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Wirtschaft von unten: Leben aus der Tonne

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Finanzielle Not macht erfinderisch. Wenn nichts mehr geht, schaut man, wo man das Lebensnotwendigste ohne Geld organisiert. Was früher nur eine vergleichsweise kleine Gruppe sogenannter Freeganer aus politischer Überzeugung betrieben hat, machen ...

Finanzielle Not macht erfinderisch. Wenn nichts mehr geht, schaut man, wo man das Lebensnotwendigste ohne Geld organisiert. Was früher nur eine vergleichsweise kleine Gruppe sogenannter Freeganer aus politischer Überzeugung betrieben hat, machen ...

Finanzielle Not macht erfinderisch. Wenn nichts mehr geht, schaut man, wo man das Lebensnotwendigste ohne Geld organisiert. Was früher nur eine vergleichsweise kleine Gruppe sogenannter Freeganer aus politischer Überzeugung betrieben hat, machen ...

... in klammen Zeiten immer mehr Menschen - völlig ungeniert. Wem ist nicht schon jemand begegnet, der Pfandflaschen aus Mülleimern fischt. Das "Dumpster-Diving" (Mülleimer-Tauchen) oder "Containern" ist auf dem Vormarsch.

Ein Freeganer ist in erster Linie kein Freak, sondern vor allem "free" (frei) und "veganer" (eine Person, die auf Tierprodukte verzichtet). So kommt die Bezeichnung free-ganer zustande.

Ein Freeganer boykottiert den Überfluss in einer Wegwerfgesellschaft, indem er das sammelt und isst, was andere weggeworfen haben.

Freeganer besorgen sich ihre Lebensmittel aus dem Abfall, fragen aber auch Händler und Geschäfte nach abgelaufenen Produkten, die diese oft bereitwillig abgeben. Verbraucht wird der ganze "Müll" der Gesellschaft, nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kleidung und Möbel.

Anders als Obdachlose, Bettler und sonstige Bedürftige, die ebenfalls nach Ausrangiertem oder Weggeworfenem suchen, sind Freeganer nicht in einer finanziellen Notlage durch Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Armut.

Ihnen geht es vielmehr ums Prinzip. Sie wollen sich dem Zwang des Zahlens entziehen und dadurch der Ausbeutung von Rohstoffen und Energieressourcen etwas entgegensetzen.

In modernen Industriegesellschaften sind die Ansprüche an Qualität und Hygiene bei den Konsumenten so hoch, dass Lebensmittel in der Regel noch längere Zeit nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums ...

... unbedenklich verzehrbar und geschmacklich völlig akzeptabel sind. Was nicht verkauft wird, kommt auf den Müll, weil Platz geschaffen werden muss für die neue Ware am nächsten Morgen.

Schätzungen zufolge werden in den USA 50 Prozent aller produzierten Lebensmittel weggeworfen. Die Qualität ist überraschend gut.

Vieles ist noch original verpackt und noch nicht abgelaufen. Hygienische Bedenken haben Freeganer nicht. Vieles, was sie im Müll finden, könnten sie sich regulär im Supermarkt gar nicht leisten.

Der Freeganismus-Trend stammt ursprünglich aus New York und breitete sich von da immer weiter aus. Heute gibt es geschätzte zwei- bis viertausend Freeganer in New York. Seinen Ursprung hat der Freeganismus in einer globalisierungskritischen Bewegung ...

... der 90er Jahre. Mittlerweile gibt es Freeganer-Gruppen in fast allen westlichen Metropolen. Freeganer sind ordentliche Menschen. Was nicht gebraucht wird, kommt zurück in die Tonne. Dreck ...

... ebenso wie Ärger sollen vermieden werden. Mit dem Verzicht auf Tierprodukte nehmen es dabei nicht alle Freeganer so ernst. Immer häufiger schließen sich normale Passanten den Freeganern auf ihren spätabendlichen Touren an.

In Zeiten der Wirtschaftskrise ist es oft die blanke Not, die Ottonormalverbraucher (aber nicht mehr -verdiener) zu Mülltonnen-Shoppern werden lassen.

Die ersten Supermärkte haben auf diesen Trend reagiert. Container werden jetzt abgeschlossen. Übrigens ist es in Deutschland so, dass die Ware auch noch in der Tonne einen rechtmäßigen Besitzer hat.

Das Fischen im Müll anderer ist also rechtlich gesehen Diebstahl. (Text: Diana Dittmer / Bilder: reuters)

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