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Für viele Wirtschaftsbosse ist die Zeit als Vorstandschef ein Auf und Ab. In jüngster Zeit sind jedoch besonders viele Manager recht unsanft aus dem Chefsessel gestoßen worden. Was machen eigentlich die bekanntesten Ex-Chefs inzwischen?
Klaus Zumwinkel hat inzwischen viel Zeit für sich. Der langjährige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post hat nach der Verurteilung zu zwei Jahren auf Bewährung wegen Steuerhinterziehung fast alle Aufsichtsratsposten abgelegt. Bei Arcandor ist er kurz nach seiner Verurteilung allerdings erneut in den Aufsichtsrat gewählt worden.
Im Moment dürfte der Ex-Postchef entweder in seiner Kölner Villa oder im Schloss am Gardasee verweilen. Dort hat er sich schon vor 10 Jahren für drei Mio. Euro das "Castello di Tenno" gekauft und umgebaut. Zuletzt wurden Schloss und Villa wegen der Telekom-Bespitzelungsaffäre durchsucht, in die Zumwinkel verwickelt sein soll.
Hartmut Mehdorn dürfte in Zukunft wieder mehr zu tun haben. Der ehemalige Bahn-Chef heuert bei der Investmentbank Morgan Stanley an. Dort soll Mehdorn als Senior-Berater einsteigen.
Der Ex-Bahnchef hat mit seinem Namen gar zu einer Wortneuschöpfung beigetragen. "Mehdornisierung" wird inzwischen umgangssprachlich für zunehmende Service-Armut in deutschen Unternehmen gebraucht.
Ulrich Schumacher steht aktuell in München vor Gericht. Der Ex-Chef von Infineon sieht sich dem Vorwurf der Bestechlichkeit ausgesetzt. Auch ihm wird Steuerhinterziehung vorgeworfen.
Seit 2007 leitet er das chinesische Halbleiter-Unternehmen Grace Semiconductor mit seinen etwa 1.400 Mitarbeitern.
Werner Seifert war von 1993 bis 2005 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse. Der Plan, sein Unternehmen mit der London Stock Exchange zu fusionieren, scheiterte am Willen der Aktionäre. In der Folge musste der eigentlich erfolgreiche Vorsitzende sein Amt auf Druck der Aktionäre abgeben. Maßgeblich daran beteiligt war der englische Hedgefonds "The Children’s Investment Fund" (TCI).
Nach seinem unfreiwilligen Rücktritt schrieb Seifert darüber ein Buch mit dem Titel "Invasion der Heuschrecken". Inzwischen ist er Vorsitzender von AWAS, einer Leasingfirma von Flugzeugen in Dublin.
Der ehemalige Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking hat Porsche zwischenzeitlich zum profitabelsten Autokonzern der Welt gemacht.
Vor kurzer Zeit ist Wiedeking wegen der Übernahmequerelen um VW zurückgetreten. Er erhielt eine Abfindung in Höhe von 50 Mio. Euro, die er zur Hälfte spenden wollte. Es wird sich noch zeigen, wie die Zukunft von Wiedeking aussehen wird. Nur um seine gegründeten Stiftungen wird sich Wiedeking wahrscheinlich nicht kümmern wollen.
Von 1995 bis 2002 war Ron Sommer der Chef der Telekom. Nach einem Kurseinbruch der Telekom-Aktie musste Sommer auf Druck der Bundesregierung zurücktreten.
Heute ist Sommer in verschiedenen Konzernführungen aktiv, unter anderem als Aufsichtsrat bei Münchener Rück und Celanese. Außerdem ist er als Berater von Blackstone tätig. Branchenkreisen zufolge zieht er im Hintergrund mehr Fäden denn je.
Sein Nachfolger war Kai-Uwe Ricke, der das Unternehmen fast genau vier Jahre geführt hat. Er wurde abgelöst, weil der Merheitseigner Blackstone dies forderte und sich auch der Bund nach anfänglichem Zögern nicht gegen die Forderung sträubte.
Seine neue Karriere als Finanzinvestor ist jüngst gescheitert. Seine Fondsfirma German Private Equity Partners befindet sich in der Liquidation.
Heinrich von Pierer war von 1992 bis 2004 Vorstandsvorsitzender und anschließend Aufsichtsratschef von Siemens - allerdings nur für kurze Zeit. 2007 trat er im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre zurück.
Im Moment streitet sich Pierer, der immer noch in vielen Aufsichtsräten sitzt, mit Siemens um die Höhe des Schadensersatzes für den Schmiergeldskandal im Jahr 2007. Sollte Pierer nicht die geforderte Summe zahlen, will Siemens klagen.
Von 2004 bis zum 01. März 2009 war der einstige Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff bei Arcandor, das damals noch KarstadtQuelle hieß. Zunächst saß er im Aufsichtsrat, seit Mai 2005 war er Vorstandschef. An seinen Nachfolger Karl-Gerhard Eick übergab Middelhoff Arcandor nach eigenen Worten "nicht ganz besenrein". Im Juni 2009 meldete Arcandor Insolvenz an.
Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts der Untreue. Während seiner Zeit bei Arcandor hielt er gleichzeitig Anteile an Immobilienfonds, die Miete von Karstadt kassiert haben.
Leo Kirch ist der bekannteste Medienunternehmer der letzten Jahrzehnte. Mit der Kirch-Gruppe hatte er Beteiligungen an vielen Medienunternehmen. Im Jahr 2002 musste die Kirch-Gruppe Insolvenz anmelden. Die Gruppe wurde zerschlagen, Leo Kirch zog sich zurück, behielt aber umfangreiche Beteiligungen an Firmen in der Schweiz.
2007 wagte er mit Sirius die Rückkehr. Mit seiner Firma wollte er die Fernseh-Rechte der Bundesliga vermarkten, scheiterte aber am Kartellamt. Mit der Deutschen Bank liegt Leo Kirch seit Jahren im juristischen Clinch, es geht um mehrere Milliarden Euro Schadenersatz für eine Bemerkung des früheren Bank-Chefs Rolf Breuer. Kirch ist wegen einer Diabetes-Erkrankung fast erblindet und musste sich Ende 2007 einen Fuß amputieren lassen.
Georg Funke war von 2003 bis 2008 Vorstandsvorsitzender bei der Hypo Real Estate. Sein Amt legte er wegen der schlechten Unternehmensentwicklung und mehrerer Rücktrittsforderungen von Politikern nieder.
Schweren Vorwürfen sieht Funke sich durch Anteilseigner ausgesetzt. Die Aktionäre fordern eine Milliardenentschädigung, weil Funke und die Konzernführung die Aktionäre systematisch getäuscht haben sollen. (Bilder: dpa/rts)
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