Bilderserie

Im Zeichen von Ölpreis, Brexit, Trump: Schöne Scheinchen und ihre Kurven 2016

Bild 1 von 50
2016 wird das "Jahr der Divergenz", lautete Anfang des Jahres eine große Prophezeiung für das EURO-DOLLAR-Verhältnis - zu Ungunsten der europäischen Währung wohlgemerkt. Das "Auseinanderlaufen" begründeten Experten mit der gegenläufigen Geldpolitik von Europa und den USA. (Foto: REUTERS)

2016 wird das "Jahr der Divergenz", lautete Anfang des Jahres eine große Prophezeiung für das EURO-DOLLAR-Verhältnis - zu Ungunsten der europäischen Währung wohlgemerkt. Das "Auseinanderlaufen" begründeten Experten mit der gegenläufigen Geldpolitik von Europa und den USA.

2016 wird das "Jahr der Divergenz", lautete Anfang des Jahres eine große Prophezeiung für das EURO-DOLLAR-Verhältnis - zu Ungunsten der europäischen Währung wohlgemerkt. Das "Auseinanderlaufen" begründeten Experten mit der gegenläufigen Geldpolitik von Europa und den USA.

Der schnelle Bruch der Parität zum US-DOLLAR galt als ausgemachte Sache. Das Kaufen von Dollar war der "most crowded trade", die weltweit am meisten überlaufene Handelsposition. Der Grund ist denkbar einfach: ...

... Die Kapitalströme fließen gemeinhin dorthin, wo die Zinsen steigen. Genau das sollte in den USA passieren. Allein, die versprochenen Zinserhöhungen ließen lange auf sich warten. Erst im Dezember drehte die Fed an der Zinsschraube.

Dementsprechend schwankte der Euro - gänzlich unspannend - monatelang zwischen 1,07 US-Dollar und 1,15 US-Dollar. Bewegung kam erst mit dem Überraschungssieg von Donald Trump auf.

Euro / US-Dollar

Was der neue US-Präsident für DOLLAR und EURO langfristig bedeutet - abwarten. Überraschungen gibt es immer wieder.

US-Dollar / Euro

Gefallene Währungen, die keiner mehr mit spitzen Fingern anfassen wollte - dazu gehörte Anfang 2016 der RUSSISCHE RUBEL.

Der kollabierte Ölpreis hatte die russische Wirtschaft und die Devise unter Druck gebracht.

Die Gas- und Ölpreise sind im Jahresverlauf gestiegen, die Wirtschaft erholt sich - und damit auch der Rubel.

2014 mussten nur 40 Rubel für einen Euro hingelegt werden. Am Jahresende sind es etwas mehr als 60 Rubel - immerhin aber nicht mehr über 90 wie Mitte Februar.

Euro / Rubel

Den größten Sprung schaffte 2016 der BRASILIANISCHE REAL. Er gehörte vor einem Jahr zu den schwächsten Währungen. Die Gegenbewegung war von Analysten erwartet worden. Brasilien war einst der Hoffnungsträger unter den Emerging Markets.

Aber Brasilien hat unruhige politische Zeiten hinter sich. Die langjährige Präsidentin Dilma Rousseff musste ihren Posten räumen. Das Land leidet an strukturellen Problemen und dem niedrigen Ölpreis.

Aber die brasilianische Konjunktur scheint sich zu erholen. An den Märkten macht sich zuletzt Hoffnung breit, dass die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas den schlimmsten Teil der seit zwei Jahren andauernden Rezession hinter sich haben könnte.

Im September 2016 wurden zweistellige Zuwachsraten beim BIP erzielt - auch dank der Erholung des brasilianischen Real, der gegenüber dem Euro um über 20 Prozent gestiegen ist.

Die Gründe für den steigenden REAL sind zahlreich: Hohe Zinsen haben renditehungrige Investoren angelockt. Der schwache Real machte das Land als Exportstandort für den Weltmarkt wieder interessant. Hinzu kamen erfolgreiche Olympische Spiele in Rio de Janeiro und eine Steueramnestie, ...

... die dem Staatssäckel über 50 Milliarden Real einbrachte. Trotzdem warnen Devisenexperten: Vorsicht bei Währungen wie dem Austral-Dollar oder dem Brasilianischen Real. Sie hängen maßgeblich vom Wachstum Chinas ab.

Euro / Brasilianischer Real

Viel Abwärtsdruck gibt es weiter beim YUAN (Renminbi). Peking betreibt eine systematische Schwächung seiner Landeswährung. 2015 hatte der Yuan gegenüber dem US-Dollar fünf Prozent eingebüßt. Die Entwicklung setzte sich wie erwartet 2016 fort.

Der ins Hintertreffen geratenen Exportindustrie wird durch Markteingriffe eine Atempause verschafft. Kritiker werfen Peking vor, damit einen Handelskrieg anzuzetteln. Ändern tut sich dadurch aber nichts.

Eine Abwertung kann die Bedeutung der Devise auch nicht mindern - mittlerweile ist die auch im exklusiven Währungskorb des IWF angekommen.

Experten trauen China zu, neben den USA ein zweites Kraftzentrum der globalen Märkte zu werden.

Euro / Yuan

2016 sollte es ein Kopf-an Kopf-Rennen zwischen den beiden starken Nicht-Euro-Währungen geben, hatten Experten vorhergesagt. Für das BRITISCHE PFUND und den SCHWEIZER FRANKEN ist es anders gekommen.

BNP Paribas hatte darauf gewettet, dass das Pfund Sterling das Rennen machen und gegenüber dem Franken zulegen würde. 1,70 Franken hatten die Devisenexperten dem Pfund zugetraut. Doch Ende 2016 sind es gerade mal 1,25 Franken.

Größter Belastungsfaktor für das britische Pfund war das Brexit-Referendum. Kurz davor war das Pfund noch 1,45 Dollar wert, danach fiel es auf 1,21 Dollar - der tiefste Stand seit Jahrzehnten. Auch zum Euro verlor das Pfund. Und noch immer überwiegt die Unsicherheit. Wie der EU-Austritt vollzogen werden soll, ist weiter unklar.

Pfund / Dollar

Das schwache Pfund macht Exporte britischer Firmen auf den Weltmärkten zwar attraktiver. Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline etwa verzeichnete dank Währungseffekten einen Gewinnsprung.

Doch zugleich verteuern sich Einfuhren nach Großbritannien. Konzerne wie Unilever wollten laut Medienberichten bis zu zehn Prozent höhere Preise für Produkte wie den beliebten Brotaufstrich Marmite durchsetzen.

Die Supermarktkette Tesco verbannte die Paste deshalb aus den Regalen. Später einigte man sich im "Marmite-Krieg", der Brotaufstrich wird wieder verkauft. Dennoch wurde er zum Symbol der Pfund-Schwäche.

Zuletzt entschieden die Richter des Obersten Gerichts in London, dass die britische Regierung erst nach einer Abstimmung des Parlaments das Verfahren zum Austritt aus der EU einleiten darf. Nach der Entscheidung ging es mit dem Pfund wieder aufwärts. Ausgang offen. Das Urteil des Gerichts könnte den Zeitplan von Premierministerin Theresa May, die den Beginn des Austrittsverfahrens für März angekündigt hatte, verzögern. Die Mehrheit der Parlamtentarier für einen Verbleib in der EU aus.

Der Geheimtipp für 2016 war die SCHWEDISCHE KRONE. Die Devise hatte Ende 2015 gegenüber dem Euro deutlich an Wert gewonnen. Schwedens Wirtschaft entwickelte sich deutlich dynamischer als die Wirtschaft in der Eurozone. Deshalb muss die Riksbank in Stockholm nicht so viel Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpen wie die EZB.

Die Wachstumsraten des Landes zeigen nach oben. Devisenexperten sahen die Krone deshalb auch weiter an Wert gewinnen. Anders als vorhergesagt, konnte der Kurs von neun Kronen je Euro allerdings nicht unterschritten werden.

Euro / Schwedische Krone

Besser lief es bei der NORWEGISCHEN KRONE.

Die steigenden Rohstoffpreise haben einen großen Einfluss auf die Währung Norwegens. Zwei Drittel des Exports macht Erdöl aus.

Mit dem Ölpreis-Anstieg um etwa 50 Prozent seit Jahresbeginn, legte auch die Norwegische Krone deutlich zu.

Luft nach oben sollte 2016 laut Devisenexperten auch der ungarische FORINT haben. Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten seien solide, schrieb zum Beispiel die ING.

Tatsächlich erhielt Ungarn wieder ein Investmentgrade-Rating von Fitch. Weitere Upgrades dürften folgen. Damit nähert sich eine seit fünf Jahren anhaltende Phase, während der Ungarn der Zugang zum internationalen Kreditmarkt faktisch verwehrt war, dem Ende. Die Agenturen honorieren den Schuldenabbau und die Überschüsse in der Leistungsbilanz. Allerdings gibt es auch Negatives: ...

... Budapest will die Staatsausgaben im Vorfeld der Wahlen 2018 deutlich erhöhen und setzt damit die Erfolge der Sparpolitik aufs Spiel. Dazu kommt die Krise in der EU, die besonders auch die Währungen von Ländern wie Polen und Ungarn belastet. Denn deren Abhängigkeit von der EU ist enorm: Vier Fünftel des gesamten Außenhandels Ungarns werden mit anderen EU-Ländern abgewickelt.

Trotzdem ging die Kursentwicklung in die richtige Richtung. Die Prognosen der ING lauteten Anfang des Jahres für das erste und zweite Quartal 2016 305 beziehungsweise 300 Forint für einen Euro. Ende 2016 sind es 310 Forint.

Euro / Forint

Keine Chance auf Besserung wurden den Rohstoffwährungen wie dem AUSTRALIEN-DOLLAR, ...

.... dem NEUSEELAND-DOLLAR, ...

... dem KANADA-DOLLAR und dem ...

... SÜDAFRIKANISCHEN RAND Anfang 2016 ausgerechnet. Viele dieser Währungen haben zwar im Vergleich zum Vorjahr Boden gut gemacht, ...

... aber die Devisen der Rohstoffländer werden auch in absehbarer Zukunft "in hohem Maße anfällig" bleiben, sagen Experten voraus.

Neben dem Rückgang der Rohstoffpreise und der Schwäche des wichtigen Handelspartners China drücken auch selbst verursachte Probleme der Länder auf die Währungen.

Die Geldströme fließen an den Anleihen- und Geldmärkten von Australien, Neuseeland und Südafrika vorbei. Sie suchen Häfen, die höhere Zinsen versprechen - wie zum Beispiel die USA. (ddi)

weitere Bilderserien