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Wirtschaft

Begehrt und wertstabil: Im Rausch des Goldes

 
Begehrt und wertstabil: Im Rausch des Goldes

Die Menschen standen schon immer in seinem Bann. Ob in Europa, Asien oder Afrika, um ihre Gier nach Gold zu stillen, nehmen sie große Risiken in Kauf. Manchmal zogen sie dafür sogar in den Krieg.

Das chemische Zeichen "Au" vereint Visionen und Hoffnungen. Es steht für Aurora, den "leuchtenden Morgen".

Platt dagegen unser Wort "Gold". Abgeleitet von dem indogermanischen "ghel" bedeutet es nichts anderes als (gelb) schimmernd.

Seit Jahrtausenden wird Gold einerseits für Schmuck zur Zierde ...

... andererseits aber auch ganz praktisch - in Form von Goldmünzen oder Barren - als Zahlungsmittel verwendet.

Gold hat auch etwas mit Privilegien zu tun. Früher nutzten Priester und Monarchen das Symbol für Schönheit und Macht (den Abglanz des Göttlichen).

Noch heute schmückt Gold rituelle Gegenstände ...

... und das nicht nur im Katholizismus.

In Form von Blattgold wird das Edelmetall zur Vergoldung von Figuren, aber auch von ganzen Dächern und Kuppeln verwendet.

Genuss pur: Man kann Blattgold sogar auf feinen Pralinen oder aber einer deftigen Currywurst, wie hier in einem Münchener Luxusimbiss, essen.

Metallisches Gold gilt als ungiftig. Nur Goldverbindungen können giftig sein, allerdings in gewissen Konzentrationen auch heilen.

Gold ist wegen seiner Farben schön anzuschauen, es hat aber auch andere herausragende Qualitäten und ist deshalb aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Das korrosionsbeständige und dichte Metall lässt sich gießen, biegen, ziehen, stempeln, drehen und leicht verformen.

Ob das auch mit den Zähnen geht, hängt vom Reinheitsgrad ab. Je reiner, desto formbarer.

Was viele vielleicht nicht wissen: Gold wird zum Beispiel in der Elektronikindustrie verwendet.

Denn ein Gramm lässt sich zu einem Drähtchen von immerhin mehr als drei Kilometern Länge ausziehen.

Das ist wohl schon eher bekannt: Gold kommt uns in der Zahnmedizin zugute.

Was für manche ein Muss, ist für andere nur Schmuck. Manche Rapper tragen Gold als Symbol dafür, dass auch Straßenkids es zu etwas bringen können, ohne medizinische Gründe im Mund.

Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt. Und es glänzt auch nicht alles, was als golden bezeichnet wird. Gold steht für kostbar: ...

... Salz oder Elfenbein heißen deshalb weißes Gold, Kartoffeln Ackergold, Whiskey flüssiges Gold, Rotwein rotes Gold und ...

... Öl oder Kohle gelten als das schwarze Gold der Erde. Das richtige Gold ist relativ schwer und lagert sich am Boden fließender Gewässer ab, ...

... wenn goldhaltige Gesteine verwittern und abgetragen werden, ...

... und kann dann durch das so genannte Goldwaschen ...

... in Form von Nuggets oder Goldstaub gewonnen werden. Die bisher geförderte Goldmenge von 145.000 Tonnen ergäbe zusammengeschmolzen ...

... einen Würfel mit knapp 20 Metern Seitenlänge. So ein Brocken ist in der Natur natürlich nicht zu finden.

Im legendären Goldrausch haben diese - und andere - Männer selber Hand angelegt.

Im 19. Jahrhundert strömten die Massen in die Fundgebiete. Beispiele sind der kalifornische Goldrausch 1849 oder der Goldrausch 1897 am Fluß Klondike in Alaska.

Damals wie heute - kaum einer der Goldsuchenden wird reich.

Goldvorkommen gibt es weltweit. Hauptsächlich wird es aber in Südafrika, den USA und in Australien gefördert.

Die größte Goldreserve schwebt im Meer, hier ist Gold in geringer Konzentration als Chlorid-Komplex gelöst. Die Gewinnung erscheint bislang kaum rentabel.

Gold gehört zu den Metallen, an denen sich der Mensch zuerst als Handwerker versucht hat.

Zum ersten Mal wurde Gold vor etwa 7.000 Jahren verarbeitet. Ein großer Vorteil ist die geringe Schmelztemperatur.

In Mitteleuropa lassen sich goldene Gegenstände seit dem zweiten Jahrtausend vor Christus nachweisen.

Ein spektakuläres Beispiel ist die berühmte Himmelsscheibe von Nebra, die als älteste konkrete Sternenabbildung der Menschheitsgeschichte gilt.

Auch Kolumbus hatte nur das eine im Sinn, als er auf große Fahrt ging: Gold. Die Indios Mittelamerikas beschuldigen ihn heute des Völkermords, der Vergewaltigung, der Plünderung und des Raubes.

Auch nach Kolumbus lockten die Goldfunde in Mittel- und Südamerika europäische Eroberer an, die die indigenen Kulturen zerstörten und Gold nach Europa schafften.

Spanien wurde so vorübergehend zur reichsten Nation des Kontinents. Bis die Ökonomie im eigenen Land verkümmerte, ...

... weil die Spanier endlos importierten und die Preise stiegen.

Die Reinheit von Gold wird in Karat angegeben.

24 Karat entsprechen purem Gold, auch Feingold genannt.

Später wurde auf Promille-Angaben umgestellt. Der Stempeleindruck "750" bedeutet, dass das Metall 750 von 1.000 Gewichtsanteilen reines Gold enthält.

Gold hat eine lange Karriere als Zahlungsmittel durchlaufen. Gründe dafür gibt es viele: Gold verdirbt nicht, es ist so gut wie unzerstörbar, leicht zu verarbeiten, beliebig teilbar und ...

... nimmt wegen seiner großen Dichte wenig Raum ein. Außerdem kann man Gold nur schwer fälschen.

Die Lydier begannen vor rund 2.800 Jahren Münzen zu prägen und schufen die erste imperiale Währung, eine Art Euro der Frühzeit.

In Deutschland war während des Deutschen Reiches von 1871 bis 1918 die Goldmark das gesetzliche Zahlungsmittel.

Gold wird oft als langfristige Wertanlage gesehen, besonders in Zeiten starker Inflation. Der Preis folgt eigenen Gesetzen.

Er schwankt relativ stark, abhängig von Angebot und Nachfrage. Entscheidend für den Preis sind internationale politische und wirtschaftliche Entwicklungen.

Insbesondere Kriege hinterlassen Spuren beim Goldpreis.

Der Goldpreis schwankt auch so stark, weil das Metall einen vergleichsweise geringen Nutzwert hat und daher die Nachfrage insgesamt eher gering ist.

Deshalb orientiert sich die Produktion (anders als zum Beispiel beim Öl) kaum am Verbrauch. Die Zentralbanken ...

... können den Preis zudem mit Handel und Verleih erheblich beeinflussen. Aus all diesen Gründen gilt Gold als ungeeignet zur Währungsdeckung, zumal ...

... mit wachsender Geldmenge auch die Goldmenge ständig mitwachsen müsste. Dies funktioniert ...

... normalerweise nicht. Der Preis des Goldes wird deshalb auf dem offenen Markt bestimmt.

Durch das so genannte "Gold fixing in London"-Verfahren wird seit 1919 zweimal täglich ein Goldpreis herausgegeben.

Die Geschichte von Geld und Gold geht Hand in Hand. US-Präsident Roosevelt schuf die Goldwährung ab und ordnete an, dass ...

... die Bürger der USA ihre Goldmünzen und -barren der Regierung verkaufen mussten.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde Gold auch in Europa der Fixstern der Finanzpolitik.

Wenn eine Unterdeckung der Währung drohte, musste das Edelmetall wiederbeschafft werden, zum Beispiel durch höhere Zinsen für Anleger. Die Folgen waren bitter.

Die Große Depression wurde von den USA, England und Deutschland mitverschuldet, weil sie bei horrenden Arbeitslosenzahlen, Pleiten und Deflation die Zinsen erhöhte, um die Goldreserve zu retten.

Nach 1945 wurde deshalb ein neues Finanzsystem auf Dollar-Basis eingeführt.

Seit 1971 dürfen Zentralbanken die US-Währung nicht mehr in Gold eintauschen.

Die Zentralbanken horten allerdings immer noch Tonnen davon. Sicher ist sicher.

1980 gab es das letzte Gold-Hoch. Danach sank der Goldpreis 20 Jahre lang.

Erst zum Jahrtausendwechsel erlebte das Edelmetall wieder einen Aufschwung. Manch Wirtschaftstheoretiker prophezeit die Rückkehr des Goldstandards.

Die Goldwährung ist Geschichte, aber das Misstrauen in Politik und Wirtschaft lässt sich auch im 21. Jahrhundert gut am Goldkurs ablesen. Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für Gold.

Die größte Nachfrage nach Gold besteht übrigens seit jeher in Indien: 2001 kauften die Menschen dort 800 Tonnen. Die Inder legen ihr Geld lieber in Goldschmuck an als aufs Konto. Da weiß man, was man hat.

Auch hierzulande ist Goldschmuck nicht aus der Mode gekommen.

Und manch Goldliebhaber investiert nicht nur in Schmuck, ...

... sondern auch in seine Garderobe...

... oder - wer's besonders protzig liebt - in die Wohneinrichtung oder Gebrauchsgegenstände.

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