Vom Garagenschrauber zum Milliardär: Magna - der unbekannte Riese

Bis vor wenigen Monaten war der Konzern Magna nur Insidern der Automobilbranche ein Begriff.

Doch heute ist Magna ist in aller Munde. Zusammen mit der russischen Sberbank wollte der österreichisch-kanadische Konzern die Mehrheit der GM-Tochter Opel übernehmen.

Doch nun hat der Mutterkonzern entschlossen, doch nicht zu verkaufen: Der Deal ist geplatzt.

Magna war aus mehreren Gründen von Anfang an der Favorit der Bundesregierung im Rennen um die Opel-Rettung.

Der Konzern sagte zu, alle deutschen Standorte von Opel zu erhalten.

Magna hat Erfahrungen in der Branche. Und anders als bei einer Hochzeit mit dem italienischen Autobauer Fiat ...

... hätte bei Magna nicht die Gefahr bestanden, dass die Produktion der Automobile von den Opel-Werken in eigene Werke verlegt wird, um diese auszulasten.

Aber langsam. Bei Magna wird immer nur vom "Autozulieferer" gesprochen. Was macht Magna eigentlich?

Hinter Magna steht eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch. Und bisher verlief sie ganz ohne böse Überraschungen.

Die Unternehmensgeschichte von Magna wäre das perfekte Beispiel für den amerikanischen Traum "vom Garagenschrauber zum Milliardär". Wenn es da nicht eine Kleinigkeit gäbe: ...

... Sie beginnt in Kanada.

1954 wandert der Österreicher Franz Strohsack mit nur 200 Dollar im Gepäck nach Kanada aus. Der damals 22-Jährige hat den Beruf des Werkzeugmachers erlernt.

Er eröffnet 1957 als Franz Stronach - angeblich können Kanadier das besser aussprechen - "Multimatic", einen Ein-Mann-Betrieb für Werkzeugbau, in einer Garage.

Der Umsatz im ersten Geschäftsjahr beträgt rund 13.000 Dollar.

1960 erhält Multimatic den ersten Großauftrag für Autoteile: GM beauftragt ihn mit der Produktion von ...

... Bügeln für Sonnenblenden.

Multimatic expandiert. Stronach eröffnet seine zweite Fabrik, "Diomatic".

Es geht steil aufwärts. Im Jahr 1969 fusioniert die Firma mit der Magna Electronics Corporation Limited. Daraus entsteht schließlich Magna International Inc. - jener Konzern, den wir heute als Magna kennen.

1980 kehrt der gebürtige Österreicher in seine Heimat zurück. Stronach ist inzwischen zum Multimillionär geworden.

In Oberwaltersdorf bei Wien baut er nach Investitionen von 1,5 Milliarden Euro seine Zentrale "Magna Europe" auf (im Bild).

Haupt-Firmensitz ist aber bis heute Aurora im kanadischen Ontario.

Magna beschäftigt nach eigenen Angaben inzwischen rund 74.000 Angestellte in 247 Produktionsstätten. (Stand Juni 2009)

Nach Denso und Bosch ist der Konzern der drittgrößte Automobil-Zulieferer weltweit, mit einem Umsatz von 24 Milliarden Euro im Jahr 2008.

Sehr viele von uns sitzen tagtäglich in Fahrzeugen, die teilweise oder sogar komplett von dem österreichisch-kanadischen Konzern gebaut wurden.

Das Unternehmen stellt alles her, was am und im Auto verbaut werden kann: ...

... unter anderem Spiegel, Sitze, ...

... Karosserien, Elektronik ...

... Türen, ...

... Fahrwerke, ...

... Dachkonstruktionen ...

... und Gurtspanner.

So wird zum Beispiel der Innenraum des Mini von Magna gebaut, ...

... wie auch die Dachkonstruktionen des Peugeot 308 CC ...

... und des Porsche Targa.

Bei der Mercedes G-Klasse prangt zwar der Stern auf dem Kühlergrill, die Schwaben lassen dieses Modell allerdings seit der Markteinführung 1979 komplett von Magna in Graz fertigen.

Der Münchner Autobauer BMW hat Magna mit der Produktion des Geländewagens X3 beauftragt.

Chrysler lässt den 300C ...

... und Jeep den Commander vom Zulieferer bauen.

Magna stellte auch schon eigene Prototypen vor, so zum Beispiel auf dem Genfer Automobilsalon 2009 das Elektroauto Mila EV. Doch bisher fährt noch kein Auto auf den Straßen, auf dem der Name des österreichisch-kanadischen Konzerns steht.

Der Griff nach Opel war nicht der erste Versuch des Großkonzerns, direkt in die Automobilproduktion einzusteigen. Nach der Trennung von Daimler und Chrysler etwa meldete Gründer Stronach Interesse an Chrysler an – man wurde sich aber nicht einig. Nun ist auch der zweite Anlauf geplatzt.

Die Übernahme von Opel hätte sich für Magna aber auch zum Problem entwickeln können.

Denn bekanntlich kann man es ja nie allen recht machen. Und so kritisierten große Magna-Kunden wie VW und BMW den Einstieg ihres Zulieferers bei Opel vehement. Denn dadurch wäre Magna offiziell zum Konkurrenten augestiegen.

Denn das "Zulieferunternehmen Magna" war bisher nur mit dem Bau einiger weniger Fahrzeuge beauftragt worden. Mit Opel hätte Magna aber eigene Modelle auf dem Markt gehabt.

Und die eigene Konkurrenz beauftragt man nur ungern damit, Autos mit den selbst entwickelten Technologien zu bauen. Das ist nachvollziehbar.

Und so ist Magna durch den GM-Beschluss vielleicht vor einer bösen Überraschung bewahrt worden. (Text: Fabian Maysenhölder)

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