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"Von Schönefeld in die ganze Welt": Ehemaliger Hauptflughafen der Interflug wird BBI

 
Am 14. November 2007 lächeln Klaus Wowereit und Matthias Platzeck in die Kamera. Der Regierende Bürgermeister Berlins eröffnet mit dem Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg einen "Infotower" an der Großbaustelle südöstlich der Hauptstadt. So können Besucher, die ...

Am 14. November 2007 lächeln Klaus Wowereit und Matthias Platzeck in die Kamera. Der Regierende Bürgermeister Berlins eröffnet mit dem Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg einen "Infotower" an der Großbaustelle südöstlich der Hauptstadt. So können Besucher, die ...

... wissen wollen, wie die Arbeiten auf der Baustelle voranschreiten, die 32 Meter hinaufsteigen und ...

... die Aussicht genießen. Um allerdings ...

... die gesamten Ausmaße des künftigen Großflughafens Berlin Brandenburg (BBI) überblicken zu können, empfehlen Beobachter leistungsstarke Teleobjektive. Dabei ist der Name Berlin-Schönefeld mit den unterschiedlichsten Erinnerungen verknüpft, denn ...

... in den achtziger Jahren schätzten ihn zum Beispiel auch junge Rucksacktouristen aus dem Westen. Lange vor dem Lastminute- und Billigfliegerboom begannen vom Zentralflughafen der DDR in Berlin-Schönefeld viele ihre Reise in den Süden.

Dort, wo auch Erich Honecker und Leonid Breschnew, Walter Ulbricht und Nikita Chruschtschow zu Staatsbesuchen starteten und landeten, konnte man für relativ wenige DM mit der DDR-Staatslinie Interflug in (fast) alle Welt düsen.

Für westliche Verhältnisse war also das eine oder andere Schnäppchen drin. Interflug war, so gesehen, ein Billigflieger vor allem für Westberliner.

Mit seinem Standard war der Airport jedoch weit hinter westlichem Niveau:

Die Fluggäste mussten oft zu Fuß übers Rollfeld zum Flieger gehen, ganz zu schweigen von den langwierigen Passkontrollen.

Vor über 50 Jahren, am 30. Juni 1955, wurde in Schönefeld der zivile Flugverkehr aufgenommen, damals noch durch die Deutsche Lufthansa der DDR.

Zuvor hatten dort die Henschel-Flugwerke ihren Standort. Von 1934 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges baute Henschel in Schönefeld 14.000 Flugzeuge.

Gleich nach 1945 begannen die Sowjets mit der Demontage und Sprengung aller Anlagen.

Schon ein Jahr später verlegten sie ihre Luftstreitkräfte von Berlin-Johannisthal nach Schönefeld. Fast zeitgleich wurde auch der "Befehl Nr. 93" zum Aufbau eines zivilen Flughafens ausgegeben.

Doch erst zehn Jahre später gewann dieser mit der Gründung der DDR-Fluggesellschaft Interflug an Bedeutung.

Vor der Wende war Schönefeld der wichtigste und größte Flughafen im Ostteil Deutschlands.

Von hier flogen die Fluglinien fast aller Ostblockstaaten, darunter auch die sowjetische Aeroflot.

Vom Westen oft als Provinzflughafen belächelt, hieß er in der DDR Zentralflughafen.

Doch im Vergleich zu Airports wie Frankfurt, London oder Paris waren die Passagierzahlen in Schönefeld eher bescheiden.

Das höchste Aufkommen wurde 1989 mit rund 2,9 Millionen Fluggästen erreicht.

Von Schönefeld aus wurden die Hauptstädte fast des gesamten Ostens angeflogen. Darüber hinaus ging es nach Kuba, Bangkok, Athen, Rom, Amsterdam und Wien.

Für die Devisen bringenden West-Reisenden gab es ein spezielles Transit-Terminal.

Staatsgäste wurden in der separat liegenden "Regierungsabfertigung" empfangen, dort wo Breschnew und Co. auch ihre Bruderküsse austauschten.

Drei schwere Unfälle sind mit Schönefeld verbunden. Der erste ereignete sich am 14. August 1972.

Nach dem Start der IL-62 mit der Reg. "DM-SEA" in Berlin-Schönefeld mit dem Flugziel Burgas löste eine undichte Rohrverbindung der Heißluftleitung einen Brand im Heck der Maschine aus.

Die Maschine stürzte über Königs Wusterhausen ab.

Alle 156 Bordinsassen starben. Nach dem Absturz einer Aeroflot-Maschine am 12. Dezember 1986 bei Berlin-Bohnsdorf kommt es ...

... 1989 zu einem weiteren tragischen Unfall. Nach der Blockierung des Höhenruders der Maschine vom Typ IL-62M mit der Reg. "DDR-SEW" versuchte die Crew den Start in Berlin-Schönefeld abzubrechen.

Doch anstatt Umkehrschub zu geben, stellte der Bordingenieur versehentlich die dafür benötigten Triebwerke ab. Dadurch war es unmöglich, noch auf der Bahn zum Stehen zu kommen. 21 Menschen kamen dabei ums Leben.

Anfang der 90er Jahre wollte die Lufthansa im Einheitstaumel Schönefeld zum gigantischen Drehkreuz machen.

Wenig später verwarf die ehemalige Staatslinie ihre Pläne.

Seitdem ringt Berlin um Anschluss an die erste Liga des internationalen Luftverkehrs.

Einen kleinen Boom bescheren gegenwärtig die Billigflieger dem nur knapp 30 Kilometer von Berlin-Mitte entfernten Flughafen.

Durch die Billigairlines konnte Schönefeld seine Passagierzahlen 2005 um 50,1 Prozent Vergleich zum Vorjahr auf 5,08 Millionen Passagiere steigern.

Schönefeld hat sich damit zum am schnellsten wachsenden Verkehrsflughafen in Deutschland gemausert.

Seit April 2004 hat die britische Easyjet hier ihr Drehkreuz ...

... seit Anfang Juni 2005 nun auch die Lufthansa-Tochter Germanwings. Im Dezember 2005 wurde das neue Terminal D eröffnet (im Bild die Grundsteinlegung im Juli 2005), das vor allem für die Abfertigung der Low-Cost-Flüge genutzt wird.

Mehr als 70 Ziele in Europa werden mittlerweile angeflogen. Darüber hinaus geht es von Schönefeld auch nach Kenia, Kuba, Sri Lanka oder in die Dominikanische Republik. Und die Passagiere fliegen längst nicht mehr wie einst die jungen Westreisenden nur mit Rucksack.

Der neue Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) soll nun zum Teil auf dem Gelände des Flughafens Schönefeld entstehen, aber wesentlich größer werden.

Darum mussten bereits in den vergangenen Jahren ganze Dörfer dem Flughafen weichen. Die Gemeinde Diepensee ist inzwischen menschenleer.

Die Dorfbewohner haben wenige Kilometer weiter ein komplettes neues Dorf spendiert bekommen. Im Bild: Besichtigung des neuen Dorf-Standorts 2002.

Zum Start ist eine Kapazität von 22 Millionen Passagieren vorgesehen (jetzt gut 5 Millionen).

Die Kapazität soll auf bis zu 40 Millionen Reisende erweitert werden können. Die Kosten werden auf zwei Milliarden Euro veranschlagt.

Die Eröffnung ist für Oktober 2011 geplant. Im Gegenzug sollen die innerstädtischen Flughäfen Tegel ...

... und Tempelhof schließen.

Für den Ausbau zum BBI soll die bisherige südliche Start- und Landebahn in Schönefeld von 3000 auf 3600 Meter verlängert werden. Die bestehende nördliche Piste und das bisherige Abfertigungsgebäude verschwinden.

Es soll eine neue Start- und Landebahn von 4000 Metern Länge entstehen.

Zwischen den künftigen Parallelbahnen ist ein zentrales Terminal geplant, das im Untergeschoss einen Bahnhof für den Nah- und Fernverkehr bekommt.

Laut Finanzierungskonzept steuern die Länder Brandenburg und Berlin je 159 Millionen Euro und der Bund als dritter Gesellschafter 112 Millionen Euro zum Projekt bei. Die Flughafengesellschaft trägt einen Eigenanteil von 440 Millionen Euro. Der Rest soll über Kredite finanziert werden.

Das Gezerre um einen neuen Hauptstadtflughafen dauerte fast 15 Jahre.

Die Gegner bemängeln vor allem die Standort-Wahl: Sie werfen den Planern vor, aus ihrer Sicht günstigere Alternativen wie den Flughafenbau in Jüterbog oder Sperenberg aus politischen Gründen nicht ausreichend in Erwägung gezogen zu haben.

4000 Kläger gab es schließlich. Doch sie setzten sich vor dem Bundesverwaltungsgericht nicht durch - der Airport darf gebaut werden.

Kleiner Erfolg: Das Gericht verlangt Auflagen beim Lärmschutz. Zudem ordneten die Leipziger Richter an, dass der Betrieb zwischen Mitternacht und 05.00 Uhr eingestellt werden muss.

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