.

Die Verhandlungen mit Siemens hatten sich über ein Jahr hingezogen.

Grund war vor allem, dass sich die Bahn gegen technische Pannen absichern wollte, die dem Unternehmen in vergangenen Jahren immer wieder Negativ-Schlagzeilen eingebracht haben.

Der Bahnindustrie wird der Auftrag auf Jahrzehnte tausende Arbeitsplätze sichern, etwa im Siemens-Werk Krefeld oder auch in Hennigsdorf bei Berlin.

Dort produziert der kanadische Bombardier-Konzern, der etwa ein Drittel der Zugteile zuliefert.

Dank neuer Bauweise soll der Zug zudem 20 Tonnen leichter sein und 30 Prozent weniger Strom brauchen als seine Vorgänger.

Nach den Erfahrungen mit störanfälligen Neu-Zügen sichert sich die Bahn nun umfassend bei den Herstellern ab.

Eine Anzahlung für die Züge gibt es nicht, Siemens muss die Entwicklung also vorfinanzieren. (Bahn-Chef Grube, Verkehrsminister Peter Ramsauer, Siemens-Chef Peter Löscher v.r.n.l)

Medienberichten zufolge sind erst bei Bereitstellung eines Zuges 60 Prozent des Kaufpreises fällig.

Für die Achsen garantiert Siemens eine Laufleistung von vier Mio. Kilometern. Bei Riss oder Bruch muss Siemens beweisen, dass die Bahn verantwortlich ist.

Ultraschall-Untersuchungen sollen alle 240.000 Kilometer ausreichen. Derzeit werden sie zehnmal so häufig geprüft.

Besonderen Wert legte die Bahn offenkundig auch auf die Wetterfestigkeit der Züge:

Schneestürme und Platzregen sollen den Zug ebenso wenig stören wie Hitze.

Die Klimaanlagen, die im Sommer 2010 reihenweise versagten, sollen bis 40 Grad einwandfrei arbeiten und auch bei 45 Grad ihren Dienst noch nicht quittieren.

Auch bei den Toiletten wurden detaillierte Vorgaben gemacht, um das häufige Versagen in Zukunft auszuschließen.

Zwei Monate lang sollen zwei Triebzüge ohne Fahrgäste und ein Jahr mit Passagieren getestet werden, bevor die Serienproduktion beginnt.

Zunächst sollen die teils über 40 Jahre alten IC bis 2020 ersetzt werden, dann in einer Tranche von 90 Zügen die ICE-1 und ICE-2. Bis 2025 wird der gesamte Austausch abgeschlossen sein.

Keines der neuen Modelle soll mehr als 250 Stundenkilometer fahren können.

Als Letztes könnten im Rahmen des Vertrags die neueren ICE-3 von 80 sogenannten ICx verdrängt werden.

Die IC-Nachfolger sollen in Österreich, der Schweiz und den Niederlanden fahren können.

Die Züge der zweiten Tranche können auch für Frankreich, Italien, Polen und Tschechien eingesetzt werden.

Bislang sind diese Länder weitgehend abgeschottet und können auch aus technischen Gründen von Konkurrenzbahnen anderer Länder kaum befahren werden. (Text: rts; Bilder: rts/ dpa/ AFP/ Deutsche Bahn)

Bilderserie versenden
Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.