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Der peinliche Zwerg: Plagiarius 2008

 
Der Zwerg, den niemand will: Der Plagiarius wird jährlich an die "besten" und dreistesten Kopierer verliehen.

Der Zwerg, den niemand will: Der Plagiarius wird jährlich an die "besten" und dreistesten Kopierer verliehen.

2008 gewann diese chinesische Plastik-Kopie eines Salz- und Pfeffersets von WMF. Bis auf das Material und den Aufdruck gleicht das Produkt haargenau dem Original.

Auf den zweiten Platz schaffte es die Kopie eines Gemüsehobels der rheinland-pfälzischen Firma Börner. Sie wurde in den Niederlanden hergestellt.

Aber auch in Deutschland wird dreist kopiert. Das belegt der dritte Platz dieser Kopie eines schweizerischen Druckausdehngefäßes für Heizungsanlagen.

Überhaupt wird in der Branche für Wohnungseinrichtungen besonders viel kopiert. Kein Wunder, denn hier ist oft das Design das Entscheidende. Und das ist relativ einfach zu klauen. Deshalb wird der Plagiarius auch am Rande der Wohn-Messe Ambiente verliehen.

Selbst große Hersteller scheuen oft nicht davor zurück, die Produkte anderer Firmen zu kopieren. 1997 bekam Ikea für diese Nachahmung der Becher Cono der Firma Authentics (oben) den ersten Preis.

1998 wollte Ikea den Preis an den Ulmer Professor Rido Busse zurückgeben. Busse arbeitet selbst als Designer und verleiht jährlich die unrühmlichen Auszeichnung. Der Design-Professor nahm die Trophäe allerdings nicht zurück.

Besonders beliebt bei den Plagiatoren sind auch Badarmaturen. 2006 räumte diese Kopie den ersten Preis ab. Es sind das Original der Firma Dornbrecht aus Iserlohn (l) und das Plagiat der polnischen Firma Groemix (r) zu sehen.

Wasserhähne sind teuer, haben aber eine einfache Technik. Das Original (l) stammt ebenfalls von der Firma Aloys F. Dornbracht aus Iserlohn, der erste Preis für die frechste Produktfälschung ging bereits 2005 an eine solche Kopie, die rechts zu sehen ist.

Im Museum "Plagiarius" in Solingen werden Produktfälschungen aus drei Jahrzehnten gezeigt. Sogar Verpackungen werden nachgeahmt. Für einen unkundigen Käufer nur schwer zu unterscheiden.

Die Raubkopien durch deutsche Firmen haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Dieser Steinvogel der Firma Gebrüder Lomprich aus Freiberg (l) wurde innerhalb Deutschlands kopiert. Rechts steht das Plagiat der Firma Tiedemann aus Bad Zwischenahn.

Auch in der Spielzeugbranche wird kopiert, was das Zeug hält. Hier wurde sogar innerhalb einer Stadt geklaut. Das Original der Firma Bruder Spielwaren aus Fürth (l.) und das nachgeahmte Modell der Firma Dickie (r), ebenfalls aus Fürth.

Auch in Berlin gibt es ein Museum für Plagiate mit einzigartigen Stücken. Hier stehen unter anderem diese Murmelbahnen. Rechts das Original von der Firma Walters Spielwaren aus Lauchheim und links ist ein Plagiat davon zu sehen.

Auch in Berlin ausgestellt sind diese Game Boys. Links das Original von Nintendo und rechts das Plagiat aus China.

Am Ende droht den dreisten Kopien jedoch allen das gleiche Schicksal: die Walze. Ein Heidenspaß für den Fahrer und eine kleine Genugtuung für die geprellten Hersteller.

Produktpiraterie hat bis heute Hochkonjunktur. Der jährliche wirtschaftliche Schaden für deutsche Unternehmen wird auf bis zu 30 Milliarden Euro geschätzt.

Nach Einschätzung des Justizministeriums gehen dadurch jährlich etwa 50.000 Arbeitsplätze verloren.

Das hat auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries alarmiert.

Zwischen 1998 und 2004 hat sich die Zahl der Beschlagnahmungen an den EU-Außengrenzen um 1.000 Prozent erhöht.

Bei fünf bis acht Prozent aller weltweit gehandelten Waren, rechnen Experten, handelt es sich um Fälschungen.

Das ist ein Problem. Denn es handelt sich um Klau "geistigen Eigentums", das gleichzeitig Geschäftsgrundlage ist.

Am 26. April 2006, dem "Tag des geistigen Eigentums", forderte die Wirtschaft einen stärkeren Schutz ihrer Geschäftsgrundlage.

Ob Software, Arzneimittel, Kunst oder die Technik eines Handys, gefälscht und nachgeahmt werden fast alle erfolgreichen Produkte.

Original und billige Fälschung am Beispiel von Sportschuhen: Bei den aufgeschnittenen Schuhen sieht man bei der Fälschung anstelle einer federnden Zwischensohle nur Luftkammern. Eine Fersenstütze fehlt.

Bei Spielkarten ist die Fälschung schwerer zu erkennen. Zwei Lkw-Ladungen mit falschen Altenburger Spielkarten wurden in Dortmund bei einem Händler beschlagnahmt ...

... und anschließend auf einer Deponie vernichtet.

Per Dampfwalze werden 1.000 illegal in China kopierte Handbrausen von Hansgrohe zerstört. Mit der Vernichtungsaktion wollte sich das Markenunternehmen gegen die "ausufernde Produktpiraterie aus Fernost" zur Wehr setzen.

Hier wird es bei der Vernichtung nicht so schön knirschen ...

Produktpiraterie wird aber nicht nur in China betrieben. Diese gefälschten Mercedes-Sterne und Blattfedern wurden in der Türkei produziert und dann vom Zoll im Hamburger Hafen beschlagnahmt.

Auch beliebt: "Rolex-Uhren". Hier in der Asservatenkammer des Hauptzollamtes Stralsund.

Ebenfalls in Stralsund zu sehen: gefälschte Markenbekleidung, die für die Beseitigung vorgesehen ist.

Das Plagiat aus Vietnam ist vom Lego-Original kaum zu unterscheiden: aus LEGO wurde LECO.

Überall auf Märkten zu finden: Billig-CDs, illegal vervielfältigt.

Der Transrapid: Für die Entwicklung des Originals benötigten die Konstrukteure von Siemens und Thyssen 20 Jahre.

Die Chinesen konstruierten ihre Magnetschwebebahn in schlappen neun Monaten ... Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Stellt sich die Frage: Wie kann man die Flut an Plagiaten eindämmen?

Zum Beispiel mit sogenannten Holospots, entwickelt von tesa. Der Datenträger ist nur einen Quadratmillimeter groß und kann bis zu einem Kilobyte verschlüsselte Informationen wie Text, Bilder oder Logos speichern.

Sie können als eine Art Barcode fälschungssicher gegen Produktpiraterie und Graumarkthandel auf Produkte aufgebracht werden.

Für Materialanalysen auf der Erde und im Kosmos geeignet ist die "intelligente Nase" - hier eine Variante zum Erkennen von Produktpiraterie. Das Gerät enthält acht Proben von Inhaltsstoffen, die exakt mit denen bestimmter Produkte verglichen werden.

Schließlich soll Bekanntmachen auch helfen: Der "Plagiarius"-Zwerg brandmarkt alljährlich jene Unternehmen, die sich durch besonders dreiste Produktpiraterie auszeichnen.

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