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Wertanlagen der anderen Art: Mit Rum und Bonsais gegen die Krise

Von Diana Dittmer

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Fest steht: Sparen wie in guten alten Zeiten lohnt nicht mehr. Die Zinsen für Sparbuch- oder Festgeldguthaben liegen unter der Inflationsrate. Das reale Vermögen schrumpft jedes Jahr ein bisschen mehr. (Foto: picture alliance / dpa)

Fest steht: Sparen wie in guten alten Zeiten lohnt nicht mehr. Die Zinsen für Sparbuch- oder Festgeldguthaben liegen unter der Inflationsrate. Das reale Vermögen schrumpft jedes Jahr ein bisschen mehr.

Fest steht: Sparen wie in guten alten Zeiten lohnt nicht mehr. Die Zinsen für Sparbuch- oder Festgeldguthaben liegen unter der Inflationsrate. Das reale Vermögen schrumpft jedes Jahr ein bisschen mehr.

Einige Ökonomen warnen schon vor dem Kollaps des alten Finanzsystems, wie wir es kennen. Dann wären Papieranlagen endgültig vernichtet. Anleger müssen umdenken.

Experten empfehlen Sachwerte statt Festgeld & Co. Wertobjekte gibt es reichlich. Da sind die Klassiker wie Briefmarken und Münzen. Aber auch Abwegigeres wie Teddys, Bonsaibäume oder Meteoriten.

Sachanlagen trotzen unberechenbaren Staatsverschuldungen und aus dem Ruder laufenden Finanzmärkten. Wie bei Aktien gilt jedoch: Sammelleidenschaft alleine reicht nicht, um gute Renditen zu erzielen.

Ein schwieriges Feld sind Briefmarken. Die meisten sind kaum etwas wert. Für deutsche Briefmarken gilt: Alles, was nach 1960 erschienen ist, ist eigentlich uninteressant.

Wer dagegen diesen "Schwarzen Einser" in Urgroßvaters Sammlung findet, hat zumindest einen kleinen Urlaub finanziert. Die Briefmarke wurde im November 1849 aufgelegt. Ein gut erhaltenes Exemplar bringt heute zwischen 1000 und 3000 Euro.

Erfunden haben die Postwertzeichen die Briten. Sie haben auch für die entsprechenden Briefmarkenindizes gesorgt.

Einer der bekanntesten ist der GB250 Index. Er umfasst die 250 wichtigsten Briefmarken Großbritanniens. Die James-Bond-Serie gehört nicht dazu.

Die jährliche Rendite des GB250 Index in den vergangenen zwölf Jahren, seitdem er gestartet ist: ganze 13,14 Prozent! Im Bild: Briefmarken aus Britisch-Honduras von 1865. Sie brachten 2005 umgerechnet 172.870 Euro.

Den kleinen Bruder, den GB 30 Rarities Index, gibt es seit 40 Jahren. Er kommt auf eine Rendite von rund zehn Prozent. Sparbücher & Co. verblassen vor dieser Rendite.

Wie krisensicher Briefmarken sind, zeigt die Wertentwicklung des GB30. 2008, dem Jahr, als Lehman Brothers Pleite ging: Während der Dax innerhalb weniger Wochen mehr als 30 Prozent einbrach, stieg der Briefmarken-Index um ganze 39 Prozent! Der marktbreitere GB250 Index schaffte noch ein stattliches Plus von 32 Prozent.

Schwierig ist die Anlage in Münzen. Die Wertentwicklung ist launisch und schwankt. Hinzu kommen - im Unterschied zum Handel Aktien, Anleihen und Fonds - hohe Transaktionskosten.

Wer etwas Seriöses sammeln will, muss tiefer in der Geschichte graben: Experten empfehlen römische oder griechische Antike, Renaissance, frühe Neuzeit oder auch noch das 19. Jahrhundert.

Besonders lukrativ sind US-amerikanische Goldmünzen. Ein Sechser im Lotto ist der Double Eagle aus dem Jahr 1933 mit einem Nennwert von 20 Dollar. Er ist die mit Abstand seltenste Münze weltweit. Bei einer Versteigerung erzielte er 6,6 Millionen Dollar.

Ähnlich wie bei Briefmarken gibt es einen Index, der die Wertentwicklung von Münzen abbildet: den PCGS 3000. Der Index notierte im Jahr 2004 bei rund 61.000 Punkten, im Börsenkrisenjahr 2008 erreichte er 73.500 Punkte.

Da Goldmünzen rückblickend weniger vom Sammlerwert als vom drastisch gestiegenen Goldpreis profitiert haben, empfehlen Experten nur noch Raritäten zu kaufen.

Üppige Renditen lassen sich mit dem "schwarzem Gold", alten Vinyl-Schallplatten, erzielen. Sammelwürdig sind allerdings nur Originalpressungen und Erstausgaben.

Die höchsten Preise erzielen die Platten von bekannten Bands wie den Beatles, den Rolling Stones oder AC/DC.

Eine der mit Abstand teuersten Schallplatten der Welt ist das "White Album" der Beatles. 2008 wurde es für 19.000 Britische Pfund auf Ebay versteigert.

Rekordverdächtig ist auch das Debütalbum der Band "The Velvet Underground". Die Platte, die gebraucht 75 Cent kostete, wurde Jahre später für 155.401 Dollar versteigert.

Grund: Das Cover war ein lange verschollen geglaubter Siebdruck von Andy Warhol. Das Album ging als "Bananen-Platte" in die Musikgeschichte ein.

Auch mit Elvis Presley lässt sich unter Umständen Reibach machen. Die Single "That’s All Right - Blue Moon of Kentucky" wird unter Sammlern für mehr als 11.400 Dollar gehandelt.

Über die genauen Renditen, die zu erzielen sind, gibt es zwar unterschiedliche Auffassungen. Das "schwarze Gold" war aber - wie Münzen und Briefmarken - in den schweren Jahren der Finanzkrise, 2007 und 2008, auch wertstabil.

Um eine wirklich gute Wertsteigerung zu erzielen, müssen die Schallplatten auf jeden Fall günstig eingekauft werden.

Wer Platten kaufen oder verkaufen möchte, geht auf Auktionen oder größere Messen. Eine der bekanntesten findet jährlich im niederländischen Utrecht statt.

Uhren zu sammeln, ist eine kostspielige Angelegenheit. Exquisite Modelle können weit über 100.00 Euro kosten.

Dafür werden sie aber wertvoll bleiben, sollte dem Weltfinanzsystem die letzte Stunde schlagen. Spitzenmodelle erreichen eine Wertsteigerung von jährlich acht bis zehn Prozent.

Eine echte "Perle" ist die "Referenz 1518" (im Bild: "Referenz 7121") aus der Schweizer Uhrenschmiede Patek Philippe, die in den Jahren 1941 bis 1954 produziert wurde. Sie kostete 20 Jahre später 2030 Euro - damit galt sie bereits als kostbar. 1989 brachte sie auf einer Auktion ganze 178.952 Euro.

Eine der bekanntesten und begehrtesten Uhren der Welt ist die Rolex Daytona. Ende der 1980er-Jahre konnte man die Uhr noch für schlappe 900 DM erstehen. Inzwischen kostet sie mehr als 100.000 Euro.

Spezialfunktionen wie ein ewiger Kalender, die Angabe von Schaltjahren, Stoppuhrfunktionen oder die Anzeige von Mondphasen können den Wert einer Uhr beträchtlich steigern.

Wer sich eine so kostbare Uhr leisten möchte, braucht jedoch Geduld. Auf eine Rolex Daytona wartet man sieben Jahre. In Krisenzeiten gehen solche Uhren aber auch schon mal schneller über den Tisch.

Wichtig für Sammler: auf herausragende und begehrte Modelle setzen und nur die gefragtesten Uhrenhersteller nehmen. Ein schlichtes Design ist außerdem besser als ein exotisches.

Ein Einkaufsparadies für Uhren ist übrigens Hongkong.

Wirklich klein, aber oho sind Bonsaibäume. Hier lässt sich viel Geld verdienen. Die japanischen Miniaturbäumchen, die ursprünglich wohl aus China stammen, erzielen leicht Preise von über 10.000 Euro.

Eines der teuersten Exemplare wurde für zwei Millionen Dollar verkauft. In Deutschland liegt die Obergrenze für Spitzenexemplare bei 30.000 Euro.

Wirklich attraktive Bonsais beginnen in der Preisklasse von 2000 Euro. Die Massenware in Supermärkten eignet sich allerdings nicht als Geldanlage.

Wer clever ist, besorgt sich ein vernachlässigtes "Modell" aus Japan und päppelt es auf.

Whisky, Wein und Cognac zu sammeln, ist das eine. Aber Rum? Das ist ebenso ungewöhnlich, wie in Bonsais zu investieren.

Aber heute ist Rum wieder schwer im Kommen - wenn auch vorwiegend als Zusatz bei Cocktails.

Mojito zählte schon zu Ernest Hemingways Lieblingsgetränken.

Und in der "Feuerzangenbowle" mit Heinz Rühmann schrieb Rum Filmgeschichte.

Der Erste, der Rum zum Durchbruch verhalf, war übrigens Christoph Columbus. Bei seiner zweiten Atlantiküberquerung 1493 hatte er viele Fässer auf seiner Hispaniola.

Auch wenn Rum in deutschsprachigen Ländern bisher nicht die Akzeptanz erreichen konnte wie Whisky, Wein und Cognac, bietet Rum als Wertanlage durchaus Vorteile.

Eine Anlage in ausgewählten Sorten Rum brachte in den vergangenen fünf Jahren einen Gewinn von stattlichen 300 Prozent!

Beispiele für solche exorbitante Preissteigerungen sind der "La Mauny 1979" - sein Wert hat sich in einem Jahrzehnt mehr als verfünffacht - und der "Trois Rivières", dessen Wert sich sogar versechsfacht hat.

Generell gilt, dass Sorten, die eine längere Reifezeit benötigen, auch einen höheren Preis und bessere Wertsteigerungschancen haben.

Zu den lukrativsten Investments gehören Rumsorten aus der französischen Karibik (Antillen).

Rum hat einen entscheidenden Vorteil: Er ist robust. Während Wein ständig gewendet werden muss, kann Rum ohne größere Probleme und Aufwand gelagert werden.

Eine Klassifizierung gibt es seit 1996. Sie orientiert sich an dem französischen Qualitätssiegel "Appellation d'Origine Contrôlée" (AOC).

Anders als Rum gilt Porzellan schon seit Jahrhunderten als wertvoll. Nach dem "Gelben" und "Schwarzen" ist es das "Weiße Gold". Auch hier rentieren sich Investments: Die Wertentwicklung beläuft sich im Schnitt auf acht bis zehn Prozent.

Früher musste es aus China importiert werden. Nach Europa mitgebracht hat es Marco Polo.

Die erste Porzellanmanufaktur in Europa wurde erst 1710 in Meißen ins Leben gerufen.

Meißner Porzellan gehört zu den wertvollsten und gewinnträchtigsten Sammlerstücken. Hohe Renditen bringt aber auch Porzellan zum Beispiel aus der Fürstenberg-Manufaktur aus dem Weserbergland.

Begehrt unter Sammlern ist nach wie vor das chinesische Porzellan. Klassisches Sammelgebiet ist die Ming-Dynastie. Es gab Zeiten, da erreichte das Porzellan jährliche Gewinnsteigerungen von 27 Prozent!

Meteoriten zu sammeln, hört sich kurios an, eignet sich aber auch als Investment. Ein winziger Meteorit kann Hunderte Euro kosten.

Experten rechnen mit Schnitt mit 10 Dollar für ein Gramm Gestein.

Die Steine aus dem All kann man auf Fachmessen kaufen. Wer Glück hat, findet selbst welche. In Deutschland gibt es viele Orte, an denen immer wieder Meteoriten gefunden wurden.

Als vor Jahren in Russland in Tscheljabinsk ein Meteorit einschlug, machten sich Tausende auf die Suche nach dessen Teilen.

Die meisten Steine haben eine "Schmelzkruste", die durch die Reibungshitze beim Eintritt in die Erdatmosphäre verursacht wird.

Weiteres charakteristisches Merkmal sind Strömungslinien auf der Oberfläche.

Beim Betrachten entsteht der Eindruck, als ob jemand mit dem Daumen in eine Knetmasse gedrückt hätte. Diese Dellen und Vertiefungen treten nur in Meteoriten auf.

Wer sich nicht sicher ist: Häufig sind Meteoriten magnetisch. Aufbewahren muss man das Gestein übrigens trocken und luftdicht. Denn bei Feuchtigkeit und Sauerstoff beginnt das Eisen zu oxidieren.

Wer es kuscheliger mag, kann es mit dem Sammeln von flauschigen Bären versuchen. Einige Exemplare versprechen tatsächlich deutliche Wertsteigerungen.

Besonders attraktiv sind die Teddys der weltweit bekannten Firma Steiff. Solche Stofftiere erzielen kontinuierliche Wertsteigerungen.

Alle Bären, die vor 1970 entstanden sind, gelten übrigens als historisch. Sie steigen deshalb schneller im Wert.

Besonders lukrativ sind aber die etwas betagteren Bären aus den 1920er-Jahren. Für sie werden allerdings stolze Preise verlangt, außerdem sind sie schwer zu beschaffen.

Limitierte Editionen haben auch hier die Nase vorn bei der Rendite.

Interessant sind auch Künstlerteddybären, die zum Beispiel ...

... aus Mohair oder Alpaka hergestellt wurden.

Ein Teddy aus den Anfangsjahren bringt einen Verkaufserlös in sechsstelliger Höhe. Ein Prachtexemplar unter Renditegesichtspunkten war "Happy", der 1926 auf den Markt kam. Auf einer Auktion 2002 erzielte das Plüschtier fast 157.000 Euro.

Ein anderes Prachtstück ist der "Trauer-Teddy" aus dem Jahr 1912. Er wurde anlässlich des Untergangs der Titanic in einer Auflage von 82 Stück entworfen. Im Jahr 2000 brachte er einem Sammler 150.000 Euro ein.

Spektakulär war eine Auktion bei Christie’s in London. Ein Fondsmanager ließ seine Sammlung an Steiff-Bären versteigern und erzielte den Rekorderlös von 1,23 Millionen Euro.

Wie man sieht, es gibt jede Menge lukrativer Wertanlagen jenseits der Aktien- und Immobilienmärkte. Man muss sich nur umsehen. 25 Beispiele hat Gerald Pilz in seinem Buch "Ungewöhnliche Wertanlagen" gesammelt.

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