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An den Quellen der Wirtschaftskraft: Die zehn wichtigsten Exportpartner

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Deutschland ist stark im Außenhandel: Allein im Jahr 2011 gehen Güter im Wert von etwas mehr als einer Billion Euro von Deutschland aus auf die Reise. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Deutschland ist stark im Außenhandel: Allein im Jahr 2011 gehen Güter im Wert von etwas mehr als einer Billion Euro von Deutschland aus auf die Reise.

Deutschland ist stark im Außenhandel: Allein im Jahr 2011 gehen Güter im Wert von etwas mehr als einer Billion Euro von Deutschland aus auf die Reise.

Nur zwei Staaten auf der Welt werfen mehr Warenwerte auf den Weltmarkt: Das sind China und die USA.

Rund acht Prozent beträgt der Anteil Deutschlands am Weltexportvolumen: Doch wer kauft die meisten deutschen Waren? An welchen Märkte hängt das Wohlergehen der deutschen Wirtschaft?

Die Frage ist von entscheidender Bedeutung: Es geht nicht nur um viel Geld, sondern auch um Aufmerksamkeit. Beides muss wohlüberlegt eingesetzt werden. Und beides läuft manchmal in die falsche Richtung.

Auf welche Konjunktursignale reagiert der Aktienmarkt? Und welche Entwicklungen bestimmen die Exportchancen wirklich?

Sind zum Beispiel die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten aus den USA wirklich wichtiger als etwa das Geschäftsklima in Frankreich oder das britische Verbrauchervertrauen?

Oder andersherum gefragt: Wo spürt es Deutschland am stärksten, wenn im Kreis der "Made in Germany"-Kunden die Nachfrage einbricht?

Kurz: Auf welche Auslandsdaten sollten Anleger achten, wenn sie in Aktien exportstarker Dax-Unternehmen investieren?

Eine Faustregel vorweg: Nähe und gute Verkehrsanbindungen fördern den Handel.

Direkte Nachbarn sind für den deutschen Export in der Regel wichtiger als weit entfernte Boom-Regionen.

Der Export in die Golf-Region zum Beispiel spielt für die deutsche Wirtschaft nur eine untergeordnete Rolle.

Der starke Aufschwung in der Türkei bleibt dagegen nicht ohne Wirkung: In den letzten zehn Jahren hat sich die türkische Wirtschaft auf den 15. Platz der deutschen Exportmärkte vorgearbeitet.

Die Ausfuhren in die Türkei haben sich 2011 gegenüber 2001 fast vervierfacht. Der Wert der pro Jahr exportierten Waren liegt mittlerweile bei 20,1 Mrd. Euro.

Das sind immerhin 1,9 Prozent aller deutschen Ausfuhren. Sehr viel stärker jedoch hängt der deutsche Exporterfolg vom wirtschaftlichen Wohlergehen der direkten europäischen Nachbarn ab.

Denn der überwiegende Teil des deutschen Exports bleibt in Europa: Etwas mehr als 70 Prozent der ausgeführten Waren sind für Kunden im europäischen Ausland bestimmt.

Bedeutendste Einzelregion ist - mit großem Abstand - die Europäische Union: 59 Prozent aller ausgeführten Waren gehen in die EU.

Zweitwichtigster Absatzmarkt für deutsche Exporte ist Asien. Im vergangenen Jahr kommt die Region auf einen Anteil von 16 Prozent.

Erst danach kommt die Zielregion Nord- und Südamerika: Der Transatlantikanteil am deutschen Exportvolumen liegt bei rund 10 Prozent.

In der Rangliste der wichtigsten Einzelstaaten unter den Handelspartnern taucht auf Platz 10 gleich eine rot-weiße Überraschung auf: ...

... Es handelt sich um Polen, den aufstrebenden Nachbarstaat im Osten. Von der Grenze an der Oder bis ins Zentrum der deutschen Hauptstadt sind es nur knapp 90 Kilometer.

Vom deutschen Aktienmarkt und dem Fokus der Anlegeraufmerksamkeit scheint Polen dagegen sehr viel weiter entfernt: ...

... Veränderungen im Geschäftsklima, am Arbeitsmarkt oder beim Vertrauen der polnischen Verbraucher finden in der Regel in Deutschland keinerlei Beachtung.

Dabei haben polnische Kunden im vergangenen Jahr Waren im Wert von 43 Mrd. Euro aus Deutschland geordert. Polen kommt damit auf einen Anteil von 4,1 Prozent am gesamten deutschen Export.

Ähnlich verhält es sich mit Belgien: Auch hier lässt sich ein Missverhältnis zwischen Wahrnehmung und Bedeutung erkennen.

Denn Belgien, die kleine Wirtschaftsmacht im Westen, lässt sich binnen eines Jahres Güter im Wert von fast 47 Mrd. Euro aus Deutschland kommen.

Auch hier ist Nähe Trumpf: Die belgische Wirtschaft profitiert auch von der Nähe zum industriellen Herz der deutschen Wirtschaft. Von Brüssel (Bild) bis ins Ruhrgebiet sind es nur gut 180 Kilometer.

Traditionell enge Beziehungen bestehen zwischen Deutschland und der Schweiz: Die Eidgenossen rangieren in der Außenhandelsstatistik auf Platz 8 der wichtigsten Handelspartner.

Waren im Wert von rund 48 Mrd. Euro gehen in die Schweizer Berge. Exporteure spüren hier allerdings einen gewichtigen Nachteil: ...

... Anders als im Handel mit Polen oder Belgien gefährden Währungsschwankungen das Exportergebnis. Bewegungen beim Franken wirken sich direkt auf 4,5 Prozent des deutschen Exports aus.

Mehr Waren als für die Schweizer gehen in ein anderes großes Land der Alpen: ...

Österreich hält Platz 7 der wichtigsten deutschen Handelspartner. Der Exportanteil liegt bei 5,4 Prozent. Das entspricht einem Volumen von fast 58 Mrd. Euro.

Auf Platz 6 der deutschen Exportpartner: Italien - die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone (nach Deutschland und Frankreich).

Güter im Wert von 62 Mrd. Euro rollen 2011 von Deutschland aus über die Alpen.

Polen, Belgien, Schweiz, Österreich, Italien: Zusammen bringen diese Länder einen Anteil von nicht ganz 25 Prozent am deutschen Export auf die Waage.

Sollte in diesen Ländern die Konjunktur ernsthaft erlahmen, dann bebt in Deutschland der Arbeitsmarkt.

Die Top 5 der wichtigsten Handelspartner beginnt in den Containerhäfen: Exporteure müssen zum Teil extrem weite Lieferwege in Kauf nehmen.

Knapp vier Wochen braucht ein Container von Hamburg nach Shanghai.

China liegt mit einem Anteil von 6,1 Prozent auf Platz 5.

Tag für Tag sind tausende dieser Standardfrachtbehälter unterwegs nach Übersee: ...

... Die Volkswirtschaft der Chinesen saugt 2011 Waren im Wert von rund 65 Mrd. Euro aus Deutschland an.

Wenn es schnell gehen soll, muss die Luftfracht einspringen - mit entsprechendem Aufpreis. Der überwiegende Teil nimmt den Seeweg.

"Made in Germany" kommt bei den Wirtschaftslenkern in Peking gut an: Maschinen und chemische Erzeugnisse zählen generell zu den wichtigsten Exportgütern Deutschlands.

Gefragt sind in China längst auch deutsche Oberklassewagen: Für Hersteller wie Porsche, Daimler, Audi, BMW und Volkswagen zählt das Riesenreich zu den wichtigsten Wachstumsmärkten.

Kraftfahrzeuge bilden die wichtigste deutsche Handelsware. Die Exporte der Autoindustrie liegen deutlich vor Chemie und Maschinenbau: Im vergangenen Jahr gehen Autos, Lkws und Ersatzteile im Wert von 125 Mrd. Euro in alle Welt.

Etwas mehr Aufmerksamkeit als der chinesischen Wirtschaft müssten deutsche Anleger jedoch der konjunkturellen Entwicklung auf einer Insel in unmittelbarer Nachbarschaft schenken.

Das Vereinigte Königreich liegt auf Platz 4 der wichtigsten deutschen Handelspartner.

Die britische Wirtschaft bezieht gut 6,1 Prozent des gesamten deutschen Exports.

Im Jahr 2011 entspricht das einem Warenwert von 65,3 Mrd. Euro. Doch auch hier bedrohen Wechselkurseffekte den Erfolg. Großbritannien ist zwar Teil der EU, lehnt die Einführung der Gemeinschaftswährung aber hartnäckig ab.

Auf Platz 3 wiederholt sich ein bekanntes Muster: Während Konjunkturdaten aus London noch hin und wieder auch am deutschen Aktienmarkt Beachtung finden, gehen Zahlen aus dem Inneren der niederländischen Wirtschaft regelmäßig im großen Nachrichtenrauschen unter.

Dabei strömt ein nicht geringer Anteil der deutschen Exporte den Rhein hinab in Richtung Niederlande mit dem Wirtschaftszentrum rund um Amsterdam.

Die alte Handelsnation liegt geografisch günstig zwischen den größten Volkswirtschaften Europas an der See: 2011 beziehen niederländische Empfänger Waren im Wert von 69,3 Mrd. Euro aus Deutschland. Das ist ein Anteil von 6,5 Prozent.

Für Platz 2 in dieser Rangliste müssen Exporteure wieder den Seeverkehr über Containerterminals in Hamburg oder wie hier in Bremerhaven bemühen.

Fast sieben Prozent des deutschen Exportvolumens überqueren per Frachter oder Cargo-Flieger den Atlantik in Richtung Vereinigte Staaten.

Aus Deutschland kommen in den USA 2011 Waren im Wert von rund 73,7 Mrd. Euro in den Staaten an. Das sind rund 4,4 Mrd. Euro mehr als in die Niederlande - und 8,2 Mrd. Euro mehr als im Vorjahr.

Trotzdem reicht es für die Amerikaner nur für Platz 2.

Denn eine ganz andere "große Nation" unterhält sehr viel engere Handelsbeziehungen zur deutschen Wirtschaft.

Doch auch hier wiederholt sich das Muster: ...

... Die Masse der Anleger wartet lieber auf vage Konjunkturimpulse aus den USA als auf harte Fakten aus dem Nachbarland.

Fakt ist: Ein großer Teil des deutschen Exports rollt direkt über die Grenze nach Frankreich - dem wichtigsten Einzelmarkt des deutschen Außenhandels.

Die Nachfrage der Franzosen schlägt sich in den Statistiken des deutschen Außenhandels mit einem Anteil von nahezu 10 Prozent nieder.

Die französische Wirtschaft kauft in Deutschland binnen eines Jahres für 101,5 Mrd. Euro ein.

Damit liegt Frankreich auf Platz Eins der deutschen Handelspartner.

Das konjunkturelle Schicksal der beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone ist eng miteinander verknüpft.

Grund genug für Anleger, den Blick künftig stärker in Richtung konjunkturelle Nachbarschaft schweifen zu lassen.

Denn in den Ländern um Deutschland herum liegen die Quellen, aus denen sich die neue deutsche Stärke speist.

(Quellen: Destatis, AFP, rts / Text: Martin Morcinek / Stand: April 2012)

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