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Schöne neue Börsenwelt: Die Handelsplätze in Fernnost haben dieses Jahr immer neue hübsche Knospen getrieben. Kaum zu glauben, aber wahr: Die Hongkonger Börse schaffte es sogar, die New York Stock Exchange vom Thron zu stoßen und Weltmeister bei den Börsengängen zu werden.
In Hongkong wurde das meiste Geld aufgenommen. Die 47 IPOs in diesem Jahr hatten ein Emissionsvolumen von insgesamt 17,7 Mrd. Dollar. Die New York Stock Exchange konnte lediglich 16,9 Mrd. Dollar für sich verbuchen.
Hang Seng
Die jüngste und frischeste Blüte an der Hongkonger Börse war zum Jahresende der chinesische Windkraft-Konzern China Longyuan Power Group. Unternehmenschef Zhu Yongpeng war sichtlich zufrieden.
Die Börsengänge der chinesischen Unternehmen in Hongkong locken mittlerweile Heerscharen von ausländischen Investoren an. Asien verleiht dem Börsenparkett damit die dringend notwendige frische Politur.
Insgesamt sechs der weltweit größten Börsenstarts in diesem Jahr kamen aus dem Asien-Pazifik-Raum. Nur vier stammten nicht aus dem asiatischen Raum. Die hohe Zahl der Börsenneuzugänge in den Schwellenländern ist maßgeblich der Welle an Privatisierungen zuzuschreiben.
Der Rest der Welt mischt fast nur noch am Rande mit. Brasilien steuerte immerhin noch zwei der größten Börsenneulinge bei, darunter das größte IPO überhaupt in 2009: Die Banco Santander Brasil sammelte von den Anlegern 8,07 Mrd. Dollar ein.
Banco Santander Brasil
Das einzige US-Unternehmen unter den Top Ten findet sich auf Platz neun wieder: es ist der US-Spezialist für Versicherungsmathematik, Verisk Analytics, mit einem Volumen von vergleichsweise mageren 2,16 Mrd. Dollar.
Verisk Analytics
Auch aus Europa schaffte es nur ein Börsengang unter die größten zehn, die Polska Grupa Energetyczna (im Bild der Vorstandsvorsitzende Tomasz Zadroga), die mit 2,1 Mrd. Dollar auf dem letzten Platz der Top Ten die rote Laterne hält.
Ansonsten wird die Oberliga aus Asien bestückt. Bereits auf Platz zwei des weltweiten Rankings rangiert die chinesische Hausbaufirma CSCEC (China States Construction Engineering Corporation) ...
... mit einem Emissionsvolumen von 7,34 Mrd. Dollar. (Im Bild CEO Sun Wenjie)
CSCE ist damit die unangefochtene Nummer eins der Börsenneulinge in Asien.
China State Construction
Auf Platz drei der internationalen Liste folgt gleich das nächste chinesische Unternehmen: die Metallurgical Corporation mit einem Emissionserlös von fünf Mrd. Dollar.
In Asien finden sie sich auf Platz zwei der zehn größten IPOs wieder. Darüber konnte sich Metallurgical-Chef Liu Benren sichtlich freuen.
Metallurgical
Metallurgical hatte kürzlich mit einem Gebot für die Nickelmine Raventhorpe von BHP Billiton von sich Reden gemacht. Metallurgical ging dabei allerdings leer aus. Den Zuschlag bekam für 340 Mio. Dollar die kanadische Gesellschaft First Quantum Minerals.
Konzentrieren wir uns bei den Börsengängen auf Asien: ...
… Drittgrößter asiatischer Börsenneuling (und fünftgrößter Börsengang weltweit) ist China Minsheng Banking. Das Kreditinstitut nahm beim IPO 3,9 Mrd. Dollar ein.
Minsheng war das erste private chinesische Kreditinstitut, das 2009 in der Sonderverwaltungszone Hongkong an die Börse ging. Die Bank blickte beim Börsengang wegen schlechter Marktlage bereits auf zwei erfolglose Versuche zurück.
Dass ein Börsenneuling auch in Asien nicht vor der Krise gefeit ist, zeigte sich bei der Erstnotiz.
China Minsheng-Chairman Dong Wenbiao war in erster Linie froh, am Ziel der Parkettträume angekommen zu sein. Diese Tatsache konnte die Sorgen bei Anlegern wegen schärferer Kapitalanforderungen an Finanzinstitute nicht vertreiben.
Der erste Handelstag auf dem Parkett geriet so zur Rutschpartie. Die Aktie verlor am Ende drei Prozent.
China Minsheng
An vierter Stelle im asiatischen Ranking 2009 folgt ein Börsenneuling aus Malaysia: Maxis, Malaysias größter Mobilfunkbetreiber, erlöste im November 3,3 Mrd. Dollar.
Dass die Hongkonger Börse zunehmend auch für US-Unternehmen interessant ist, zeigt sich unter anderem an den IPOs von Wynn Macau und Sands China Ltd. Beides sind Tochtergesellschaften von US-Casino- und Ressortbetreibern.
Sands China steuerte die chinesische Sonderverwaltungszone Macau der Liste der Top Ten der Börsengang bei.
Milliardär und Kasinobetrieber Sheldon Adelson, hier mit seiner Frau Miriam, sammelte bei dem Börsengang seines "Ablegers", in dem die die Macau-Aktivitäten von Las Vegas Sand ausgegliedert sind, 2,5 Mrd. Dollar ein. Damit kommt Sands auf Platz 5 der asiatischen Rangliste.
Auch Sands China hatte es am ersten Handelstag nicht leicht. Die Aktie rutschte an ihrem ersten Handelstag über zehn Prozent unter ihren Startkurs.
Sands China
Ein weiteres Schwergewicht unter den Neuzugängen in Hongkong war Longyuan. Das 2,2 Mrd. US-Dollar schwere IPO von Asiens größtem Windkraftanlagenbetreiber ist der sechstgrößte Börsengang Asiens und gleichzeitig der achtgrößte der Welt.
Im Vorfeld des Börsenganges waren die Aktien bereits 230-fach überzeichnet. Einer der großen Investoren war der chinesische Staatsfonds China Investment Corp. Er war mit 400 Mio. US-Dollar in die Zeichnung eingestiegen.
Longyuan Power
Chinas größter Schiffsausrüster China Shipbuilding Industry nahm bei seinem IPO annähernd 2,2 Mrd. Dollar ein ...
... und macht sich damit auf dem siebten Platz breit.
Auf Platz acht folgt ein Börsenpionier aus Singapur: CapitaMall Asia, der unwesentlich weniger, nämlich 2,0 Mrd. US- Dollar bei seinen Anlegern einsammelte.
CapitaMall Asia
Auch die größte Kaufhauskette Australiens, Myer, nährte 2009 die Hoffnung, dass die IPO-Märkte in der asiatisch-pazifischen Region sich erholen. Myer-Vorstandschef Bernie Brookes nahm bei dem Börsengang auch 2,0 Mrd. US-Dollar ein.
Damit landete der Konzern auf Platz neun des asiatischen Rankings. Mit dem Geld sollen Schulden abgebaut werden. Myer ist seit 2006 im Besitz der US-Beteiligungsgesellschaft TPG, die zusammen mit einem Konsortium 1,4 Mrd. Dollar für den Deal geboten hatte.
Myer Holdings
Im Okotober suchte Whynn Macau das Glück in der ehemaligen portugiesischen Kolonie. Die "Hunde" bissen CEO Ian Michael nicht, auch wenn das IPO das Schlusslicht der asiatischen Top Ten bildet. Die neue Aktie erlöste immerhin noch 1,9 Mrd. US-Dollar und sprang bei ihrem Debüt um 13 Prozent in die Höhe.
Whynn Macau
Das Beste aber ist: 2009 ist nur fast vorbei. Noch geht hier was.
Denn mit dem Börsengang des drittgrößten chinesischen Lebensversicherers China Pacific Insurance steht noch einer der größten Börsengänge dieses Jahres in Hongkong an. (Auf dem Bild eine Frau, die vor dem Versicherungsgebäude in Schanghai protestiert)
China Pacific Insurance ist bereits in Schanghai notiert. In Hongkong soll das Handelsdebüt am 23. Dezember erfolgen. An dem in Schanghai ansässigen Versicherer ist die US-amerikanische Carlyle Group beteiligt.
Und 2010 soll die Party weitergehen in Hongkong weitergehen. Mögliche neue Superlativen werfen bereits ihre Schatten voraus.
So hat die American International Group bestätigt, dass sie ihre asiatische Lebensversicherungs-Einheit, die AIA Group Ltd, in Hongkong listen will.
Das wäre nichts Außergewöhnliches, würde nicht ein Volumen von möglichen zehn Mrd. US-Dollar im Raum stehen. Sollte es bei diesem Umfang bleiben, wäre dies einer der größten Börsengänge in der ganzen Welt. (Text: Diana Dittmer; Bilder: ap/rts)
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