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Wirtschaft

Einlass auch für Sünder: Steuerparadiese 2008

 
Über das Paradies existieren unterschiedliche Vorstellungen. Ob dort Harfen zupfende Engel oder ein Harem voller Jungfrauen warten, ob dort überhaupt irgendetwas wartet - wir wissen es nicht.

Über das Paradies existieren unterschiedliche Vorstellungen. Ob dort Harfen zupfende Engel oder ein Harem voller Jungfrauen warten, ob dort überhaupt irgendetwas wartet - wir wissen es nicht.

Das Jenseits übersteigt selbst die Kompetenz der Ratgeber-Redaktion (aber halten Sie sich sicherheitshalber von den Apfelbäumen fern, wenn Sie dort sind).

Wenn wir uns jetzt trotzdem mit dem Paradies befassen, dann meinen wir ein ganz und gar irdisches: Das Steuerparadies.

Zur Freude von Anlegern und Großverdienern verfügt es über zahlreiche Dependancen an äußerst attraktiven Standorten.

Das Beste: Um reinzukommen, müssen Sie nicht tot sein.

Sie brauchen auch keine weiße Weste vorzuweisen.

Eins sollten Sie aber mitbringen: Geld.

Je mehr man davon hat, desto mehr Gedanken verwendet man darauf, es auch zu behalten. Und da der deutsche Fiskus als einigermaßen gierig verschrien ist, siedelt man gerne dort, wo der Staat mit weniger zufrieden ist.

Wo sich das Geld wohlfühlt, dort herrschen meist auch angenehme Bedingungen für seine Besitzer. Denn Steueroasen liegen für gewöhnlich nicht in der Arktis, sondern dort, wo andere Urlaub machen.

Auf den Bahamas zum Beispiel. Mit ihren Postkartenstränden, großartigem Wetter und atemberaubenden Felsklippen erfüllt die Inselgruppe jedes Karibikklischee. Von 700 Inseln sind wegen des Süßwassermangels allerdings nur 29 bewohnt.

Hohe Zölle sorgen für ein beachtliches Preisniveau. Das stört Touristen aber mehr als die Einwanderer. Die können drei Dollar für eine Dose Bier leicht wegstecken, schließlich zahlen sie sonst nicht viel.

Denn als ausländische Privatpersonen werden sie hier weder mit Einkommensteuer noch mit Vermögens-, Schenkungs-, Erbschafts-, Quellen- oder Kapitalertragssteuer behelligt.

Der Staat finanziert sich hauptsächlich über Zölle und eine Stempelsteuer. Außerdem müssen Grundstücksbesitzer bis zu 1,5 Prozent Grundsteuer abführen. Wer es etwas geschickt anstellt, kann sich davon aber befreien lassen.

Steuerhinterziehung ist übrigens nicht strafbar und die Bahamas haben auch kein Doppelbesteuerungsabkommen mit anderen Staaten abgeschlossen.

Für jemanden, der sich alle Jahre wieder mit Anlage N, SO oder KAP herumschlagen muss und einen Gutteil seiner Einnahmen dem Staat zur Verfügung stellt, klingt das schon sehr verlockend.

Bleibt noch eine Frage offen: Warum sitzen wir alle noch hier?

Tja, das ist eben der Haken am Paradies: Nicht jeder kommt rein. Wenn Sie sich dauerhaft auf den Bahamas niederlassen wollen, sollten Sie schon ein Vermögen im sechsstelligen Dollarbereich nachweisen können.

Sehr hilfreich für die Einbürgerung ist es, eine Immobilie auf den Bahamas zu erwerben. Mit einer simplen Fischerhütte ist es allerdings nicht getan, 500.000 Dollar sollten Sie schon investieren. Eventuell wird die Grenze auf eine Million erhöht, also beeilen Sie sich!

Soviel wollten Sie eigentlich nicht ausgeben? Dann versuchen Sie es doch mal auf den Niederländischen Antillen.

Die sehen auf den ersten Blick gar nicht wie eine Steueroase aus. Bis zu 39 Prozent reicht der Einkommensteuersatz - da kann man auch gleich hier bleiben.

Obwohl: Der Winter ist in der Karibik auf jeden Fall angenehmer.

Und wenn Sie es geschickt anstellen, können Sie Ihren Einkommensteuersatz auf bescheidene zehn Prozent drücken.

Alles, was Sie dafür tun müssen: Ein Haus für rund 250.000 Dollar kaufen und für 30 Stunden pro Woche einen Hausangestellten beschäftigen.

Außerdem müssen Sie Ihren 50. Geburtstag schon hinter sich haben. Schließlich sollen Sie keinem Inselbewohner den Arbeitsplatz wegnehmen.

Das Bermuda-Dreieck ist als das schwarze Loch des Atlantiks bekannt. Magische Anziehungskraft üben die Bermudas ansonsten vor allem auf die Hochfinanz aus.

Über 9.000 registrierte internationale Gesellschaften residieren auf gerade mal 53 Quadratkilometern. Viele dürften allerdings nur mit einem Briefkasten vertreten sein.

Die Bedingungen sind aber auch wirklich einladend: Keine Unternehmenssteuer, keine Kapitalertragssteuer, keine Einkommens- und Mehrwertsteuer. Davon profitieren auch die 66.000 Einwohner der Bermudas.

Der Staat finanziert sich hauptsächlich über Grundsteuern und Importzölle. Wer die Insel betritt oder verlässt, zahlt bis zu 60 Dollar. Und auch sonst ist das Leben nicht gerade günstig.

Den Bermudianern wird das wenig ausmachen, immerhin liegt das BIP bei 75.000 Dollar pro Kopf - mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland.

Das wundert jetzt keinen: Arbeitslosigkeit kennt man in der Britischen Kronkolonie kaum. Damit das auch so bleibt, sind die Einwanderungsbedingungen streng. Arbeitserlaubnisse werden - wenn überhaupt - nur für die Dauer eines Jahres vergeben.

"Ich will da ja gar nicht arbeiten", werden Sie vielleicht einwenden. Doch auch wenn Sie auf den Bermudas nur ihr Vermögen verbraten wollen, wird es nicht einfach.

Denn wo Geld im Überfluss ist, ist der Platz meistens rar. Das wenige verfügbare Land soll vorrangig den Einheimischen vorbehalten sein. Und so werden die meisten, die Einlass in dieses Paradies wünschen, an der Pforte abgewiesen.

Mehr Glück könnten Sie auf den Kaimaninseln haben. Dort ist man durchaus bereit, Neubürger aufzunehmen - sofern diese genug Geld mitbringen.

Ihren Status als fünftgrößtes Finanzzentrum der Welt verdanken die Kaimaninseln dem englischen König George III. Aus Dankbarkeit für die Errettung britischer Schiffbrüchiger befreite der die Kronkolonie für alle Zeit von Steuern.

Uneingeschränkte Möglichkeiten zur Kapitalbewegung und ein fest verankertes Bankgeheimnis machen die Inseln vor allem bei Fondsgesellschaften beliebt, auch Banken und Versicherer sind zahlreich vertreten.

Insgesamt residieren hier 70.000 Unternehmen verschiedener Couleur - zumindest offiziell.

Auf den Kaimaninseln arbeitet vor allem das Geld. Um die Tourismusbranche, den zweiten großen Wirtschaftszweig, am Laufen zu halten, ist man auf Gastarbeiter angewiesen. Diese kommen vor allem aus dem nahen Jamaika.

Wenn Sie Ihr Glück auf den Inseln versuchen wollen, ohne ein Vermögen mitzubringen, können sie sich auch um eine Arbeitserlaubnis bemühen. Die gilt aber höchstens für sieben Jahre.

Auf Einbürgerung können nur reiche Rentner, Investoren oder Unternehmer hoffen.

Für weniger Betuchte bleibt ansonsten nur eine Möglichkeit: finden Sie einen Kaimaner oder eine Kaimanerin, der oder die Sie heiratet.

So einfach ist das Einwandern in Anguilla nicht. Käme jeder, der will, wären die echten Anguillaner bald in der Minderheit - insgesamt leben keine 14.000 Menschen auf der Koralleninsel östlich von Puerto Rico.

Die besten Chancen auf eine Arbeitserlaubnis haben wohl Finanzfachleute. Denn der wichtigste Wirtschaftszweig neben dem Luxustourismus ist das Offshore-Banking.

Wer will, kann hier schnell und unkompliziert ein Unternehmen gründen. Das lohnt sich, denn von Einkommens-, Körperschafts- oder Erbschaftssteuer will hier niemand etwas wissen. Einwohner und Anleger freut das gleichermaßen.

Die Abwesenheit von Steuergesetzen hat den Nebeneffekt, dass das, was andernorts als Steuerhinterziehung geahndet wird, hier niemanden interessiert. Die Banken halten sich eisern an die Schweigepflicht.

Doch das Steuerparadies Anguilla hat auch Schattenseiten - zumindest für Fußballfans: Die Nationalmannschaft ist laut Fifa-Ranking eine der schlechtesten der Welt.

Die Britischen Jungferninseln stehen fußballtechnisch nur unwesentlich besser da - aber wegen sportlicher Highlights wird sich wohl auch niemand in der Karibik ansiedeln.

Wegen der Steuer schon eher: Seit 2004 wurden Einkommens- und Körperschaftssteuer im britischen Überseegebiet auf Null heruntergeschraubt.

Auf internationalen Druck hin wurden im gleichen Jahr andere Vorteile für Offshore-Unternehmen abgeschafft. Dem Status als Steueroase hat das kaum geschadet.

450.000 Unternehmen sind auf der Insel aktiv - und jedes Jahr kommen 60.000 weitere hinzu. Und das bei gerade mal 24.000 Einwohnern.

Kleiner Wermutstropfen für EU-Bürger: Sie zahlen 15 Prozent Quellensteuer auf Zinseinkünfte. Am besten also, man wird gleich selbst zum Insulaner.

Doch leider sind die Behörden in Einwanderungsfragen sehr pingelig. Ausländer sind als Touristen willkommen - aber nur, wenn sie nach vier Wochen wieder gehen.

Wer es schafft, auf der Inselgruppe ein Häuschen zu erwerben, darf auch länger bleiben. Doch bis zur Einbürgerung ist es immer noch ein weiter Weg.

Nun ist das karibische Tropen-Klima ohnehin nicht jedermanns Sache. Und ganz ungefährlich ist es in der Region auch nicht: Der Fluch der Karibik sind Wirbelstürme, welche die Inseln immer häufiger heimsuchen.

Wie schön, dass auch außerhalb des Atlantik die eine oder andere Steueroase lockt. Auch am Persischen Golf gibt Sonne und liberale Steuergesetze - zur Freude westlicher Ausländer, die man hier gerne aufnimmt.

Rund 7.500 Deutsche leben in der "Schweiz des nahen Ostens" und gehören damit zu den 80 Prozent Ausländern in Dubai. Die meisten Migranten kommen allerdings nicht wegen der Steuer, sondern als ungelernte Gastarbeiter.

Doch auch für Hochqualifizierte lohnt sich der Umzug nach Dubai. Denn wo Öl im Überfluss fließt, kann der Staat seine Bürger unbehelligt lassen. Einkommensteuer gibt es nicht und auch die Sozialabgaben sind zu vernachlässigen.

Deutsche profitieren vom Doppelbesteuerungsabkommen Deutschlands mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. Denn Geld, das man hier verdient, gilt auch als hier versteuert - auch wenn der Steuersatz gleich Null ist.

Sicher vorm deutschen Fiskus sind Sie allerdings nur, wenn Sie Ihren Wohnsitz nach Dubai verlagern. Ab und zu in der dortigen Ferienwohnung vorbeizuschauen, reicht nicht.

Außerdem sollten sie sich mit dem auf der Scharia basierenden Rechtssystem anfreunden können. So können Sie vor Gericht landen, wenn Sie betrunken in der Öffentlichkeit herumlaufen und Homosexualität ist ein Vergehen.

Auch das Wetter entfernt sich von paradiesischen Zuständen, zumindest im Sommer. Dann erreichen die Temperaturen bis zu 45 Grad. Das muss man mögen.

Ganz offensichtlich: Dubai ist ein Ort der Extreme. Wo tausende Gastarbeiter für weniger als fünf Euro Stundenlohn schwitzen, herrscht gleichzeitig die höchste Millionärsdichte der Welt. 68.000 Dollar-Millionäre tummeln sich hier.

Fast ebenso viele Superreiche residieren in Hongkong - warum ihnen nicht ein wenig Gesellschaft leisten?

Zugegeben, wirklich optimal sind die Lebensbedingungen in der chinesischen Sonderverwaltungszone nicht. Wohnraum ist knapp, und mit dem feuchten subtropischen Klima kommt auch nicht jeder zurecht.

Dafür hat die Stadt anderes zu bieten: niedrige Steuern zum Beispiel. Von einem Spitzensteuersatz von 17 Prozent aufs Einkommen können Deutsche nur träumen. Kapitaleinkünfte und Zinsen bleiben völlig steuerfrei.

Daneben gehört Hongkong zu den Gegenden mit dem höchsten Lohnniveau weltweit - davon können Sie natürlich nur profitieren, wenn Sie einen der gut bezahlten Jobs ergattern können.

Als Hilfsarbeiter brauchen Sie es gar nicht erst zu versuchen, die werden aus China rekrutiert.

Eine Arbeitsgenehmigung gibt es nur, wenn sie den Arbeitsvertrag schon in der Tasche haben. Gute Chancen haben - Überraschung! -Finanzfachleute, aber auch Handels- und Hotelfachkräfte sowie Ingenieure können sich Hoffnungen machen.

Ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland besteht nicht. Wenn Sie die Vorteile des Hongkonger Steuerrechts genießen wollen, müssen Sie sich vom deutschen Finanzamt freistellen lassen.

Vielleicht wollen Sie sich gar nicht selbst in Asien ansiedeln, sondern nur Ihr Vermögen. Wenn Sie Ihre Kapitaleinkünfte nicht mit dem Fiskus teilen möchten, führt der einfachste Weg über die Schweiz oder Liechtenstein.

Dortige Banken sind bekanntlich gern dabei behilflich, Ersparnisse in Drittstaaten zu transferieren, die kein Quellensteuerabkommen mit der EU geschlossen haben.

Ein Nachteil des Paradieses ist, dass es nicht direkt um die Ecke liegt. Nicht jeder siedelt sich zwölf Flugstunden entfernt von der Heimat an, um außer Greifweite deutscher Finanzbehörden zu gelangen.

Doch auch auf europäischem Boden sind dem Fiskus die Hände gebunden, wenn man es geschickt anstellt.

So kann auch Großbritannien ein Steuerparadies sein - solange man nicht selbst Brite ist. "Non-domiciled" heißt das Zauberwort, mit dem vor allem Banker, aber auch andere Zuzügler aus dem Ausland ihr Einkommen am Finanzamt vorbeischleusen.

Wer seinen Wohnsitz auf die Insel verlagert, gilt erst nach einigen Jahren als steuerlich ansässig. Bis dahin werden nur Einkünfte versteuert, die nach Großbritannien überwiesen werden.

Der Trick: Der Arbeitgeber schickt das Gehalt an eine Bank auf den Kaimaninseln. Die Briten interessiert's nicht und die deutschen Behörden können sowieso nichts ausrichten, schließlich gibt es ein Doppelbesteuerungsabkommen.

Allerdings zieht am Himmel der britischen Steueroase leichte Bewölkung auf: In den kommenden Jahren sollen die Freibeträge der "Nondoms" sinken.

Bleibt am Ende noch die Schweiz. Die dortigen Kantone und Gemeinden haben bei den Steuergesetzen einiges mitzureden. Das nützt vor allem richtig Wohlhabenden, die sich als "Pauschalisten" in der Schweiz niederlassen.

Getreu dem Motto "Wie angelt man sich einen Millionär?" lassen die Gemeinden in Steuerfragen durchaus mit sich reden. Diese Großzügigkeit wissen nicht nur Prominente wie Michael Schumacher oder der Molkereien-Magnat Theo Müller zu schätzen.

Inzwischen regt sich jenseits der Alpen schon Widerstand gegen die Landnahme der reichen Piefkes. Angesichts steigender Immobilienpreise fürchten einige Schweizer die Gentrifizierung der Eidgenossenschaft.

Wenn Sie keine unselige Zwietracht im Steuerparadies säen wollen, bleiben Sie vielleicht doch besser hier.

Im Hinblick aufs jenseitige Paradies ist das sowieso die sicherste Variante. Denn wer weiß, ob Steuerflüchtlinge dort überhaupt reingelassen werden? (Text: Isabell Noé, Bilder: AP, dpa, pixelio)

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