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Wirtschaft

Millionenbetrug an der Wall Street: FBI nimmt Hedgefonds hoch

 
Millionenbetrug an der Wall Street: FBI nimmt Hedgefonds hoch

Die Wall Street hat mal wieder einen Skandal von historischem Ausmaß produziert:

Im bislang größten Fall von Insiderhandel bei Hedgefonds sind in den USA Fonds-Manager und mehrere Mitarbeiter von Großkonzerne angeklagt worden.

Im Zentrum des Skandals stehen der Milliardär Raj Rajaratnam und sein Hedgefonds Galleon sowie zwei Manager des Hedgefonds New Castle - einer früheren Sparte der im vergangenen Jahr kollabierten Investmentbank Bear Stearns.

Angeklagt sind zudem drei ranghohe Manager des IT-Konzerns IBM, der Unternehmensberatung McKinsey und der Investmentsparte des Chipgiganten Intel.

Rajaratnam und die fünf andere Spitzenmanager sollen mit verbotenen Geschäften mit Aktien unter anderem vom Internet-Riesen Google mehr als 20 Mio. Dollar verdient haben.

Nach Angaben der Behörde haben die sechs Beschuldigten (fünf Männer und eine Frau) Insiderinformationen über zehn Unternehmen ausgetauscht. Dabei ging es neben Google auch um andere Börsenschwergewichte wie IBM, den Chipriesen AMD und die Hotelgruppe Hilton.

In den Skandal verwickelt ist auch ein Analyst der Ratingagentur Moody's. Der an der Bewertung der Hilton-Gruppe beteiligte Mann habe Insiderinformationen über den Verkauf von Hilton an den Finanzinvestor Blackstone weitergegeben.

Nach Angaben der Ermittler wurden erstmals mit richterlicher Erlaubnis Telefone zur Aufdeckung eines Insiderhandels an der Wall Street abgehört.

Das ist sonst eher bei Schwerverbrechern, der Mafia oder Drogenkartellen üblich.

"Dies ist kein gewöhnlicher Fall von Insiderhandel", sagte der Staatsanwalt von Manhattan, Preet Bharara. Zugleich kündigte er an, Insiderhandel-Ringe würden nun mit den gleichen Ermittlungsmethoden ins Visier genommen, wie bei Banden und Drogenkartelle.

"Das sollte ein Weckruf für die Wall Street sein", warnte die Justiz: "Ein Weckruf für jeden Hedgefonds-Manager, jeden Wall-Street-Händler und jeden Firmenmitarbeiter, der überhaupt nur darüber nachdenkt, sich am Insiderhandel zu beteiligen (...)", so die Staatsanwaltschaft.

"Heute, morgen, kommende Woche und in der Woche darauf müssen sich privilegierte Wall-Street-Insider, die erwägen, gegen das Gesetz verstoßen, eine wichtige Frage stellen: Hören die Strafverfolgungsbehörden mit?"

Weitere Festnahmen sind laut US-Medien wahrscheinlich. US-Ermittler seien noch mehreren Netzwerken ähnlicher Finanzbetrüger auf der Spur. (Im Bild: Mark Kurland, ehemaliger Senior Managing Direktor von Bear Stearns Asset Management bei seiner Verhaftung.)

Beim Skandal um Rajaratnam seien die Fahnder durch Tipps eines Insiders und Mittäters, der inzwischen auf schuldig plädiert habe, auf die Spur von Rajaratnam und seinen Mittätern gekommen. (Im Bild: Anil Kumar, Direktoriumsmitglied bei McKinsey & Co)

Insiderinformationen sind kurserhebliche Fakten über eine Aktie oder dessen Unternehmen. Nutzt ein Händler solche Informationen vor deren allgemeinen Veröffentlichung aus, macht er sich strafbar. (Im Bild: Danielle Chiesi von New Castle Partners LLC bei der Verhaftung)

Gegen den 52-jährigen Rajaratnam, der als reichster Mann Sri Lankas gilt und auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, kommen allein 13 Anklagepunkte wegen Verschwörung und Betrug zusammen.

Bei einer Verurteilung drohen ihm 20 Jahre Haft. Die "Washington Post" sprach gar von lebenslänglich. Die Ermittlungen reichen bis ins Jahr 2007 zurück.

Rajaratnam - Chef des weltweit agierenden Hedgefonds Galleon - steht mit einem Vermögen von 1,3 Mrd. Dollar auf Rang 559 der Forbes-Liste der Superreichen. Er soll durch Insidergeschäfte mindestens 17 bis 18 Mio. Dollar kassiert haben.

Allein eine Anlage beim Internet-Riesen Google im Jahr 2007 habe acht Mio. Dollar gebracht, schrieb die "New York Times".

Bei einer Anhörung setzte ein Richter inzwischen die Kaution für den in Sri Lanka geborenen Rajaratnam auf 100 Mio. Dollar fest.

Mehrere Festgenommene kamen laut Bloomberg nach der Hinterlegungen von Kautionen zwischen zwei und fünf Mio. Dollar auf freien Fuß. Rajaratnams Anwalt betonte nach Angaben der "New York Times" sein Klient sei unschuldig.

Staatsanwalt Preet Bharara meinte dagegen nur: "Gier ist manchmal nicht gut." "Der Fall sollte der Wall Street als Warnung dienen."

Bislang galt Rajaratnam trotz seines großen Vermögens nicht gerade als gierig, sondern war vielmehr für seine großzügigen Spenden bekannt.

So spendete der Wall-Street-Star im Jahr 2004 Millionen an die Tsunami-Opfer in Sri Lanka und half bei dem Wiederaufbau.

Im US-Wahlkampf spendete Rajaratnam sowohl für Hillary Clinton als auch für Barack Obama.

Kritik erntete der Milliardär für seine mutmaßlichen Zuwendungen an die Organisation der Tamilen-Tiger (LTTE). Untersuchungen zufolge hat der Wall-Street-Mogul jedoch keine terroristischen Aktivitäten in seinem Herkunftsland unterstützt.

Wie die srilankische Zentralbank mitteilte, hatte Rajaratnam wie andere im Ausland lebende Geschäftsleute aus Sri Lanka lediglich Geld an die in den USA ansässige pro-tamilische Wohltätigkeitsorganisation TRO gespendet.

"Zu dem Zeitpunkt war die TRO weder in Sri Lanka noch in den USA verboten", erklärte die Ermittlungsabteilung. Vermutet wird jedoch, dass von der TRO eingesammelten Gelder an die LTTE weiter flossen.

Die TRO wurde 2007 verboten, ihre Guthaben wurden ein Jahr später eingefroren. Die EU, die USA und Sri Lanka stufen die LTTE als terroristische Organisation ein.

Für Rajaratnam, der mit Ehefrau und drei Kindern in einer Luxuswohnanlage in der Upper East Side von Manhattan wohnt, ist der rasante Aufstieg zum reichsten Mann seines Herkunftslandes Sri Lanka nun abrupt beendet.

Die Bilder des Wall-Street-Tycoons in Handschellen, eingekreist von FBI-Beamten, schickten die Börse in Sri Lanka auf Talfahrt.

Der Colombo All Share Index rutschte um mehr als 2,5 Prozent ins Minus und erlebte damit den stärksten Einbruch seit vier Monaten.

Das größte börsennotierte Unternehmen des Landes John Keells Holdings, dessen zweitgrößter Anteilseigner Rajaratnam ist, verlor über vier Prozent.

Einmal mehr zeigt die Wall Street wie schnell die Grenzen vom Wall-Street-Star zum Börsengauner überschritten werden können.

Anderes als bei Bernard Madoff, dessen Milliarden-Betrug auf einem fiktiven Schneeballsystem beruhte, ...

…hat Rajaratnam sein Geld mit tatsächlichen Geschäften gemacht – und sich den entscheidenden Vorteil durch Insiderinformationen beschafft.

Die "New York Times" spricht von einem "Wall Street Thriller" und beschwört den 80er-Jahre-Filmschurken Gordon Gekko wieder herauf,

…die Fortsetzung seiner Geschichte wird ironischerweise aktuell gerade verfilmt.

Das Schreiben des Drehbuches dürfte bei diesen Vorbildern keine Probleme bereiten. (Bilder: dpa, rts)

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