| SA | 9° / 23° |
| SO | 12° / 22° |
Der Yen ist heiß, …
... die japanische Wirtschaft dafür aber umso kälter. Das ergibt erst einmal keinen Sinn. Denn viel Geld bedeutet eigentlich viel Geldentwertung, also Inflation, was wiederum Zinserhöhungen bedeutet. Nicht so in Japan. Hier tickt das Geld anders.
Masaaki Shirakawa, Chef der japanischen Notenbank, zieht alle Register. Die Geldschleusen werden noch weiter geöffnet als sie sowieso schon geöffnet sind. Aber helfen tut's nichts. Kommentatoren sprechen von Verzweiflungstaten der Bank of Japan.
Die Wirtschaft bleibt schwach, die Preise niedrig und der Yen steigt weiter. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt mit 127 Millionen Einwohnern macht sich zu Recht Sorgen um die Zukunft ihrer exportgetriebenen Wirtschaftskraft.
Hier darf sich Luft zugefächelt werden. Japan leidet seit Anfang der 1990er Jahre unter fallenden Preisen verbunden mit einer starken Rezession und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die 90er Jahre gelten als "verlorene Dekade". Bei den 2000er Jahren sind die Nullen Programm: Es ist die Zeit der Nullzinspolitik.
Und die ganze expansive Geld- und Fiskalpolitik hat bislang, bis auf eine gewisse Glättung im Wechselkursverlaufs, keine nachhaltige Besserung gebracht. Die Möglichkeiten, die Wirtschaft wirkungsvoll anzukurbeln, sind langsam erschöpft.
Die Leitzinsen liegen seit Jahren nahe oder bei null. Auch Wertpapiere aufzukaufen, etwa Staatspapiere, um so mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen, hat die Wirtschaft bislang nicht in Schwung gebracht.
Außer Spesen nichts gewesen, könnte man sagen. Heute ist Japan aufgrund seiner Konjunkturprogramme das mit Abstand am stärksten verschuldete Industrieland der Welt.
Trotzdem greift die Bank of Japan immer wieder am Devisenmarkt ein. Auch mit Zinssenkungen versucht sie am Markt immer noch zu punkten.
Der ohnehin kaum noch wahrnehmbare Leitzins wurde zuletzt vergangenen Oktober noch einmal um weitere kaum merkliche Pünktchen von 0,1 auf 0,0 bis 0,1 Prozent gesenkt.
Zusätzlich versuchte die Zentralbank noch einmal , die Geldmenge über ein neues milliardenschweres Ankaufprogramm für Wertpapiere weiter aufzublähen und das effektive Zinsniveau dadurch noch tiefer senken.
Ökonomen warnen vor der Liquiditätsflut. Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz findet deutliche Worte: Die Geldschwemme destabilisiere die globalen Devisenmärkte und stürze die Welt ins Chaos.
Stiglitz erzählt Notenbankchef Masaaki Shirakawa damit nichts Neues. Shirakawa warnt selbst seit langem vor den hohen Kosten einer Nullzinspolitik. Und trotzdem beugt sich die Zentralbank der Politik und kehrt zur sogenannten quantitativen Lockerung zurück.
Nach Sinn und Zweck oder nachhaltigen Erfolgsaussichten der japanischen Aktionen lohnt es sich nicht zu fragen. Deviseninterventionen sind immer erfolglos, wie Konjunkturexperten feststellen. Meistens verpufft der gewünschte Effekt. Was zählt, ist der Symbolcharakter der Aktion: Japans Geldpolitiker kümmern sich, lautet die Botschaft.
Aus der größten Not heraus, aber immerhin: Da ist noch jemand, der versucht, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Das kommt an den Märkten zumindest kurzfristig an. Während die Börsen das Zinsfeuerwerk noch feiern, ist die Landeswährung Yen aber schon wieder auf dem Weg nach oben.
Warum ist der Yen so widerborstig stark? Ein typisches Argument ist die "Save-Heaven-Funktion", also der Yen als sicherer Hafen. Einleuchten will das nicht, wie Burkhard Allgeier, Chefvolkswirt von Hauck & Auffhäuser im Interview mit n–tv.de sagt. Er spricht von einem Währungsrätsel.
Japans Probleme, geringes Wachstum, Deflation, überbordende Staatsverschuldung, sprechen gegen einen starken Yen. Es sind genau die Probleme, die noch vor wenigen Monaten die europäische Einheitswährung geschwächt haben.
Makroökonomisch betrachtet könnte der starke Yen mit dem Leistungsbilanzüberschuss Japans erklärt werden, aber auch das überzeugt den Experten nicht. Ein Leistungsbilanzüberschuss wird laut Lehrbuch über die Zeit dadurch bereinigt, dass eine Währung aufwertet. Wird eine Währung teurer, werden auch die Waren in dieser Währung teurer.
Das heißt, das Ausland fragt weniger Waren nach und der Leistungsbilanzüberschuss schrumpft. Das liefert zumindest eine theoretische Erklärung.
Die sogenannten Carry Traders spielen keine Rolle mehr. Japan ist heute nicht mehr der Hafen der Glückseligen für die Währungsspekulanten. Früher war der Yen eine "funding currency", also eine Währung, in der sich Spekulanten wegen des niedrigen Zinsniveaus verschuldeten. Da die Zinsen heute fast überall niedrig sind, können sie sich auch überall zu ähnlichen Konditionen Geld leihen.
Ein Punkt, der für einen starken Yen spricht, sind die hohen Realzinsen in Japan. Die zehnjährige japanische Anleihe rentiert bei einem Prozent. Die momentane Inflationsrate liegt bei minus einem Prozent. Das macht real zwei Prozent Verzinsung – nicht schlecht bei den derzeitigen Zinsniveaus.
Zum Vergleich: Bei der zehnjährigen Bundesanleihe liegt die Rendite niedriger. Laut Burkhard Allgeier könnte das Anleger motiviert haben, Geld auch nach Japan zu schieben und den Yen zu stärken.
Was müsste Japan tun, um diesem Teufelskreis aus schwaches Wirtschaft und starker Währung zu entrinnen? Ein geldpolitischer Wettstreit mit den USA á la "Wer macht mehr Geld locker?" kann nicht die Lösung sein. Die Grenzen einer extrem expansiven Geld- und Fiskalpolitik sind offensichtlich.
Ökonomen sagen, Japan muss aus der Deflation mit Hilfe der Privatwirtschaft herauswachsen. Die Politik müsse hierfür die entsprechenden Anreize schaffen. Zum Beispiel durch ein unternehmerfreundliches Umfeld durch niedrige Steuern. Das hat die Regierung bisher nicht geschafft. (Text: Diana Dittmer)
Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.
Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.