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Rüstungsmesse in Abu Dhabi: Waffenschau im Schatten des Krieges

Von Martin Morcinek

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Bizarres Schauspiel am Persischen Golf: In Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, laden die Scheichs regelmäßig Rüstungskonzerne aus aller Welt zu lautstarken Show-Vorführungen und diskreten Verkaufsgesprächen ein. (Foto: AP)

Bizarres Schauspiel am Persischen Golf: In Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, laden die Scheichs regelmäßig Rüstungskonzerne aus aller Welt zu lautstarken Show-Vorführungen und diskreten Verkaufsgesprächen ein.

Bizarres Schauspiel am Persischen Golf: In Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, laden die Scheichs regelmäßig Rüstungskonzerne aus aller Welt zu lautstarken Show-Vorführungen und diskreten Verkaufsgesprächen ein.

Die "International Defence Exhibition" (IDEX) findet alle zwei Jahre statt. Diesmal jedoch steht die Messe unter besonderen Vorzeichen: In Syrien und dem Nordirak kämpft eine internationale Allianz gegen fanatische Dschihadisten. Und mit dem Krieg in der Ukraine schwelt am Rande Europas ein blutiger Großkonflikt.

Die IDEX zählt zu den größten und wichtigsten Waffenschauen der Welt. Mit Stolz berichtet der Veranstalter, dass das Treffen der Rüstungsriesen zuletzt immer weiter an Bedeutung gewinnt.

Für Waffenhändler ist es der perfekte Treffpunkt: "Wenn du hier nicht dabei bist, dann machst du in dieser Region keine Geschäfte", erklärt ein britischer Messeteilnehmer.

Die "Region" besteht dabei nicht nur aus den ölreichen Staaten am Golf, die seit Jahren massiv aufrüsten und dazu enorme Mittel in die Verteidigungsausgaben lenken können.

Die IDEX gilt als Leitmesse für den gesamten arabischen Raum und für alle Staaten des afrikanischen Kontinents.

Die IDEX deckt damit ein breites Spektrum der derzeit blutigsten Krisenherde ab. Die Messe bietet Herstellern Zugang zu einer Vielzahl rohstoffreicher und rüstungsfreundlicher Staaten.

Wer die neuesten Waffensysteme sehen oder kaufen will, wird hier schnell fündig: Alle großen Rüstungskonzerne sind auf der IDEX mit mindestens einem Stand oder gleich einem ganzen Pavillon vertreten.

Die Liste der Aussteller liest sich wie das Who's who der internationalen Rüstungsindustrie. Aus den USA haben sich laut Veranstalter insgesamt 168 Delegationen angemeldet (Bild: bei der IDEX 2007).

Aus Russland stammen 47 der Austeller, darunter auch der legendäre Sturmgewehrhersteller Kalaschnikow. China ist mit 40 Rüstungs- und Elektronikfirmen vertreten, Frankreich mit 59, die Schweiz mit 28, Griechenland mit 12.

Aus Deutschland stammen den Veranstalterangaben zufolge 70 Unternehmen, die hier am Golf um Kunden werben und um Großauifträge buhlen (Bild: bei der Messe DSEI 2013 in London).

Auf der Ausstellerliste finden sich bekannte Namen wie etwa Diehl aus Nürnberg, die Eurofighter Jagdflugzeug GmbH aus Hallbergmoos, Jenoptik aus Jena, Krauss Maffei Wegmann aus München, MTU Friedrichshafen, die Lürssen Werft aus Bremen, Rheinmetall aus Düsseldorf sowie Großkonzerne wie ThyssenKrupp und auch Daimler.

Die Messe am Golf bietet für Waffenhersteller, Zulieferer und Exporteure exzellente Bedingungen: In Abu Dhabi erwartet die Rüstungsvertreter nicht nur sehr viel Geld und Begeisterung für neueste Militärtechnologie, sondern auch ungeschmälerte Budgets. Sparvorgaben im Verteidigungssektor sind hier - anders als etwa in Europa oder den USA - nahezu unbekannt.

Und für Messebesucher besonders komfortabel: Der Branchentreff findet praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Proteste von Rüstungsgegnern oder kritische Fragen von Journalisten sind in den autoritär regierten Emiraten kaum zu erwarten.

Trotzdem dringen Bilder wie diese hier an die Öffentlichkeit: Demonstrativ stattet der ukrainische Präsident Petro Poroschenko (3.v.l.) der Waffenmesse am Golf einen ausführlichen Besuch ab.

Zusammen mit seiner Frau Mayrna und großem Tross schaut Poroschenko beim ukrainischen Pavillion vorbei.

Nebenbei findet Poroschenko Zeit für einen Selfie-Schnappschuss mit PR-Offiziellen des Messeveranstalters.

Was wie eine entspannte Werbetour für ukrainische Technologieexporte wirkt, hat einen brisanten Hintergrund: Der Staatschef der Ukraine informiert sich in Abu Dhabi auch über schwere Waffensysteme wie Panzer und Artilleriesysteme.

Der halbwegs entspannte Auftritt kann den Ernst der Lage nicht verdecken: Hier geht es nicht um die Faszination an der Technik, sondern um todbringende Geräte.

Die Ukraine befindet sich im Krieg und der Gegner verfügt über mächtige Unterstützer.

Die Regierung in Kiew scheint nicht auf die in Minsk vereinbarte Waffenruhe mit prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine zu vertrauen.

Poroschenko ist hier, um weitere Waffenlieferungen zu vereinbaren. Am Rande der Messe trifft er in Abu Dhabi hochrangige Regierungsmitglieder wie Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum (M.), um den Verkauf von Kriegsmaterial an die Ukraine auf den Weg zu bringen.

Die Waffen seien "rein defensiv" und nur dazu gedacht, die "territoriale Integrität" der Ukraine zu bewahren, betont Poroschenko.

Im Beisein des Präsidenten unterzeichnen beide Seiten eine Vereinbarung über eine militärtechnische Kooperation zwischen der Ukraine und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Im Begleitprogramm der Messe bekommen die Vertreter von insgesamt mehr als 1100 Rüstungsunternehmen aus dem In- und Ausland eine bunte Leistungsschau für Armeebedarf geboten.

Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft seiner Hoheit Scheich Khalifa Bin Zayed Al Nahyan - zugleich Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate und Oberbefehlshaber der Streitkräfte.

Der Messeveranstalter braucht daher weder Kosten noch Mühen zu scheuen, um schweres und schwerstes Militärgerät vorzuführen.

Tatkräftig unterstützt von den Streitkräften der Vereinigten Arabischen Emirate inszeniert die Messe eine Art Live-Rollenspiel, das den anwesenden Entscheidungsträgern die Vorzüge energisch angewandter Waffengewalt demonstrieren soll.

Der Handlungsfaden der Show wirkt nicht aus der Luft gegriffen: Vermummte Gestalten verüben einen Anschlag.

In einer aus Schiffscontainern errichteten Kulisse greifen Terroristen eine Hafenanlage an.

Die wie zufällig ganz in Schwarz gekleideten Angreifer kommen in kleinen, schnellen Schlauchbooten.

Kaum an Land, nehmen die Attentäter Geiseln. In den Emiraten - so lautet wohl die Botschaft - ist das ein großer Fehler.

Denn mit ihrem Angriff auf den Hafen löst die Ninja-Truppe einen massiven Militäreinsatz aus.

Schnelle bewegliche Kräfte mit auf dem Dach montierten Panzerabwehrlenkwaffen treffen ein.

Dank militärischer Übermacht und neuester Technik sind die finsteren Übeltäter schnell überwältigt.

Die Wirklichkeit sieht anders aus: Dort lässt sich der Feind in der Regel nicht ganz so leicht überwältigen. Der Verteidigungsminister Saudi-Arabiens, Prinz Mohammed bin Salman Al Saud (M.) scheint das zu bedenken. Er schaut sich auf der IDEX 2015 lieber bei den Drohnen um.

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