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Donnerstag, 14. Oktober 2010

Die Opec und das "schwarze Gold": Kamele, Scheichs und jede Menge Öl

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Sie ist eine der mächtigsten Herrenrunden der Welt: Die Opec (Organisation erdölexportierender Länder), die nun ihren 50. Geburtstag feiert. Das Kartell umfasst zwölf Länder und hat zum Ziel, den Weltmarktpreis für Öl durch Regulierung der Fördermengen stabil zu halten und ... (Foto: picture-alliance/ dpa)

Sie ist eine der mächtigsten Herrenrunden der Welt: Die Opec (Organisation erdölexportierender Länder), die nun ihren 50. Geburtstag feiert. Das Kartell umfasst zwölf Länder und hat zum Ziel, den Weltmarktpreis für Öl durch Regulierung der Fördermengen stabil zu halten und ...

Sie ist eine der mächtigsten Herrenrunden der Welt: Die Opec (Organisation erdölexportierender Länder), die nun ihren 50. Geburtstag feiert. Das Kartell umfasst zwölf Länder und hat zum Ziel, den Weltmarktpreis für Öl durch Regulierung der Fördermengen stabil zu halten und ...

... gleichzeitig "faire Erträge" für Investoren in der Erdölindustrie sicherzustellen. Mit dieser Angebotspolitik beeinflusst die Opec den Ölpreis und damit auch die Entwicklung der Weltwirtschaft.

Kein Wunder also, dass die oft schlicht nur als "die Scheichs" titulierte Männerrunde ...

... an Stammtischen immer als erste dafür verantwortlich gemacht wird, wenn Benzin- und Heizölpreise steigen.

Der Interessenverband Opec besteht im Jahr 1960 aus den fünf Gründungsmitgliedern Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela. Er verfügt über ein ständiges Sekretariat in Genf und ...

... hat seinen Sitz seit 1965 in Wien. Seit 1970 besteht die Opec aus zwölf Erdölförderländern.

1. Algerien: Das nordafrikanische Land mit fast 34 Millionen Einwohnern zählt mit einer täglichen Erdölproduktion von 1,36 Mio. Barrel (1 Barrel entspricht 154 Litern) eher zu den kleineren Produzenten innerhalb der Opec. Zudem verfügt Algerien über 1,2 Mrd. Barrel sichere Ölreserven.

2. Angola produziert rund 1,9 Mio. Barrel täglich und sitzt gleichzeitig auf bestätigten Reserven von 9,5 Mrd. Barrel.

3. Ecuador (von 1973 bis 1992 in der Opec und seit 2007 wieder) produziert laut Opec-Statistik 0,5 Mio. Barrel am Tag. Die Reserven werden aber mit 6,41 Mrd. Barrel beziffert.

4. Die irakische Ölproduktion liegt bei 2,3 Millionen Barrel am Tag. Die Reserven des Landes sind aber enorm: etwa 115 Mrd. Barrel.

5. Die Reserven des Iran sind mit 147,6 Mrd. Barrel noch größer. Die tägliche Produktion wird mit 4,1 Millionen Barrel beziffert. Es ist die viertgrößte der Welt.

6. Katar kommt auf eine Tagesproduktion von 0,64 Mio. Barrel und Reserven von 25,41 Mrd. Barrel.

7. Kuwaits Ölproduktion ist da eine Nummer größer: 2,7 Mio. Barrel am Tag. Auch die Reserven von 101,5 Mrd. Barrel können sich sehen lassen.

8. Libyen sitzt auf Reserven von rund 44 Mrd. Barrel und fördert täglich 1,7 Mio. Barrel.

9. Nigerias tägliche Produktionsmenge beläuft sich auf rund 2 Mio. Barrel. Die Reserven des afrikanischen Staates liegen bei 37,2 Mrd. Barrel.

10. Hugo Chavez' Venezuela produziert mit 3,1 Mio. Barrel am Tag die drittgrößte Menge in der Opec.

Die Reserven des südamerikanischen Staates werden von der Opec auf 172 Mrd. Barrel geschätzt.

11. Die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen über Reserven von 97,8 Mrd. Barrel. Die tägliche Produktionsmenge beträgt 2,6 Mio. Barrel.

12. Saudi-Arabien ist nicht nur das Land der Kamele, sondern auch das Land des Öls.

Saudi-Arabien kommt auf eine Produktion von etwa 9,2 Mio. Barrel am Tag. Weltweit fördert nur Russland mit rund 9,5 Mio. Barrel täglich mehr. Die Reserven Saudi-Arabiens belaufen sich auf 264 Mrd. Barrel – ein Topwert.

Zeitweise gehörten auch Gabun (bis 1992) und Indonesien (bis 2009) zur Opec.

Der schlechte Ruf der Opec, die sich nur ein paar Mal im Jahr bei Tee und Mocca trifft, um ihre Förderquoten zu bestimmen, hat triftige Gründe. Zum einen sind da die enormen Erdölreserven (rund 75 Prozent aller Reserven auf der Welt) und der eher geringe eigene Energieverbrauch (rund acht Prozent des Weltverbrauchs). Zum anderen liegen sie in der Historie der verschwörerischen Gemeinschaft begründet.

Ihre Hochzeit erlebt die Opec in den 1970ern. Damals steht sie für mehr als die Hälfte der weltweiten Erdölproduktion. Die weltweite Abhängigkeit ist hoch. Die Opec diktiert die Preise für den Schmierstoff der Weltwirtschaft, kann sie nahezu willkürlich festsetzen. Die absolute Macht der Opec ist die Ohnmacht der Industrieländer.

Die Ölkrise schockt die Welt. In Deutschland gibt es den autofreien Sonntag. Bilder von leeren Autobahnen gehen um die Welt.

Noch schlimmer trifft es aber die Dritte Welt und die Entwicklungsländer. Zur Aufrechterhaltung ihrer Industrieproduktion müssen sie auf Ölimporte zurückgreifen, die teuer, weil mit immer neuen Krediten, bezahlt werden.

Die machtvoll demonstrierte Angebotsstrategie der Opec hat, im Nachhinein betrachtet, auch gute Seiten: Die Industrieländer diversifizieren ihre Primärenergiequellen. Statt überwiegend nur auf Öl setzen sie nun auch auf Gas, Kohle und Atomenergie. Zudem investieren sie in technologische Weiterentwicklungen, machen ihre Energieversorgung effizienter.

In den 1980ern verliert die Opec ihre Preiskontrolle. Der Weltmarktanteil der Opec sinkt Mitte der 80er Jahre unter 30 Prozent. Spannungen und blutige Kriege unter Mitgliedsländern im Nahen Osten (beispielsweise Iran-Irak) sind die Auslöser. Zudem versuchen die Industrieländer, sich aus dem Klammergriff der Opec zu befreien.

Die 90er Jahre spielen den Industriestaaten in die Hände. Nach dem Fall der Mauer drängt mit Russland ein neuer Großlieferant auf den Markt. Auch Norwegen und Mexiko pumpen unkoordiniert "schwarzes Gold" in die Märkte.

Als 1997 dann die Wirtschaftskrise ökonomisch weite Teile Asien außer Gefecht setzt und vor allem die Ölnachfrage der Schwellenländer wegbricht, sackt der Ölpreis in den Keller. Ende der 90er Jahre kostet ein Barrel (154 Liter) zeitweise nur noch knapp über 10 Dollar.

Mit dem Erstarken der chinesischen Wirtschaft und ihrem scheinbar unstillbaren Energiehunger klettern auch wieder die Ölpreise. Das Hoch wird 2008 erreicht - nahe 150 Dollar.

Der Einfluss der Opec ist aber dennoch nicht mehr vergleichbar mit dem der 1970er Jahre. Die schwindende Bedeutung ist daran zu erkennen, ...

... dass der Ölpreis nach seinem Hoch auf rund 40 Dollar absackt und sich mittlerweile bei etwa 80 Dollar eingepegelt hat – ...

... ohne großes Eingreifen der Opec. (Fotos: Reuters, dpa / Grafiken: Opec / Text: Thomas Badtke)

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