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Ohne Arbeit, Geld oder Zukunft: Hunderttausende Griechen in Not

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Wirtschaftsexperten sehen schwarz für die Menschen in Griechenland. Denn durch die neuen Auflagen der internationalen Gläubiger muss die Regierung Alexis Tsipras noch mehr sparen. (Foto: REUTERS)

Wirtschaftsexperten sehen schwarz für die Menschen in Griechenland. Denn durch die neuen Auflagen der internationalen Gläubiger muss die Regierung Alexis Tsipras noch mehr sparen.

Wirtschaftsexperten sehen schwarz für die Menschen in Griechenland. Denn durch die neuen Auflagen der internationalen Gläubiger muss die Regierung Alexis Tsipras noch mehr sparen.

Kostas und Olga Argyros und ihre vier Kinder gehören schon lange zu den Verlierern der sogenannten Griechenland-Rettung.

Sieben Jahre harter Sparvorgaben für Griechenland hat die sozial Schwachen immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Die Argyros stehen stellvertretend für Abertausende, die Tag für Tag ums Überleben kämpfen - gefangen in einem Teufelskreis aus Arbeitslosigkeit und Schulden.

Vor fünf Jahren kamen die Argyros von ihrer Insel Leros - einem der Hotspots für Flüchtlinge - nach Athen. Seitdem hat Kostas nur Gelegenheitsjobs gehabt.

Seine Frau ist eigentlich Krankenschwester, sie findet seit zehn Jahren keine Arbeit mehr.

Lebensmittel erhält die Familie von "Theofilos", einer Nichtregierungsorganisation, die Großfamilien unterstützt.

Sogar ein Auto bekam die kinderreiche Familie gespendet.

Trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht. Die sechs Personen leben auf 49 Quadratmetern im Athener Vorort Keratsini.

Heißwasser gibt es hier selten. Im Winter heizt die Familie mit Holz.

Gekocht wird auf einem kleinen Gaskocher.

Kostas und Olga müssen Strom sparen. Sie begnügen sich mit 5-Watt-Glühlampen. Am Abend ist der Fernseher häufig die einzige Lichtquelle.

Eigentlich sind die Argyros nach Athen gekommen, um ein besseres Leben zu finden. Heute sind sie davon weiter entfernt denn je.

In Athen sei alles nur noch schlimmer geworden, sagen sie.

Gut zwei Jahre nach Amtsantritt von Tsipras geht es den meisten Griechen schlechter denn je. Griechenland hat seit 2010 drei Hilfspakete von den internationalen Geldgebern EU, EZB und IWF erhalten.

Aber das Geld fließt hauptsächlich in den Schuldendienst des Landes, der eigenen Wirtschaft oder den Menschen kommt es nicht zugute.

Die Arbeitslosigkeit liegt bei 23 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit sogar bei annähernd 50 Prozent - ein trauriger Rekord in Europa.

Nur zwei von zehn Arbeitslosen in Griechenland bekommen Arbeitslosengeld. Dieses wird maximal ein Jahr lang gezahlt.

Eine Grundversorgung wie in Deutschland Hartz IV gibt es nicht.

Und die weiteren Aussichten sind düster.

In den nächsten drei Jahrzehnten soll die Arbeitslosenquote laut IWF im zweistelligen Bereich bleiben.

Heute sind fast 1,5 Millionen Menschen in Griechenland von akuter Armut betroffen, 13,6 Prozent der Gesamtbevölkerung. Und die extreme Armut steigt und steigt.

Galten 2009 noch 2,2 Prozent der Bevölkerung als extrem arm, waren es 2013 bereits 17 Prozent.

Auch wer eine Arbeit hat, muss sich einschränken. Seit Beginn der Krise sind die Einkommen nach Berechnungen des IWF um durchschnittlich ein Drittel zurückgegangen.

Sechs von zehn griechischen Arbeitnehmern verdienen weniger als 1000 Euro brutto im Monat. Der Trend geht zur Teilzeit, vor allem in der Gastronomie. So umgehen die Arbeitgeber den Kündigungsschutz, sparen Lohn- und Sozialversicherungsabgaben.

Die Argyros können sich letztlich glücklich schätzen. Sie haben ein Dach über dem Kopf. Das haben nicht alle.

Viele Griechen sind auf Suppenküchen angewiesen, ...

... auf Kleiderkammern.

Sie haben nicht genug zum Leben und zu viel zum Sterben.

Die Schlangen vor den Sozialämtern werden immer länger.

Die Behausung eines Obdachlosen im Hafen von Piräus. Auf einem Plakat steht: "Griechen können nicht erpresst werden." Es ist ein stummer Protest gegen die internationalen Gläubiger. Das Bild ist zwei Jahre alt.

Allen Protesten zum Trotz spart Athen mehr denn je. Gerade erst wurde ein weiteres Sparprogramm in Höhe von knapp fünf Milliarden Euro beschlossen: ...

... Massenentlassungen werden erleichtert, das Arbeitslosengeld gekappt, die Renten bis zu 18 Prozent gekürzt und die Steuerfreibeträge massiv gesenkt. Jemand, der monatlich weniger als 500 Euro verdient, muss künftig Steuern zahlen.

Die Minister hätten die griechischen Sparbemühungen als ausreichend eingestuft, kommentierte der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos (links neben dem griechischen Premierminister Alexis Tsipras) danach.

Die "Qualität des Reformpakets" sei anerkannt worden. "In dem Bereich rechnet niemand mit Problemen", so Tsakalotos.

Politisch mag das richtig sein. Doch Olga und Kostas Argyros wird es nicht helfen. (ddi)

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