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ThyssenKrupp in der Krise: Stahlhart im Umbruch

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Im Traditionskonzern brennt es an allen Ecken und Enden. Nach zahlreichen Skandalen bemüht sich ThyssenKrupp ... (Foto: picture alliance / dpa)

Im Traditionskonzern brennt es an allen Ecken und Enden. Nach zahlreichen Skandalen bemüht sich ThyssenKrupp ...

Im Traditionskonzern brennt es an allen Ecken und Enden. Nach zahlreichen Skandalen bemüht sich ThyssenKrupp ...

... um den dringend notwendigen Neuanfang. Die Hälfte des Vorstandes wird vor die Tür gesetzt, aber den Aktionären reicht das nicht.

Der Unmut der Anleger fokussiert sich auf den langjährigen Aufsichtsrats-Boss Gerhard Cromme. Unter dem wachsenden Druck tritt auch er zurück.

Künftig soll Ex-Henkel-Chef Ulrich Lehner die Geschicke des Mischkonzerns kontrollieren. Aber auch diese Personalie ist umstritten. Lehner ist in seiner Eigenschaft als Verwaltungsratsmitglied des Schweizer Pharmakonzerns Novartis in die Schlagzeilen geraten.

Als Novartis-Verwaltungsrat hat Lehner eine geplante 72 Millionen Franken schwere Abfindung für den ehemaligen Konzernchef Daniel Vasella (r.) durchgewunken, gegen die Aktionärsvertreter geklagt haben.

In einer Pressemitteilung stellt ThyssenKrupp klar, dass die aktuellen Herausforderungen wie der Verkauf von Steel Americas und das Vorantreiben des umfassenden Veränderungsprozesses eine "umfassende Handlungsfähigkeit des Aufsichtsrates" benötigen.

Aus diesem Grund habe man sich für eine interne Lösung entschieden. Die macht den Neuanfang nicht leichter. Der neue Aufsichtsratschef Lehner und Vorstandschef Heinrich Hiesinger kämpfen schon jetzt an vielen Fronten. Hier die wichtigsten:

ERTRAGSSCHWÄCHE: ThyssenKrupp fährt im vergangenen Geschäftsjahr einen Nettoverlust von fünf Milliarden Euro ein. Zudem drücken den Mischkonzern mit rund 150.000 Beschäftigten Schulden von über 5,2 Milliarden Euro.

Ratingagenturen stufen die Kreditwürdigkeit herunter - das macht Kredite für das Unternehmen teurer.

KONJUNKTURANFÄLLIGKEIT: Das Stahlgeschäft leidet unter einer schwachen Nachfrage und dem Preisdruck in Europa. (Im Bild: Das 22 Meter Tiegelgussdenkmal von Bildhauer Artur Hoffmann vor der ThyssenKrupp Zentrale.)

Hiesinger will Tausende Stellen streichen und das Gewicht der Sparte im Konzern, der auch Aufzüge, Anlagen, Fregatten oder U-Boote baut, zurückdrängen.

Auseinandersetzungen mit den Arbeitnehmervertretern sind vorprogrammiert. Lehner muss vermitteln.

DESASTER MIT STAHLWERKEN IN ÜBERSEE: ThyssenKrupp verbrennt bei den neuen Werken in Brasilien und den USA Milliardensummen und will sie rasch abstoßen. Eine Entscheidung steht unmittelbar bevor. (Im Bild: Das Werksgelände des neuen Stahl- und Hüttenwerkes von ThyssenKrupp an der Sepetiba-Bucht bei Rio de Janeiro.)

Lehner muss als Aufsichtsratschef die Entscheidung für den Käufer mittragen. Da er aber bereits seit 2008 dem Kontrollgremium angehört, muss auch er sich fragen, wie es zu dem Desaster kommen konnte. (Im Bild: Der werkseigene Hafen des ThyssenKrupp-Stahlwerkes an der Bucht von Sepetiba.)

KARTELLVERSTÖSSE UND KORRUPTIONSVORWÜRFE: Lehner erklärt das Thema Corporate Governance, also die gute Unternehmensführung, zum Schwerpunkt seiner Arbeit im Aufsichtsrat erklärt. Hier hat er viel zu tun. Der Konzern wird von Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschüttert.

ThyssenKrupp drohen allein von der Deutschen Bahn Schadenersatzforderungen in dreistelliger Millionenhöhe. Sollte sich ein Verdacht auf Kartellabsprachen bei Lieferungen für die Autoindustrie bestätigen, könnte dies noch teurer werden.

RAMPONIERTER RUF: Der Ruf des einst stolzen Unternehmens ist durch Pleiten, Pech und Pannen und die Korruptionsvorwürfe ramponiert. "Es herrschte offenbar bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten", beklagt Hiesinger heute. (Im Bild: Blick in das Mittelschiff der VIII. Mechanischen Werkstatt der Gussstahlfabrik Fried. Krupp in Essen um 1905.)

Hiesinger will aufräumen und eine neue Unternehmenskultur einführen, in der Seilschaften und blinde Loyalität nicht wichtiger sind als unternehmerischer Erfolg. Und Lehner, der als langjähriges Mitglied des ThyssenKrupp-Aufsichtsrats auch die Fehlentscheidungen der vergangenen Jahre selber mitgetragen hat, soll ihn dabei unterstützen.

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