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Donnerstag, 30. Juni 2016

Das Job-Bibbern hat begonnen: Diese Branchen werden nach dem Brexit schrumpfen

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Der 23. Juni 2016 wird in die Wirtschaftsgeschichte eingehen: Die Briten stimmen für einen Austritt aus der EU. (Foto: dpa)

Der 23. Juni 2016 wird in die Wirtschaftsgeschichte eingehen: Die Briten stimmen für einen Austritt aus der EU.

Der 23. Juni 2016 wird in die Wirtschaftsgeschichte eingehen: Die Briten stimmen für einen Austritt aus der EU.

Zu den größten Verlierern dieser Entscheidung gehören die Geldinstitute. Der Finanzplatz London wickelt ein Fünftel aller Finanztransaktionen weltweit ab. Allein in Großbritannien beschäftigt die Branche mehr als eine Million Menschen.

Vor allem wegen der Sprache haben sich internationale Banken gerne in Großbritannien angesiedelt. Bislang können sie dort ohne weitere Genehmigungen ihre Dienstleistungen in allen Mitgliedsländern der EU verkaufen.

Ohne privilegierten Zugang zum gemeinsamen Markt der Europäischen Union verliert die Finanzmonopole mit dem Brexit einen wichtigen Vorteil für asiatische und US-Banken.

Die ersten US-Banken planen, Mitarbeiter aus Großbritannien abzuziehen. Dazu gehören Citi Group, Goldman Sachs und JP Morgan.

Angeblich überlegen sie, Personal nach Paris, Frankfurt und Dublin zu verlagern.

Auch die britischen Fluggesellschaften wie die British-Airways-Mutter IAG oder Easyjet befürchten durch einen Brexit Gegenwind. Bislang dürfen sie in jedes EU-Mitgliedsland fliegen und auch innerhalb dieser Länder Flüge anbieten.

Ein Brexit könnte bedeuten, dass sie aus dem gemeinsamen Luftraum fliegen. Höhere Gebühren für die Airlines und höhere Preise für die Kunden wären die Folge.

Die Fluggesellschaften rechnen bereits mit deutlich weniger Passagieren - das schwache Pfund wird zumindest viele Briten von einem Urlaub im Ausland abhalten. Auch der Treibstoff, zahlbar in Dollar, verteuert sich dadurch für die Airlines.

IAG und Easyjet haben ihre Prognosen für dieses Jahr bereits gesenkt. Auch Ryanair mit Sitz in Irland (im Bild Ryanair-Chef Michael O'Lear, r., mit Marketing-Chef Kenny Jacobs) dürfte leiden - das Unternehmen macht bislang mehr als ein Viertel seines Umsatzes in Großbritannien.

Nach Einschätzung von Richard Branson wird der Brexit Großbritannien in eine Rezession stürzen. Der britische Milliardär und Gründer der Virgin-Gruppe findet drastische Worte.

"Wir steuern auf ein Desaster zu. Ich glaube nicht, dass die Bürger schon begriffen haben, was für einen Schlamassel ihr Votum auslösen wird", sagte Branson im britischen Fernsehen.

Seine Fluggesellschaft habe nach dem Brexit-Entschluss bereits einen "sehr großen" Deal abgesagt, der etwa 3000 Arbeitsplätze geschaffen hätte. Außerdem habe sein Unternehmen seit der überraschenden Brexit-Entscheidung etwa ein Drittel an Wert eingebüßt. Tausende und Abertausende Stellen würden dadurch verloren gehen.

British Airlines versucht aus der Not eine Tugend zu machen und wirbt mit dem günstigen Wechselkurs. Denn wer sein Ticket in Euro oder Dollar bezahlt, profitiert.

Ob das den Airlines hilft? Abwarten.

Der Immobilienmarkt wird sich ebenfalls neu sortieren. Die Preise vor allem in London dürften stark nachgeben - allein die Banken brauchen weniger Büroraum und Wohnraum für die Mitarbeiter.

Der Branchendienst Hometrack rechnet nach dem "externen Schock" der Abstimmung mit einem Preissturz um bis zu 20 Prozent.

Das Immobilienunternehmen Foxtrons gab eine Gewinnwarnung heraus. Leidet der Immobilienmarkt, ...

... leidet auch die Bauwirtschaft. Stellenabbau dürfte unvermeidlich sein.

Zu den größten Leidtragenden werden die Hersteller von Autos und Autoteilen auf der Insel gehören, sagen Branchenexperten voraus.

In Großbritannien sind Nissan und der Besitzer von Jaguar und Land Rover, Tata, tätig.

Außerdem fertigt BMW dort den Mini und Rolls Royce. Toyota produziert ebenfalls in Großbritannien, genauso wie General Motors.

Der britische Automarkt repräsentiert laut Analysten zwar nur einen Anteil von zwei bis drei Prozent weltweit, doch werden hier teure Oberklassewagen gefertigt. Für die europäischen Zulieferer schätzen die Analysten den Anteil des britischen Marktes eher auf vier bis neun Prozent.

Allein im Mini-Werk von BMW in Oxford arbeiten 4500 Beschäftigte. Bei Rolls-Royce in Goodwood sind es 1200, im Komponentenwerk in Swindon 800, im Motorenwerk in Hams Hall 900. Das Brexit-Votum wird nach Meinung mancher dafür sorgen, dass die Autohersteller die Insel verlassen.

Es gibt aber auch Stimmen, die sagen, diese Branche werde wie vielleicht andere exportorientierte Branchen florieren. Zur Begründung verweisen sie auf die schwache Währung, die Ausfuhren günstiger für die Käufer auf dem Festland macht.

Skeptische Stimmen dämpfen diese Hoffnung jedoch. Die weltweite Nachfrage nach britischen Produkten stagniere, sagt Analyst Erik Nielsen von Unicredit. "Der Effekt dürfte begrenzt sein."

Die Hightech-Branche sorgt sich nach dem Brexit-Votum vor allem um ihren Nachwuchs.

Wenn das Arbeiten in Großbritannien für Ausländer schwieriger wird, dann dürften den Unternehmen bald viele qualifizierte Bewerber ausgehen.

Der Bundesverband deutsche Start-ups erklärte schon am schwarzen Freitag nach dem Brexit-Votum, "die deutsche Start-up-Hauptstadt Berlin ist der Gewinner des Brexit, London der Verlierer".

Medien, Tourismus, Einzelhandel - stark von der Kaufkraft abhängige Branchen dürften ebenfalls leiden, ...

... wenn, wie von den meisten Ökonomen vorausgesagt, die Einkommen der Briten schrumpfen.

Der britische Mobilfunkriese Vodafone erwägt zum Beispiel, seinen Hauptsitze in Großbritannien zu verlegen. Es sei noch zu früh, über den langfristigen Standort zu entscheiden, aber es werde entschieden, "was auch immer zweckmäßig" sei, heißt es. Vodafone beschäftigt rund 13.000 Menschen in Großbritannien und hat Sitze in London und Newbury.

Laut einer Studie der britischen Regierung vom Mai vernichtet ein Brexit allein in Großbritannien rund 500.000 Jobs. Der britische Gewerkschaftsbund geht sogar von 4.000.000 gefährdeten Arbeitsplätzen aus - ausländische Jobs nicht mitgezählt.

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