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Wirtschaft

Harte Schale, weicher Kern?: Was im Euro steckt

 
Harte Schale, weicher Kern?: Was im Euro steckt

Ist der Euro eine hohle Nuss? Oder gilt: Harte Schale, weicher Kern? Mitnichten. Wer das glaubt, glaubt nicht an die Selbstheilungskräfte von Euroland und den Stellenwert, den unsere Gemeinschaftswährung in der Welt bereits genießt. Diese Nuss ist nicht so leicht zu knacken.

Die Zeiten sind zugegebenermaßen ungünstig für den Euro. Die Währung befindet sich seit Monaten auf Talfahrt. Im November 2009 notierte die Gemeinschaftswährung auf einem Jahreshoch bei 1,51 US-Dollar. Seitdem verlor sie mehr als zehn Prozent an Wert und steht aktuell unter 1,36 US-Dollar.

Ein Problem besteht sicherlich in der Schuldenkrise Griechenlands. Aber das ist es nicht allein. Tatsächlich wirken viele Faktoren auf den Eurokurs ein. Allerdings neigen wir dazu, sobald wir ein Problem ausmachen, alles diesem einen Missstand in die Schuhe zu schieben und alles andere auszublenden.

Jede Kursbewegung des Euro wird mit Argusaugen betrachtet und gerne der griechischen Schuldenkrise angelastet. Spitzt sich die Lage in Griechenland zu, geht es runter, entspannt sich die Lage, geht es rauf. Ganz so eindimensional geht es im Devisenhandel natürlich nicht zu.

Bevor hier ein Überblick über die Kräfte folgt, die am Devisenmarkt wirken, sei nur einmal erwähnt, dass viele Experten davon ausgehen, dass der "faire Wert", der aufgrund der Wirtschaftslage in der Euro-Zone angemessen wäre, bei 1,20 Dollar liegt.

Der Euro hätte schon allein aus diesem Grund noch einen tiefen Fall vor sich. Aber das interessiert im Moment nicht. Was interessiert, sind Griechenland und die anderen Sorgenkinder der Euro-Zone – also die übrigen PIGS-Staaten Portugal, Italien und Spanien.

GRIECHENLAND hat uns das Verschuldungsproblem innerhalb der Eurozone schmerzlich vor Augen geführt. Die Schuldenkrise Athens löst Befürchtungen um einen Staatsbankrott mit Folgen für den gesamten Euroraum aus. Der Eurokurs lässt in Folge dieser Sorgen Luft raus.

Aber nicht alle Kräfte, die am Euro zerren, sind negativ. Es gibt auch positive Kräfte. Es sind die optimistischen Anleger, die davon überzeugt sind, dass Griechenland auf absehbare Zeit weder als Schuldner ausfallen noch die Euro-Zone verlassen wird. Das wirkt sich - umgekehrt – unterstützend für den Euro aus. Die weitere Wechselkursentwicklung dürfte davon abhängen, ...

... wie Griechenland seinen angekündigten Sparkurs umsetzt und seine Staatsfinanzen konsolidiert. Außerdem kursieren immer noch Hoffnungen auf finanzielle Hilfen seitens der Europäischen Union oder einzelner Euro-Länder – auch wenn diese laut EU-Vertrag verboten sind. Solche Interventionen würden dem Euro guttun. Er würde aus der Krise deutlich gestärkt hervorgehen.

Griechenland ist nicht unser einziges Sorgenland in der Währungsunion. Auch Portugal, Italien und Spanien befinden sich in einer angespannten Haushaltslage.

Jeder Bericht über egal welche Haushaltmisere in Euroland wirkt sich am Devisenmarkt negativ für den Euro aus. Manchmal kommt dazu noch ein "Streifschuss" von der Seitenlinie, wie zum Beispiel die Meldungen aus dem Nicht-Euroland Großbritannien, ...

... die Themen von heute zu Themen von gestern machen. An den Kapitalmärkten lebt es sich eben schnell.

Lassen wir den Blick aber noch weiter schweifen und schauen einmal über den Tellerrand nach Asien.

In CHINA häufen sich mittlerweile die Hinweise auf eine weitere Straffung der Geldpolitik. Die Notenbank in Peking drosselt angeblich die Kreditvergabe der Banken, um ein Überhitzen der Konjunktur zu vermeiden.

Damit könnte die Wirtschaftsdynamik in China nachlassen. Fährt die chinesische Konjunkturlokomotive langsamer, ist das schlecht für die Euro-Zone.

Das gilt auch für die Konjunktur der USA. Berichte über ein langsameres oder schnelleres Wachstum wirken sich also auf Euro und Dollar gleichermaßen aus.

Trotzdem laufen EURO und DOLLAR aber nicht Hand in Hand. Ist der Euro schwach, ist der Dollar stark und umgekehrt. Noch scheint die US-Wirtschaft besser dazustehen als die Europas. Also läuft der Dollar dem Euro davon. Analysten gehen aber davon aus, dass sich der Spieß bald schon gegen den Dollar drehen wird.

Der bekannte US-Investor Jim Rogers sieht den Dollar auf dem besten Wege, eine "Schwächewährung" zu werden. Denn die US-Wirtschaft ist schwer angeschlagen. Schuld ist die Finanzkrise.

Die milliardenschweren Stützungsmaßnahmen kommen die Amerikaner teuer zu stehen. Der Euro könnte oder sollte davon profitieren, denn am Devisenmarkt wird auf die Währung der stärkeren Wirtschaft gewettet.

Rückblick: Warum hatte der Euro 2009 einen so guten Lauf? Maßgeblich war die ZINSDIFFERENZ. Der Euro profitierte 2009 vor allem vom Abstand der Zinsen im Euroland zu denen in den USA.

Während in der weltgrößten Volkswirtschaft die Zinsen nahe null Prozent liegen, beträgt der Leitzins in der Euro-Zone ein Prozent. Der Euro profitiert von dieser Konstellation zum Dollar. Denn das Zinsniveau demonstriert die Wirtschaftsstärke eines Landes.

Um dem Wirtschaftswachstum einen Impuls zu verleihen, machen Notenbanken Geld - durch das Drehen an der Zinsschraube - am Markt billiger oder teurer. Je nachdem, ob sie die Wirtschaft ankurbeln oder das Wachstum verlangsamen und gegebenenfalls einer Inflation entgegenwirken wollen.

Der Euro steht also gar nicht so schlecht da. Viele Börsianer rechnen damit, dass die EZB noch im Laufe dieses Jahres oder spätestens 2011 die Zinsen wieder erhöht. Dies wird auch für die USA erwartet. Heftig umstritten ist allerdings, wer den Anfang macht.

Devisenhändler sind auf jeden Fall in Habachtstellung und versuchen anhand der reichlichen Wirtschaftsdaten Prognosen anzustellen, wann es so weit sein könnte. Der Trick ist, mit Dollar- oder Euro-Investitionen rechtzeitig dabei zu sein, um so mit einer entsprechenden Wette Gewinne einzufahren.

Wichtig ist also der WIRTSCHAFTSZYKLUS. Der genaue Zeitpunkt der geldpolitischen Straffung hängt in allen Ländern wesentlich vom Wirtschaftswachstum ab. Analysten von Goldman Sachs schreiben in ihrem Ausblick für den Devisenmarkt: "Nach unserer Einschätzung ist die Beschleunigung des Wachstums das, was am meisten am Devisenmarkt zählt."

Das Potenzial der Länder wird überall unterschiedlich eingeschätzt. Dementsprechend schlagen sich diese Prognosen am Devisenmarkt auch uneinheitlich nieder.

Bleibt noch, die HEDGEFONDS als Kraft am Devisenmarkt zu erwähnen. Großinvestoren wie Hedgefonds spekulieren angeblich auf einen schwachen Euro. Medien berichteten kürzlich von einem Treffen hochrangiger Vertreter mächtiger Fonds, die einen spekulativen Angriff auf den Euro diskutiert haben sollen.

Hedgefonds gehen davon aus, dass der Euro zum US-Dollar bis auf ein Eins-zu-Eins-Verhältnis, also auf "Parität" fallen könnte. Deshalb verkaufen sie den Euro "leer" und verpflichten sich dazu, ihn zu einem späteren Zeitpunkt zu einem fixen Preis wieder zu kaufen. Diese Rechnung geht nur auf, wenn der Eurokurs auch wirklich in Richtung Parität sinkt.

Letztlich stellt sich die Frage, wie ein unerwünschter EURO-VERFALL gestoppt werden kann? Grundsätzlich gilt: Dies ist kaum möglich. Die Geschichte zeigt, dass sowohl verbale als auch faktische Interventionen seitens der Politik und der Notenbanken zwar kurzfristig Wirkung entfachen. Mittel- und langfristig können Politik und Zentralbank aber nicht "gegen den Markt" intervenieren.

Einen Joker hat die Politik aber: Verbote. So wurden während der Finanzkrise in vielen Ländern Leerverkäufe auf bestimmte Bank-Aktien zeitweise verboten. Auch eine internationale Steuer auf Finanztransaktionen (Tobin-Steuer) wird immer wieder diskutiert. Sie soll die Erträge entsprechender Geschäfte mindern und damit Spekulationen eindämmen.

Der Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker drohte unlängst, man habe "Folterwerkzeuge im Keller", um die Märkte in die Schranken zu weisen. Was davon zu erwarten ist, wird man sehen.

Bei aller Panik, was den Tiefflug des Euro angeht, gilt dem etwas entgegenzuhalten und festzustellen, dass ein schwacher Euro nicht nur schlecht ist. Es sind die üblichen zwei Seiten einer Medaille:

Eine Euro-Abwertung macht Importe zum Beispiel von Ölprodukten teurer. Gleichzeitig profitiert die Wirtschaft des Euroraums aber auch, weil die Preise heimischer Exportgüter sinken.

Da es derzeit keine nennenswerten Anzeichen für steigende Inflationsraten gibt, profitieren die Euroländer derzeit mehr von der Schwäche ihrer Gemeinschaftswährung, als dass sie darunter leiden, meinen Experten. Dies gilt insbesondere auch für große Exportnation Deutschland. Es gibt also vorerst keinen Grund zu übermäßiger Besorgnis. (Bilder: dpa/AP/rts/Pixelquelle; Text: Diana Dittmer)

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