| SA | 9° / 23° |
| SO | 12° / 22° |
Wenn die Preise schlagartig steigen, regt sich schnell das Schreckgespenst: Der Weizen könnte knapp werden.
Die Preise sind tatsächlich hoch. Ende der vergangenen Woche lagen sie bei etwa 212 Euro je Tonne, nach 168 Euro Ende Juli.
Experten sehen das aber eher gelassen: Das Angebot sei einfach nicht so reichlich wie erwartet, sagt Martin Schraa von der Bonner Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI).
Kein Wunder: Russland verhängte ein Exportverbot, nachdem Äcker und Wälder brannten, Kanada kämpft mit Regen und Osteuropa mit Überschwemmungen.
Auch in Deutschland wird die Getreideernte geringer ausfallen – und zwar um etwa 12 Prozent.
Nach einem deutlichen Preisanstieg beim Weizen um 50 Prozent flaute die Panik erst einmal ab.
"Die Lage hat sich nicht entspannt, aber die Angst, dass wir tatsächlich eine Knappheit bekommen, ist gewichen", erklärt der Agrar-Analyst der Commerzbank, Eugen Weinberg.
Die massiven Ängste haben sich nicht bestätigt: Der wichtigste Weizenexporteur USA rechnet mit einer guten Ernte, die Lager sind voll.
Zu Jahresbeginn lagen die weltweiten Weizenvorräte bei rund 190 Mio. Tonnen. Nach den Ernteausfällen wird die Menge deutlich sinken. Erwartet werde, dass sich die Vorräte bis zum Jahresende auf rund 175 Mio. Tonnen verringerten, sagt Weinberg.
Davon lägen geschätzte 63 Mio. Tonnen in China. "In gewissen Regionen kann es schon zu einer gefühlten Knappheit kommen, allzu komfortabel ist die Lage nicht", heißt es bei der AMI.
In der Ukraine wurde eine Entscheidung über mögliche Exportrestriktionen vertagt. Am Markt geht man davon aus, dass die Exportmenge des Landes auf eine Million Tonnen Weizen und die gleiche Menge Gerste sinken wird.
Vor einem Jahr exportierte die Ukraine rund 9,3 Mio. Tonnen Weizen und war weltgrößter Gerste-Exporteur mit 5,4 Mio. Tonnen.
Auf dem Markt hält sich trotz der Dementis aus Moskau die Vermutung, dass Russland wegen der schweren Ernteeinbußen erstmals seit elf Jahren wieder in großem Stil Getreide importieren muss.
"Russland wird in diesem Jahr kein Getreide importieren", betont jedoch das Landwirtschaftsministerium in Moskau. "Wir haben genug eigenen Weizen."
Das Gerücht sei von unlauteren Getreidehändlern in Umlauf gebracht worden, um den Markt anzuheizen.
Ursprünglich wollte das Land 15 Mio. Tonnen ausführen. Schon vor dem russischen Exportverbot waren jedoch die Weizenpreise um 50 Prozent gestiegen, was wiederum weitere Spekulanten auf den Plan rief.
Die alleinige Schuld an hohen Preisen tragen sie nach Expertenmeinung aber nicht: "Die Anleger haben zum Anstieg etwas beigetragen", erklärt Weinberg.
Der Auslöser sei aber fundamentaler Natur - vor allem seien die Ernteausfälle zu nennen. "Spekulanten machen keine Trends, sondern verstärken sie", betont auch das AMI. Sie hielten aber den Markt liquide und nähmen Erzeugern das Risiko ab.
Nestlé- Verwaltungsratschef Peter Brabeck-Letmathe sagte dagegen der "Zeit", der Einfluss von Spekulanten auf die Preise von Agrarrohstoffen werde überschätzt.
Wegen der Ernteausfälle in Russland hat die Welternährungsorganisation (FAO) ihre Prognose für die globale Weizenproduktion in diesem Jahr noch einmal heruntergeschraubt.
Nach der Dürre in Russland würden weltweit wohl fünf bis sieben Mio. Tonnen weniger Weizen geerntet als bisher angenommen. Die Lage sei aber längst nicht so dramatisch wie 2007/2008, als Nahrungsmittelengpässe zu Unruhen in Entwicklungsländern und Hamsterkäufen in Industriestaaten geführt hatten.
Auch dass die Brötchen hierzulande drastisch teurer werden, müssen die Bundesbürger nicht fürchten.
Allerdings gehen die Bäckermeister davon aus, dass ein Brötchen künftig ein, zwei Cent mehr kosten könnte - wegen des höheren Getreidepreises und gestiegener Personalkosten.
Die Höhe des Rohstoffanteils am Preis ist dabei umstritten. Das Bäckerhandwerk spricht von bis zu 10 Prozent, der Bauernverband von bis zu 5 Prozent.
Verheerender sind die Auswirkungen für Millionen von Menschen in Entwicklungsländern – denn hier bedeuten höhere Getreidepreise Hunger. (dpa/rts)
Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.
Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.