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Ohne Josef Ackermann geht bei der Deutschen Bank gar nichts. Noch nie genoss ein Vorstandschef eine solche Machtfülle wie der 61-jährige Schweizer.
Für einen Kronprinzen ist da kein Platz - selbst nach mehrmonatiger Suche hat der Aufsichtsrat keinen Nachfolger gefunden.
Also muss Joe, wie er in der Bank fast nur genannt wird, noch drei weitere Jahre dranhängen, obwohl er dies bereits mehrmals ausgeschlossen hatte.
Eigentlich wollte der Honorarprofessor der Frankfurter Goethe-Universität ab nächstem Jahr vor allem Studenten etwas beibringen.
Doch der einstimmigen Bitte des Kontrollgremiums konnte und wollte sich "Mister Deutsche Bank" dann doch nicht entziehen.
Mit der Entscheidung straft Ackermann all die Kritiker vor allem in Berlin lügen, die bereits ein Abgesang auf den Investmentbanker angestimmt haben.
Der Kandidat der Linkspartei für das Bundespräsidentenamt, Peter Sodann, wollte den Bankmanager bereits ins Gefängnis schicken. Auch CSU-Chef Horst Seehofer warf ihm unlängst eine Mitschuld an der Finanzkrise vor.
Zur Reizfigur machte ihn dabei sein unbeirrtes Festhalten an dem Renditeziel von mindestens 25 Prozent. Das wird von vielen Politikern des linken und rechten Spektrums mit wilder Spekulationswut gleichgesetzt.
Derartige Vorwürfe nagen an dem auf Ausgleich bedachten Spitzenbanker - zumal er das 25-Prozent-Ziel als wesentliche Voraussetzung dafür ansieht, dass die Bank heute keine Staatshilfe benötigt.
Im ersten Quartal hat die Bank wieder satte Gewinne geschrieben nach einem Rekordverlust im vergangenen Jahr.
Dennoch hat kaum ein Chef der Deutschen Bank das Land in den vergangenen Jahrzehnten mehr polarisiert als Ackermann.
Sein legendäres Victory-Zeichen und das breite Grinsen beim Mannesmann-Prozess um Millionenabfindungen prägten über Jahre ein Image des "gierigen Kapitalisten".
Für Aufruhr sorgte auch, als er vor vier Jahren zusammen mit einem Milliardengewinn den Abbau Tausender Arbeitsplätze verkündete.
Spätestens seither gilt er als das Gesicht des Kapitalismus in Deutschland - dabei wirkt er im persönlichen Umgang nicht wie ein kühl berechnender und unnahbarer Banker, als den ihn Kritiker gerne darstellen.
In den nächsten vier Jahren hat der Vater einer Tochter nun Zeit, doch noch richtig in Deutschland anzukommen. Denn auch nach sieben Jahren an der Spitze des Instituts blieb dem Opernliebhaber die Mentalität der Deutschen fremd.
So hatte er für die Aufregung um seine umstrittenen Äußerungen, wonach er sich bei einer Nutzung von Staatshilfen schämen würde, nur Kopfschütteln übrig: "Ich verstehe diese Diskussion nicht", sagte er Ende 2008 in einem Fernsehinterview.
Bereits vier Jahre zuvor wunderte sich der Sohn eines Schweizer Landarztes über seine Anklage im Mannesmann-Prozess. Deutschland sei "das einzige Land, wo die, die Werte schaffen, dafür vor Gericht kommen", sagte er damals.
Andererseits war es aber ausgerechnet Ackermann, der die jahrelange Debatte um einen Umzug der Konzernzentrale nach London zugunsten Frankfurts beendete.
Die Gräben zwischen den mächtigen Investmentbankern in der britischen Hauptstadt und den Deutsch-Bankern am Main überbrückte der Oberst der Schweizer Armee nahezu geräuschlos.
In der Bank gab es Zweifel, ob ein Nachfolger der Integrationsfigur Ackermann diese Ruhe hätte beibehalten können. "Wenn man den Pfropfen aus der Wanne zieht, entsteht im Badewasser ein Strudel", warnt ein Top-Banker. (Alle Bilder: ap, dpa, reuters)
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