Bilderserie

Ein System vor dem Kollaps: Griechen zahlen mit der Gesundheit

Bild 1 von 41
Das traurige Antlitz der Schuldenkrise blitzt inzwischen häufiger an den Straßenecken der europäischen Metropolen auf, besonders in Griechenland. (Foto: REUTERS)

Das traurige Antlitz der Schuldenkrise blitzt inzwischen häufiger an den Straßenecken der europäischen Metropolen auf, besonders in Griechenland.

Das traurige Antlitz der Schuldenkrise blitzt inzwischen häufiger an den Straßenecken der europäischen Metropolen auf, besonders in Griechenland.

Menschen ohne Obdach, ...

... Menschen, die nicht mehr genug Geld für Essen haben und bei Hilforganisationen anstehen, um kostenlose Nahrungsmittel zu ergattern.

Die Schuldenkrise macht vor keiner Schicht halt. Am schlimmsten trifft sie aber die, die sowieso kaum etwas besitzen.

50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit, keine soziale Sicherung nach einem Jahr Arbeitslosigkeit, ...

... eine hohe Schuldenrate und die Halbierung der Gehälter im öffentlichen Gesundheitswesen.

Die Zeiten haben sich für die Griechen durch die Sparprogramme der Regierung geändert.

Die Leidtragenden sind vor allem die alten Menschen und die Kinder. Aber selbst Anzugträger und Frauen in Seidenblusen – so wird aus Athen berichtet - sollen bereits gesichtet worden sein, wie sie ohne Bleibe durch die Straßen irren und im Müll kramen.

Jetzt wird den Menschen auch noch der Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem verbaut.

Der nationale Gesundheitsfonds EOPYY, größter Träger für Gesundheitsleistungen, hat 3,5 Milliarden Euro Schulden. Er ist kaum mehr zahlungsfähig.

Hier heißt es warten und Schlangestehen für verschreibungspflichtige Medikamente. Statt einer kleinen Eigenbeteiligung ist jetzt häufig der volle Preis fällig.

Die Lage für die Menschen wird zunehmend ernster.

Medienberichten zufolge ist selbst die Grundversorgung der griechischen Bevölkerung an vielen Orten nicht mehr gewährleistet.

Es fehlt am Nötigsten: Medikamente, medizinische Ausrüstung, Gips, selbst Klopapier.

Nicht lebensnotwendige Operationen werden auf die lange Bank geschoben. Aber selbst lebensnotwendige Eingriffe sind nicht mehr gewährleistet.

Griechenland steckt das fünfte Jahr in Folge in einer tiefen Rezession. Das Land drückt die größte Schuldenlast in der Eurozone.

Das Wohl und Wehe Griechenlands hängt daran, wie viel Geld durch den Tropf der internationalen Geldgeber fließt. Die Folgen für die Menschen sind unübersehbar.

Dramatisch ist die Lage für Schwerstkranke, die auf eine Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten angewiesen sind.

Die Verwaltung des Mangels wird schnell zu einer Frage von Leben und Tod. Den Menschen wird das Recht auf Leben genommen, kritisieren Gesundheitsorganisationen.

Fast alle Krankenhäuser und Regionen Griechenlands haben Hilferufe nach Athen und Brüssel geschickt.

Die Großhändler von Medikamenten und medizinischem Material beliefern die wichtigsten Krankenhäuser nur noch gegen Barzahlung. Aber die Krankenhäuser können nicht zahlen. Sie warten selbst auf ihr Geld vom Staat.

Die Apothekerverbände wandten sich mit einem Brief an den Chef der EU-Task Force für Griechenland, den deutschen Finanzexperten Horst Reichenbach, und baten um Hilfe.

Sie beziffern die Summe für Medikamente und medizinisches Material, die Griechenland braucht, auf mindestens 1,5 Milliarden Euro.

Viele Apotheken kämpfen ums Überleben. Einige sind schon bankrott.

Die Pharmazeuten warten auf Rückstände bei den staatlichen Medikamenten-Zuschüssen in Höhe von 762 Millionen Euro. Viele Apotheker sind seit Monaten von den staatlichen Krankenkassen nicht mehr bezahlt worden.

Die Folge: Hunderttausende Mitglieder des staatlichen Gesundheitsfonds EOPYY müssen ihre Medikamente bar bezahlen. Mit der Quittung müssen die beim Gesundheitsfonds um Erstattung bitten.

Die Einschnitte bei Renten und Gehältern machen das Vorschießen der Kosten für Medikamente schwierig. Im Notfall müssen Verwandte und Nachbarn Geld beisteuern.

Pharmakonzerne arbeiten angeblich bereits Notfallpläne aus, um sicherzustellen, dass Medikamente ins Land kommen, wenn das Land aus der Eurozone rausfliegt.

Private Krankenhäuser müssten angesichts der desolaten Verhältnisse im öffentlichen Gesundheitswesen regen Zulauf haben. Das ist aber nicht der Fall.

Viele Griechen können sich die teuren Kliniken nicht leisten.

Der Rückgang an Patienten lässt sich messen. Eine Klinik aus Piräus meldet, nur noch halb so viele Patienten zu haben wie vor drei Jahren.

Der Zusammenbruch des Systems betrifft nicht nur abgelegene Regionen, sondern hat mittlerweile das ganze Land erfasst.

Griechen sind es gewöhnt, für gute Behandlung mit kleinen Geschenken in Form kleiner Umschläge ("fakelaki")zu bezahlen. Auch vor der Krise gab es Engpässe, eine schwerfällige Organisation und viel zu viel Bürokratie, wie aus dem Bericht der Organisation für Ökonomische Kooperation und Entwicklung aus dem Jahr 2009 hervorgeht.

Trotzdem galt der medizinische Standard als relativ hoch und das Gesundheitssystem als effizient.

Mit der wachsenden Krise ist dem Gesundheitswesen allerdings der Boden unter den Füßen weggezogen worden. Mit der Hilfstranche von 130 Milliarden Euro, die EU und IWF im März gewährt haben, waren tiefe Einschnitte auch ins Gesundheitssystem verbunden.

Der IWF schrieb vor, dass die Ausgaben des staatlichen Gesundheitswesens nicht sechs Prozent des BIP überschreiten dürfen. Vorher waren es rund 10 Prozent.

Ausgaben für Medikamente sollen um zwei Milliarden Euro gekürzt werden, was die durchschnittlichen Ausgaben für ambulante Pharmazeutika auf ein Prozent des BIP bis zum Jahresende drücken wird.

Weitere Kürzungen dürften das Drama noch verschlimmern.

Mächtige medizinische Lobbys protestieren, aber ihre Proteste verstummen im Regierungsvakuum von Athen.

In die Bresche springen müssen bis auf Weiteres Hilfsorganisationen.

Aber was sie leisten können, ist vergleichsweise ein Tropfen auf den heißen Stein.

weitere Bilderserien