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Wirtschaft

Wo kommt sie her, wo geht sie hin?: Energie

 
"Sehnsucht - ist die einzje Energie", heißt es 1985 in einem Titel der Berliner Kult-Band "Einstürzende Neubauten".

"Sehnsucht - ist die einzje Energie", heißt es 1985 in einem Titel der Berliner Kult-Band "Einstürzende Neubauten".

Sänger Blixa Bargelds Postulat stimmt natürlich irgendwie - zumindest aus der Sicht eines Kulturwissenschaftlers.

Allerdings: Mit Sehnsucht allein bekommt selbst der Verliebteste seine Suppe nicht warm.

Das wusste auch William John Maquorn Rankine. Er prägte 1852 den Begriff "Energie" aus den griechischen Wörtern für "innen" und "Werk, Wirken": Energie ist die in einem System gespeicherte Arbeit bzw. die Fähigkeit eines Systems, Arbeit zu verrichten.

Energie kann nicht erzeugt und nicht vernichtet werden - sie kann lediglich von einer Form in eine andere umgewandelt werden. Es gilt der Energieerhaltungssatz: Diese Dachbalken etwa sind durch das Hochtragen mit Energie aufgeladen worden.

Zu den erschöpflichen Energieträgern zählen Stein- und Braunkohle,...

...Erdöl und Ölsande,...

...Torf und...

...Gas. Aber auch...

...die Kernbrennstoffe Uran und Plutonium (hier nur schlecht zu erkennen, weil der LKW so schnell fährt).

Erneuerbare Energieträger (aus nachhaltigen Quellen, die nach menschlichen Maßstäben unerschöpflich sind) sind Biomasse,...

...Erdwärme,...

...Solar-Energie,...

...Wasserkraft und...

...Windenergie.

Die aus diesen Primärenergieträgern gewonnenen Sekundärenergieträger sind das Blut der modernen Industriegesellschaften.

Strom ist Licht,...

...Benzin ist Mobilität...

...und Wärme ist Behaglichkeit.

Weltweit werden jährlich rund 110 Millionen Gigawattstunden (GWh) Energie verbraucht. Experten rechnen mit einer Steigerung um 50 Prozent bis 2030. Eine GWh sind eine Milliarden Wattstunden (Wh).

Eine Wh ist die Energie, die eine Maschine mit einer Leistung von einem Watt in einer Stunde aufnimmt bzw. abgibt. Das lässt sich auch in Joule umrechnen, was allerdings eher für Diätassistentinnen interessant ist.

Deutschland muss, wie die meisten Industrieländer, Energieträger importieren. Vor allem Öl. Sonst ginge es nur zu Fuß weiter.

Das freut Ölmagnaten,...

...aber auch Wladimir Putin und...

...Muammar Al-Gaddafi.

Von den 112,2 Millionen Tonnen Rohöl, die Deutschland 2005 importiert hat, kamen 34,1 Prozent aus Russland,...

...15,4 Prozent aus Norwegen,...

...13 Prozent aus England,...

...11,5 Prozent aus Libyen und...

...6,5 Prozent aus Kasachstan.

Insgesamt stammen 41,6 Prozent der Importe aus GUS-Staaten, 30,1 Prozent aus dem Bereich der Nordsee und nur 22,7 Prozent aus Staaten der OPEC. Deutsche Öl-Bohrtürme gibt es auch, aber die sind eher klein.

Nur 3,9 Prozent der in Deutschland gewonnenen Primärenergie stammt aus eigenen Ölförderungen. Das sind fünf Mio t SKE (Steinkohleeinheit). Eine t SKE entspricht der Energiemenge, die beim Verbrennen von einer Tonne Steinkohle frei wird.

Da kommt man ganz schön ins Schwitzen, wie hier Sauna-Weltmeister Paolo Paris. Für Leute, die es trockener mögen, hier ein paar Umrechnungen: 1 kg SKE = 7000 kcal = 29,3076 MJ = 8,141 kWh = 0,7 kg ÖE (Öleinheit).

Im Jahr 2005 hat Deutschland insgesamt 129 Mio t SKE Primärenergie produziert, aber 485 Mio t SKE verbraucht.

Wie gut, dass es da beste Kontakte gibt.

Bei der deutschen Primärenergie-Gewinnung führt die Braunkohle mit 42,2 Prozent (54,8 Mio t SKE) vor der...

...Steinkohle (19,9 Prozent, 25,8 Mio t SKE).

Die Braunkohle ist damit wichtigster heimischer Energieträger. Sie wird auch veredelt: zu Staub, Koks, Briketts und Wirbelschichtkohle.

Die Steinkohle spielt auf dem Wärmemarkt nur eine untergeordnete Rolle, ist dafür in der Stahlindustrie umso bedeutender. Trend: Importe aus Drittländern werden immer teurer. Preissteigerung zwischen 2004 und 2005: 18 Prozent.

Das weckt immer wieder Hoffnungen auf ein Comeback der heimischen Zechen. Ein Viertel der Steinkohle-Importe in die Bundesrepublik kommt aus Polen, 20 Prozent aus GUS-Staaten,...

...21 Prozent aus Südafrika und rund zehn Prozent aus...

...Australien.

15,7 Prozent der in Deutschland gewonnenen Energieträger sind Erd- und Erdölgas (20,4 Mio t SKE),...

...1,6 Prozent sind Biogas (2 Mio t SKE).

Windkraft (2,6 Prozent, 2,8 Mio t SKE) und...

...Wasserkraft (2,5 Mio t SKE, 1,9 Prozent) bleiben die Stiefkinder, obwohl letztere...

...schön und erstere...

...häufig anzusehen ist.

Weg von der Produktion, hin zum Konsum.

36 Prozent der bereits erwähnten 485 Mio t SKE wurden 2005 in Form von Öl oder seinen Veredelungsprodukten wie Benzin, Flugkraftstoff, Heizöl oder Schmierstoff verbraucht.

Platz zwei in der Verbrauchsliste: Erdgas mit 22,7 Prozent.

Dann erst: die Kernkraft. 12,5 Prozent kommen ihr zu, was...

...nicht jedem schmeckt. Die Diskussion dreht sich um die Frage:...

Kann die Atomkraft einen Beitrag leisten, um den Klimawandel zu stoppen?

Richtig ist: Atomstrom kann Öl nicht ersetzen, da die Kernenergie auf dem Strommarkt die wichtigste Rolle spielt, das Öl jedoch im Verkehrs- und Wärmebereich. Atomkraftbefürworter sagen "Ja", Atomkraftgegner wollen lieber auf erneuerbare Energien setzen.

Platz vier und fünf beim Verbrauch: Steinkohle (12,9 Prozent) und Braunkohle (11,2 Prozent).

Der Bereich der erneuerbaren Energien macht zwar große Sprünge, trägt aber mit rund 4,5 Prozent noch immer die rote Laterne.

Zum Abschluss ein Blick in den Strommarkt, der 2005 weiter wuchs und 619 Milliarden kWh produzierte.

Spitzenreiter bei der deutschen Bruttostromerzeugung: die Atomkraftwerke. Die verbliebenen 17 Anlagen (Gesamtleistung 20.400 Megawatt; 1 Megawatt = 1 Mio. Watt) produzierten rund 26 Prozent des Stroms (1990: 27,7 Prozent).

Dicht aufgelaufen: Kohlekraftwerke. Anteil durch verbrannte Braunkohle: 25 Prozent; Anteil durch verbrannte Steinkohle: 21,6 Prozent. Zusammen: 46,6 Prozent (1990: 56,7 Prozent). Hier zu sehen übrigens ein Kraftwerk im schönen Gelsenkirchen.

Platz vier bei der deutschen Stromerzeugung: Gas. 11,3 Prozent (1990: 6,5 Prozent) macht sein Anteil aus. Tendenz: zunehmend.

Es folgt die Wasserkraft mit einem Anteil von 4,5 Prozent (1990: 3,6 Prozent) und dann...

...die Windkraft mit 4,3 Prozent (1990: 0 Prozent). Tendenz auch hier: steigend.

Quellen wie Solarenergie, Verbrennung von Heizöl und...

...sonstige Methoden kommen zusammen auf rund 5 Prozent (1990: 3,5 Prozent).

Derweil streiten sich die Gelehrten, wie lange die erschöpflichen Energieträger in der zunehmend globalisierten Welt noch reichen. Hier die 20 Top-Förderländer.

Jüngste Schätzungen gehen davon aus, dass Öl und Gas beim jetzigen Stand der Technik...

...in spätestens 60 Jahren verbrannt sind.

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