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Der Einbruch der Weltwirtschaft hat den deutschen Exporteuren 2009 kräftig zu schaffen gemacht. Um drastische 14,7 Prozent fielen die Ausfuhren im vergangenen Jahr real.
Für das Exportland Deutschland ist das ein Schock, denn rund 40 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung gehen auf den Export von Waren und Dienstleistungen zurück.
Manche Politiker und Wirtschaftsforscher fordern daher ein Umdenken in der starken Exportorientierung der deutschen Wirtschaft. Sie wollen die Abhängigkeit von der Nachfrage aus dem Ausland senken. Doch ist es tatsächlich so schlecht um die Exportnachfrage bestellt?
Knapp die Hälfte des deutschen Exports wird von drei großen Branchen bedient. Den größten Anteil nehmen die Fahrzeugbauer ein. Mit einem Anteil von 17,5 Prozent fließt mehr als jeder sechste Export-Euro in diese Branche.
Sehr gut im Geschäft sind auch die Maschinenbauer, die für 14,8 Prozent des Exports verantwortlich sind.
Drittwichtigste Exportbranche ist die chemische Industrie, die 13,9 Prozent des Exportkuchens für sich verbuchen kann. Insgesamt kommen Chemiker gemeinsam mit Auto- und Maschinenbauern auf einen Anteil am deutschen Export von rund 46 Prozent.
In allen drei Branchen hat die Wirtschaftskrise eine kräftige Nachfragedelle hinterlassen. Doch während Käufer aus den traditionellen Abnehmerländern wie den USA, Frankreich oder den Niederlanden ihre Bestellungen zusammenstreichen, gibt es Hoffnung aus noch ungewohnten Himmelsrichtungen.
Schwellenländer in Asien, Lateinamerika und Osteuropa laufen den alten Märkten beim Exportwachstum zusehends den Rang ab.
Zwar leiden die aufstrebenden Staaten ebenfalls stark unter der Krise, doch stieg die Nachfrage nach deutschen Waren und Dienstleistungen in diesen Ländern noch 2008 teils kräftig an.
Eine besondere Rolle kommt dabei dem Maschinenbau zu. Noch führen die USA und Frankreich in der Liste der Exportabnehmer, doch China und Russland haben bereits aufgeschlossen und Italien, Großbritannien oder Österreich überholt.
Auch aus Indien ist die Nachfrage nach Maschinen aus Deutschland in den vergangenen Jahren gewachsen. 2008 lag der Anteil Indiens am deutschen Maschinenexport bei 1,9 Prozent.
Nach Berechnungen des IW Köln lieferte Deutschland schon vor zehn Jahren mit einem Anteil von 21 Prozent mehr Investitionsgüter in die Schwellenländer als alle anderen Volkswirtschaften. Dieser Anteil ist seitdem noch deutlich gestiegen.
Der Bedarf an Maschinen kommt nicht von ungefähr: Erwachende Wirtschaftsriesen haben auf ihrem Weg in die Industrialisierung einen ungeheuren Bedarf an Investitionsgütern. Die deutsche Wirtschaft profitiert davon wie kein anderes Exportland.
Bei Konsumgütern und Fahrzeugen exportiert Deutschland noch am meisten in die Industrieländer. Dafür sorgen die kaufkräftigen Mittel- und Oberschichten, die so in den Schwellenländern noch im Entstehen sind. Doch auch im Fahrzeugbau machen sich die aufstrebenden Nationen in Zahlen bemerkbar.
Bisher exportierten die deutschen Autobauer ihre Fahrzeuge vor allem in die USA, Großbritannien, Frankreich oder Italien. Zwischen 1997 und 2008 schrumpfte der Anteil am deutschen Export all dieser Länder jedoch. Einzig Spanien schaffte ein Plus.
Ganz anders sieht die Lage in den Schwellenländern aus. Chinas Anteil an den deutschen Autoexporten schoss von 0,4 Prozent (1997) auf 3,3 Prozent (2008) nach oben.
Auch Russland steigerte seinen Anteil von 0,5 auf 3,3 Prozent am deutschen Autoexport. Polen, Ungarn, Türkei und Tschechische Republik verbesserten ihren Anteil ebenfalls nennenswert.
Und damit nicht genug: Aktuelle Studien kommen zu dem Schluss, dass sich insbesondere die asiatischen und südamerikanischen Schwellenländer schneller und nachhaltiger erholen dürften als die Industriestaaten. Für die deutschen Exporteure wären das gute Nachrichten.
Doch wie wacklig ist die Hoffnung auf eine solche rasche Erholung? Nach Analysten des IW Köln sprechen fünf Gründe für eine zügige Erholung.
1.: BANKEN in den Emerging Markets sind überwiegend besser aufgestellt als die von der Finanzkrise unmittelbar betroffenen Finanzhäuser in den Industriestaaten.
2.: Viele Länder haben sich eine SOLIDE WIRTSCHAFTSPOLITIK verordnet, in der hohe Auslandsschulden abgebaut und stattdessen Überschüsse in der Leistungsbilanz aufgebaut wurden.
3.: Hohes Wachstum lockt Investoren an, die FRISCHES KAPITAL insbesondere in asiatische und lateinamerikanische Märkte fließen lassen.
4.: HOHE DEVISENRESERVEN lassen den Staaten Luft für Ausgabenprogramme.
5.: Ölexportierende Länder wie Russland oder Brasilien profitieren von weiter STEIGENDEN ENERGIE- UND ROHSTOFFPREISEN.
Besonders wichtig unter den Emerging Markets ist für Deutschland vor allem der Nachbar Polen. Das Land gehört nach den Kriterien sowohl der Weltbank als auch des IWF zu den Ländern an der Schwelle zum Industriestaat.
In kein anderes Schwellenland exportierten deutsche Unternehmen 2008 mehr Waren, nämlich 4,1 Prozent der gesamten Ausfuhren.
An zweiter Stelle folgt China, das einen Anteil am deutschen Export von 3,5 Prozent hat.
Lange wird es wohl nicht mehr dauern, bis China unter den Schwellenländern Deutschlands wichtigster Partner ist. In den vergangenen Jahren sind die Ausfuhren nach China im Schnitt um jährlich 15 Prozent gewachsen.
Drittwichtigstes Schwellenland für die Exporteure ist Russland, das 2008 einen Anteil von 3,3 Prozent am Gesamtexport ausmachte.
Auch die russische Wirtschaft hat den Exporteuren ein rasantes Wachstum beschert. Wie bei China legten die Exporte nach Russland im Schnitt in den vergangenen Jahren um jährlich 15 Prozent zu.
Einen nennenswerten Anteil nimmt darüber hinaus noch der Export nach Tschechien ein. 2,8 Prozent der Ausfuhren fließen hierhin. Auch diese Exporte wachsen Jahr für Jahr im Schnitt um 12,4 Prozent.
Trotz aller Signale, dass für die deutschen Exporteure in den kommenden Jahren gute Geschäfte mit den Schwellenländern zu erwarten sind, bleiben Risiken für Unternehmer und Anleger.
Dämpfer für die Investitionen könnten Überkapazitäten sein, die trotz aller Wachstumsaussichten auch in den Schwellenländern drohen.
Zudem dürfte sich steigende Arbeitslosigkeit negativ auf den Konsum in den aufholenden Staaten auswirken.
Auch wenn also Fragezeichen bleiben, ist das Geschäft der deutschen Exportwirtschaft dank der wirtschaftlichen Dynamik der Schwellenländer dennoch nicht auf Sand gebaut.
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